13. August 2026

Besorgungen, Erledigungen. Unter anderem gestern nach vielen Jahren wieder einmal in einem Deutsche Bahn-Reisezentrum Fahrscheine gekauft. Wegen einer vorschriftsmäßig nun auch bei der Deutschen Bahn neu eingeführten 3D-Verifizierung beim online Bezahlvorgang mit Kreditkarte, konnte ich nach vielen Jahren plötzlich kein online Ticket mehr kaufen, den Bezahlvorgang nicht abschließen.

Habe zwar angeschubst, dass ich diese erforderliche S-Push-TAN einrichte, installiert ist sie schon, ist aber noch nicht vollständig erledigt. Daher begab ich mich gestern ins Reisezentrum am Berliner Hauptbahnhof, um den günstigsten Preis für die ICE-Tickets Heringsdorf und zurück zu bekommen.

Meiner Erinnerung nach war ich da noch nie, im Reisezentrum in der ersten Etage vom Berliner Hauptbahnhof. Wirkte neu möbliert. Relativ stylishe, gepolsterte Lounge-Sitzbänke. Die Bezugsstoffe noch tadellos, nicht abgenutzt oder fadenscheinig.

Ich musste gar nicht lange warten. Man ist erst in einer flotten Schlange, wo schnell abgeklärt wird, ob man zu einem der weiter hinten liegenden Schalter gehen muss, um dort bedient zu werden. Wenn ja, bekommt man eine Wartenummer in die Hand gedrückt, die hat auch einen QR Code, mit dem man die Info abrufen kann, wieviele Minuten es dauert, bis man dran ist.

Es war nicht sehr voll, viele Polsterbänke leer. Gibt viele Schalter, ca. zehn. Über jedem Schalter schwebt eine runde, digitale Anzeige, wie ein digitales Laufband das die Nummer anzeigt, die gerade aufgerufen wird und als nächstes bedient wird.

Es gibt an allen Seiten an den Wänden mehrere große Displays wo steht, wie viele Minuten es ca. noch dauert bis Nummer Soundso dran ist. Es gab immer nur Angaben von 0 - 5 Minuten, keine längeren Wartezeiten. Wenn es voller ist, kann schon mal eine längere Wartezeit angezeigt werden und dann ist natürlich ideal, wenn man ein Smartphone dabei hat, um zu gucken, ob man noch wo Kaffeetrinken geht oder Shoppen, bis die Nummer dran ist.

Bei mir ging es so schnell, dass es sich nicht mal gelohnt hätte, mein Buch aus der Tasche zu holen. Eine ältere Mitarbeiterin bediente mich sehr nett. Ich wusste ja bereits genau, welche Zugverbindungen ich buchen wollte und hatte sie mir notiert und an sie weitergegeben. Dann gab es nur noch wenige Klicks, eben die, die ich auch immer online gemacht habe, das Übliche.

Da fragt sie mich auf einmal nach meinem Alter. Ich antwortete wahrheitsgemäß. Sie zeigte mir dann den Sparpreis, auf den ich auch am Tag davor gekommen war, der aber keine altersbedingte Vergünstigung hatte. Die Buchung wurde abgeschlossen. Ich erbat auf ihre Frage hin, ob online oder ausgedruckt, ein Papierticket. Um noch mehr das Gefühl zu haben, das erledigt zu haben und wenn ich schon einmal nach so vielen Jahren wieder eine Fahrkarte kaufte, wollte ich auch sehen, wie die heutzutage aussehen.

Große Enttäuschung: es ist auch einfach nur der Ausdruck des Online Tickets, das man per Mail bekommt auf normalem Druckerpapier, kein stabilerer Karton, kein besonderes Layout und kein kleineres Format wie früher. Ich sehe noch vor mir, wie die aussahen. Schmalere Karten, ungefähr wie ein Drittel einer A4-Seite. Das gibt es nun nicht mehr. Ich drückte mein Bedauern aus, die Dame erklärte mir, dass es preisgünstiger sei, normales Druckerpapier zu nehmen. Ich sagte "schade, wäre schön gewesen, so ein bisschen Retro, wie früher Konzertkarten, für mein Reise-Erinnerungsalbum!.

Sie lächelte nachsichtig und leicht amüsiert. Ich bezahlte und packte den A4-Ausdruck der Fahrkarte nach Heringsdorf hin und zurück ein und wir haben uns nett verabschiedet. Weil ich mit zwei ICE-Verbindungen fahre, geht das nicht mit dem Deutschland-Ticket.

Mit Regio wäre es eine Stunde länger Fahrzeit. Mein Deutschlandticke gilt auch erst ab September, hatte bislang keinen Bedarf (dachte ich, schlecht informiert perplex, dass allen Ernstes mein BVG-Monatskarten-Abo, das ich immer automatisch verlängert seit zwanzig Jahren habe, teurer ist als das Deutschlandticket und weniger bietet. Außer dieser "Übertragbarkeit", die ich niemals genutzt habe. Nun gut. Mit manchen Sachen habe ich mitunter keine Lust mich zu belasten und belaste dann offenkundig im Zweifel lieber mein Konto.

Erst danach, als ich schon wieder zuhause war, ging mir noch einmal die Frage der Frau nach meinem Alter durch den Kopf. Eigentlich kann die Frage ja nur in die Richtung gezielt haben, ob ich altersbedingt eine Ermäßigung beanspruchen könnte. Ob ich bereits sechzehn oder volljährig bin, wird sie vermutlich nicht überlegt haben. Aber vielleicht, ob bei mir bereits ein Seniorentarif gelten könnte. Da habe ich gedanklich etwas geschluckt. Falls es einen Seniorentarif ab 65 gibt, ich muss das mal recherchieren, heißt das, dass in dem Reisezentrum eine ziemlich unvorteilhafte Beleuchtung zu sein scheint, die mich entsprechend alt wirken lässt! Dabei fand ich das Licht gar nicht so unangenehm oder grell. Das war also mein gestriges Fahrkarte-wie-früher-im-Reisezentrum-kaufen-Erlebnis.

Meine heutige Erledigung war nach sehr langer Zeit wieder einmal ein Termin bei meinem Neurologen mit dem romanhaften Namen. Er sah richtig ausgeruht aus, Termin war um 9.20 Uhr, ich kam auch da gleich dran. Eigentlich wollte ich ihm den Verlauf meiner Unpässlichkeiten der letzten Monate mitteilen, um ihn letztlich dazu zu bringen, dass er meinem (wahnsinnig gutaussehenden) Hausarzt per Mail mitteilt, dass er mir bitte über die Hausarztpraxis künftig Eletriptan verschreiben soll, weil es am besten bei mir hilft.

Er hat mir aber stattdessen ein neues Rezept für Eletriptan ausgestellt und noch zu einem anderen in Kombi geraten, um die Migräne-Attacken zu verkürzen und mir mitgeteilt, wann ich wieder kommen soll. Wir könnten da einen halb-Jahres-Turnus machen und er würde mir dann jeweils entsprechend mehr als Rezept schreiben. Das ist natürlich auch nicht unattraktiv. Bei meinem Hausarzt musste ich öfter vorstellig werden, weil er immer nur geringe Mengen verschreiben durfte. Er ist aber näher an meiner Wohnung und ein netter junger Mann, stets eine erfreuliche Begegnung. Aber Dr. Nicolai van der Meer war mir heute auch sehr angenehm.

Und fürs Protokoll, weil jetzt allenthalben gewankt und geschwankt wird, ob man über oder unter jeden Eintrag schreiben soll, ob es sich um menschliches Fabulierwerk handelt oder an irgendeiner Stelle eine KI mit herumgewurstelt hat: ich lasse mir die Freude am Schreiben solcher Alltagsberichterstattung auf keinen Fall dadurch nehmen, dass ich die Formulierungen einer KI übertrage, sie nähme mir dann ja genau das weg, was mir am meisten Spaß macht. Und WAS ich sagen will, habe ich im Kopf, das muss nicht von einer externen Assistenz erfunden oder optimiert werden, das mache ich schon hübsch selbst, es wäre mir keine Hilfe, sondern Last, das Korrektur zu lesen und dann noch daran herumzufeilen.

Meine jüngsten drei Experimente, Gemini etwas schreiben zu lassen, basierten auf der Neugier, ob Gemini in einer Phantasie-Geschichte auf interessante Ideen kommen könnte, auf die ich selbst nicht käme. Aber das waren drei Experimente mit Fiktion, die mich bislang noch gar nicht interessiert oder beschäftigt hatte. Da hat er doch recht hübsch abgeliefert. Ich habe es nicht korrigiert oder nachgebessert, deshalb gab es auch stilistische Schnitzer wie unschöne Wiederholungen von Verben kurz hintereinander. Und ich habe es immer kenntlich gemacht und werde es weiterhin, sollte ich nochmals Lust dazu haben.

Ich bin weiterhin ganz offen, in Form von Phantasieerzählungen nach Lust und Laune damit herumzuspielen, auszutesten, inwieweit man stilitisch erziehen kann, aber nicht in meinen täglichen Tagebuch-Beiträgen. So selten ich damit experimentierte, so oft habe ich es kenntlich gemacht und werde es weiterhin tun. Wenn ich Gemini also nicht als Autor erwähne, hat er nichts beigetragen und auch kein anderer Mastermind, egal ob menschlich oder virtuell.

Seid oder werdet einfach offen damit zu spielen, verbietet Euch nichts, aber macht es offenkundig. Ich beobachte interessiert, wie jetzt auch bei einigen auffliegt, die es bislang als ihr ureigenes künstlerisches Handwerk verkauften, dass sie diverse digitale Hilfsmittel einsetzen. All diese Graphic Novels, die allerhöchstwahrscheinlich NICHT mit dem Federkiel und Tusche gezeichnet werden etc. Hochwertig wirkende Grafiken, die auf edlem Bütten geprintet sind und von Erwachsenen mit Tusche übermalt werden, wie von einem Kind, das ein Ausmalbuch ausmalt. Was es eben so alles gibt.

Aus meiner Sicht alles legitim, wenn es kenntlich gemacht wird und nicht unter den Teppich gekehrt und als ureigenes (Blend-)Werk präsentiert wird. Profi-Grafiker arbeiten natürlich auch schon lange mit digitalen Programmen, das ist ein fester Teil der Ausbildung. Da wird doch wohl niemand denken, dass der Ausbildungs-Schwerpunkt mit Lineal und Stift am Zeichenbrett von statten geht. Ein gut ausgebildeter Medien-Gestalter kennt die Profi-Programme und hält sich auf dem Laufenden. Und natürlich gehören dazu auch sämtliche Neuerungen, die mit KI für Beschleunigung der Auftragsausführung sorgen. Das nutzen nicht nur private Dilettanten, die kein Geld für Profis haben.

Und der Buchdruck ist natürlich auch Teufelszeug, zurück zur Pergamentrolle! Usw. usf. Musste schmunzeln, als Nick Cave in einem Aufsatz bekannte, dass ein befreundeter Videographer ihm vorgeführt hat, dass mit Hilfe von KI bei entsprechendem künstlerischen Potenzial des Anwenders durchaus ein berührendes Ergebnis entstehen kann, was er vorher nicht für möglich gehalten hatte. Aber Cave hat eben die Größe, seine Meinung öffentlich zu ändern. Engstirniges Beharrungsvermögen kann in Altersstarrsinn ausarten. Da wäre ich lieber etwas vorsichtig.
g a g a - Do, 13. Aug, 21:48

P.S. wie vermutet - auch der Herbst hat schöne Tage:
die Deutsche Bahn bietet Supersparpreise für Senioren ab dem vollendeten 65. Lebensjahr, also vergünstigte ICE-Fahrkarten. (Deutschlandticket ist für Senioren nicht billiger.)

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