21. März 2026

Gestern auf dem Weg zum Schornsteinfeger-Date. Ich habe mir die Kessler-Zwillinge-Gedenkmütze auch noch in nilgrün, schwarz und grau gekauft. Gerade richtig für Übergangswetter, es ist noch frisch. Und die gute Sonne arbeitet sich gerade erst für den Frühlingsauftritt durch, kuschelt lieber noch mit der Wolkendecke.



Heute ist in vielen Teilen der Welt ein besonderer Tag. In der westlichen Welt der Frühlingsanfang, in der muslimischen Religion schon seit gestern das Bayram-Fest oder auch Zuckerfest genannt, Ende des Ramadan. Das hätte ich nicht mitbekommen, wenn nicht eine meiner liebsten Kolleginnen, die libanesische Wurzeln hat, aber in Berlin aufgewachsen ist, selbstgebackene Plätzchen ihrer Mama mitgebracht hätte, damit wir auch was vom Bayram-Fest haben. Solche familiären Gesten rühren mich sehr.



Ich stelle mir dann vor, wie die Mama zu ihr sagt: "Bring Deinen Kolleginnen auch was mit, ich hab extra mehr gebacken!" Mit Ramadan habe ich sonst nur indirekt Berührung. Vor einem Jahr hatte ich mal privat einen Kurierdienst für einen Transport beauftragt, für Abholung und Zustellung in den frühen Abendstunden, eine Uhrzeit, wo es gerade dunkel wird. Es gab Engpässe beim Kurierdienst, einen Fahrer zu finden, weil die Firma mit sehr vielen muslimischen Berlinern zusammenarbeitet. Es war Ramadan. Sobald es dunkel wird, dürfen sie während des Ramadan endlich etwas essen und zu der Uhrzeit waren dann alle schon in den Startlöchern Richtung Futterkrippe. Habe dann einen anderen Termin für die Zustellung auserwählt, eine Uhrzeit gegen Mittag, war dann auch gar kein Problem, einen Fahrer zu finden.



Noch ein Feiertag bzw. Auftakt zu längerer Feierei, sogar 13 Tage lang, ist das persische Neujahrsfest, Nouruz oder Nowruz. Der unerschütterliche Lebenswille lässt sich nicht bremsen, trotz der Luftangriffe versuchen die Iraner ihr schönes Ritual beizubehalten. Das ist auch richtig so, finde ich. Niemals den kriegerischen, destruktiven Kräften die Oberhand zugestehen. Aber immer dem Friedlichen, der Freude und allem Schönen. Wie der Poesie.



Gerade gelesen, dass heute auch Tag der Poesie ist, von der UNESCO eingeführt. Und: Tag gegen Rassismus. Ich finde, so einen Tag sollte es in unserer Zeit wirklich nicht mehr brauchen, das ist ja wohl selbstverständlich, finde ich. Wie Tag gegen Kacke auf dem Tisch - braucht auch kein Mensch. So wird Schwachsinn hofiert, indem er namentlich auf ein Podest kommt, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Und jene, die die Message nicht erhalten haben, werden eher bockig auf Krawall gebürstet, weiter ihre kleingeistige Haltung proklamieren, sollten sie je davon hören. Die Sonne hat ihren Auftritt, ich gehe mal Hallo sagen, mit dem Buch von B... Bodo Kirchhoff. Noch gut fünfzig Seiten. Und Kaffee!

20. März 2026

"(...) Aber was sie beim Lieben sucht, schon damals mit noch glatter Haut und reinem Herzen, und es bis heute sucht, ist nicht der Schauer, den Anderen in sich zu spüren, und auch nicht die Auflösung am Ende, das Sichverströmen im Zeitraum eines Hundertmeterlaufs, wenn es denn glückt. Nein, was sie wieder und wieder sucht, ist das Schöne, auch wenn es sich nicht anpeilen lässt, nur manchmal finden, indem man es nicht sucht, wie sie es früher im Wald gefunden hat, im Duft nach Harz und dem Klopfen eines Spechts und in den Sonnenstrahlen zwischen hohen Tannen, über den Wipfeln blauer Himmel, im Erhabenen, ohne dass sie damit klein wurde, ganz im Gegenteil. Und nichts anderes nimmt sie als Idee mit in den Schlaf: noch einmal zu wachsen, als gäbe es dafür ein Depot, das sich jetzt erst öffnet, und noch einmal zu staunen, als wäre alles um sie herum neu -"

Bodo Kirchhoff, "Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt", Seite 486

20. März 2026



Warten auf den Frühling. Morgen, am Samstag und am Sonntag viel Sonne in Berlin. Kleine Knospen an meinen Sträuchern auf dem hinteren Balkon. Flieder, Hortensie und Sanddorn. Am Vormittag war wieder einmal der Schornsteinfeger da, wir kennen uns schon lange. Er kommt immer ins Plaudern. Worüber, darf ich nicht veröffentlichen. Er hat es mir nicht verboten, aber ich gehe davon aus, dass er das nicht angebracht fände, ebenso wenig wie ich im umgekehrten Falle. Es gibt doch manches, was ich aus guten Gründen unter den Tisch fallen lassen muss. Privateres, teilweise Unerquickliches, aber nicht nur. Ich habe keine Affäre mit dem Schornsteinfeger! Wenn es so wäre, hätte ich bestimmt schon einmal ein Foto von ihm gemacht und evt. sogar gepostet, "in seiner schicken Uniform" wollte ich gerade schreiben. Aber es heißt anders - wie nennt man das denn - Arbeitskleidung eben. Aber nicht schwarzer Schornsteinfeger-Anzug mit Zylinder, was der Knaller wäre, sondern schwarzer Schornsteinfeger-Anzug mit einem schwarzen Käppi. Ähnlich, wie es muslimische Männer tragen, allerdings ohne Stickereien und ähnliche Verzierungen.



Ich freue mich auf die letzten Kapitel im Buch von - Himmel! Jetzt fällt mir der Name auch schon nicht mehr ein - Bruno - Benno - B... ich muss auf den Buchrücken schauen - Bodo Kirchhoff. Dabei hab ich ihn in jedem der letzten Einträge namentlich zitiert und er ist mir auch schon vorher durchaus geläufig gewesen. Nicht das erste Buch und auch nicht das zweite Buch, das ich von ihm lese. Mit Gewinn. Es gefiel mir wieder sehr. Aber Mumbai interessiert mich nach der Lektüre ebenso wenig wie vorher. Es wurde alles bestätigt, was ich bislang darüber wusste. In einem Kapitel schreibt die Hauptfigur Terese (Ende Sechzig, Frankfurterin, Therapeutin im Ruhestand, verheiratet, aber verknallt in einen jüngeren deutsch-indischen Guesthouse-Betreiber) an Ihren Freundeskreis in Frankfurt am Main Messages aus Mumbai, in denen Sie mitteilt, Mumbai müssten sie gesehen haben, das wäre die Zukunft. Da fragte ich mich, ob sie damit etwa die Zukunft von Hessen prognostiziert. Ich hoffe doch nicht. Lobend erwähnt sie zwar, dass überall das WLAN prima sei (außer im Süden von Goa) aber das Alltagsszenario, das dort in dem Viertel, das zu den ärmeren zählt, beschrieben wird, entspricht genau meinen Vorurteilen, die vielleicht doch berechtigt sind. Auch das permanent heiß-schwüle Wetter wird fortlaufend bestätigt. Hab jeweils wieder jeden erwähnten Ort u. a. bei Streetview etc. angesehen, Architektur, Vegetation, Unterkünfte eingeschlossen. Es zieht mich nichts hin.



Strelitzia Reginae No. 1a und No. 11, 2026, Paradiesvogelblume

19. März 2026

"Die Erinnerung an Tereses Äußeres, (...) an den Mund beim Lachen... lässt bereits etwas nach. Vergessen gehört offenbar zur Erinnerung, wie das Verblassen einer Liebe zur Liebe gehört, und das Erzählen von ihr ist auch ein Angehen gegen das Vergessen. (...) und die Suche nach den richtigen Worten ist eine andere, einsame Art des Liebens: Man legt die Arme seiner Sprache um den oder die, die es nur noch in der Erinnerung gibt, und das eigene Unvermögen oder Vergessen ist ein Teil der Wahrheit."

Bodo Kirchhoff, "Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt", Seite 206

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