24. August 2026


Es folgt ein weiteres Modell meiner Reisegarderobe für Heringsdorf. Das Ensemble ist schon ein Weilchen in meinem Kleiderschrank, habe es auch schon mehrmals getragen. Der Rock hat eine schöne Länge, etwas altmodisch, wie ich es mag. Das Muster erinnert mich an Illustrationen aus den Fünfziger Jahren, wo ich zwar noch nicht auf der Welt war, die ich aber immer aufmerksam und gerne betrachtet habe. Zum Beispiel in drei Bänden der Jahrbücher für junge Mädchen, "Meine Welt" hießen sie, aus den Jahren 1957 bis 1959, von meiner Mama überlassen bekommen, habe ich heute noch, liegen in meiner kleinen Werkstatt. Darin zu blättern ist wie ein Zeitreise, ähnlich wie in den alten Brigitte-Heften, die ich neulich ausführlichst gezeigt habe.

Ich habe meine Heringsdorf-Garderobe nun beisammen, nur noch nicht eingepackt. In Berlin ist es wechselhaft, habe lange geschlafen und trinke Kaffee, nachdem ich meinen Obstsalat mit griechischem Joghurt verspeist habe. Heute mit hellen Weintrauben, Apfel und Brombeeren. Werde mich nun ausgehfertig machen, um ins Atelier zu fahren und dort den kleineren Laptoplautsprecher zu holen und für Heringsdorf einzupacken. Der, den ich hier in meinem Wohnzimmer habe, ist mir zu gewichtig zum Mitnehmen. Und noch etwas wollte ich von dort holen. Habe es vergessen. Auf dem Rückweg will ich zum Rewe im Hermann-Quartier, der meinen bulgarischen Lieblingsjoghurt hat, den es leider nur in sehr vereinzelten Rewes zu kaufen gibt. Bei Edeka etc. überhaupt gar nicht.
Mir ging durch den Kopf, dass ich eigentlich überhaupt keine Lust habe, das Smartphone auf die Wanderung mitzunehmen, ich mache es nur für den Notfall. Zusätzliches Gewicht und habe keine Freude an dem Gerät (das mir schon vor Jahren überlassen wurde). Habe gelesen, dass es im Elbsandsteingebirge oft kein Funknetz gibt. Wäre auch schräg, wenn ich das Ding dabei habe und dann ein Taxi rufen wollte oder die Bergwacht und dann gibt es kein Netz. Wobei die Wandertour ja so beliebt ist, dass da bestimmt nicht nur ich herumlaufe, andere Leute haben ja auch immer eins dabei.
Wenn ich mich länger mit dem Apparat beschäftige, wie vorgestern, wo ich mir mapy darauf geladen habe, eine App für Wanderausflüge mit Plänen, fühle ich mich danach wie von einem Vampir ausgesaugt. Mit dem Notebook geht mir das nie so, im Gegenteil. Diese winzig kleinen Ansichten auf dem kleinen Display hin- und herzuwischen, mit dem Finger klein und groß zu zoomen, und doch nie eine vernünftig große Gesamtansicht zu haben, ist für mich so anstrengend, als müsste ich dauernd durch ein Schlüssellloch gucken.
Dass das Leute freiwillig machen, ist mir umso befremdlicher, je öfter ich mich damit beschäftige. Ist einfach nicht meins. Für mein Empfinden ist, das, als ob die Welt in dem kleinen Kasten zusammengestaucht wird, anstatt größer und zugänglicher. Wie sehr ich es liebe, mit einer großen Ansicht eines guten Monitors zu gucken, zu lesen und zu bloggen. Könnte niemals einen Text oder Kommentar mit dem Smartphone schreiben. Ich komme einfach überhaupt nicht mit den kleinen Tastensymbolen zurecht, und dass ich dort nie mit zehn Fingern tippen kann, was ich so sehr über Jahrzehnte in Fleisch und Blut habe, mit rasantem Tempo zu schreiben, was mir eben in den Sinn kommt.
Wie machen das nur Männer? Die haben doch auch oft so große Hände wie ich. Langsam verstehe ich aber auch, wieso mir damals, als ich mal für ca. vier Wochen spielerisch tinder ausprobierte (ohne mich je mit irgendwem zu verabreden, wollte nur wissen, wie das aussieht und funktioniert), wieso ich also damals immer nur so superkurze Halbsätze als Antwort bekam. Oder von jemandem, der auch mit seinem Smartphone verwachsen schien, nur superkurze Rückmeldungen und mehr Emojis als ganze Wörter, geschweige denn vollständige, aussagekräftige Sätze. Ich kann so nicht kommunizieren.
Gestern mit Streetview schon mal vom Elbkai zum historischen Personenfahrstuhl spaziert. War ehrlich gesagt, ein bisschen langweilig der Weg. Ich würde mich am liebsten direkt zu dem Punkt beamen, wo man direkt auf den Wanderweg zum Schrammtor kommt. Es gibt auch einen Bus an die Stelle, aber der fährt nur einmal die Stunde von einer Halte in Ostrau, wo ich auch wieder erst mal hinlaufen muss.
Wenigstens hat die Vorhersage für morgen weiterhin einen einigermaßen sonnigen Tag in Aussicht gestellt. Proviant will ich auch einpacken. Mache mir ein paar Schnittchen mit Käse und Salami, einem Apfel, vielleicht auch hartgekochten Eiern und nehme eine Flasche Cola oder Tonic Water mit. Das muss reichen. Oben beim historischen Personenfahrstuhl gibt es gleich ein Ausflugslokal, vielleicht kehre ich auch gleich mal ein, in die Sendigbaude. Kann ich auch aufs Klo gehen, falls ich muss. Ansonsten geh ich ins Gebüsch. Auf dem Rückweg will ich einen großen Eisbecher mit Schlagsahne essen gehen, dafür hab ich mir das Eiscafé Vivaldi in der Bergmannstr. 1 ausgeguckt, auf halbem Weg zwischen dem historischen Fahrstuhl und dem Elbkai.
g a g a - 24. August 2026, 13:37


Bin beruhigt, dass es noch andere gibt, die nicht gerne am Smartphone-Apparat schreiben. Eine jüngere Freundin von mir, die auch bloggt, entwirft ihre Einträge immer unterwegs am Smartphone. Eines Tages muss sie mir zeigen, wie sie das macht. Nicht, weil ich es ihr gleich tun will, nur um es zu sehen, wie sie das hinbekommt. Manchmal oder sogar oft in der S-Bahn sehe ich Mädchen mit ganz langen Fingernägeln, die ganz schnell damit auf ihrem Smartphone tippen. Vielleicht ist das einer der Tricks. Aber meine Freundin Saskia hat gar keine langen Fingernägel. Aber vielleicht zarte Fingerspitzen.
Und ja - Dolly Parton (RIP) nutzte ihre langen Fingernägel ab und an als Rhythmusinstrumente. Vielleicht sind die doch nützlicher als man denkt. Habe einmal eine Art Essay ins Handy getippt. Jedenfalls eine überlange Mail. Aber da war ich adrenalingetrieben, da kannte ich nix.
Traum meines Lebens muss man gesehen haben. Alles daran ist hervorragend.
Was ich über den Wes Anderson-Film mit dem Hotel Grand Budapest nicht sagen kann, da ich es nicht beurteilen kann, weil nie gesehen. Als ich über Bad Schandau stolperte und den aparten Personenaufzug, der da draußen an den Felsen gebaut ist, in allerschönstem Jugendstil, wollte ich dieses Bauwerk sehen, nicht weil es im Film von Wes Anderson vorkommt, sondern weil es so schön ist. Dass ich so Sachen weiß, wie dass die Crew im Hotel Elbresidenz logierte, ist nur zufälliger Beifang, mit dem man natürlich Leute beeindrucken kann!
Ich muss leider sagen, dass meine Allein-Reisen durchweg beglückender waren als die in Begleitung. Freundinnen ging noch. Aber männliche Begleiter - schwierig. Jedenfalls, wenn es einen erotischen Beziehungsstatus gab. Freundschaftlich ging so.
Und zu diesem speziellen Ausflugsziel Bad Schandau: zum Fahrstuhl flanieren, einmal nach oben fahren, in der Baude einkehren, den Blick genießen und wieder runter. Das wäre entspannend. Was ich gemacht habe, war ein unvorhersehbarer Gewaltakt für meine Kräfte. Ich mache lieber barrierefreie Spaziergänge ohne permanente Steigungen. Ich kam ganz schön aus der Puste. Und wirklich gelohnt hat sich nur das Endziel, das Schrammsteintor. Durch düstere, vermooste Hexenwald-Abschnitte und Schluchten muss ich nicht laufen, das gibt mir nix. Werde zur eigentlichen Wanderung auch noch berichten, es dauert noch ein Weilchen, habe viel zu verarbeiten!
Zu Dolly Parton finde ich interessant, dass so viele über ihren Tod schreiben, die vermutlich nie eine ganze Platte von ihr gehört haben. Ich übrigens auch nicht. Mir fällt nur ein Song von ihr ein, den ich im Ohr habe, Jolene. Schönes Lied. Fand sie auch sympathisch, war wohl eine Nette, aber weiter hat sie mich nicht beschäftigt. Friede ihrer Seele.
Mein erstes Smartphone hatte ich erst 2018 extra für meine Reise nach New York angeschafft. Hatte sonst nichts, um ins Internet zu kommen. Das ging ganz gut. Jetzt schon das zweite, wei ich eine Funktion brauche, die das alte nicht bot. Wanderungen kann ich leider nicht, bin ich auch nicht der Typ, vermisse es also nicht. Allerdings - Stadtflanieren ist da nicht viel besser, und das ist schon blöd. Obwohl ich jeden Tag so hoch Treppensteigen muss! Aber meine Reisen bzw. Nicht-Reisen sind ja nun schon legendär. Alles sehr zwiespältig.
Bin auf jeden Fall auf den Bericht gespannt.