Es wird noch mal bunt. Und damit schließe ich das Kapitel "Wie ich neulich bei der Multimedia-Show über Gustav war". Übrigens bin ich nicht in jedem Fall von großen bunten Visuals oder Animationen beeindruckbar. Das muss schon geschmackssicher dargeboten sein. Ich sah einmal ausschnittsweise auf youtube einen animierten Zeichentrickfilm über das Leben von Vincent van Gogh, im Stil seiner Bilder aufbereitet. Ich konnte mir das nur zwei Minuten anschauen, mir wurde fast körperlich schlecht von dem Geflimmer, ich empfand da überhaupt keinen Mehrwert. Aber Viele fanden das Experiment toll, ja sensationell. Ich bin prinzipiell für alle Experimente, erlaube mir aber auch, etwas nicht zu mögen. Schnuppe ist mir dabei, ob es Mainstream ist oder nicht. Dass etwas breiten Anklang findet, ist für mich kein Auswahl- oder Ablehn-Kriterium für Qualität oder Relevanz. Ein großer Bekanntheitsgrad basiert auf einer Mischung aus gekonntem Marketing und dem Potenzial für breite Resonanz. Zu diesem Potenzial gehört unbedingt auch der Wille des Künstlers "da" hinzuwollen. Also ganz nach oben. Gustav Klimt hatte diesen Willen. Und Albrecht Dürer und Gustav Mahler und Elvis usw. usf. Und die waren alle toll. Das wussten sie und wollten es dem Rest der Welt zeigen. Meine Privat-These zu weltlichem Erfolg ist seit geraumer Zeit, dass der Wille, sich professionellem Marketing zu unterziehen, genauso stark ausgeprägt sein muss, wie das künstlerische Potenzial und absolute Bereitschaft zur unausgesetzten Fokussierung darauf, in der DNA sein muss. Wer vor und nach dem Gepinsel oder Konzert oder Aufnahmestudio lieber chillt, kommt dann da eben niemals hin. Außerdem muss man den Status auch aushalten können, eine öffentlich bekannte Person zu sein. Einige kriegen es sehr konsequent hin, ihr Privatleben nahezu geheim zu halten, aber irgendetwas sickert halt immer durch. Wer privat in "it's complicated"-Konstellationen lebt, wird mit einem prominenteren Status ein paar zusätzliche, Herausforderungen bekommen. Das will alles fein bedacht sein.
