25. August 2026

Ohne Sonnenbrillen geht es nicht. So viele Sonnenbrillen. Zwanzig, die mir geblieben sind. Darunter meine allererste aus den Siebziger Jahren. Vorletzte Reihe, ganz rechts. Darunter eine Piloten-Sonnenbrille mit Sportbügeln, die gehörte meinem Bruder als er circa sechzehn war. Zweite Reihe, die zweite von rechts.

Daneben, auch zweite Reihe, ganz rechts, auch eine Piloten-Sonnenbrille, die meinem Großvater väterlicherseits gehörte. Er hatte sie immer auf, wenn er nach draußen ging, in allen Jahreszeiten, weil er ein Leiden an den Gesichtsnerven hatte, es war ihm ein Bedürfnis seine Augen vor dem leistesten Windhauch zu schützen. Mir geht es ähnlich. Kaum geht ein Wind, tränen meine Augen und ich holte die Sonnenbrille heraus, für mich eine Windschutzbrille, wie für meinen Großvater. Unter der Brille meines Bruders in der dritten Reihe, die zweite Brille von rechts gehörte meiner Mama. Ich bekam sie mit ihren letzten persönlichen Dingen vom Pflegeheim in einem Paket. Eigentlich kurios, dass dabei eine Sonnenbrille war, und so eine schicke. Denn sie verließ das Zimmer nie mehr, ging nie mehr in die Sonne. Von meinem Vater ist keine Sonnenbrille dabei. Von ihm habe ich eine Lesebrille, die etwas stärker als meine ist und beim Einfädeln eines Fadens hilft.

Die kostspieligste Brille unter allen auf dem Bild, war die ganz links oben von Dior. Ich habe sie lange Zeit täglich getragen, bis der kleine Kunststoffbügel an der Nasenwurzel abbrach. Alle anderen sind ganz preisgünstige Modelle, meistens in Drogeriemärkten gekauft, im Vorbeigehen, Preis um die zehn Euro. Nicht mehr in meiner Sammlung ist eine bildschöne Prada-Brille, die ich mir gekauft hatte und mir wenige Wochen danach verloren ging, als mir meine Tasche mit allem abhanden kam. Sehr schade darum, noch teurer als die von Dior. Danach bestellte ich, ohne Anprobieren, eine tiefschwarze Versace Greca, das Herrenmodell mit einer eckigen Messing-Spirale als Intarsie im breiten Bügel. Sie war schön, kompakt, aber zu wuchtig, ich überließ sie jemandem.

Und noch eine ganz besondere Sonnenbrille hatte ich einst. Mein Bruder hatte sie sich als junger Mann gekauft, nachdem er sie an Yoko Ono gesehen hatte, wie ein futuristisches Schutzschild sah sie aus, ein sündhaft teures Porsche-Modell. Ich bekam sie nach seinem Unfall und bewahrte sie, setzte sie nie auf. Als mein Neffe, der Sohn meines Bruders, der seinen Vater nie gekannt hatte, ein erwachsener Mann war, schickte ich sie ihm zum Geburtstag. Er hat sich sehr darüber gefreut. Am Sonntag habe ich alle Brillen aufgesetzt, um zu sehen, welche zu meiner Reisegarderobe passen könnten. Fünf sind in die engere Wahl gekommen, darunter eine mit einem dunkelblauen Gestell und eine mit blau verspiegelten Gläsern. Die beiden kommen auf jeden Fall mit, aber vielleicht auch alle fünf. Ich habe dabei bedacht, dass sie nicht mit meinem Sonnenhut oder der dunkelblauen Baker Boy-Mütze kollidieren dürfen. Wenn das Modell zu große Gläser hat, kann man einen Hut oder die Mütze nicht richtig in die Stirn ziehen.
g a g a - 25. August 2026, 00:21


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