10. März 2024





Letzter Blick, wenn ich am U-Bahnhof Leinestraße in die Unterwelt eintauche und Neukölln verlasse, der rechte Eingang vom Anita-Berber-Park. Nach siebzehn Minuten verlasse ich die Unterwelt der U8 am Rosenthaler Platz. Ein paar Schritte bis zur Linienstraße, dann biege ich ab und bin daheim, wo ich diese Dinge festhalte und Euch mitteile, während nebenher eine Dokumentation läuft.

10. März 2024





Das ganze lange Wochenende mein vor-die-Tür-geh-Look. Ohne Schal und Mütze! An allen Vormittagen herrliche Sonne, die ich am offenen Fenster, wie Gott mich schuf, stundenlang inhalierte, und die sich am Nachmittag etwas zierte, dann ging ich los. Heute dito.





10. März 2024





Zuguterletzt, zum Abschluss meines Stuck-liebenden Rundgangs: Emser Straße 21, 22. Fein ziselierter Art Déco-Stuck an den Schauseiten der Balkone. Gefällt mir sehr, bitte hegen und pflegen.



10. März 2024



Was ich alles nicht kenne - Emser Straße 128: "Schwarzekatze Weisserkater", eine Galerie. Emser Straße 122: Bar "Schloss Neuschweinsteiger". Die Emser Straße ist die übernächste Parallelstraße zur Schierker Straße, in der seit 21 Jahren meine Werkstatt ist. Ich kenne das alles nicht, weil ich die Emser Straße von der U-Bahn kommend, immer nur überquere. Diesen Teil der Emser Straße bin ich in all den Jahren maximal viermal entlang gelaufen, mit Abstand von mehreren Jahren. Das wird sich wohl auch nicht ändern, weil mein Aufenthalt in der Ecke einen anderen Schwerpunkt hat, aber hin und wieder flanieren ist interessant, weil sich doch manches ändert und dann ist es eine Entdeckungsreise.



In Wilmersdorf gibt es auch eine Emser Straße, in der war ich zweimal. Dort ist nämlich das alte Logenhaus, in dem Auktionen und andere Veranstaltungen stattfinden. Einmal war ich dort mit einer Freundin bei einer Auktion mit Modenschau und ein anderes mal bei einem Vortrag von einem geschäftstüchtigen Esoteriker, einer Einladung folgend. Fand ich nicht so prickelnd, was der gute Mann daherschwurbelte. Die Modenschau hat mir besser gefallen.



09. März 2024





Auch in der Emser Straße. Sockel mit Ringelstreifen & "Ruine Bar".

09. März 2024









Nun hatte ich die eine Hälfte der Emser Straße eingehend betrachtet, und mir kam gestern in der U-Bahn der Gedanke, was sich wohl noch für architektonische Kleinode in der anderen Hälfte finden könnten. Ich ging in mein Atelier, stellte die Tasche ab und ging wieder raus, die Sonne war auch viel zu schön, um nicht spazieren zu gehen. Und ich habe noch ein paar Schätze entdeckt.



09. März 2024







Gruß von der Delphi-Terrasse mit dem Theater des Westens. Tagsüber ist die Terrasse recht leer und es lässt sich in aller Ruhe ein Frühjahrs-Sonnenbad mit Blick auf die Kantstraße nehmen. Der gastronomische Betrieb fängt erst am späten Nachmittag an. Die Bänke stehen aber immer bereit. Mit eigenem Proviant oder einer Currywurst vom Imbiss bei Ullrich ein Lieblingsplätzchen von mir.



08. März 2024



Mit diesem anmutigen Portalschmuck in der Emser Straße 76 und dem sachlichen, aber auch bemerkenswerten Architekturdetail im Dampfer-Stil der Kita in der Emser Str. 81 beende ich meinen kleinen Spaziergang durch die untere Hälfte der Emser Straße. Der Wiener Architektur-Revoluzzer Adolf Loos hätte der Bauweise der Kita sicher eher seinen Segen erteilt. Adolf Loos verachtete architektonischen Zierrat in Form von Stuckdekor an Schauseiten von Mietshäusern, und zwar zutiefst. In seiner kämpferischen Schrift mit dem Titel „Ornament und Verbrechen“ aus dem Jahre 1908 hatte er den Auftakt für ein schmuckloses Äußeres und Inneres der Häuser bereitet. Er trat mit großer Vehemenz für ornamentlose Fassaden ein. In der Schrift heißt es unter anderem, dass man Schmuckformen jeder Art unbedingt verbieten müsse. Leute, die sich selbst, ihre Kleider, ihre Wohnungen oder ihre Häuser und Vorgärten schmückten, seien „Verbrecher“, „Degenerierte“ beziehungsweise „Hanswurste“. Loos argumentierte, dass Funktionalität und Abwesenheit von Ornamenten im Sinne menschlicher Kraftersparnis ein Zeichen hoher Kulturentwicklung seien. Es würden noch ganze Volkswirtschaften zugrunde gehen, wenn die Welt nicht bald damit aufhöre, ihre ganze Kraft an Nippes und Tinnef zu verschwenden.



Rückblickend kann er als Visionär gelten, was die Umsetzung seiner Ideale angeht. Seit vielen Jahrzehnten ist der Verzicht auf schmückende und womöglich verspielte Architekturdetails um des Schmuckes willen, zugunsten von preisgünstiger Geradlinigkeit die Marschrichtung, zumindest beim Bau von Funktionsgebäuden, zu denen auch Mietshäuser, vor allem des sozialen Wohnungsbaus zählen. Gott sei's geklagt! Der ersten Entstuckungswelle in den Zwanziger Jahren folgte unter den Nazis eine weitere, noch umfassendere. Sie zielte sowohl auf die Beseitigung des „überflüssigen Tands“ wie auch der Gefahren für die Passanten durch herabfallenden Stuck ab. Eine dritte Welle in den Sechziger Jahren bot für das Abschlagen des Stucks sogar ausgelobte Prämien, die Hausbesitzer finanziell unterstützen sollten, um die Gefahren zu beseitigen, die von herabfallenden Fassadenteilen ausgingen. Und heute werden die fehlenden Stuckelemente beweint, schmerzlich vermisst. Weil man es sieht, dass Häuser aus gewissen Epochen anders angelegt waren. Lauter Leerstellen. Unwiederbringlich. Ich weiß leider kein Beispiel, wo ein Hausbesitzer den abgeschlagenen Stuck anhand von alten Plänen und Fotografien rekonstruieren ließ. Es wird ein paar wenige geben. Bitte gerne ein Bundesverdienstkreuz dafür geben. Das verschönt meine Spaziergänge. Und bestimmt nicht nur meine.

08. März 2024







Emser Straße 102. Eines meiner liebsten Häuser auf diesem Spaziergang. Die Figuren. Grandios. Und noch dazu das Zeitdokument eines Herrn mit modischer Haartracht, der so vertieft sein Smartphone studiert, dass er zu keinem Zeitpunkt merkt, dass er fotografiert wird. Ich war zwar auf der anderen Straßenseite, aber nicht so weit weg. Ich konnte in aller Ruhe auslösen.







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Margarete 29. November...
29.11.25, 12:44
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