14. Juli 2024





Und die unsichtbare Rückseite. Warum hat das neun Tage gedauert. Eigentlich hätte ich es an drei oder vier Tagen hinbekommen können. In den letzten sieben Tagen habe ich nur in kurzen Etappen daran gearbeitet. Das letzte, was ich an dem jeweiligen Tag machte, für einen inneren Tapetenwechsel, aber mir ist natürlich kein einziger Gedanke durch den Kopf gegangen, der nicht damit zu tun hatte, was ansteht, wenn man einem sehr nahen Menschen einen angemessenen, guten letzten Weg bereiten will.

14. Juli 2024





Viele Gedanken und Erinnerungen hineingewebt. Einige Details.

14. Juli 2024



"JOUE" (in memoriam Mama). Serverschrank- oder Tür-Behang, Wärmeschutzrollo, Textilnetz von Deko-Tischläufer, Kleber, Acryl, Blattgold, 1. Juli und 2., 3., 4., 5., 6., 7., 8., 9., 10., 11., 12. und 13. Juli 2024, 80 cm x 200 cm, , Staatliche Museen von Gaganien.





Gestern fertiggestellt, heute fotografiert, an meiner Wohnungstür. Der Serverschrank, für den der Behang ist, steht woanders. Geht aber auch als Türbehang. Er hängt gerade noch dran, auf einem Hochzeits-Sari. Ich habe in meiner Wohnung alle Türen vor 25 Jahren behängt oder verkleidet, weil sie mir zu profan aussahen.

13. Juli 2024

Juli 1967, vor siebenundfünfzig Jahren. Mein großer Bruder drei, Tante 36, Mama 24, ich eindreiviertel und halte mich an Mamas Beinen fest. Ich habe nie "Mutti" zu meiner Mama gesagt. Mein Bruder auch nicht, das Wort war uns fremd. Mama. Das Planschbecken war in ganz hellem Orange und innen am Boden indigoblau und der schwarze Reifen war von einem Autoreifen.



Im Juli 1967 war "Puppet on a String" von Sandie Shaw auf Platz 1 in der Hitparade. Mein Lieblingslied 1967, das weiß ich noch genau. Ich habe rumgewackelt, wenn es im Radio gekommen ist. Weitere Hits 1967 waren „A Whiter Shade of Pale“ von Procol Harum und "San Francisco" von Scott McKenzie. Und "Massachusetts" von den Bee Gees. Hat mir auch alles prima gefallen. Und Esther & Abi Ofarim waren gleich mit zwei Alben auf Platz Eins der LP-Charts! Das waren die Lieblings-Stars meiner Mama. Wenn die beiden im Fernsehen kamen, haben ihre Augen geleuchtet, sie hat geseufzt.

Ich hatte als Kleinkind immer kurz geschnittene Haare, weil es wohl praktisch war und mein Vater es lustig fand, dass ich damit aussehe wie ein "Lausbub". Haareschneiden hat mir nicht gefallen. Dann trat Mireille Mathieu im Fernsehen auf und sang "Martin" usw. Mireille Mathieu fanden meine Eltern auch gut. Ich bekam dann ungefähr ab vier die Mireille Mathieu-Frisur, die ich auch ganz o.k. fand, weil mir "Martin" und "Es geht mir gut, Chéri" und "An einem Sonntag in Avignon" und "Hinter den Kulissen von Paris" gut gefallen hat. Weil ich nicht zum Haareschneiden wollte, haben mein Vater und die Friseurin immer zu mir gesagt, dass ich danach aussehe wie Mireille Mathieu. Hat aber nicht gestimmt.

In den Siebzigern wurden meine Haare dann kinnlang und dann schulterlang und dann noch länger. Ich durfte selbst bestimmen, welche Frisur ich habe. Lang! Wie Katja Ebstein und Dahlia Lavi! Ich wollte Mama auch zu langen Haaren überreden, aber sie hat nicht gewollt. Sie hat immer geglaubt, mein Vater fände kurze Haare an ihr besser. Ich habe aber mitbekommen, dass er auch Frauen mit Langhaarfrisuren im Fernseher zugelächelt hat, deswegen habe ich es nicht verstanden. Viel später, sie war schon über Siebzig, hat sie die Haare dann ein klein wenig länger getragen, auch nicht lang, aber keine Kurzhaarfrisur. Das gefiel mir an ihr besser, ich hab es ihr gesagt und sie meinte, eigentlich hätte sie etwas längere Haare auch immer schon schöner gefunden.

13. Juli 2024

Eben, beim Einloggen in mein gmx-Mailpostfach, ich klickte stark getriggert von "Beauty-OP" auf die folgende "News":

"Antonia Hemmer hapert schon seit Längeren mit ihrem Aussehen. Die "Make Love, Fake Love"-Bekanntheit hat sich nun die Augenlider straffen lassen."

Da hapert es wohl etwas mit der qualifizierten Auswahl der "Redakteure". Aber vielleicht ist das Kriterium für die Beschäftigung als gmx-Online-Redakteur oder Redakteurin, dass es nicht mit dem Aussehen hapert, es somit keinen Grund gibt, damit zu hadern!

12. Juli 2024

Oh, hoppla - (sorry - schon wieder Thema Bestattung) gerade gelesen, gelernt, dass es in Deutschland nur ein Bundesland gibt, nämlich Bayern, in dem Nichten und Neffen bestattungspflichtig gegenüber ihren verstorbenen Tanten und Onkeln sind. Also sich um die Beisetzung kümmern müssen. Sollte die in Bayern wohnende und amtlich gemeldete, verstorbene, alleinstehende Tante oder der verstorbene Onkel ohne eigene Nachkommen mittellos gewesen sein, muss die Nichte oder der Neffe auch die Bestattungskosten tragen. Unerheblich ist dabei, wo die Nichte oder der Neffe lebt.

Und auch unabhängig davon, ob die Nichte oder der Neffe von der in Bayern ansässigen Tante im Testament bedacht wurde. Wobei grundsätzlich Bestattungskosten immer aus dem hinterlassenen Vermögen der verstorbenen Person zu begleichen sind. Hat die Nichte oder der Neffe Kinder, also "Abkömmlinge" (Bürokratensprech) und ist selbst verstorben, ist der Abkömmling bestattungspflichtig für die Tante, den Onkel, der rückt dann nämlich an die Stelle des verstorbenen Neffen oder der NIchte. Yay - it's complicated! Und komplex.

In allen andern Bundesländern in Deutschland, so auch in Berlin, ist das anders. Da sind Nichten und Neffen nicht verantwortlich für die Bestattung von Onkel und Tante. Was die Kosten anbelangt, können sie nur für die Bestattungskosten verantwortlich gemacht werden, wenn sie von der verstorbenen Tante oder dem Onkel den Nachlass erben und damit die Kosten begleichen können.

D. h. anhand meines Beispiels: ich, in Berlin lebend, bin bestattungspflichtig gegenüber meiner Tante, die in Bayern lebt. Aber umgekehrt, ist mein Neffe, der in Bayern lebt, nicht bestattungspflichtig, was mich, seine in Berlin lebende Tante angeht. Da kann er mit den Schultern zucken und sagen: tut mir leid, bin nicht zuständig. Es sei denn, ich hätte ein Erbe, das ich ihm vermacht hätte, von dem hätte er dann die Kosten für die Bestattung zu begleichen, müsste meine Bestattung aber nicht organisieren, das würde der Staat, also die Stadt Berlin übernehmen und ihm dann die Kosten in Rechnung stellen. Wenn ich ihm nichts zu vererben habe, muss er nichts bezahlen.

Ich schreibe solche Sachen hier ja auch ins Internet, weil einige meiner Generation auch demnächst mal mit solchen Fragen konfrontiert werden, wenn es nicht schon geschehen ist. Ich kann übrigens versprechen, dass ich jetzt nicht monatelang über den Tod meiner Mutter und die zugehörigen bürokratischen und verwaltungstechnischen Angelegenheiten zu schreiben gedenke. Gerade beschäftigt mich das alles akut, weil es akut ist. Da bin ich dann sehr gründlich. Und dann hake ich das Thema auch ab.

Natürlich nicht die wertschätzende Erinnerung, aber den detaillierten Palaver über die Begleitumstände. Der Countdown läuft. Gebt mir mir vier Wochen. Und währenddessen lernt ihr eine ganze Menge mit mir, was vielleicht einmal für Euch selbst eine kleine Hilfestellung, Handreichung, Unterstützung sein wird.

12. Juli 2024

Tja, Kinder. Bestattung ist kein Wunschkonzert. Es sei denn, man hat ein premium Fünf-Sterne-Boutique-Bestattungsinstitut an Land gezogen, oder macht viel in Eigenleistung. Wenn man das vorher weiß, was NUR der Bestatter machen darf, kann man es darauf beschränken und sich selbst alles Mögliche in diversen Online-Shops zusammenshoppen. Aber wer hat dafür den Nerv.

Man könnte z. B. aber schon mal die Schleifen für die Gestecke zu Lebzeiten online bestellen. Mit Wunsch-Typo und Wunsch-Farbe. Den Toten abholen und gekühlt bis zur Einäscherung oder Erdbestattung zu lagern, würde ich unbedingt den Profis überlassen wollen. Auch die hygienische Versorgung etc. Da ist jeder anders, ich möchte da nicht mitwirken.

In meiner Phantasie war das bislang alles so, dass ein Angehöriger stirbt, der Bestatter abholt und man dann zusammen im Wohnzimmer bei einer Tasse Kaffee sitzt und der Bestatter seine ganzen Kataloge auspackt und auf den Wohnzimmertisch legt, wo dann alle Sarg- und Urnenmodelle, sowie Gesteckvarianten und Schleifensorten wie im Quelle-Katalog durchgeblättert werden können. Mag es geben.

Nun bin ich mit meinem Wohnzimmer ja weit weg. Mein Institut macht schon solche Besuche bei den Angehörigen zur Abstimmung aller Belange, das passiert bei mir jetzt eben telefonisch und virtuell. Die Bestatterin hat mir einen Link zu den Floristen gemailt, die sie für mich am ehesten sinnvoll fand, vom Leistungsspektrum her. Aufgrund des Links habe ich dann Kontakt aufgenommen. Die hatten auf der Website aber keinen Onlinekatalog für Schleifen.

Zugegeben bin ich etepetete, was Details und Zubehör und das Erscheinungsbild angeht. Jedenfalls gibt es die Schriftart, die ich gerne auf den Schleifen gehabt hätte, nicht im "Schreibprogramm" für die Schleifenbeschriftung, aber was anderes Kursives. Sieht jetzt mehr so aus wie die Schrift vom Einband eines Fünfziger-Jahre-Kochbuchs. Hat einen gewissen Retro-Charme.

Jetzt muss ich noch vorsichtig anteasern, dass bitte unter die Urne mit dem Kranz und unter die anderen Gestecke im Saal der Trauerfeier kein roter Teppich gelegt wird. Ich habe von der Bestatterin ein paar Fotos gesehen, wo sie mir nur Schleifen-Beispiele zeigen wollte, und da lag jeweils ein roter Läufer oder Teppich unter allem. Ich fands supergruselig. Lieber nackter Fußboden. Passt überhaupt nicht zu den Farben der Gestecke.

Ich möchte an keiner Stelle die Farbe Rot oder Braun oder Schwarz. Und bitte auch kein herzförmiges Tablett mit flackernden Teelichtern. In einer evangelischen Kirche erwarte ich hohe Kerzenhalter mit dicken, weißen Kerzen. Oder muss ich auch noch die übliche Kirchenausstattung bestellen? Ich bin ja anderthalb Stunden vor der Feier vor Ort, wenn mein ICE nicht Verspätung hat, und kann dann evt. notfalls noch kleine Anpassungen erbitten.

12. Juli 2024



Vorderseite des Serverschrank-Behangs. Fortschritt. Die ganze weiße Bahn elfenbeinfarben übermalt, die Konturen der Cut-outs mit Blattgold belegt, dahinter das Netz fixiert. Farbkrümelreste, die noch auf den Fotos sind, inzwischen abgekehrt. Kleine Flocken. Hatte plötzlich gestern beim Anblick ein Adjektiv aus meiner Teeniezeit Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger im Sinn. "Flockig". Das war mal kurze Zeit Mode, jemanden, den man sexy fand, als "flockig" zu bezeichnen. Kam aber bald wieder aus der Mode. Ich weiß nicht, ob man das nur in Mittelfranken benutzt hat. Wenn man jemanden so als Gesamtpaket reizvoll fand, speziell erotisch. Also nicht, weil einer einen guten Charakter gezeigt hat oder dergleichen. Guter Charakter war für "flockig" komplett irrelevant. Die Flocken vom Behang sind jetzt weg, muss die Blattvergoldung der Konturen teilweise nachbessern. Bald fertig.





12. Juli 2024



Die Rückseite des Serverschrank-Behangs. Fotos von gestern Nacht um 1.05 Uhr. Ich werkle auf Autopilot an dem Teil. Während die Hände ihr Werk ausführen, rauschen mir tausend Gedanken durch den Kopf, die Beisetzung betreffend, wen ich noch erreichen will, was ich noch nicht erledigen konnte... Wenn ich todmüde bin, geh ich ins Bett und bin dann auch gleich weg. Es tut mir gut, immer noch ein paar Handgriffe zu machen, die nichts mit der Organisation zu tun haben. Ein klein wenig Normalität im Aufruhr.





12. Juli 2024

Gerade den gesamten Blumenschmuck beauftragt. Musste Vieles geändert werden, weil es nicht jede Blume in jeder Jahreszeit gibt, aber farblich und von der Richtung her wird es so, wie ich es gewünscht habe. Gibt einen blau-weißen Urnenkranz ohne Schleife, je ein großes Herz mit weiß-blauen bzw. weiß-gelben Blumen von mir und von Valerian und seiner Liebsten und seinem Sohn. Ein Gesteck von der Schwägerin von Karin und eine Schale mit bunten Blütenblättern neben dem Grab.

Wer sich also Kornblumen und Vergißmeinnicht als Grabschmuck erträumt, muss im Frühsommer das Zeitliche segnen. Habt Ihrs mal gehört! Auch die Typographie und Laufrichtung des Textes auf den Schleifen war ein Thema. Bzw. ich hab eins draus gemacht, weil ich auf keinen Fall irgendeine altertümliche oder Comic-Schriftart und auch keinen Zeilenumbruch wollte. Und keine gelbgoldenen Fransen. Auch keine schwarzen, sondern schräg abgeschnitten.

Ich möchte eine feine klassische Kursiv-Schreibschrift, wollte gerne Dunkelgrau auf cremeweißer Schleife. Der Floristen-Drucker kann aber nur gold und schwarz. Dann eben gold. Habe jetzt alles direkt mit dem Floristen abgesprochen, Rechnung geht aber ans Bestattungsinstitut. Man kann auch selber Schleifen nach gusto im Internet bestellen, aber das war mir jetzt zu blöd, das Zubehör selber heranzuschaffen. Die verschiedenen Floristen kümmern sich um die Schleifen, wenn sie die Bestellung für die Gestecke bekommen. Wieder was abgehakt.

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