Vielleicht haben Sie ja schon einmal von diesem sagenumwobenen Ort im Plänterwald gehört, dem alten verwunschenen, verlassenen DDR-Vergnügungspark, dem Spreepark. Manchmal kommt Hollywood und dreht ein paar Filmszenen hier, mitten in Berlin, aber doch so weit weg. Man denkt ein bißchen, man träumt. Wer den Ort kennt, vermisst bestimmt ganz viele wichtige Orte, in meiner kleinen Bilderstrecke. Das war nämlich mein allererster Besuch dort, und ich wusste noch nicht genau, wo man hindarf und habe es auf eigene Faust probiert. Man geht durch den Eingang, wo das Café Mythos ist, wie so ein kleiner Biergarten. Dort stehen ein paar Reliquien, das große alte Mammut und ein paar Dinos und ein Schwan. Und der Gorilla. Aber die wahren Schätze verbergen sich in der Wildnis, rund um das Riesenrad. Ich bin nur ein kleines Stückchen vorgedrungen, durch eine Absperrung, die man eigentlich nicht übertreten darf. Aber am Geburtstag darf man mehr als sonst! Mich hat dann ja auch ein sehr netter uniformierter Aufpasser, der auf dem Fahrrad seinen Kontrollgang gemacht hat, erwischt. Ich durfte nicht mehr weiter fotografieren, ich sollte eigentlich alle Bilder löschen, die ich soweit hatte, aber dann habe ich ganz aufgeregt gesagt, dass es aber doch mein Geburtstag ist... Dann hat er streng geguckt und im Kommandoton pariert: "Äh - das interessiert mich persönlich zwar schon, und da gratuliere ich Ihnen auch ganz herzlich, aber die Kamera, die habe ich nicht gesehen!" "Schon klar! Wo ist bitte der Ausgang, also der Besucher-Weg, wo darf ich..?" "Da lang!" "Tschüs, und danke nochmal!". Also auch deswegen sind hier noch nicht die allerspektakulärsten Sachen zu sehen, aber immerhin ein bißchen von der Wildnis. Das war schon mal ein schöner Anfang. Zum Abschluss bin ich noch mit der Bimmelbahn gefahren, da sieht man noch ein bißchen mehr, da gibt es eine extra Strecke und dann stand mein Wunsch fest, dass ich am nächsten Tag gleich nochmal hinmuss und so eine Führung mitmachen, wo man dann alles sieht, was sonst im Verborgenen liegt. Das ist also nur ein kleines Appetithäppchen bzw. der Aperitif, wie Sie gerne möchten.
Heute: siebenundvierzigster Geburtstag. Man sieht, ich war guter Dinge und habe mir zum Festtag ein lebensfrohes, oranges Leibchen übergezogen, um meiner Lebensfreude Ausdruck zu verleihen. Außerdem stand ein Ausflug bevor, von dem ich später noch beeindruckendes Bildmaterial präsentieren werde. Es war natürlich wichtig, nicht nur adrett, sondern auch praktisch gekleidet aufzubrechen. Deswegen kein kokettes Kleidchen, sondern eine bequeme Hose und zwei Shirts übereinander und die Who Killed Bambi-Sternchenjacke im Proviant. Zu der weißen Hose fällt mir noch ein toller Haushaltstipp ein! Ungeschickt, wie ich manchmal beim Essen bin, ist mir vor einiger Zeit beim Apfelessen, der Saft beim Abbeißen auf die weiße Hose getropft. Erst sieht man das ja nicht gleich, das ist das Gemeine beim Apfelsaft, aber später werden die Tröpfchen auf dem Stoff eklig braun. Das sieht voll Scheisse aus! Was tun? Mit Waschmittel und Spüli ist es nicht rausgegangen, aber ich hatte noch einen Rest von einem Fläschchen mit so einem Mittel für die Zähne, wo sie weißer werden sollen, das habe ich früher manchmal benutzt. Ich glaube, jetzt ist das Mittel verboten aber wohl noch übers Internet bestellbar. Jedenfalls war Wasserstoffperoxid drin. Davon habe ich auf die Apfelflecken draufgetupft, einwirken lassen und dann noch mal kochendes Wasser drübergegossen. Die Flecken waren ganz weg! Jedenfalls da, wo die Hose beim Trocknen nicht der direkten Sonne ausgesetzt war. Das gibt sonst so hellgelbe Flecken, nicht schön! Da musste ich nochmal nachbehandeln. Alles wieder tiptop!
Ich glaube mich zu erinnern, der Erwerb dieses Modells war durch Frau Pfeiffer in dem Streifen mit der Szene auf dem Flügel inspiriert. Der Film an sich war mir eigentlich recht langweilig, aber Michael Ballhaus ist mit seiner Kamera so schön um die räkelnde und hauchende Michelle herumgekreiselt, dass da irgendwas hängengeblieben ist. Im Grunde die einzige Szene aus dem Film, an die ich mich erinnern kann. Ob ich dann losgegangen bin, um ein irgendwie ähnliches Kleid zu finden oder nur zufällig darüber gestolpert bin, weiß ich auch nicht mehr. Wie bei nicht wenigen meiner Kleider ist der Kauf im letzten Jahrhundert über die Bühne gegangen. Wenn ich mir die Szene heute so anschaue, kommt mir das alles ja recht konstruiert und püppchenhaft vor. Und mein Kleid ist leider auch nicht richtig gut geschnitten. Es müsste kürzer sein, um die Hüften enger und raffinierter dekolletiert, nicht mit so tantenhaft breiten Trägern. Jetzt verstehe ich natürlich auch, warum auch dieses Kleid in zwei Situationen nicht den Eindruck gemacht hat, den ich mir gewünscht hatte. Das eine Mal war um 1998 und das andere Mal 2008. Ich denke, 2018 werde ich keinen weiteren Versuch damit unternehmen. Wäre das hiermit auch festgehalten.
Wenn ich mir ausnahmsweise die selbstkritische Bemerkung erlauben darf: das Bügeleisen habe ich scheinbar auch nicht erfunden. Hätte man sich da nicht einmal überwinden können und das Kleid vor dem Fotografieren aufbügeln können? Nein, das war scheinbar zuviel verlangt. Ich habe da kein Verständnis. Ansonsten alles sehr nett und adrett, aber die Falte da. Ich muss immer wieder feststellen, die Erziehungsmaßnahmen sind noch nicht abgeschlossen. Dabei habe ich mich doch schon in so vieler Hinsicht als lernfähig erwiesen. Ich denke, wenn man die Sache mal in der Öffentlichkeit anspricht, gerade auch im Blog, hat das eventuell mehr Nachdruck, als wenn es immer nur so im stillen Kämmerchen vor sich hingedacht wird. Da ich sonst weiter keine großartigen Pläne für 2013 habe, nehme ich mir ab sofort vor, noch strenger zu prüfen, ob aufgebügelt werden muss. Wenn es auch schwer fällt. Geradezu fassungslos war ich ja, als ich vor einigen Jahren einen Mann kennenlernte, der mit größter Selbstverständlichkeit nach dem Wäschewaschen bügelte. Bestimmt einmal pro Woche, Minimum, schloss er seine abendlichen E-Mail-Botschaften mit der Schlussformel: "Werde noch bügeln und dann früh zu Bett!". Selbst wenn ich das jetzt schreibe, kann ich es kaum glauben, geschweige denn fassen. Träum ich oder wach ich? Wie auch immer - Problem erkannt, Problem gebannt! Zufällig kann ich mich bei diesem prunkvollen goldbeigen Kleid sogar erinnern, wo ich es herhabe. Auf jeden Fall auch in den Neunziger Jahren gekauft, ich tippe auf 1997 - 1998 und zwar bei Orsay. Den Laden gibt es ja immer noch. Damals noch D-Mark-Preise, keinesfalls mehr als Neunundfünfzig Mark, eher darunter. Den Zeitpunkt des Kaufs kann ich deshalb so gut eingrenzen, weil ich mich an meine geistige oder besser seelische Verfassung erinnere, die den Kauf animiert hat. Ich wollte da jemanden beeindrucken. Hat wie meistens nicht vollumfänglich geklappt. Bzw. zeigen sich oft eher Zeitgenossen beeindruckt, die ich gar nicht beeindrucken wollte - egal. Vorbei! Heute ist das eh alles Schnee von gestern. Die Problematik allerdings wäre vermutlich immer noch aktuell. Ein weites Feld. Nicht daran rühren.
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Kinder, Kinder - am achtundzwanzigsten August war ja was los! Gleich zwei Kleider am Start. Kann mich absolut nicht erinnern, was der Anlass für den Kleiderwechsel war. Wahrscheinlich eine Mischung aus Zeigefreudigkeit und Torschlusspanik. Langsam ist mir gedämmert, dass ich hinne machen muss, mit meinem Klamottenpotpourri, sonst ist auf einmal Februar und das Jahr vorbei und nicht alle Anziehsachen verwurstet. Insofern sehr vorausschauend von mir. Beides übrigens uralte Kleider, kann mich beim besten Willen nicht mehr erinnern, wann und wo gekauft. Auf jeden Fall letztes Jahrhundert. Gut, "Pannesamt" zieht man ja heute eigentlich auch nicht mehr freiwillig an und gilt doch mehr als Panne. Früher eigentlich auch schon. Wann kam der komische Stoff auf - Anfang der Neunziger? Wirkt ja doch gerne etwas preisgünstig, um nicht zu sagen billig. Tacky, wie der Brite gerne sagt. Mir hat bei dem Kleid aber der metallische Effekt gefallen, wie ein sehr großes Silberfischchen oder eine urbane Disco-Nixe!
Zu dem schwarzen Modell mit den ethnomäßigen Symbolen fällt mir weiter nichts ein, außer dass es bequem ist und vermutlich ebenfalls auf Anfang bis Mitte der Neunziger datiert. Damals war ja Ethno und Esoterik schwer in Mode und ich war studienmäßig ganz vorne mit dabei. Ich konnte überall mitreden, kein Astrologie- und Schamanen-Handbuch blieb ungelesen. Mircea Eliades Schriften und Felicitas Goodmans Fibeln lagen in Griffweite neben dem Bett. Ich staune immer ein bißchen, wenn sich jemand, der sich vor zwanzig Jahren bereits intensivst mit diesen Dingen befasst hat, heute immer noch mit religiösem Eifer um diese Themen kreist. Wahrscheinlich bin ich mehr so der wissenschaftliche Typ, dem der Zugang zu religiösem Wahn fehlt. Diese ganze Sache mit den Ekstasetechniken war für mich eher so von einem Sex and Drugs and Rock'n'Roll-Aspekt und -Lebensgefühl her interessant. Das säuselige Licht- und Liebemäßige war mir schon von jeher zuwider. Deswegen fehlt mir auch der Sinn für diesen breiig verschwurbelten Buddhisten-Kram. Halt typisch skorpionisch, immer nur an den Extremen interessiert! So ein Adjektiv wie skorpionisch ist auch noch so ein internalisiertes Relikt von früher. Aber - ich muss es sagen - da ist halt doch ein bißchen was dran. Auch wenn ich mich heute eher für jemanden erwärme, der sich souverän darüber lustig macht, als andersrum. Neulich, bei dem Opening von Jan, fing ein sehr kultivierter, nicht unattraktiver Fotograf an, mich in ein Gespräch zu verwickeln, er selbst Anfang Fünzig, sehr gut gehalten, betrachtete mich forschend und tippte auf einen starken skorpionischen Aspekt bei mir. Womit er ja richtig lag. Aber ich könnte jetzt nicht sagen, dass ich ihn dadurch attraktiver gefunden hätte. Noch vor gut zehn Jahren hätte mich das möglicherweise irgendwie beeindruckt, gerade auch von einem Mann. Der Gute hörte gar nicht mehr auf davon, jedoch mir wurde das Thema dann entschieden langweilig.
Oh. Der Regen ist schon wieder vorbei. Eben ganz heftig. Vormittags Sonne, dann weniger. Ich habe einen Blendschutz für das Notebook gebastelt, damit ich in der Sonne sein kann und trotzdem mit der Maus spielen. Die handelsüblichen Sachen, die es dafür gibt, würden leider nicht funktionieren, weil ich nicht im schwarzen Shirt vor dem Monitor in der Sonne sitze und auch alles drumherum auf dem Balkon sehr hell reflektiert. Kann ich jetzt schwer beschreiben, was ich da gebastelt habe. Na gut, ich versuchs! Es ist eine Konstruktion aus einem alten, großen Plastikordner, aus dem ich innen die Leiste mit den Stahlringen entfernt habe und mit schwarzem Gaffa-Tape beklebt. An einer Stelle vom Aktendeckel habe ich einen Schlitz geschnitten, so ähnlich wie bei einer Wahlurne, da kommt eine Ecke vom Notebook rein, vom unteren Teil mit der Tastatur. Die andere Aktendeckelhälfte liegt im variablen, nahezu 90-Grad-Winkel flach wie ein Dach darüber. Auf jeden Fall ist es so möglich, als Spiegelbild in der Scheibe die schwarz beklebte Innenfläche vom Ordner zu sehen, anstatt meiner Hautoberfläche. Ich kann dann auf den schräg gestellten Klapprechner wie in eine kleine Höhle gucken und mich gleichzeitig daneben in der Sonne braten. Mitte der Woche soll es schön werden, da kann ich eifrig testen. Aber heute gings auch schon ein bißchen. Zuguterletzt habe ich den alten Plastikordner außen mit dem Papier von einer großen auseinandergeschnittenen Tüte von Desigual beklebt, die sind sehr schön bunt, auf weißem Grund. Sieht sehr schön aus. So ein Modell gibt es definitiv nirgends zu bestellen, ich hab mir alle angeguckt. Eigentlich ein Prototyp, der in Serienproduktion gehen sollte, schon alleine wegen der Funktionalität! Luxus, von dem jeder Blogger träumt: nackig in der Sonne baden und dabei herumsurfen und sogar richtig viel erkennen. Ich habe einfach dieses Daniel-Düsentrieb-Gen und manchmal muss es eben raus!