10. März 2024



Was ich alles nicht kenne - Emser Straße 128: "Schwarzekatze Weisserkater", eine Galerie. Emser Straße 122: Bar "Schloss Neuschweinsteiger". Die Emser Straße ist die übernächste Parallelstraße zur Schierker Straße, in der seit 21 Jahren meine Werkstatt ist. Ich kenne das alles nicht, weil ich die Emser Straße von der U-Bahn kommend, immer nur überquere. Diesen Teil der Emser Straße bin ich in all den Jahren maximal viermal entlang gelaufen, mit Abstand von mehreren Jahren. Das wird sich wohl auch nicht ändern, weil mein Aufenthalt in der Ecke einen anderen Schwerpunkt hat, aber hin und wieder flanieren ist interessant, weil sich doch manches ändert und dann ist es eine Entdeckungsreise.



In Wilmersdorf gibt es auch eine Emser Straße, in der war ich zweimal. Dort ist nämlich das alte Logenhaus, in dem Auktionen und andere Veranstaltungen stattfinden. Einmal war ich dort mit einer Freundin bei einer Auktion mit Modenschau und ein anderes mal bei einem Vortrag von einem geschäftstüchtigen Esoteriker, einer Einladung folgend. Fand ich nicht so prickelnd, was der gute Mann daherschwurbelte. Die Modenschau hat mir besser gefallen.



09. März 2024





Auch in der Emser Straße. Sockel mit Ringelstreifen & "Ruine Bar".

09. März 2024









Nun hatte ich die eine Hälfte der Emser Straße eingehend betrachtet, und mir kam gestern in der U-Bahn der Gedanke, was sich wohl noch für architektonische Kleinode in der anderen Hälfte finden könnten. Ich ging in mein Atelier, stellte die Tasche ab und ging wieder raus, die Sonne war auch viel zu schön, um nicht spazieren zu gehen. Und ich habe noch ein paar Schätze entdeckt.



09. März 2024







Gruß von der Delphi-Terrasse mit dem Theater des Westens. Tagsüber ist die Terrasse recht leer und es lässt sich in aller Ruhe ein Frühjahrs-Sonnenbad mit Blick auf die Kantstraße nehmen. Der gastronomische Betrieb fängt erst am späten Nachmittag an. Die Bänke stehen aber immer bereit. Mit eigenem Proviant oder einer Currywurst vom Imbiss bei Ullrich ein Lieblingsplätzchen von mir.



08. März 2024



Mit diesem anmutigen Portalschmuck in der Emser Straße 76 und dem sachlichen, aber auch bemerkenswerten Architekturdetail im Dampfer-Stil der Kita in der Emser Str. 81 beende ich meinen kleinen Spaziergang durch die untere Hälfte der Emser Straße. Der Wiener Architektur-Revoluzzer Adolf Loos hätte der Bauweise der Kita sicher eher seinen Segen erteilt. Adolf Loos verachtete architektonischen Zierrat in Form von Stuckdekor an Schauseiten von Mietshäusern, und zwar zutiefst. In seiner kämpferischen Schrift mit dem Titel „Ornament und Verbrechen“ aus dem Jahre 1908 hatte er den Auftakt für ein schmuckloses Äußeres und Inneres der Häuser bereitet. Er trat mit großer Vehemenz für ornamentlose Fassaden ein. In der Schrift heißt es unter anderem, dass man Schmuckformen jeder Art unbedingt verbieten müsse. Leute, die sich selbst, ihre Kleider, ihre Wohnungen oder ihre Häuser und Vorgärten schmückten, seien „Verbrecher“, „Degenerierte“ beziehungsweise „Hanswurste“. Loos argumentierte, dass Funktionalität und Abwesenheit von Ornamenten im Sinne menschlicher Kraftersparnis ein Zeichen hoher Kulturentwicklung seien. Es würden noch ganze Volkswirtschaften zugrunde gehen, wenn die Welt nicht bald damit aufhöre, ihre ganze Kraft an Nippes und Tinnef zu verschwenden.



Rückblickend kann er als Visionär gelten, was die Umsetzung seiner Ideale angeht. Seit vielen Jahrzehnten ist der Verzicht auf schmückende und womöglich verspielte Architekturdetails um des Schmuckes willen, zugunsten von preisgünstiger Geradlinigkeit die Marschrichtung, zumindest beim Bau von Funktionsgebäuden, zu denen auch Mietshäuser, vor allem des sozialen Wohnungsbaus zählen. Gott sei's geklagt! Der ersten Entstuckungswelle in den Zwanziger Jahren folgte unter den Nazis eine weitere, noch umfassendere. Sie zielte sowohl auf die Beseitigung des „überflüssigen Tands“ wie auch der Gefahren für die Passanten durch herabfallenden Stuck ab. Eine dritte Welle in den Sechziger Jahren bot für das Abschlagen des Stucks sogar ausgelobte Prämien, die Hausbesitzer finanziell unterstützen sollten, um die Gefahren zu beseitigen, die von herabfallenden Fassadenteilen ausgingen. Und heute werden die fehlenden Stuckelemente beweint, schmerzlich vermisst. Weil man es sieht, dass Häuser aus gewissen Epochen anders angelegt waren. Lauter Leerstellen. Unwiederbringlich. Ich weiß leider kein Beispiel, wo ein Hausbesitzer den abgeschlagenen Stuck anhand von alten Plänen und Fotografien rekonstruieren ließ. Es wird ein paar wenige geben. Bitte gerne ein Bundesverdienstkreuz dafür geben. Das verschönt meine Spaziergänge. Und bestimmt nicht nur meine.

08. März 2024







Emser Straße 102. Eines meiner liebsten Häuser auf diesem Spaziergang. Die Figuren. Grandios. Und noch dazu das Zeitdokument eines Herrn mit modischer Haartracht, der so vertieft sein Smartphone studiert, dass er zu keinem Zeitpunkt merkt, dass er fotografiert wird. Ich war zwar auf der anderen Straßenseite, aber nicht so weit weg. Ich konnte in aller Ruhe auslösen.







07. März 2024





Emser Straße 99. Wow. Oh je. Oh my goodness. Beauty of decay. Gemahnt an romantisch verklärte "Lost Places", aber da unten ist ein Café drin. Der anrührende Zauber von bröckelnden, alten Fassaden, in Venedig ohne Unterlass bewundert. Auch vor diesem Haus stand ich bewundernd. Die pergamentenen Schichten, das Poröse, das die Dynamik von lebender Materie zeigt. Und doch auch erschreckend - wenn da nicht bald etwas passiert, wird der Stuck abfallen? Das Haus hat ein schweres Ekzem. Katastrophe! Gebietet Einhalt, das darf nicht geschehen. Da muss doch Geld in die Hand genommen werden, bitte gerne meine Steuergelder. Wir sind ja nun kein armes Ostblockland, und das ist alter Berliner Westen, wenn auch das ärmere Neukölln. Ich bitte um Denkmalschutz! Und doch ist es grandios, so ein Verfallsstadium zu sehen. Wieviel Melancholie so ein altes Haus ausstrahlen kann. Muss abermals die Queen zitieren: "Life is full of contradictions."

07. März 2024





Hat auch viel Charme, mit den Sonnenblumen und den spitz zulaufenden Stuckornamenten über den Fenstern - Emser Str. 93.





06. März 2024





Emser Straße achtundvierzig u. vierundachtzig. Wer hat seinerzeit, Anno 1898, den Adler erschaffen? Wir werden es nie erfahren.



05. März 2024

Ich spüle noch ab und gehe dann schlafen. Vielleicht sogar noch früher als gestern. Schlafenszeit gestern war 22.30 bis 8.00 Uhr. Neuneinhalb Stunden! Für mich unter der Woche spektakulär. Mal was Neues ausprobieren. Aber als Betthupferl noch ein Gläschen.

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