31. August 2022







Hübsche Pappkulissen im Eckraum. Und der Übergang zu einem anderen Flügel der Burg, zur Kemenate. Die Verbindung ist wohl neu, früher waren in der Kemenate die Schlafgemächer der Burgfräulein. Jetzt aber auf vielen Etagen Exponate vom Germanischen Nationalmuseum, es ist sozusagen eine Abteilung vom Museum mit Sachen, die eine besondere Beziehung zur Burg haben. Und schönen Ausblicken aus den Fenstern. Dazu morgen!

31. August 2022











Hinter dem Schlafzimmer, im Palas der Kaiserburg, also hinter der "Kammer des Kaisers" kommt ein Raum, der schlicht als "Eckraum" bezeichnet wird, und von dem es heißt, dass nicht bekannt ist, wofür er genutzt wurde. Jetzt wird allerlei dort gezeigt, unter anderem die Kaiserkrone aus einem 3D-Drucker! Allerhand. Aber für mich am Wichtigsten: die unerwartete Wiederbegegnung mit Albrecht. Er lässt mich nicht locker! Diesmal auf einem riesigen Wandbild von 1895 von einem Maler namens Wanderer, mit anderen berühmten Nürnberger Künstlern der "Dürerzeit" wie es heißt. Das ist auch eine Liga von weltlicher Anerkennung, dass eine ganze Epoche, die die Lebensspanne von einem bestimmten Menschen umfasst, nach dem Menschen benannt wird. Der Direktor vom Kunsthistorischen Museum in Wien benutzt auch oft das Wort "dürerzeitlich". Ich gestehe, schon ein bißchen starstruck von dem Rummel um ihn zu sein. Aber ganz objektiv: er sieht auch bei weitem am besten aus, von allen Männern auf dem Gemälde. Eine Erscheinung! Wie groß er war, konnte ich nicht herausfinden, aber wohl der Größte auf dem Bild. Die Schuhe finde ich auch sehr putzig, solche habe ich noch niemals gesehen. Wie Bärentatzen!

31. August 2022



Immer mittendrin, mit seinem Fahrrad, der sympathische Hans-Christian Ströbele. 7. Juni 1939 - 29. August 2022. Die Fotos habe ich am 26. März 2011 gemacht, bei der Abschalten-Demo, anlässlich der AKW-Katastrophe in Fukushima. Keinen bekannten Politiker habe ich öfter zufällig unterwegs gesehen, er hatte immer sein Fahrrad dabei. Am Spreeufer oder auf auf einem S-Bahnsteig. Einer meiner Lieblingspolitiker, besonnen und doch unbestechlich.

30. August 2022









Ach! Hier steht ja auch die Truhe mit dem Bettzeug...! Wohlan: dann gehe ich jetzt in die Federn. Ich bin nun rechtschaffen müde vom Herumspazieren! Morgen ist ein neuer Tag auf der Kaiserburg!



30. August 2022







Halleluja...! Was für eine Decke. Sofort kann ich mir vorstellen, hier zu liegen, im King Size Bett von Kaiser Karl und seinen Doppeladler zu bewundern. Hier also nächtigt der Monarch. Obwohl ich nicht der rustikale Wohntyp bin, gefällt mir sein Schlafzimmer überraschend gut. Auch der shabby Schick der einen Wand beim Durchgang, diese Patina - das ist wirklich gut gemacht.







30. August 2022





Wichtigstes Möbelstück in seinem Wohnzimmer ist für den medienaffinen Kaiser ein modernes Smartboard im quadratischen Instagramformat mit Internetzugang, das zugleich als Fernsehgerät dient. Hier bewundern die Tochter und Söhne des Herrschers (von links nach rechts: Prinzessin Margarete, Kronprinz Sigismund, Prinz Johann und Prinz Heinrich) die sehr gute Auflösung der Neuanschaffung im elterlichen Palast. Die prachtvoll bemalte Holzdecke mit den Insignien wie dem stolzen Adler des Hl. Römischen Reiches hingegen wird keines Blickes gewürdigt, da die Kaiserkinder den Anblick von klein auf gewohnt sind und schon in der handgeschnitzten Wiege hinreichend begutachten mussten.

30. August 2022







Die gute Stube des Kaisers besticht durch einen minimalistischen Einrichtungsstil. Kaiser Karl liebt es schlicht, daher sehen wir keine Raffgardinen mit üppigen Volants und Schabracken. Blickdichte Rollos aus feinstem niederländischen Leinen entsprechen dem zum Understatement neigenden Geschmack des Monarchen.

30. August 2022

Herrschaftszeiten! Es ist so weit. Meine persönliche Audienz bei Kaiser Karl IV. Die Karlsbrücke in Prag, wo er 1316 als Wenzel geboren wurde, ist nach ihm benannt und auch Karlsbad. Vor mir sitzt aber nicht "Karl der Große", das war wieder ein anderer, offiziell "Kaiser Karl I.", 747 geboren, also 569 Jahre vor Karl IV. Kann man alles leicht verwechseln. Die Nürnberger Kaiserburg wurde erst um das Jahr 1000 herum gebaut. Nicht weiter schlimm. Hauptsache, ich spreche ihn nicht falsch an. Aber ich glaube, dass man das Wort sowieso nicht von sich aus an den Kaiser richtet, sondern abwartet, ob er mit einem spricht, dann darf man antworten. Ich habe mich vorbereitet, ich will schließlich nicht geköpft werden! Angeblich ist er aber friedliebender und kultivierter als seine Vorgänger, von denen er vier auf Gemälden um sich hat. Der Spiegel hat geplaudert, wie er sich so benommen hat.



"Bei Audienzen verzichtete er auf jedweden Schmuck und aufs Schwert, meist trug er schlichte Kleidung - in einer Zeit, die von fürstlicher Prachtentfaltung glänzte. Die glatten, dunklen Haare hingen bis zur Schulter, Bart und Schnäuzer wirkten gepflegt. (...) Die Bittsteller, die vor ihm knieten, schaute Karl kaum an, er ließ den Blick umherschweifen. Dabei saß er selten. Manchmal schnitzte er, scheinbar versunken, mit einem kleinen Messer an einem weichen Stück Holz. Es sah so aus, als interessierten ihn die Petenten nicht sonderlich - das Gegenteil war richtig: Er hörte aufmerksam zu, konzentriert. Dann antwortete er kurz und knapp und auf den Punkt. (...) Er schrieb und redete deutsch, böhmisch, lateinisch, französisch, italienisch. Selbst Dialekte, wie etwa das Lombardische oder das Toskanische, beherrschte er."



Oha. Für meine Audienz hat er nicht aufs Schwert verzichtet, aber er hält mir einen Apfel entgegen, was ich als freundliche Geste deute. Ich esse sehr gerne Äpfel! Er erinnert mich ein bißchen an den Sänger Rea Garvey. Was gesprochen wurde, ist geheim. Es ging jedenfalls nicht um die Goldene Bulle, die in meiner Schulzeit ein ewiges Thema war, und wo ich mir nie merken konnte, dass es so eine Art Gesetzbuch war. Ich habe mir immer so eine große goldene Kapsel mit geheimnisvollem Inhalt vorgestellt. Eine goldene Buddel sozusagen. Aber der Apfel hat sehr gut geschmeckt. Er hat ihn mir mit dem Schwert zerteilt, in kleine, mundgerechte Schnitze - wo er doch für sein Leben gerne schnitzt! Und dann hat er mir noch gestattet, dass ich mich weiter oben im Palas umschaue, wie der Trakt heißt, nämlich in seiner guten Stube und sogar in der Kammer, dem kaiserlichen Schlafgemach!

30. August 2022







In schicklicher Demutshaltung nähern wir uns dem Kaisersaal, wo uns der Herrscher zur Audienz erwartet. Ich bin schon recht aufgeregt und folge mit leicht geneigtem Haupt einer Hofdame.

29. August 2022

Nun wird sich mancher fragen, wieso ich so lange brauche, um zur Sache, also zur Burg selbst zu kommen. Dem weiß ich zu entgegnen: gerne begeben Sie sich selbst dereinst auf den Weg zur Nürnberger Kaiserburg und werden feststellen: man fährt nicht mit dem Taxi zur Adresse "Burg 1", steigt aus, klingelt, die Tür geht auf und schon ist man mittendrin, in der guten Kaiser-Stube. Das wäre eine schlechte Burg! Die Bastion will erobert werden, strategische Annäherung ist vonnöten. Das Allerheyligste wird nicht holterdipolter wie zu später Stunde der Späti gestürmt, wenn der Kühlschrank leer ist. Die Annäherung folgt zurecht einer hochkomplizierten Dramaturgie. Diese möchte ich für die Daheimgebliegenen erlebbar machen! Nachdem wir also den äußeren Burghof durchschreiten duften, holen wir uns erst einmal einen Passierschein, ein Billet für den Zutritt der Burg, und dürfen sodann durch den inneren Burghof, von wo wir Einlass erbitten.



Aber erst einmal eine kleine Rast. Im Schatten, gegenüber des Lindenbaumes in der Mitte, steht eine Bank, die ist meine. Proviant habe ich auch dabei: sprudeliges Wasser, Nüsschen, Salamiwürstchen und einen Apfel. Hier lässt sichs gut seyn! Da fällt mir ein: schon lange nicht mehr Albrecht erwähnt! Der hatte von der Linde auch schon gehört, nämlich schreibt er in seiner Familienchronik, vom Vater überliefert: "(...) als man gezählt hat nach Christi Geburt 1455 Jahr, an St. Loyentag (25. Juni). Und auf denselben Tag hatte Philipp Birkamer (Pirkheimer) Hochzeit auf der Vesten, und war ein grosser Tanz unter der grossen Linden."



Die Besucherinformation weiß zu berichten: "Im inneren Burghof stand, bis sie ersetzt werden musste, die mehrere hundert Jahre alte "Kunigundenlinde". Sie soll von der heilig gesprochenen Kaiserin Kunigunde gepflanzt worden sein." Und Kunigunde hat sie wohl aus Dankbarkeit gepflanzt, weil ihr Kaiser Heinrich II. zu Pferd an einem Abhang von einem Baum gerettet wurde. Die Linde im Hof war ein Ableger, ein Zweiglein vom rettenden Lindenbaum, so geht die Sage. Eine gute halbe Stunde muss ich da gesessen sein und sinniert haben, es geht auf halbdrey zu! Nun aber frisch gestärkt hineyn in die große Veste! Ich erbitte nun etwas Geduld die Fortsetzung meiner ansonsten recht zügigen Berichterstattung betreffend, da mich bis in die Abendstunden anderweitige Tagesgeschäfte beanspruchen. Bleiben Sie dran, Fortsetzung folgt!

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