17. Januar 2026

"Wo gibt es rosa und hellblaue Zug-Waggons?" gegoogelt. Nirgendwo, soweit dem Internet bekannt. Aber in meiner nächtlichen Träumerei. Ich stand allein an einem Bahnsteig, es war sehr früh am Morgen. Ich hatte es geschafft, so zeitig da zu sein, um einen Zug zu bekommen, der irgendwohin in Italien fuhr. Ich wartete und wartete, niemand sonst interessierte diese Zugverbindung. Dann kam ein Zug mit puderrosa und hellblauen Waggons. Die Abteile hatten gar keine Fenster, nur mondrianartig unregelmäßig verteilte, quadratische Löcher, wie Schießscharten, er wirkte ganz modern der Zug, fast kubistisch. Die flächigen Fronten waren aus rosa und hellblau lackiertem Wellblech. Der Zug verlangsamte beim Durchfahren das Tempo, aber hielt nicht an. Ich war irritiert. Kurz nachdem er weg war, kamen Menschen auf den Bahnsteig, geradezu ein Strom und ein zweiter Zug kam, ein ganz normal aussehender, so wie früher, in den Siebziger Jahren Züge aussahen, und hielt an. Ich war erleichtert, dass sich die Irritiation geklärt hatte. Die Leute stiegen ein, ich wachte auf. Während ich das schreibe, läuft ein Film, den ich gestern Abend begonnen hatte anzuschauen und wegen Schläfrigkeit anhielt. Eine Verfilmung von 1976 von Ingeborg Bachmanns Erzählung "Drei Wege zum See".



Hier ist der Film verlinkt. Gleich fahre ich ins Atelier, Kaffee getrunken, Wimpern getuscht. Es ist gerade hell geworden. Die interessante Hauptdarstellerin in "Drei Wege zum See", die österreichische Schauspielerin Ursula Schult, war mir überhaupt nicht bekannt. Ich versuchte herauszufinden, was sie sonst gemacht hat, es gibt ein paar Verweise zu wenigen Filmen, auch ihr Geburtsdatum 1922, aber kein Todesdatum. Es ist ja unwahrscheinlich, dass sie noch lebt. Das ist ein Hinweis, dass die Erinnerung an sie in ihren letzten Lebensjahrzehnten, seit das Internet gefüttert wird, versunken ist. Im Film spielt sie eine aus Klagenfurt stammende Fotografin Anfang Fünfzig, die in Paris lebt und ihren verwitweten Vater im Elternhaus am Wörthersee besucht. Eine Erzählstimme liest manchmal Passagen aus dem Buch. Ganz interessant, auch anrührend teilweise, die Empfindungen der Tochter, wenn sie aus ihrer mondänen Welt zurück in das einfache Elternhaus kommt, und auch die des Vaters, der sich über den Besuch der Tochter so freut und sie nach Kräften umsorgt, damit sie es recht schön hat. Der Schauspieler ist mir ein bisschen zu wenig angejahrt, jener Darsteller des Vaters, Guido Wieland, war nur sechzehn Jahre älter als die Schauspielerin Ursula Schult. Aber gut gespielt. In Nebenrollen hochkarätige Namen wie Bernhard Wicki, Walter Schmidinger und Udo Vioff.

16. Januar 2026



Eben gesehen: Wettervorhersage für Berlin ab übermorgen, Sonntag, die ganze Woche sonnig, kein Wölkchen. Fein. Hier zeige ich eine weitere von mir gemorphte Variante meiner Strelitzia Reginae. Wünsche allen einen recht angenehmen Freitagabend.

15. Januar 2026

An Romy-Fans (also eigentlich alle): ich habe gestern erst entdeckt, dass 2009 bislang unzugängliche Filmaufnahmen aus dem Jahr 1964 mit Romy in einer Hauptrolle veröffentlicht wurden, nämlich innerhalb des Dokumentarfilms mit dem Titel "L’enfer d’Henri-Georges Clouzot". Man hatte schon immer mal beiläufig in biographischer Lektüre zur Kenntnis genommen, dass es einen Film von Clouzot gab, bzw. Aufnahmen dafür, der nie fertiggestellt werden konnte, weil Clouzot einen Herzinfarkt erlitt und sich dann anderen Projekten widmete. Der findige Dokumentarfilmer Serge Bromberg kam über die Witwe von Clouzot an die hundertfünfundachtzig alten Filmdosen und machte mit dem bis dahin nie gesehenen, unveröffentlichten Material eine Doku über diese schwierigen, verunglückten Dreharbeiten. Ganz phantastisches Material, weil Clouzet im wahrsten Sinne des Wortes phantastische visuelle Ideen hatte, geradezu psychedelische Aufnahmen von Romy.

Auch verhältnismäßig freizügig und lasziv für die damals 25-jährige Romy, die zur Zeit der Dreharbeiten im Juli 64 am Ende ihrer mehrjährigen Liebesbeziehung mit Delon stand, längst nicht mehr das naive Wiener Mädel "jenseits von Gut und Böse" war und das bei Clouzot auch erstmalig zeigen durfte. Ich las erst gestern davon in einem ebenfalls neueren Buch des Autors Thilo Wydra von 2020 "Eine Liebe in Paris – Romy und Alain". Er erforschte in Gesprächen mit Wegbegleitern Details der Liebesgeschichte von Romy und Alain Delon. Sie wirkt in den Filmaufnahmen sehr kraftvoll und lebendig, beinah von trotziger Vitalität, angesichts ihrer tatsächlichen Verfassung. Die plötzlich durch Delon vollzogene Trennung hatte sie zutiefst erschüttert.

Ende 63 hatte sich Delon mit Nathalie nach Mexiko verabschiedet, Romy nur eine knappe Notiz in der noch gemeinsamen Wohnung hinterlassend, so wird es zumindest kolportiert. Bei den ersten Probeaufnahmen im März 64 hatte sich Alain mit der bereits schwangeren Nathalie verlobt. Alain und Nathalie heirateten im August 1964, Ende September wurde der gemeinsame Sohn Anthony geboren. Noch während der Dreharbeiten im Juli hatte sich Romy immer noch erhofft, dass er zu ihr zurückkehrt. Man kann in diese lasziven Bilder auch ein "Jetzt erst recht!" hineininterpretieren, aber das wird Romy als Schauspielerin nicht gerecht, da sie ohnehin immer alles gab, bis zum Anschlag.

Ihr schauspielerischer Ehrgeiz war enorm, auch weil sie unter einem Minderwertigkeitskomplex insofern litt, dass sie nie eine professionelle Schauspielausbildung erfahren hatte. Kollegen, denen sie das offenbarte, winkten ab mit "Du kannst nichts mehr lernen." Und hatten vielleicht auch Recht damit. Etwas überrascht nahm ich zur Kenntnis, wie souverän sie bei sportlichen Sequenzen wirkt, wenn sie Wasserski fährt oder einen Hechtsprung ins Wasser macht. Obwohl sie ja auch als Sissi schon ganz gut im Sattel saß. Man merkt, dass sie Freude hatte, ihre Muskeln spielen zu lassen. Das wurde nie vorher so eingefangen.



Die Existenz dieser Doku war bei Veröffentlichung 2009 komplett an mir vorbeigerauscht. Nun war ich neugierig, fand gratis nur Trailer und lieh mir den Film dann gestern über Amazon Prime aus. Noch nie gemacht. 3,99 €. Das ist er unbedingt wert. Das einzige was ich darin nicht gebraucht hätte, sind die nachgestellten Szenen mit heutigen Schauspielern, die sich gegenseitig aus dem Drehbuch vorlesen. Zentrales Thema des nie vollendeten Films war Eifersucht. Romy in der Hauptrolle der Gattin eines Hotelbesitzers wird von ihrem Mann unterstellt, dass sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit flirtet und vielleicht auch mehr. Seine quälenden Eifersuchtsgefühle und Ängste werden durch psychotisch übersteigerte Fremdgeh-Phantasien illustriert. Die reale Welt wird in schwarzweiß gezeigt, seine Phantasien in grellen, teilweise unnatürlichen Farben. Visuell überaus faszinierend. Der Film ist mit deutschen Untertiteln erhältlich, aber nicht mit deutscher Audiospur. Auf jeden Fall eine Empfehlung. Wenn man einen Film bei Amazon Prime leiht, kann man sich 30 Tage lang überlegen, wann man ihn startet. Man kann ihn nicht 30 Tage lang hundert mal anschauen. Ich hätte mir überlegen können, ihn nach dem Ausleihklick erst am 15. Februar anzuschauen. Aber ich wollte ihn gleich sehen. Nach Filmstart läuft eine 48-Stunden-Frist, innerhalb derer man ihn zu Ende sehen kann oder auch mehrmals anschauen, danach müsste man ihn wieder erneut ausleihen. Kaufen wäre auch nicht teuer gewesen, ich glaube 7,99 Euro. Dafür bekommt man heute nicht mal eine Kinoeintrittskarte.

g a g a
NeonWilderness
Hast Recht, liebe...
16.01.26, 22:14
g a g a
Margarete 16. Januar...
16.01.26, 18:30
g a g a
Aber das ist doch...
14.01.26, 18:24
NeonWilderness
Immerhin heißt er...
14.01.26, 17:47
g a g a
Margarete 11. Januar...
12.01.26, 16:21
g a g a
ANH 11. Januar 2026...
11.01.26, 12:12
g a g a
g a g a
ich war gerade auch...
08.01.26, 20:54
kid37
Hamburg hat schon...
08.01.26, 20:43
g a g a
Margarete 8. Januar...
08.01.26, 18:05
g a g a
Wobei ich ja ganz...
02.01.26, 21:36
kid37
Auf in ein hoffentlich...
02.01.26, 21:20
g a g a
ANH 2. Januar 2026...
02.01.26, 18:34
g a g a
Margarete 1. Januar...
01.01.26, 11:12
g a g a
Margarete 31. Dezember...
01.01.26, 10:07
kid37
kid37
Da geht eine Ära zu...
29.12.25, 23:53
g a g a

21.47
a
April
april 2004
april 2005
april 2006
april 2007
april 2008
April 2009
April 2010
April 2011
April 2012
April 2013
April 2014
April 2015
April 2016
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren