12. August 2024





Ich lief neben Valerian hinter Mamas Urne hinterher. Die Sonne schien. In der Wettervorhersage war für die Zeit eventueller Regen avisiert, aber der kam nicht. Was angenehm war. Bei der Beisetzung meines Vaters hatte es ununterbrochen geregnet. War auch im Sommer, am 9. Juli 2021. Das machte es noch trauriger.











Während die Urne versenkt wurde, sprach die Pfarrerin Gebete. Ich dachte, da würde das "Blumenduett" gespielt werden, aber das kam erst ein wenig später, als die Blütenblätter gestreut wurden.

11. August 2024

Ich betrat die Aussegnungshalle, in der vor drei Jahren auch die Trauerfeier für meinen Vater stattgefunden hatte. Er war katholisch, mit einem katholischen Priester. Meine Mama blieb zeitlebens evangelisch. Aber beide haben die gleiche blaue Urne mit dem goldenen Lebensbaum. Ich ließ meinen Blick kurz durch die Reihen schweifen und erblickte eine Frau in meinem Alter, die mir zweimal bei Besuchen bei meiner Mutter begegnet war. Sie saß in einer der hinteren Reihen mit einer tiefschwarzen Sonnenbrille und reagierte nicht auf mich. Ich sprach sie direkt an, "Schön, dass Du auch gekommen bist". Weder sagte sie hallo, noch kondolierte sie mir. Sie stand auch nicht auf, sondern murmelte nur knapp: "das hab ich ihr ja versprochen." Ende der Unterhaltung. Ich nahm sehr stark wahr, wie sie sich sperrte und war leicht perplex. Sie hatte meine Mutter im Zuge des Besuchs der alten Dame kennengelernt, mit der sie freundschaftlich verbunden ist, die das Zimmer mit meiner Mutter teilte. Was praktischerweise zu einem solchen Kontakt mit meiner Mutter führte, dass sie kleine Besorgungen für sie machte, wenn sie ohnehin welche für die andere alte Dame erledigte. Ich war immer freundlich zu ihr, obwohl mir ihre Angewohnheit etwas suspekt war, mit erwachsenen Frauen einer älteren Generation wie mit Kleinkindern zu sprechen. Was diese aber vielleicht genossen. Für mich war meine Mutter bis zur letzten Minute eine als erwachsene Persönlichkeit zu respektierende Frau geblieben, auch wenn sie nicht mehr alles selbst machen konnte.



Ich kehrte um und nahm es hin und suchte mir meinen Platz, der für die nächsten Angehörigen immer in der vordersten Reihe ist. Ich hatte unmittelbar den Impuls, möglichst genau gegenüber der Urne zu sitzen, mittig. Valerian wollte mich zur anderen Seite rüberwinken, wo er mit den anderen der Familie saß, aber ich wollte unbedingt genau da, so nah wie möglich, Auge in Auge mit ihr sein. Meine Tasche stellte ich auf den Stuhl neben mir ab. Das Fach mit den Tempotaschentüchern griffbereit. Brauchte ich auch.



Ich wusste ja, was zumindest musikalisch nun zu erwarten war. Der Auftakt mit Maria Callas. Ah non credea mirarti. Eine Aufnahme aus meinem Geburtsjahr 1965. Schon bei den ersten Takten ging es los. Ich konnte nicht mehr an mich halten. Die Tränen flossen, als wäre eine Schleuse geöffnet. Die Musik war berührend und tröstlich, genau richtig. Ich glaube, dass auch andere es so empfanden. Sie sagten es mir ja später. Die Pfarrerin sprach sehr, sehr einfühlsam. Dann wieder Musik, Harry Belafonte, Try to Remember. Bei den folgenden Worten der Pfarrerin trat zutage, wie tief sie sich mit dem Text des Liedes beschäftigt hatte, sie schlug schöne Bögen zur Biographie meiner Mama, welchen Trost auch das Erinnern an frühere, hellere Tage in einem Leben bedeuten kann, wenn es sich zum Ende neigt. Und sie zitierte hingebungsvoll das von mir gewählte Zitat von Wolfgang Borchert.



"DIE ERDE SINKT ZURÜCK, DIE FESSELN UND DIE SCHMERZEN: ICH BIN AM HIMMEL STERN GEWORDEN UND FÜHL IM ALL DEN SCHLAG VON GOTTES WEITEM HERZEN."



Esther und Abi Ofarim sangen ihr Schlaflied "hush-a-bye". Abschiedsworte. Dann Auszug der Urne. Zuerst wird der Urnenkranz abgehoben und nach draußen getragen, dann die Urne selbst. Alle erheben sich, um zu folgen. Auf dem Weg nach draußen die Klänge von Esther und Abis "Morning of My Life".

11. August 2024



Noch eine halbe Stunde bis zur Trauerfeier. Ich setzte mich auf eine der drei Wartebänke auf den Hof, da wo auch der Aushang ist, welche Trauerfeiern anstehen und wartete auf die ersten Gäste. Von den engsten Angehörigen, also Valerian, seiner Frau, den zugehörigen Eltern und seinem Bruder mit dessen Frau wusste ich sicher, dass sie kommen. Auch von einem langjährig mit meinen Eltern befreundetem Ehepaar und dem Nachbars-Ehepaar und zugehörigen Kindern. Alle übrigen Gäste würden eine kleine Überraschung sein. Mit dem Fahrrad trudelte eine Frau um die Vierzig ein, die sich als die Pfarrerin entpuppte. Mit ihr hatte ich lange gesprochen, auch schriftlich Input zum Lebensweg meiner Mutter gegeben. Sogar Fotos gemailt. Sie war bestens im Bilde.



Eine sehr sympathische, auch gutaussehende Pfarrerin. Hätte Karin glaube ich gefallen. Dann kamen der Nachbar und seine Frau, die beiden waren auch in der vorherigen Trauerfeier und klärten mich, wie schon erwähnt, über den Grund der saloppen Bekleidung der anderen Trauergesellschaft auf. Sie waren aber beide förmlicher gekleidet. Sie hatte eine leichte, cremeweiße, geschlossene Bluse mit längeren Ärmeln und eine schwarze Hose an, er einen dunkleren Anzug. Wir begrüßten uns warm. Nach und nach stellten sich weitere Besucherinnen ein, meistens weiblich und meistens erkannte ich sie nicht. Ich fragte dann höflich, mich entschuldigend, dass ich es leider nicht wüßte. Überwiegend hatten sie Post von mir erhalten. Ich konnte nun einige Namen aus dem Adressbuch meiner Mutter Gesichtern zuordnen. Bei manchen hatte ich ein bißchen déjà-vu. Wenn sie dann den Namen sagten, machte es klick bei mir. Die Jahrzehnte des nicht-mehr-gesehen-Habens haben einfach bei allen gearbeitet. Mich erkannten auch die meisten gar nicht, was sie mir auch sagten.



Also waren wir sozusagen quitt. Ein weiterer Mitarbeiter vom Bestattungsinstitut hatte nun den Blumenschmuck, bis auf das Körbchen mit den Blütenblättern, die am Grab gestreut werden sollten, in die Aussegnungshalle getragen. Die Pfarrerin kam im langen schwarzen Talar mit weißem Kragen auf mich zu und fragte mich, ob wir noch warten sollen. Es fehlten nämlich noch meine nächsten Angehörigen, sprich Valerian mit seiner Frau, seinem kleinen Sohn, den Schwiegereltern und seinem Bruder und dessen Frau. Ich überlegte kurz, sagte dann, dass es schon wichtige Gäste für die Feier sind und sie eigentlich jeden Moment kommen müssten. Und so war es. Kaum hatte ich es ausgesprochen, kamen sie alle auf einmal durch den Eingang auf den Hof. Wir drückten uns alle und es konnte doch recht pünktlich losgehen.

11. August 2024

Während die andere Trauerfeier noch lief und ich Fotos von den wartenden Blumen machte, kam mir ein schwarz gekleideter Mann mit dem eingestickten Logo des Bestattungsinstituts auf seinem schwarzen Polohemd entgegen, ich stellte mich vor und er begrüßte mich aufs Herzlichste und kondolierte. Ich kannte ihn noch nicht, bisher hatte ich mit zwei Mitarbeiterinnen zu tun, die aber nicht vor Ort dabei waren, was mir aber vorher bekannt war.



Ich sagte ihm, dass ich mich sehr über die Blumen freue, und ganz besonders über den schönen Urnenkranz, den ich mir nicht schöner hätte vorstellen können, in blau und weiß mit ein bißchen violett. Ich hätte ihn mir am liebsten auf den Kopf gesetzt, so schön fand ich ihn. Wir plauderten noch ein bißchen, stimmten ein letztes Detail zur Musik am Grab ab (wann genau sie einsetzen soll) und er kümmerte sich dann weiter um die Vorbereitung. Ein Trauergast der anderen Beisetzung, eine Dame, hatte die Aussegnungshalle verlassen, obwohl die Feier noch lief und schaute sich die Blumen an, vor allem den Blumenwagen für Karin. Sie schenkte mir einen mitfühlenden Blick und las die Schleifen. Ich informierte sie, dass das die Blumen für eine andere Beisetzung sind, also die danach.



Es war ihr peinlich, sie machte eine entschuldigende Geste. Mich hatte es gar nicht gestört, dass sie die Blumen so anerkennend begutachtete, im Gegenteil, aber das Lesen der Schleifen fand sie wohl unstatthaft. Mich erheiterte es beinah, dass sie den anderen Wagen, der zu "ihrer" Toten gehörte, kaum ansah, obwohl große, pompöse Kränze daran hingen. Die Trauerfeier für die Stadträtin war wie geplant, nach zwanzig Minuten zu Ende und die Trauergesellschaft verließ angeführt von dem Urnen- und dem Kranzträger die Halle Richtung Friedhof und Grab. Aha. So läuft das. Ich wunderte mich und war sogar fast etwas pikiert, dass die Damen unter den vorbeiwandernden Trauergästen durchweg luftige, ärmellose, bunte, auch kurze Sommerkleider und offene Sandalen trugen, die Herren keine Anzüge, sondern eher sportive Alltagskleidung, T-Shirt, farbige Hose, Turnschuhe, Sandalen. Ich hatte noch vorher zuhause recherchiert, wie der übliche Dresscode für Trauergäste ist, insbesondere an einem sehr warmen Sommertag, wie wir ihn hatten. Es wurde stets betont, dass Ärmelloses, Ausgeschnittenes, überhaupt alles, was zuviel Haut zeigt, so auch offene Schuhe, die nackte Zehen präsentieren, zu vermeiden sind. Daran hatte ich mich selbst gehalten. Warum diese Gesellschaft diesen üblichen Dresscode komplett ignoriert hatte, klärte sich später auf. Ein Trauergast war bei beiden Beisetzungen und zeigte mir die Traueranzeige für die Stadträtin, in der ausdrücklich stand, dass KEINE Trauerkleidung erwünscht sei. Ich hoffe, dass es das Vermächtnis der Verstorbenen selbst war und keine lockere Mutmaßung eines lockeren Hinterbliebenen.

11. August 2024







Ich spazierte zur Aussegnungshalle und fand im Innenhof glücklicherweise gleich die Besuchertoiletten. Bei "Damen" war der Wasserhahn kaputt. Ich ging zum Händewaschen zu "Herren". Ich schaute mich ein wenig um. Gegenüber der Aussegnungshalle steht die evangelische Kirche, in der ich gemeinsam mit meinem Bruder konfirmiert wurde. Schöne, wilde Wiesenblumen überall. Ich setzte mich eine Weile auf eine Bank davor, die immerhin Halbschatten hatte und trank ein bißchen etwas. Die Glocken läuteten. Sie schlugen für die Trauerfeier, die vor der meiner Mutter, um 13 Uhr stattfand. Eine Frau Mitte Sechzig, die auch im Stadtrat war, wurde beigesetzt. Auf ihrem Blumenwagen auf dem Hof der Aussegnungshalle waren mehr Blumengrüße, als auf dem für meine Mama, aber die waren bei weitem nicht so schön. Ich war nicht neidisch. Außerdem hatte ich ja die Blumengestecke selbst bestellt und ausgesucht und war sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Es ist ja doch eine kleine Überraschung, weil man am Ende nicht genau weiß, welche Blumen gerade jahreszeitlich verfügbar sind und gesteckt werden, wenn man nicht gerade den immer erhältlichen Klassiker Rosen ordert. Aber ich habe ganz gute Vorgaben gemacht, wie zum Beispiel "wildromantische Blumenwiese", in abgesprochenen Farben. Sommerlich und leicht. Freundlich. Und dazu bitte cremeweiße Schleifen ohne Fransen.



11. August 2024





Nach gut zehn Minuten Fahrt von Nürnberg war ich am kleinen Bahnhof angelangt. Daheim in Berlin, hatte ich mir zur Sicherheit auf einem DIN A4-Blatt den Fußweg bis zum Friedhof aufgemalt, weil ich so lange nicht mehr dort herumspaziert bin. Aber eigentlich war er ganz einfach, einmal vom Bahnhof abbiegen und immer geradeaus und dann rechts. Ich lief in der heißen Mittagssonne an vielen kleinen Vorgärten vorbei, es gab kaum Schatten. Es war viel näher, als ich gedacht hatte, und meine Gedächtnis reichte noch weit genug zurück, um den Hintereingang vom Friedhof über den kleinen Seitenweg zu erinnern. Dann könnte ich das bereits geöffnete Grab schon einmal sehen, das würde mich später gefasster machen. So geschehen. Die schwere, linke Granitplatte der dreigeteilten, großflächigen Steinabdeckung war abgehoben worden und lag gut einen Meter links vom Grab auf dem Rasen.



Hinten am Grabstein lehnte wie vergessen, die Schaufel, was ich kurios fand. Ich wusste nun, dass die Urne meiner Mama mehr oder weniger im gleichen Bereich wie die meines Vaters ruhen würde, entweder nebeneinander oder übereinander, das konnte ich nicht sehen. Der Bereich, wo ihre Urne versenkt würde, war durch ein Stück Kunstrasen mit einem Loch bei der Vertiefung versehen. Wegen mir hätte es das nicht gebraucht, ich fand es eigentlich kitschig, hatte ich auch nicht bestellt, aber das ist vermutlich der übliche Standard, über den nicht gesprochen wird, wenn man es nicht von sich aus thematisiert. Auf die Idee wäre ich gar nicht gekommen. Aber auch nicht so wichtig. Ich lief weiter, in Richtung der Aussegnungshalle. Ich hatte noch mehr als eine Stunde Zeit.



10. August 2024



Am Fenster vom ICE 1105. Berlin - Halle - Erfurt - Nürnberg. Berlin - Brandenburg - Sachsen-Anhalt - Thüringen - Bayern. Ich war innerlich sehr angespannt. Die Tram fuhr schon mal pünktlich zum Hauptbahnhof, der ICE fuhr auch pünktlich los. Er war schon da, als ich zum Bahnsteig kam. Ich wanderte durch die zweite Klasse zum Speisewagen, der fast leer war, bis auf ein paar geschäftig schnatternde Businessfrauen vor ihren Notebooks. Meine Anspannung war nicht nur dem bevorstehenden Abschied geschuldet, sondern auch der Unsicherheit, ob ich zeitig ankomme.



Deswegen hatte ich bei der Zugverbindung schon einen Puffer von gut anderthalb Stunden eingeplant. Um 8:13 fuhr der ICE los, um 12 Uhr sollte er ankommen. Alles lief gemäß Fahrplan. Im Bordbistro bestellte ich mir für meine Verhältnisse ungewöhnlich viel, in recht kurzen Abständen und zu Uhrzeiten, wo ich sonst noch nichts esse, um nicht bei der Beisetzung hungrig zu werden. Meine erste Bestellung war eine kleine Flasche Tonic. Kaffee hatte ich gerade noch zuhause reichlich getrunken. Dann orderte ich das Käseomelett. Des weiteren eine Flasche Coke Zero. Kaum war ich mit dem Omelett fertig, das recht klein war und sehr gut geschmeckt hatte, blätterte ich schon wieder in der Speisekarte, um zeitig eine frühe Mittagsmahlzeit zu bestellen. Ich schwankte zwischen Gemüse-Curry mit Basmatireis und dem Linseneintopf und wählte dann das Curry. Während ich noch an der Cola trank, überlegte ich, ob ich - weil sowieso schon in jeder Hinsicht Ausnahmezustand war - mir zur Mittagsmahlzeit um 11 schon ein Pils dazu bestelle. Aber darauf hatte ich dann nach dem vielen Cola gar keine Lust. Schade eigentlich, aber vielleicht besser so.



Die Business-Damen gingen mir mit ihren lautstarken Gesprächen reichlich auf den Keks, vor allem weil sie bis auf eine Italienerin einen mir ganz unsympathischen Tonfall an den Tag legten. So einen leicht abgehackten, zickigen Duktus, mit nicht einmal unterschwelligem Befehlston. Ein Gespräch drehte sich um Gehaltsgruppen, es wurde offenkundig, dass man sich hier in höheren Gehaltsgruppen bewegte. Meine Vorurteile bezüglich Personen in sogenannten Führungspositionen wurden kräftig untermauert. Sehr unentspannt und wichtigtuerisch, die vier Grazien. Much Ado About Nothing. Altersmäßig Ende Dreißig, Anfang Vierzig. Eine dreiviertel Stunde vor Ankunft wurde es mir zu bunt, die eine telefonierte in einer Lautstärke mit einem Kunden, als hätte sie dem gesamten Abteil einen Vortrag zu halten. Ich bat sie darum, leiser zu sprechen, wenn sie schon meinte, hier das Zugabteil zu ihrem Home Office machen zu müssen. Was an sich schon sehr unhöflich sei. Ich war ja gut drei Stunden komplett ruhig gewesen, abgesehen von meinen nicht wortreichen Bestellungen beim DB-Servicemitarbeiter. Ich las ein wenig in meinem Buch, machte eine Handvoll Fotos aus dem Fenster, aber guckte hauptsächlich sinnierend auf die vorbeifliegende Landschaft, ohne einen Mucks von mir zu geben. Die eine war direkt in meiner Blickrichtung und schaute manchmal so leicht neugierig. Sie hatte eine besonders unangenehme Stimme. Knödelig-gequetscht und ungeduldig tönten die Laute aus der Führungskraftschnute. Als ich meine Ansage gemacht hatte, klappten vier Kinnladen runter.



Die dachten wohl bislang, ich sei taubstumm. Die extra laut telefonierende, die mit der Knödelstimme, stand impulsiv mit ihrem Telefon auf, kam an mir vorbei, beugte sich kurz runter und zischte mir irgendetwas Unverständliches ins Ohr (evt. eine Boshaftigkeit?) und verließ das Abteil, ich glaube Richtung Klo, wo sie im WC so laut weiter telefonierte, dass es bis nach draußen auf den Flur drang. Ich war satt, vom Essen und von dieser unerquicklichen Gesellschaft, bezahlte und machte mich auf den Weg in ein anderes Abteil. Die Damen in gehobenen Positionen hatten sich jeweils ein einziges Getränk bestellt, wodurch sie ihren Aufenthalt im Speisewagen legitimierten. Ich schämte mich regelrecht für sie. Bis zur Ankunft in Nürnberg setze ich mich noch für eine Weile in die zweite Klasse, auf einen letzten Platz von vier. Links von mir eine sehr alte Dame, die mit seitlich geneigtem Kopf schlief. Ich dachte an meine Mutter. Gegenüber von mir eine junge Frau, vielleicht fünfundzwanzig, die mich freundlich anlächelte, ihren Rucksack justierte, um mir mehr Platz zu machen. Ich lächelte zurück und winkte ab, nicht nötig. Neben ihr ein weiterer Fahrgast, der sich nicht wichtig machte. Lauter angenehme Menschen.



Bei der Ankunft in Nürnberg um zwölf empfing mich der gleiche Hochsommertag wie in Berlin. Bis zur Weiterfahrt mit der S-Bahn in den Vorort von Nürnberg, wo der Friedhof ist, hatte ich noch gut zwanzig Minuten. Ich holte mir als Proviant eine Flasche Tonic im Bahnhofs-Rewe. Die S-Bahn mit Fahrtrichtung Ansbach kam pünktlich. Ich musste aufs Klo und hatte auf die Schnelle im Bahnhof keines gefunden. Erfreut sah ich, dass die S-Bahn in Nürnberg eine Toilette hat. Früher fuhr auf der Strecke, die auch mein Schulweg war, eine Regionalbahn, die hatte natürlich auch ein WC. Da habe ich mal einen aufklappbaren Aschenbecher abgeschraubt, weil er mir so gut gefiel und dann wohl in meinem Zimmer irgendwo angeschraubt. War natürlich geklaut. In der S-Bahn gibt es keine Aschenbecher. Macht nichts, ich rauche nicht.

10. August 2024



Im ICE 1105 nach Nürnberg. Kurzer Halt Erfurt. Ich staune über den Schriftzug WILLY BRANDT ANS FENSTER. Ich lese später, dass das Gebäude ein Hotel war, der "Erfurter Hof". Willy Brandt besuchte im März 1970 Erfurt und logierte dort. Er hatte viele Fans unter den DDR-Bürgern, die ihn in echt sehen wollten und die sammelten sich vor dem Hotel und riefen begeistert nach oben "Willy Brandt ans Fenster!". Das gab eine Menge Aufruhr und die Ordnungshüter der DDR mussten einschreiten. Willy Brandt, der Zeit seines Lebens vom Mauerfall träumte, war der Superstar.

10. August 2024





Los ging meine Reise zu Mamas letzter Reise um Viertel vor acht am Rosenthaler Platz. Ich wartete in der Sonne auf die Tram M8. Sie braucht nur zehn Minuten zum Hauptbahnhof am Europaplatz.



09. August 2024



Ich fange mal von hinten an. Danach waren wir beim Elternhaus, wo die Weinreben übers Garagendach zur Terrasse wachsen. Da hatte ich den schweren Gang hinter mir. Morgen schreib ich mehr.

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