09. Juni 2026



Außerdem in den Brigitten von anno dazumal: Lebenshilfe, Ratschläge, Kummerkasten. Interessante Fragestellungen, denen man teilweise das Zeitkolorit anmerkt, bei Beziehungsfragen allerdings auch erkennt, dass die Kernprobleme damals wie heute ähnlich sind, nur die Kommunikationswege, -techniken haben sich erweitert, entwickelt, an technisch möglichem Tempo zugelegt. Was aber mitunter dickfellig nicht immer genutzt wird, siehe Gegenwartsproblematik "Ghosting". Will jemand partout nicht kommunizieren, führt auch die schnellste Brieftaube, der beste Internetzugang oder das voll geladene mobile Endgerät nicht dazu.



Das nüchterne Fazit des Artikels "Kann Liebe Standesunterschiede überwinden?" hat mich etwas überrascht. Ich hätte erwartet, dass die Redaktion von 1961 die Darstellung einer modernen Sichtweise forciert, die Parole ausgibt, Standesunterschiede immer noch als problematisch zu erachten, sei doch wohl eine gestrige Haltung.



Ich konnte der Argumentation dann aber doch folgen, die anführt, Standesunterschiede könnten immer noch, in unseren aufgeklärten Zeiten, und vor allem dann zu einem Integrationsproblem in die in puncto gesellschaftlichem Ansehen höher angesiedelte Familie führen, wenn der Mann quasi "niedrigeren Standes" ist, da sich Männer nicht so anpassungswillig zeigen. Das könnte vielleicht sogar heute noch gelten, dass ein beispielsweise selbstbewusster, stolzer Handwerker ohne jeglichen akademischen und kulturell gehobenen Hintergrund und ohne Ambitionen in diesem Bereich, eher dazu tendiert, seinen ihn zufrieden stellenden, eher hemdsärmligen Lebensstil inclusive rustikaler Tischmanieren einer akademisch gebildeten Lebenspartnerin anzudienen und dadurch Punktabzug in den vornehmeren Herkunftskreisen der Angetrauten erhält. Umgekehrt ist eher der Pygmalion-Effekt zu erwarten, Eliza Dolittle freut sich gehobene Umgangsformen lernen zu dürfen, genießt sämtliche Elemente der Verfeinerung des neuen Lebensstils. Heutzutage auch am Zuspruch von Fake-Versionen, "Dupes" von käuflichen Statussymbolen im Bereich von Mode-Premium-Marken und Produkten wie beispielsweise bis zur Vollendung gefälschten Kelly- und Birkin-Bags und Armbändern und Gürteln von Hermès und Louis Vuitton-Taschen abzulesen.



Die Leserinnen-Frage "Muss ich aufstehen, wenn ein älterer Herr mich begrüßt?" wurde leider nur lückenhaft, somit unzureichend beantwortet. Die Fragestellerin geht nicht auf die konkrete Situation ein, ob sie zum Beispiel bei einer größeren Familienfeier an einer Tafel platziert, von einem hinzukommenden älteren Herrn gegrüßt wird oder im beruflichen Zusammenhang, etwa am Schreibtisch eines Vorzimmers tätig, wo ein älterer Besucher ins Büro tritt oder aber - wie die Antwort anheimstellt, in der Straßenbahn sitzend.

Letzteres Szenario kann ich anhand der Fragestellung aber gar nicht erkennen, denn auch Anfang der Sechziger Jahre war es vermutlich nicht üblich, dass man fremde Fahrgäste in der Straßenbahn grüßt. Außerdem stellt die Antwort anheim, es ginge darum, ob die jüngere Dame dem älteren Herrn ihren Sitzplatz in der Straßenbahn überlassen sollte. Eine völlig andere Frage, die schlampig beantwortet wurde, indem sie einfach diese Straßenbahnsituation unterstellt. Wobei das erwähnte launige Detail richtig ist, dass man Zeitgenossen die mutmaßlich älter als man selbst sind, aber nicht gebrechlich wirken, mit einem Platzangebot auch konsternieren, ja sogar beleidigen kann.

Meiner dunklen Erinnerung nach war es laut Knigge so, dass man grundsätzlich immer aufsteht, wenn man Gastgeber/in ist und ein Gast hinzukommt, ungeachtet des Alters, um diesen herzlich willkommen zu heißen. Bin ich selbst Gast und sitze an einer Tafel, bin beim Essen und weitere Gäste kommen hinzu, muss ich sicher nicht aufstehen. Bin ich zu Gast im Buckingham Palast beim Gala Dinner von King Charles, ich wurde bereits platziert und zuguterletzt tritt der Regent hinzu, um seinen Platz einzunehmen, bevor getafelt wird, stehe ich selbstverständlich auf, wenn das alle tun, sofern es die protokollarisch übliche Respektsbekundung dem gastgebenden König gegenüber sein sollte.

Aufstehen in öffentliche Verkehrsmitteln, um jemandem den Platz anzubieten, der schwächer wirkt, ob altersbedingt, angeschlagen oder erkennbar schwanger, gehört zum guten Ton, früher wie heute. Aber was rede ich, die verunsicherte Dame von damals dürfte heute in einer Verfassung sein, in der sie dankbar darauf hoffen darf, einen Sitzplatz angeboten zu bekommen, falls sie nicht sowieso schon... LIEGT.

Zum Thema Begrüßen von fremden Fahrgästen im ÖPNV kann ich außerdem beitragen: an einem der jährlichen europaweit ausgerufenen autofreien Tage am 22. September muss es wohl gewesen sein, dass in der Berliner S-Bahn ein flotter, älterer, gepflegt wirkender Herr im Trenchcoat zustieg, der sich orientierend umblickte, wie jemand, der noch nie eine S-Bahn von innen gesehen hat. Das Schnäppchen wollte er sich nicht entgehen lassen, dass man ohne Fahrschein gratis S-Bahn fahren konnte. Er nickte beim Einsteigen freundlich in die Runde und ließ gut hörbar "Guten Tag!" vernehmen. Der unerwartete Gruß des ungeübten Fahrgastes an alle übrigen Fahrgäste löste allerhand Reaktionen aus. Eine Reihe S-Bahn-Gäste sah sich verdutzt an, gefolgt von einem amüsierten Lächeln, manche schüttelten ungläubig den Kopf, ein paar kicherten und bestimmt grüßte auch irgendwer heiter zurück. Aufgestanden ist aber keiner. War auch nicht nötig.

08. Juni 2026

Bevor ich es wieder vergesse - in der S-Bahn heute, zwischen Hauptbahnhof und Hackescher Markt. Ich habe einen Platz ergattert, saß da ganz unauffällig, Truppe junger Männer steigt ein, alle dunkelhaarig, drahtig, sportlich aussehend, auch von der Kleidung her, Durchschnittsalter ca. achtzehn. Sie sind lebhaft, sprechen laut miteinander, sehen neugierig aus, wie gerade angekommene Reisende, ungefähr sechs Jungs. Sie bleiben im Gang vor mir stehen, weil es keine Sitzplätze mehr gibt. Ich versuche die Sprache zu identifizieren, was mir meistens leicht fällt, bin aber unsicher, was ich da höre. Am ehesten ein Italienisch mit einem starken, rauen südlichen Akzent, wie in Sizilien. Nicht so melodiös und weich wie man Italienisch aus romantischen Schlagern im Ohr hat. Sie gucken interessiert aus dem Fenster, sehen Einzelheiten der vorbeifliegenden Stadt. Weil ich wohl erkennbar neugierig und aufmerksam in ihre Richtung gucke (und auch nicht lese wie sonst meistens) fängt einer meinen Blick und zuckt entschuldigend mit den Schultern, weil sie so laut eingefallen sind, sagt Sorry und sie sprechen leiser. Ich lächle, auch weil ich selten erlebe, dass solche Grüppchen eine Wahrnehmung dafür haben, dass sie laut waren, vielleicht etwas zu laut. Er fragt mich, ob Marzahn in der Nähe sei - ich sage, Marzahn ist FAR away! Wir sind Friedrichstraße. Es ergibt sich eine kleine Plauderei, er will wissen, ob ich aus West- oder Ostberlin bin, ich anworte "zuerst West, aber jetzt wohne ich im Osten". Also auf Englisch. Und ob ich echte Berlinerin sei, also schon immer, fragt er, ich erkläre, dass ich mit zwanzig aus Bayern nach Berlin gekommen bin, er macht große Augen, wiederholt: BAVARIA! Macht ein paar Bemerkungen zu Bavaria, ich glaube mittlerweile, sie haben was mit Fußball zu tun und er denkt bei Bavaria an den FC Bayern, dem er vielleicht nicht so freundlich gesonnen gegenübersteht. Aber das ist meine Phantasie. Sie unterhalten sich untereinander, einer erwähnt den Mauerbau 1961 und den Mauerfall und das Jahr 1989. Sie wissen offenkundig mehr als mancher deutsche Achtzehnjährige. Ich muss gleich aussteigen, der eine fragt mich noch mit einzelnen deutschen Worten dazwischen "Union oder Hertha?" Ich lache "Weder noch :-)" Er lacht auch und ich steige aus.

Mit mir steigt eine Frau aus, circa Mitte Dreißig, wesentlich kleiner als ich, freundliches Gesicht mit asiatischen Merkmalen, holt mich ein und spricht mich direkt an: "Entschuldigung...." ich erwarte, dass sie mich gleich nach dem Weg zu irgendeinem Ort rund um den Hackeschen Markt fragt, vielleicht, wo lang es zu den Hackeschen Höfen geht. Stattdessen kommt eine völlig andere Frage. Sie zu mir: "Sind Sie in Ordnung? Ist alles okay?" Ich irritiert: "Ja, wieso?" Sie: "Ich habe gesehen, da waren diese Männer und sie waren so laut und Sie waren so weit unten, dieser Höhenunterschied (na ja, ich saß halt auf einem der Sitze, klar war ich dadurch kleiner) und da wollte ich nur fragen, ob alles mit Ihnen in Ordnung ist, ob das okay war?" Ich: "ja, das waren halt lebhafte Italiener, wie Italiener so sind." Sie, leicht besorgt zu mir blickend: "Dann ist ja gut, ich wollte nur fragen..." Ich: "Das ist ja nett, aber alles okay!" In mir Grübeln: was erschien ihr an dem Szenario so besorgniserregend? Wir haben uns heiter unterhalten, alle haben gelächelt, ist ihr mein Gesichtsausdruck entgangen? Sah das von weitem aus, als würde ich belästigt werden? Das übersteigt meine Vorstellungskraft. Es gab keinerlei körperliche Annäherung, wir haben gelacht, uns angeregt ausgetauscht, was hat sie gesehen. Stand sie in einem seltsamen Winkel weit entfernt und konnte nichts hören und keine Mimik identifizieren? Tatsache ist, dass sich niemand außer mir für die Sportsfreunde aus einem anderen Land interessiert hat, ich wollte auch gerne ein bißchen Gastfreundlichkeit, Völkerfreundschaft zeigen, indem ich mich auf den kleinen, harmlosen Palaver einließ. War die besorgte Frau gerade in einem Workshop gewesen, in dem Achtsamkeit gegenüber der Umgebung trainiert wurde, das beherzte Einschreiten bei übergriffigen Situationen? Was löblich ist, hier aber so gar nicht zutraf. Muss ich festhalten, vorm Schlafengehen.

08. Juni 2026



Ansprechend! Ein vierzigjähriger Diplom-Ingenieur UND Baurat UND Architekt mit Wagen und Vermögen bietet EINHEIRAT an! Dabei denke ich natürlich automatisch an Einheiraten in gehobene Verhältnisse. Oder worin heiratet man sonst hinein? Wobei vierzig ist vielleicht schon etwas alt. Jedenfalls Anno 1961 . Das habe ich die vergangenen Tage beim zweimaligen Anschauen des mich visuell, darstellerisch und vor allem emotional wirklich tief beeindruckenden Films "Aimez-vous Brahms" mit Ingrid Bergmann gelernt, die im Film eine vierzigjährige Innenausstatterin spielt und mehrmals damit hadert, dass sie nun alt ist. "I'm old!" "I'm old!" Speziell angesichts ihres Film-Verehrers, der Mitte Zwanzig ist. Ingrid Bergmann war zu Zeiten der Dreharbeiten m Jahre 1961 sogar bereits fünfundvierzig. Apropos Mitte Zwanzig: der 25-jährige Student aus der Annonce mit Interesse an Oper "über Wunschkonzert-Niveau" könnte mich auch interessieren. Anmerkung von mir zu "Wunschkonzert": das war eine Radiosendung, die zu hören mir selbst noch vergönnt war. Es wurden Grußbotschaften zu runden Geburts- und Hochzeitstagen sowie Genesungswünsche verlesen, gefolgt von allgemein bekannten und beliebten klassischen Musikstücken. Oder hieß die Sendung nicht "Glückwunschkonzert"? Ich vermute, der junge Student hat es sich leicht gemacht und das Glück unter den Tisch fallen lassen. Kein so schöner Gedanke nebenbei: die Wahrscheinlichkeit, dass sowohl der Ingenieurs-Baurat als auch der Opern liebende Student noch leben, ist eher gering. Wer 1961 vierzig war, wäre heute 105, wer 25 war, wäre heute 90. Ok - nicht unmöglich. Gerne melden, wenn Sie noch rüstig sind und immer noch Opern lieben. Aber bitteschön über Wunschkonzert-Niveau.



P.S. nochmals über den Herrn Baurat nachgedacht. Bin nun etwas misstrauisch und deute sein Angebot dergestalt, dass ER anbietet, selbst in gehobene Kreise einzuheiraten, wobei ihm scheinbar völlig einerlei ist, wen er dafür zur Braut nehmen muss. Keinerlei Wünsche und Vorgaben, kein Süßholzgeraspel. Eine Frechheit, streng genommen. Bin empört und werde keinesfalls schreiben!

07. Juni 2026





Und mit einem schicken und eleganten Qualitäts-Badeanzug oder luftigen Zweiteiler aus der neuen Orchidee-Kollektion aus dem Hause Heinzelmann in Reutlingen ist der Badespaß garantiert!

07. Juni 2026

Auch einige Aufnahmen in Kodak-Color sind hierbei entstanden!



07. Juni 2026



Um diese aparten angesagten Sommerlooks 1961 ansprechend in Szene zu setzen, sind Brigitte-Redakteurin Barbara Buffa, Fotograf Joe Santoro (aus New York!) mit ihren beiden Fotomodellen Anne und Michou (aus Paris!) eigens die dreitausend Kilometer mit einem Flugzeug der Olympic Airways nach Athen und von dort mit einer Propellermaschine auf die griechiche Insel Rhodos gereist!



07. Juni 2026



...ein Blick in den Kalender verrät: der Sommer klopft an die Tür...!



07. Juni 2026



Mode. Am Sonntag wollen wir uns nicht mit Problemen belasten!



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Margarete 9. Juni...
09.06.26, 21:31
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Margarete 9. Juni...
09.06.26, 20:43
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Margarete 9. Juni...
09.06.26, 11:15
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Margarete 8. Juni...
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Margarete 8. Juni...
08.06.26, 21:54
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Margarete 8. Juni...
08.06.26, 20:00
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Margarete 8. Juni...
08.06.26, 19:55
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Margarete 7. Juni...
08.06.26, 00:21
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Margarete 7. Juni...
07.06.26, 19:21
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Margarete 7. Juni...
07.06.26, 19:19
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Saskia Rutner Wow!!...
07.06.26, 10:51
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Margarete 6. Juni...
06.06.26, 18:52
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Ina Weisse Nicht mehr...
06.06.26, 14:11
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Margarete 5. Juni...
05.06.26, 23:53
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Margarete 5. Juni...
05.06.26, 23:51
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Margarete 3. Juni...
03.06.26, 19:03
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Gaga Nielsen Ich will...
03.06.26, 16:31
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Saskia Rutner Ich...
03.06.26, 13:36
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P.S. Gerade entdeckt,...
31.05.26, 21:41
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31.05.26, 21:08

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