30. April 2014



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Dieses Joan Jett-Styling war das Beste, was ich an Nena gesehen habe. Das könnte sie doch immer noch tragen. Ich bin da fast ein bißchen konservativ. Und unbedingt jede Menge Luftgitarre-Riffs. In dem Video bin ich wirklich stark von ihr beeindruckt, um nicht zu sagen erotisiert. Wenn ich noch ein bißchen übe, werde ich vielleicht doch noch bisexuell. Das wäre auf jeden Fall eine Bereicherung. Ich habe mich ja schon einmal in den Achtzigern bemüht, als mir verschiedene homosexuelle Frauen (bzw. eine besonders) starke Avancen machten. Aber es hat einfach nicht klappen wollen. Die sah allerdings auch leider überhaupt nicht aus wie Nena in dem Video. Aber bei Männern habe ich mir ja auch immer schwer getan. Also einen so extrem attraktiv zu finden, dass ich Kontakt aufnehmen wollte. Wenn es dann aber passiert ist, musste es unbedingt sein, auf Biegen und Brechen. Ich wusste ja, wie schwer ich jemanden finde, der mich interessiert. Da konnte ich im Ernstfall nicht gleichgültig daneben stehen, nach dem Motto "Kommst du heut nicht, kommst du morgen...!" Das rabiate Begehren habe ich aber nie demonstrativ nach Außen gezeigt. Aber der innere Aufruhr war mächtig. Und das konnte man dann auch nicht ganz verstecken. Was schreibe ich denn da bloß. Das wird mir alles zu persönlich! Ich höre mal wieder auf. Dabei bin ich komplett nüchtern. Ich sollte etwas trinken, um wieder zur Besinnung zu kommen. Schließlich wollte ich nur noch einmal an ein paar sehr gelungene Videoschnipsel mit zwei schönen Frauen, die ich gut leiden kann, erinnern. Was der junge Mann mit dem nichtssagenden Gesicht in dem Video verloren hat, erschließt sich mir allerdings überhaupt nicht. Der ist doch total überflüssig. So, ich muss jetzt unbedingt noch etwas trnken. Schon gleich Mitternacht. Ach ja, stimmt - Walpurgisnacht - Beltane! Daher die schlüpfrigen Gedankengänge. Einen schönen Mai wünsche ich. Darauf trinke ich.

29. April 2014

Das ist nun wieder einmal fürchterlich banal, aber es geht mir immer noch im Kopf rum. Ich werde es nun bloggen und damit ist der Unfug gebannt. Vor ein, zwei Tagen wurde mein Blick von einem Aufmacher in der Bunten gefangen. Irgendwo rechts unten in der Ecke von der Internetpräsentation der Klatschpostille, die leider für meine Begriffe viel zu wenig von Prominenten handelt, wurde mein Blick von einem Bild von - Dings - nicht Penelope Cruz - die andere - - - Salma Hayek oder so ähnlich, gefangen. Die Schauspielerin, die auch so ein bißchen südamerikanisch aus der Wäsche guckt und mal Frida Kahlo gespielt hat. Jedenfalls war über dem Foto eine knallige Überschrift, sinngemäß: Pene - äh - Salma Hayek verrät IHR SCHÖNHEITSGEHEIMNIS! Im ersten Moment waren so meine missgünstigen Gedanken, dass Salma Hayek wahrscheinlich jetzt wieder die Geschichte vom Yoga und Wasser-Trinken erzählt. Oder Pilates. Oder was ist noch so modern? Kabbalah, Capoeiro? Da sind jetzt bestimmt Schreibfehler in den Fachausdrücken, aber sei's drum! Ich kann mich nicht auch noch um die richtige Grammatik bei dem ganzen Unfug kümmern. Also ich war schon versucht, NICHT auf den Teaser zu klicken. Aber so beim Querlesen der anderen Aufmacher war mir dann so dermaßen langweilig, dass ich das kleinste Übel gewählt habe. O.k., dann meinethalben ein wahnsinnig geheimes Geheimnis, das endlich gelüftet wurde. Also, ich merke gerade, man kann über so einen Blödsinn ziemlich ausführlich bloggen, wenn einem gerade danach ist. Jedenfalls: ich klicke also drauf und denke noch so: na ja, mit geschickt aufgetragenem Augen Make up und sonstigen Malereiern sind die Leute immer zu beeindrucken, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Dazu noch ein geschickter Fotograf, schon klappt's auf dem roten Teppich. Das weiß ich jetzt nun wiederum nicht aus eigener Erfahrung, ich bin da ja eher der scheue Typ. So, nun sind wir langsam alle zum Platzen gespannt, was denn nun das Schönheitsgeheimnis von Pene - Salma Hayek ist. Ich will die Leser und vor allem die Leserinnen nun auch nicht noch länger quälen. Es war eine Offenbarung, mit der ich ehrlich gesagt überhaupt nicht gerechnet hätte. Das Outing des Geheimrezepts hat gute Chancen auf Platz Eins der hanebüchensten Antworten auf die ewige Frage der Menschheit, an gut in Schuss gebliebene Darstellerinnen. Die Antwort lautet: "Meine Oma hat mir immer gesagt, das Wichtigste ist, egal wie müde du bist, vergiss nicht, dich abzuschminken!"

Ich möchte an dieser Stelle eine kleine Pause einlegen, symbolisiert durch einen Absatz, um das Bekenntnis noch besser wirken zu lassen, um ihm Raum zu geben.

Ja. Da staunt man. Vergessen Sie Yoga, vergessen Sie Wasser trinken, vergessen Sie die gute Gene-Antwort. The Next Big Thing: Gesicht öfter mal waschen. Und schon sehen Sie aus wie eine Filmschauspielerin in der Bunten! Ein super Tipp. Und so preisgünstig. Weg mit der Schminke, weg mit dem Gedöns. Wasser und Seife! Wenn man ordentlich schrubbt, verändert sich wahrscheinlich dann auch einfach mit der Zeit die Physognomie und die Ausstrahlung und die Farbe der Wimpern und Augenbrauen und der Lippenkontur. Ich bin jetzt ein bißchen sauer auf Salma, dass sie jetzt erst damit rausrückt. Diese Schlampe. Hat wohl Angst, dass die Konkurrenz ihr über den Kopf wächst! Das musste ich einfach noch loswerden, vor dem Schlafengehen Abschminken.

26. April 2014





Ein komplett ungeplanter Frühlingsspaziergang. Eigentlich war ich gegen dreizehn Uhr mit dem Schornsteinfeger verabredet. Schon das zweite Mal. In meinem Kabuff in Neukölln sind neue Schlösser eingebaut worden, und mir fehlt noch die Routine, die richtigen Schlüssel zu greifen. Leider war auch beim zweiten Termin der entscheidende Schlüssel aus dem Sortiment wieder nicht dabei. Meine Schuld. Hätte mal alle mitnehmen sollen. Aber der Schornsteinfeger war auch diesmal überhaupt nicht böse. Und dann bin ich gelegenheitshalber auf den mehr oder weniger gegenüberliegenden St. Jacobi Kirchhof spaziert. Da war ein schönes kleines Bänkchen auf einer Wiese und viel Vogelgezwitscher. Man hat richtig den Frühling gemerkt. Weil ich die Kamera ausnahmsweise dabei hatte, habe ich sie auch benutzt. Kommt ja nicht so oft vor. Wirklich, das ist keine ironische Bemerkung. Ich gehe ganz selten mit der Kamera aus dem Haus, warum mir gestern danach war, kann ich nur so erklären, dass ich dachte, dass mir auf dem Weg zu meiner Verabredung vielleicht etwas über den Weg läuft, was ich einfangen möchte. Im Alltag geht mir das nur noch selten so. Bzw. halte ich nicht mehr so intensiv wie früher danach Ausschau. Man könnte jeden Tag tausend Bilder machen. Wer soll die alle verarbeiten und anschauen. Es ist so eine Massenbewegung geworden, auf Schritt und Tritt das Leben und die Eindrücke zu konservieren, was ich ja auch verstehen kann, dass man das Gefühl hat, tsunamiartig überschwemmt zu werden. Niemand hat die Zeit, das allüberall, bei jedem mit dem man zu tun hat, zu würdigen. Ich verstehe das komplett. Es ist nicht so, dass ich keine Beziehung zu erwachenden Blütenknospen hätte oder den blühenden Bäumen. Durchaus, aber wenn ich heute an einem blühenden Baum vorbeigehe, schaue ich ihn intensiv an, würdige den Eindruck und habe nicht mehr das drängende Gefühl, das als Foto in der Welt zeigen zu wollen. Sofort fallen mir die zahllosen Bilder in Blogs ein, die saisonal pünktlich Obst- und Baumblüten zeigen, viele schöne Fotos dabei, immer wieder. Jahr für Jahr. Es wiederholt sich. Wie das Leben eben in vielen Dingen von Wiederholungen geprägt ist. Man nimmt aber selten einen neuen Eindruck mit, den man nicht schon ähnlich hatte. Ich habe da auch Zweifel, dass ich etwas Neues beitragen könnte. Aber gestern habe ich mal ein paar wenige Bilder gemacht, die immerhin zeigen, dass ich das schon auch sehe und wahrnehme, was in der Natur an Wunderbarem geschieht. Schon schön. Besonders der Magnolienbaum, ganz in der Nähe vom Eingang vom Kirchhof. Der Friedhof hat viele verwilderte Ecken. Interessant fand ich auch die Perspektive, ganz am Ende der Bildstrecke, wo man das hellgelbe Mietshaus sieht, inmitten von Grün. Das habe ich fotografiert, als ich auf dem S-Bahn-Steig in der Sonne saß. Es ist der Blick über die Gleise hinweg, nach oben. Wegen Betriebsstörung war die Ringbahn kurzfristig ausgefallen und ich hatte Zeit, in die Sonne zu blinzeln.


22. April 2014























BIKINI BERLIN (...)

















Die 420 anderen Bikini-Fotos sind hier zu sehen. Farbaufnahmen sind auch dabei. Ich bin viele Monate am Bauzaun vorbeigelaufen. Schade, dass ich ihn nie fotografiert habe. Nie gab es eine schönere Verkleidung einer Großbaustelle. Aber was aus dem Dahinter geworden ist, ist auch sehr schön. Und das war alles am zweiten Tag, der eher wolkig war. Früher Abend und Dämmerung, bis es dunkel wurde. Ich habe auch etwas gekauft. Man kann Gutes am besten damit unterstützen, dass man Geld hingibt, nicht nur warme Worte der Bewunderung. Es ist ein filigranes Konzept, weil die in der Breite populären Luxusmarken woanders sind. Elitäres Design für Eingeweihte mit angemessenen Preisen braucht eine entsprechend liquide und informierte Zielgruppe. Kann man nur hoffen, dass es sich herumspricht und publik wird, wie sehenswert diese Dinge sind. Die Terrasse natürlich auch, die ist über die Freitreppe leicht zugänglich. Man kann draußen sitzen. Das habe ich an diesem Abend, wo es kühl war, nicht ausführlich dokumentiert. In diesen Frühlingswochen mit Regen wird auch schon einiges gewachsen sein. Ich meine die Pflanzen in den Beeten auf der Dachterrasse. Die Weite da oben hat mir sehr gefallen, die verschiedenen Ebenen. Der gläserne Gestalten-Kubus mit dem kleinen Restaurant. Und der Blick auf die begrünten Felslandschaften vom Zoologischen Garten. Man muss es gesehen haben, das neue Bikini. Eine neue Ära für die alte West-City. Und den Blick auf das Waldorf Astoria. All das. Und den restaurierten Zoopalast muss ich mir auch endlich von innen anschauen. Und das ist noch lange nicht alles, was es dort zu sehen gibt. Wer ein bißchen Schwellenangst oder Vorbehalte bei solchen schicken Designerläden hat, kann dann hier bei mir ein bißchen herumspazieren. Ich habe es auch weidlich ausgenutzt, dass es gerade eröffnet war, und man wohl daher Großzügigkeit beim Fotografieren in den Innenräumen walten ließ. So ein Bikini will ja auch in der Öffentlichkeit präsentiert werden. Et voilà. Bienvenue.

22. April 2014

So. Ich gehe jetzt zu Saturn. Mir langt's mit meinen Dilettanten-Anamnesen in Sachen krankes Uralt-Notebook. Habe vorhin angerufen und erfragt, wie sich der Service gestaltet. Der Mann war so extrem nett am Telefon, dass ich nun den Apparat einpacken werde und auf den Tisch legen, wie mir geheißen wurde. Und dem Techniker sagen werde, was er nach der finalen Explantierung der Trojaner- und Wurmreste draufmachen soll. Ich weiß schon grob was. Ich werde es aber hier nicht benennen, weil das nur sehr wenige werden nachvollziehen können. Ja, ein neues Betriebssystem. Und nein, nicht alle möglichen Sachen, die ich auf dem guten alten Apparat gar nicht benutzen will. Ich will weder Mails schreiben, noch im Internet surfen, noch Bilder bearbeiten. Jedenfalls keine, die nicht laufen können. Ich weiß genau, was ich will. Aber das bleibt mein Geheimnis! Geschäftsgeheimnis! Muss mich noch mal ein bißchen auf Vordermann bringen, bevor ich das Haus verlasse. So ein Techniker zeigt sich einfach noch hilfsbereiter, wenn die Kundschaft wie eine Frühlingsblume duftet! Der wird Bauklötze staunen, was ich da drauf haben will. Haha. Freue mich schon auf das Gesicht! Und auch wie er gucken wird, wenn ich ihm fachmännisch erkläre, was ich schon vorab veranlasst habe, um Sasser platt zu machen. Der lebt zumindest nicht mehr, wenn überhaupt nur sehr rudimentär. Natürlich könnte ich das mit viel Zeitaufwand auch alles selber irgendwie hinfrickeln, aber die Wirtschaft muss stetig angekurbelt werden, und ich habe schon genug Zeit darauf verplempert. Da schreibe ich lieber einen launigen Blogeintrag über meinen geplanten Saturn-Besuch am Alexanderplatz. So, jetzt aber auf, auf!

20. April 2014

Was mir auch Sorge bereitet: es war heute so ruhig da unten. Ich rede von dem Spielplatz. Es war zwar nicht durchgängig sonnig, aber immer wieder, und es gab weder Regen noch Unwetter. Gebieten Oster-Rituale, Kinder in der Wohnung bzw. an der Ostertafel gefangen zu halten? Ich geißle das. Morgen ist ja auch noch ein freier Tag. Ich werde die Sache im Auge behalten und ggf. Anzeige wegen Nötigung erstatten.

20. April 2014

Von wegen Auferstehung. Dass ich nicht lache. Voll der Vorfreude und Inbrunst hielt ich mich für die Auferstehung von meinem Heiland GRT896HP, meinem ersten Klapprechner namens Vaio bereit, der Anno 2009 in die Totenstarre fiel, nachdem ihn teuflische Werkzeuge Ungläubiger gemartert hatten. Ein böser Trojaner und ein ekelhafter Wurm namens Sasser. Sein kleiner Bruder hält mir seitdem tapfer die Stange und reicht mir die Hostien für die heiligen Internet-Messen. Aber heute, so dachte ich, wäre die Stunde gekommen, der Auferstehung beizuwohnen. Ich nahm die System-Wiederherstellungs-CD von 2003 aus der goldenen Reliquien-Schatulle und löschte die alten Schriften, um eine neue Ära einzuleiten. Den ganzen Nachmittag saß ich wie gebannt am Altar. Es war vollbracht. Ich schaffte es sogar ins Internet. Doch zu früh gefreut! Die Diener der heiligen Handlungen erinnerten sich nicht miehr an die Rituale, weil in den letzten sechs Jahren neue Gebete eingeführt wurden. Und mein aus der Totenstarre erwachter Heiliger, fand sich ohne Unterstützung der Messdiener nicht mehr in die Liturgie. Wenn Sie mir folgen können. Um es auf den Punkt zu bringen: auch ein verseuchter Rechner sollte mit Updates auf dem Laufenden gehalten werden. Zwar gibt es seit 8. April 2014 keine XP-Updates mehr, aber wenn ich mich mal vorher drum bemüht hätte, wäre vielleicht ein fast aktuelles veraltetes Betriebssystem drauf, und ich hätte ein Dings mit Funktionen, das noch aktuelle Programminstallationen ermöglicht - ach - hätte - ja. Hat nicht sollen sein. Ich hänge ein bißchen an dem alten Apparat. Vielleicht klemme ich ihn mir mal unter den Arm und gehe in den Fachhandel und die können dann da so ein Vista oder so ein Zeugs draufmachen, falls er das verträgt. Und die verbliebenen Wurmexkremente entsorgen. Also das war mein Ostersonntag. Aber ich habe es immerhin versucht. Dass ich es erst nach so vielen Jahren anging, hatte mit einem schwer zu sichernden, umfangreichen Mail-Schriftverkehr zu tun, der mir geraume Zeit zu heilig war. Aber alles versinkt ohnehin irgendwann. Auch ein Vorgeschmack, diese Erfahrung, auf etwas, was man selbst nicht mehr erleben wird. Alte Festplatten mit einst kostbaren Daten werden auf Flohmärkten feilgeboten werden. Wenn überhaupt. Jemand wird sie öffnen wollen und mangels Software keinen Zugang finden. Unfug. Niemand wird sie öffnen wollen. Es wird zu viele geben, und alle sehen gleich aus. Schwarze Kunststoff- und Metallkästen, die keinen Einblick, keinen Vorgeschmack gewähren, was einen erwartet. Anders als alte, lederne Fotoalben auf dem Flohmarkt am Siebzehnten Juni oder sonstwo. Darüber muss man sich klar sein. Wie lange werden unsere Internet-Offenbarungen sichtbar sein? Wenn das Dateiformat irgendwann nicht mehr angepasst wird? Muss man vielleicht lernen, sich nicht zu sehr an die schöne, allzu idealistische Idee zu klammern, dass man etwas Bleibendes hinterlässt. Mehr fällt mir dazu gerade auch nicht ein. Und jetzt wird es langsam dunkel. Aber soll nicht traurig gemeint sein, der Eintrag. Nur ein bißchen melancholisch gefärbt, zwischen all dem Frühlingsgrün. Ich brauche jetzt ein Osterwasser.

20. April 2014

Alle Jahre wieder: mein Eier-Opus. Wenn ich fleißig trainiere, hoffe ich dieses Kunststück noch im hohen Alter zu beherrschen. Wenn es irgendwann einmal nicht mehr klappt, habe ich ja zum Glück, und für die Nachwelt, immer noch diese historische Aufnahme.


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FROHE OSTERN!

18. April 2014


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Gaga Nielsen liest am heutigen Osterfreitag das Gedicht Der April von Erich Kästner, aus dem Gedichtband Die dreizehn Monate.

17. April 2014



Drei Momente, die etwas Bemerkenswertes hatten. Und immer mit der S-Bahn zu tun. Am Montag war es, dass ich morgens gegen neun Uhr in die S-Bahn am Hackeschen Markt einstieg. Es ist der Strang, der die Ost-City mit der West-City verbindet, grob gesagt, die Strecke, die Alexanderplatz und Bahnhof Zoo verbindet. Wer regelmäßiger Fahrgast ist, kennt sämtliche Darbietungen von Straßenmusikanten, die sich über Monate, Jahre wiederholen. Mit den ewig gleichen Liedern. Den Trupp von zwei bis drei Leuten, die auf einer Handkarre eine Art Karaoke-Apparat mit beträchtlichem Lautsprecher mitführen, aus dem dann die Rhythmusspur dröhnt, um die Tröten und Trompeten und den begleitenden Stimmungs-Gesang zu untermalen. In aller Herrgottsfrüh gibt es eine scheppernde Version von "When the Saints go Marching in" oder "Hit the Road, Jack", die nicht geeignet ist, um die Lebensgeister auf angenehme Art zu wecken. Zu Applaus oder Zugabe-Forderungen führt die Aufführung nicht. Nicht etwa, weil Berliner Fahrgäste griesgrämig oder unmusikalisch wären. Ich kann das beurteilen. Na ja. Die Welt ist rund und bunt und manchmal ein bißchen lärmintensiv. Gerade in den Morgenstunden, wenn man oft noch im Alpha-Zustand ist, wo man lieber mit geringfügiger Geräuschkulisse in den Tag gleiten will. Organisch in Zeitlupe erwachen, Halbschlaf-Traumfetzen vorsichtig in die Schublade legen... bitte keinen Krach. Ach.

Montag. Ich betrete den S-Bahn-Wagon. Entfernter, von hinten in der Mitte höre ich etwas, das ein bißchen klingt, wie Street Hassle. Ein anderes Stück, aber ähnlich. Dazu den Rhythmus einer sehr percussiv gespielten Gitarre. Das Cello macht etwas, das sehr treibend ist, ja hypnotisch. Es nervt überhaupt nicht. Ich registriere einen Mann in meiner Nähe, Ausschau haltend, wer da musiziert. Er holt sein Geld aus der Tasche und bewegt sich Richtung Musik. Ich vergesse, mein Buch aus der Tasche zu nehmen. Fahrgäste haben die Augen geschlossen, wippen. Keine Abwehr. Ein unsichtbares Starkstromkabel spannt sich rhythmisch vibrierend durch den fahrenden Raum. Neugier treibt mich weiter. Ich will das sehen. Von wem das kommt. Im Bereich vor den Türen, wo mehr Platz ist als im Gang, auf dem Fußboden, ein Mann Mitte Zwanzig im Schneidersitz. Die Augen geschlossen, der Beat entsteht auf den Saiten einer Westerngitarre. Dreadlocks. Ein fragiler, hellhäutiger Mensch. Neben ihm ein Cello und eine Frau, die es mit einem Ausdruck zwischen hingegebener Konzentration und erotisiertem Lächeln spielt. Grauschwarze Klamotten, trotzige Ausstrahlung. Keine Frisur. Wild, struppig, eigensinnig. Mitunter haut sie bei den Tönen ein bißchen daneben, aber mit großer Impulsivität, und sie bleibt im Flow, hält durchgängig die Spannung. Als ich auf Augenhöhe mit dem Cello bin, spüre ich die Vibration des großen Resonanzkörpers. Auf dem Boden zwei Mützen. Schwarz, schon gut gefüllt. Ein paar Schritte weiter finde ich einen Platz, von dem ich die beiden sehen kann. Das Stück dauert so lange wie meine Fahrt. Kurz vor Bahnhof Zoo Ende. Und dann Applaus. Ein nicht geringer Teil schenkt Beifall. Ich kann mich nur an ein einziges Mal in all den Jahren erinnern, dass jemand in der S-Bahn Applaus bekommen hat. Vor Jahren ein russischer Musiker mit einer Gitarre, der etwas Herzzerreißendes sang; auf Russisch. Da habe ich auch geklatscht. Mit ein, zwei Tränen in den Augenwinkeln. Es entscheidet sich in Sekunden, ob jemand den Nerv trifft. Wie einig wir uns sofort waren, wir zusammengeworfener Haufen von Fahrgästen in einer Berliner S-Bahn.

Ein anderer, mir erinnerbarer Moment am Abend. Im RBB ein Dokumentarfilm über den Berliner S-Bahn-Ring, der mit dem Bau der Mauer zerbrach, durch die Teilung zerstört wurde. Und, ich glaube 2002, nach über vierzig Jahren wieder geschlossen. Heil gemacht. Da war der Moment, als die S-Bahn-Züge aus beiden Richtungen immer näher aneinanderrückten, um endlich wieder verbunden zu werden. Es war eine derart bildhafte Wiedervereinigung, die mich fassunglos auf den Fernseher starren ließ. Da hätte ich gerne ein Taschentuch in Reichweite gehabt. Den Rotz dann mit dem Handrücken abgewischt. Die Dokumentation widmete sich jeder Station des Berliner Rings, die Kamera spazierte in die Straßen rundherum, zeigte Sehenswürdigkeiten und Menschen, die dort zuhause sind.

Und seit gestern, am S-Bahnhof Hackescher Markt, brennen auf der rechten Seite vom Treppenabsatz Kerzen. Weiße Lilien schmücken die Mauer und den Boden, wo sonst immer ein, zwei Obdachlose residierten. Einer saß im Rollstuhl. Oft waren es auch mehr als zwei, man traf sich dort, sie tranken gemeinsam und stritten sich auch ab und zu recht laut. Jetzt sind da nur noch Kerzen und die Blumen. Gestern wie heute. Daneben auf dem Boden ein Zettel, auf dem geschrieben steht: Bitte nicht wegnehmen, ein Freund von uns ist hier gestorben. Es sieht feierlich aus. Ein Altar für jemanden, dessen Heimat zwei Quadratmeter vom S-Bahnhof Hackescher Markt waren. Wer bekommt schon eine Gedenkstätte in Berlin Mitte. Wenn auch nur für ein paar Tage. Irgendwie grandios, trotz der Umstände. Drei Eindrücke, die ich nicht vergessen will.

g a g a
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Ach, hallo. Zwei der...
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