23. März 2026



Am Wochenende las ich "GHOST STORIES", das soeben erschienene Buch von Siri Hustvedt über den Abschied von ihrem Gefährten Paul Auster, in der deutschen Übersetzung. Überrascht stellte ich gestern fest, dass die englische Originalfassung erst im Mai 2026 erscheinen wird. Nachdem ich das Buch schon geordert hatte, kam mir in den Sinn, dass es in der Sprache, in der es verfasst wurde, lesenswerter sei, da ja kein Sachbuch. Aber ich war dann zu bequem, die Bestellung rückgängig zu machen und hoffte auf eine versierte Übersetzung. Vorweg: die Übersetzung weist immer wieder holprige Stellen auf, Ringen mit den verschachtelten Sätzen, unzulänglich übersetzte Begriffe. Beispiel: bei einer Untersuchung heißt es da, wurde eine "Masse" gefunden, anstatt des im Deutschen üblichen Begriffs "Wucherung" oder wie Ärzte es häufig nennen, "Raumforderung". Da war das Übersetzer-Duo offensichtlich überfordert.

Aber ich will gar nicht weiter auf die Defizite der Übersetzung eingehen. Das Buch wird vom deutschsprachigen Feuilleton bislang weitestgehend in einem fast sakralen Duktus gewürdigt. Dementsprechend hoch war meine Erwartung. Mit dem Thema Abschied vom Lebenspartner gelangen u. a. Joan Didion und Connie Palmen Bestseller, letztere hatte gar zwei derartige Abschiede zu verschmerzen und schrieb sich ihr Leid von der Seele. Ich habe seinerzeit Didions Buch und auch beide von Connie Palmen gelesen, da mich das existentielle Thema interessierte. In meiner Lektüre davor, Bodo Kirchhoffs "Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt" kommt das Thema ebenfalls vor, allerdings in fiktiver Form und in der Version Tod eines früheren Geliebten, der in der Vergangenheit eine große Bedeutung für die Frau in der Geschichte hatte.

Aber zurück zu Siri Hustvedts Buch der Erinnerung, wie sie es nennt. Auf dem Cover sehen wir das Paar in einem glücklichen Augenblick eingefangen, schönes Foto. Ich imaginierte wohl aufgrund der Erwähnungen in Rezensionen, dass vorwiegend erinnerungswürdige Momente festgehalten wurden, aber auch die Trauerarbeit, Umstände der letzten gemeinsamen Wochen und Monate, die unmittelbare Zeit nach dem Abschied. Das kommt auch vor, aber nicht in dem Ausmaß, das der Seitenumfang erwarten lässt. Einen Bildteil gibt es gar nicht, was ich sehr schade fand, da sie an vielen Stellen explizit Fotografien erwähnt, die ihr etwas bedeuten.

Etwas schwer verdaulich sind die zum Teil mikroskopisch beschriebenen Einzelheiten zu Befunden und Medikation, wo ich mir die Frage stelle, ob Auster das derart en detail gut gefunden hätte. Als die Diagnose im März 2023 erstmalig vorlag, erwähnte sie auf ihrem Instagram Account, dass es nun zur Chemotherapie mit Paul geht. Das hat sie vermutlich mit seiner Zustimmung offenbart.



Wir dürfen u. a. im Buch abgedruckte Rundmails lesen, die sie an den großen Freundeskreis schrieb, um alle auf dem Laufenden zu halten. In einer der Mails findet sich auch die Stelle, die ich hier abgelichtet zeige, die mir gefiel, als es um die Mütze ging, die ihn nach seiner Meinung wie einen Religionsführer aussehen ließ. Ich mochte seinen Humor, der da aufs Schönste vorgeführt wurde. Durchaus habe ich ein paar Lieblingsstellen. Keine Lieblingsstelle von mir ist hingegen, wo sie seine über Jahrzehnte bevorzugte Unterhosenmarke im Dreierpack offenbart. Leider konnte er das Buch nicht lektorieren, was er ausnahmslos bei ihren Büchern machte.

So werden wir bei der Lektüre des Paul-Auster-Erinnerungsbuchs wiederholt mit ausgiebigen Einlassungen und Gedankengängen Hustvedts (weniger seinen) zur nordamerikanischen Tagespolitik, inclusive des seinerzeitigen Hickhacks des dortigen Wahlkampfs beschäftigt.

Ihre durchaus interessanten Wahrnehmungen einer gelegentlichen empfundenen Präsenz nach seinem Tod, werden mit ausufernden Einlassungen über Hirnforschung - man möchte fast sagen "gerechtfertigt" oder "legitimiert", als hätte sie die Befürchtung, ohne wissenschaftliche Unterfütterung als frei phantasierende Esoterikerin und Geisterbeschwörerin abgestempelt zu werden. Diese Passagen konnte sie mir gar nicht nahbringen, geschrieben im antiseptisch sterilen Duktus eines Wikipedia-Eintrags.

Etwas weiter hinten im Buch, wo sie darlegt, in welchem Ausmaß sie gegenseitig ihre Bücher lektorierten, geht sie darauf ein, dass Paul Auster mitunter und wiederholt die Stilkritik anbrachte, eine Passage läse sich "medizinisch". Und: sie sollte bitte "straffen". Da fehlt wirklich hinten und vorne ein lektorierender Paul.

Im Buch befinden sich neben den ca. vier oder fünf Mails an die Freunde auch sechs Briefe, die Paul Auster an seinen neugeborenen Enkel schrieb, "Briefe an Miles". Er begann kurz nach der Geburt des Jungen damit, Anfang 2024, und schrieb daran bis zu seinem Tod im April 2024. Er widmet sich in den Briefen, von denen er sich vorstellt, dass sein Enkel sie dereinst im Alter von etwa fünfzehn Jahren lesen wird, Einzelheiten der Familiengeschichte, der Herkunft seiner und Siri Hustvedts Familie, beginnend mit seiner eigenen Tochter Sophie, der Mutter von Baby Miles.

Diesen ersten Brief las ich noch diszipliniert bis zum Ende, obwohl mir bereits die Aufmerksamkeit wegzurutschen drohte. Es sind zartfühlende Erinnerungen in einem warmen Ton, schön zu lesen, aber ich hatte das Empfinden, die Worte sind nicht für mich gedacht. Ich bin kein Familienmitglied der Austers und Hustvedts und möchte wenn überhaupt, meine Zeit lieber damit zubringen, eigene Vorfahren und deren Geschichten zu beleuchten. Es sind doch Zeilen an seinen Enkel, nicht für eine diffuse Öffentlichkeit, die hiermit jene familiären Details zur Vorab-Lektüre erhält, bevor der explizite Empfänger auch nur das Alphabet gelernt hat. Die Briefe, so schön sie sind, haben mich an diesem Platz, zumal zu diesem frühen Zeitpunkt, befremdet.

Siri Hustvedt erklärt im Buch ihre fehlende Kenntnis, was er mit den Briefen vorhatte, sprich, ob er daraus überhaupt ein Buch machen wollte. Ich hoffe, es ist in seinem Sinne. Aber auch da: die Mitteilungen wurden mutmaßlich nicht lektoriert - vielleicht hätte er vor einer Veröffentlichung Änderungen oder Kürzungen vorgenommen.

Den zweiten Brief las ich nur noch halb, es war mir einfach zu familiär, zu privat. Aber nicht auf eine Art, die von einem allgemeinen Interesse wäre, aus der man etwas für sich selbst ableiten könnte. Es sind einfach Interna und Erinnerungen an alle möglichen Verwandten, wie man sie selbst in seiner Familiengeschichte hat und weder relevant oder interessant genug findet, um Inhalt eines weltweit kommerziell vermarkteten Buchs zu werden. In aller Privatheit langatmig und - langweilig.

Aber sicher einmal interessant für den, dem diese Zeilen vorrangig bestimmt waren, den kleinen, später einmal verständigen Miles. Den dritten bis fünften Brief überblätterte ich konsequent. Nur den letzten, kurz vor seinem Ableben, in dem er seine Gewissheit erwähnt, nicht weitere Briefe schreiben zu können, wie ursprünglich beabsichtigt, las ich noch. Der kürzeste Brief.

Ein weiterer abgedruckter Brief, den ich nur überflog, waren Zeilen von Siri Hustvedt an ihren Stiefsohn, das erste Kind von Paul Auster, aus erster Ehe. Dieser Sohn hatte schwere Drogenprobleme und riss seine zehn Monate alte Tochter, Austers erstes Enkelkind, aus Fahrlässigkeit in den Tod, wenig später erlag er einer Überdosis. Der Brief hat für mich einen seltsamen Beigeschmack von Beweisführung, dass sie sich ihrem Stiefsohn gegenüber liebevoll zugewandt zeigte. Das Familiendrama wird mehrfach im Buch thematisiert, es ging wohl auch durch die Presse und Hustvedt vermutet einen Zusammenhang zu Austers gesundheitlichem Zusammenbruch 2019.





Was ich hingegen sehr gerne las, war die Beschreibung des Kennenlernens des Paars und die eine oder andere Begebenheit, die den Umgang miteinander illustrierte, wie die Szene auf der Hotelterrasse in Taormina. Wirklich tief gerührt hat mich neben einem Weihnachts-Liebesbrief von Auster an sie, genau genommen nur eine Stelle. Sie räumt nach seinem Tod eine Ecke im Haus auf, die sie sich noch nicht vorgenommen hatte und findet die Kappe. Darin ein paar vereinzelte weiße Härchen und sie beginnt zu wanken, sucht Halt an der Wand. Hat mich berührt.

Letztere Kapitel, in denen sie sich seiner Baseball-Liebe und abermals der Tagespolitik und dem Wahlkampf widmet, habe ich dann wieder großzügig überblättert. "Reduce to the Max" wäre mein Ratschlag gewesen, ein schmaleres Bändchen hätte es vielleicht auch getan. Jedenfalls für die Leser.

Vielleicht wäre es dann ein Buch, das ich so wertschätzen würde, dass ich einen festen Platz in meinen Regalen dafür frei gemacht hätte. Aber das hat das in dieser Form vorliegende Buch leider nicht geschafft, liebe Frau Hustvedt. Bei allem Respekt und Mitgefühl für diesen maximal existentiellen Verlust.

Ich würde beinah sagen, bereits die Lektüre der Interviews, die die Veröffentlichung begleiten, kann Wesentliches vermitteln, worum es darin geht, vorrangig die in allen Artikeln einheitlich wiederkehrenden Zitate daraus, die mir durchaus gefielen. Man kennt das Gefühl von großartig vermarkteten Filmen, in denen im Trailer bereits die Höhepunkte zu sehen sind, und der ganze Film lässt einen im Kino mit einem etwas lauen Gefühl zurück, wie hier der Erkenntnis, dass ein mit gedanklichen Nebenschauplätzen gefülltes Buch zu noch mehr Seiten führt, einen höheren Preis erzielen kann.

Nichtsdestotrotz kommt man Paul Auster, ohne ihn je gekannt zu haben, in einigen Aspekten näher. Manchmal näher als statthaft für meinen Geschmack, aber wer es mag. Wem man auch näher kommt, ist die Tochter der beiden, Sophie. Heute Mitte Dreißig und Musikerin, Sängerin, Songschreiberin. Ich habe vorher nichts von ihr gewusst. Ebenfalls hier abgelichtet, eine Textpassage zur Bedeutung des familien-internen Begriffs "Blue Team", der mir sehr sympathische, menschliche Eigenschaften umfasst.



Sophie Auster schrieb Anfang des Jahres, in dem er starb, dieses schöne, elegische Lied. In der Tat verfügt sie wie von ihm im ersten Brief an den kleinen Miles beschrieben, über eine bemerkenswert schöne, klare Stimme, einen behutsamen Ton, wenn sie singt. Sie spielte das Lied ihrem Vater am Krankenbett vor, als es eine erste Demoversion davon gab. Er mochte es sehr und wünschte sich, dass es auf einer nach seinem Tod geplanten Gedenkfeier gespielt werden sollte. Von ihr vorgetragen werden sollte. So geschehen.



"(...) Even though my heart is breaking
I know this aching is 'cause I adore you
And how lucky I've been
To have you through the thick and thin

And I'll keep playing for the blue team
And I'll be seeing you in my dreams
I'll keep playing for the blue team

I'll make it go away
Pack up our sorrows for another day
And we'd all live together
In a big house forever

The flying will land us on the balance beam
I'll think of you and mom
Dancing in the living room to a Tom Waits song
Although the tears are always near
You and I are clear

And I'll keep playing for the blue team
And I'll be seeing you in my dreams
I'll keep playing for the blue team"

22. März 2026

SONN-TAG.









21. März 2026

Gestern auf dem Weg zum Schornsteinfeger-Date. Ich habe mir die Kessler-Zwillinge-Gedenkmütze auch noch in nilgrün, schwarz und grau gekauft. Gerade richtig für Übergangswetter, es ist noch frisch. Und die gute Sonne arbeitet sich gerade erst für den Frühlingsauftritt durch, kuschelt lieber noch mit der Wolkendecke.



Heute ist in vielen Teilen der Welt ein besonderer Tag. In der westlichen Welt der Frühlingsanfang, in der muslimischen Religion schon seit gestern das Bayram-Fest oder auch Zuckerfest genannt, Ende des Ramadan. Das hätte ich nicht mitbekommen, wenn nicht eine meiner liebsten Kolleginnen, die libanesische Wurzeln hat, aber in Berlin aufgewachsen ist, selbstgebackene Plätzchen ihrer Mama mitgebracht hätte, damit wir auch was vom Bayram-Fest haben. Solche familiären Gesten rühren mich sehr.



Ich stelle mir dann vor, wie die Mama zu ihr sagt: "Bring Deinen Kolleginnen auch was mit, ich hab extra mehr gebacken!" Mit Ramadan habe ich sonst nur indirekt Berührung. Vor einem Jahr hatte ich mal privat einen Kurierdienst für einen Transport beauftragt, für Abholung und Zustellung in den frühen Abendstunden, eine Uhrzeit, wo es gerade dunkel wird. Es gab Engpässe beim Kurierdienst, einen Fahrer zu finden, weil die Firma mit sehr vielen muslimischen Berlinern zusammenarbeitet. Es war Ramadan. Sobald es dunkel wird, dürfen sie während des Ramadan endlich etwas essen und zu der Uhrzeit waren dann alle schon in den Startlöchern Richtung Futterkrippe. Habe dann einen anderen Termin für die Zustellung auserwählt, eine Uhrzeit gegen Mittag, war dann auch gar kein Problem, einen Fahrer zu finden.



Noch ein Feiertag bzw. Auftakt zu längerer Feierei, sogar 13 Tage lang, ist das persische Neujahrsfest, Nouruz oder Nowruz. Der unerschütterliche Lebenswille lässt sich nicht bremsen, trotz der Luftangriffe versuchen die Iraner ihr schönes Ritual beizubehalten. Das ist auch richtig so, finde ich. Niemals den kriegerischen, destruktiven Kräften die Oberhand zugestehen. Aber immer dem Friedlichen, der Freude und allem Schönen. Wie der Poesie.



Gerade gelesen, dass heute auch Tag der Poesie ist, von der UNESCO eingeführt. Und: Tag gegen Rassismus. Ich finde, so einen Tag sollte es in unserer Zeit wirklich nicht mehr brauchen, das ist ja wohl selbstverständlich, finde ich. Wie Tag gegen Kacke auf dem Tisch - braucht auch kein Mensch. So wird Schwachsinn hofiert, indem er namentlich auf ein Podest kommt, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Und jene, die die Message nicht erhalten haben, werden eher bockig auf Krawall gebürstet, weiter ihre kleingeistige Haltung proklamieren, sollten sie je davon hören. Die Sonne hat ihren Auftritt, ich gehe mal Hallo sagen, mit dem Buch von B... Bodo Kirchhoff. Noch gut fünfzig Seiten. Und Kaffee!

20. März 2026

"(...) Aber was sie beim Lieben sucht, schon damals mit noch glatter Haut und reinem Herzen, und es bis heute sucht, ist nicht der Schauer, den Anderen in sich zu spüren, und auch nicht die Auflösung am Ende, das Sichverströmen im Zeitraum eines Hundertmeterlaufs, wenn es denn glückt. Nein, was sie wieder und wieder sucht, ist das Schöne, auch wenn es sich nicht anpeilen lässt, nur manchmal finden, indem man es nicht sucht, wie sie es früher im Wald gefunden hat, im Duft nach Harz und dem Klopfen eines Spechts und in den Sonnenstrahlen zwischen hohen Tannen, über den Wipfeln blauer Himmel, im Erhabenen, ohne dass sie damit klein wurde, ganz im Gegenteil. Und nichts anderes nimmt sie als Idee mit in den Schlaf: noch einmal zu wachsen, als gäbe es dafür ein Depot, das sich jetzt erst öffnet, und noch einmal zu staunen, als wäre alles um sie herum neu -"

Bodo Kirchhoff, "Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt", Seite 486

20. März 2026



Warten auf den Frühling. Morgen, am Samstag und am Sonntag viel Sonne in Berlin. Kleine Knospen an meinen Sträuchern auf dem hinteren Balkon. Flieder, Hortensie und Sanddorn. Am Vormittag war wieder einmal der Schornsteinfeger da, wir kennen uns schon lange. Er kommt immer ins Plaudern. Worüber, darf ich nicht veröffentlichen. Er hat es mir nicht verboten, aber ich gehe davon aus, dass er das nicht angebracht fände, ebenso wenig wie ich im umgekehrten Falle. Es gibt doch manches, was ich aus guten Gründen unter den Tisch fallen lassen muss. Privateres, teilweise Unerquickliches, aber nicht nur. Ich habe keine Affäre mit dem Schornsteinfeger! Wenn es so wäre, hätte ich bestimmt schon einmal ein Foto von ihm gemacht und evt. sogar gepostet, "in seiner schicken Uniform" wollte ich gerade schreiben. Aber es heißt anders - wie nennt man das denn - Arbeitskleidung eben. Aber nicht schwarzer Schornsteinfeger-Anzug mit Zylinder, was der Knaller wäre, sondern schwarzer Schornsteinfeger-Anzug mit einem schwarzen Käppi. Ähnlich, wie es muslimische Männer tragen, allerdings ohne Stickereien und ähnliche Verzierungen.



Ich freue mich auf die letzten Kapitel im Buch von - Himmel! Jetzt fällt mir der Name auch schon nicht mehr ein - Bruno - Benno - B... ich muss auf den Buchrücken schauen - Bodo Kirchhoff. Dabei hab ich ihn in jedem der letzten Einträge namentlich zitiert und er ist mir auch schon vorher durchaus geläufig gewesen. Nicht das erste Buch und auch nicht das zweite Buch, das ich von ihm lese. Mit Gewinn. Es gefiel mir wieder sehr. Aber Mumbai interessiert mich nach der Lektüre ebenso wenig wie vorher. Es wurde alles bestätigt, was ich bislang darüber wusste. In einem Kapitel schreibt die Hauptfigur Terese (Ende Sechzig, Frankfurterin, Therapeutin im Ruhestand, verheiratet, aber verknallt in einen jüngeren deutsch-indischen Guesthouse-Betreiber) an Ihren Freundeskreis in Frankfurt am Main Messages aus Mumbai, in denen Sie mitteilt, Mumbai müssten sie gesehen haben, das wäre die Zukunft. Da fragte ich mich, ob sie damit etwa die Zukunft von Hessen prognostiziert. Ich hoffe doch nicht. Lobend erwähnt sie zwar, dass überall das WLAN prima sei (außer im Süden von Goa) aber das Alltagsszenario, das dort in dem Viertel, das zu den ärmeren zählt, beschrieben wird, entspricht genau meinen Vorurteilen, die vielleicht doch berechtigt sind. Auch das permanent heiß-schwüle Wetter wird fortlaufend bestätigt. Hab jeweils wieder jeden erwähnten Ort u. a. bei Streetview etc. angesehen, Architektur, Vegetation, Unterkünfte eingeschlossen. Es zieht mich nichts hin.



Strelitzia Reginae No. 1a und No. 11, 2026, Paradiesvogelblume

19. März 2026

"Die Erinnerung an Tereses Äußeres, (...) an den Mund beim Lachen... lässt bereits etwas nach. Vergessen gehört offenbar zur Erinnerung, wie das Verblassen einer Liebe zur Liebe gehört, und das Erzählen von ihr ist auch ein Angehen gegen das Vergessen. (...) und die Suche nach den richtigen Worten ist eine andere, einsame Art des Liebens: Man legt die Arme seiner Sprache um den oder die, die es nur noch in der Erinnerung gibt, und das eigene Unvermögen oder Vergessen ist ein Teil der Wahrheit."

Bodo Kirchhoff, "Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt", Seite 206

18. März 2026



Bodo Kirchhoff, "Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt", Seite 338 - 339

17. März 2026

"(...) aufs Dach, schon zu der Stunde, in der sich der Kai am Marine Drive füllt, dort alle auf den Sonnenuntergang warten, wie sie auf das Erscheinen von Rana mit einem Tablett, darauf das Abendessen. Sie beugt sich über die vordere Brüstung, wie für einen Sprung in das Chaos (...) bis jemand von hinten die Arme um sie legt, um ihre Rippen, ihren Bauch, und sagt: Unser Essen ist fertig - ein Plural, der sie fast zum Weinen bringt."

Bodo Kirchhoff, "Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt", Seite 198

17. März 2026

"(...) Sie könnte ihn umarmen, aber fängt an zu essen und bemüht sich, nicht nach jedem Bissen zu sagen, dass es ihr schmeckt - dass er das alles zubereitet hat, hält sie für denkbar, fragen will sie nicht. Es war einer der frühen Fehler zwischen Vigo und ihr, sich durch analytisches Nachhaken die Illusionen über den Anderen zu nehmen, für ein Wissen, das nichts gebracht hat, nur das kurze Leuchten eines Begriffs, der den Anderen kleinmachte. "

Bodo Kirchhoff, "Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt", Seite 192

16. März 2026





Mein Lieblingswerkzeug in meiner kleinen Küche, das Wellenmesser. Heute wieder schnelle Küche: sechs Kartoffeln in Scheibchen geschnitten, zwei Zucchini, drei Möhrchen. Aufs Backblech gelegt, Sonnenblumenöl drüber, den Rest macht der Backofen. Schön viel Oberhitze, bisschen höher als die mittlere Schiene. Salz drüber, in Schüssel geben, bunte Salatblättchen drauf werfen, bisschen Mayo, frischen Pfeffer. Fertig! Das Wunderbare an dem Wellenschnitt ist, dass er nicht nur schön aussieht, sondern jedes Teilchen drei Texturen hat: unten fein gedünstet, oben angebacken und die oberen Streifen vom Muster leicht angeröstet. Ein Festmahl, ideal für bequeme Köchinnen wie mich. Der Wellenschneider ist der zweite, den ich gekauft habe. Der erste, ein anderes Modell, hat nicht so gut geschnitten, auch nicht so tiefe Wellen gemacht, aber der da ist perfekt. Um die acht Euro und sieht auch schön aus. Und braucht keinen Strom. Ich mag keine Küchengeräte, die man erst in die Steckdose stecken muss, Krach machen, zum Reinigen auseinanderbauen muss und viel Platz wegnehmen. Mein Wellenmesser ist eine Anschaffung fürs Leben, ich kann mir nicht vorstellen, dass das je kaputt geht.





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