12. Juli 2026
Seit Donnerstag Laborieren an einem Kratzen im Hals, halte mit doppelten Aspirin-Gaben dagegen. Bin extrem Zugluft-empfindlich, mitunter ein Eiertanz, einen Sitz- oder auch Stehplatz in der S-Bahn zu finden, wo es nicht wie Hechtsuppe zieht. Klappt man eines der Fenster zu, obwohl noch fünf Fenster auf sind, erntet man teils empörte Blicke. Ich versuche abzuwägen, wie die Leute auf mich wirken, sind es ältere, gibt es meist keinen Protest. Aber hitzige, jüngere Männer rebellieren gerne mal, man könnte denken, sie sind im Klimakterium. Heute Sonnenbad, scheint gut zu tun.

Soziale Kontakte beschränkt auf Freundinnen-Chats. Gestern nostalgische Erinnerungen, wie wir uns vor zehn Jahren wie und warum begegneten. Immer wieder interessant, herzuleiten, was sich woraus ergab. Gerade im Erinnerungsbuch von Hans Werner Richter "Im Etablissement der Schmetterlinge", das Kapitel "Radfahren im Grunewald" über Ingeborg Bachmann gelesen.

Sehr zartfühlendes Portrait, bin angenehm überrascht von seinen feinsinnigen Betrachtungen und sie behutsam in Worte zu fassen.

Im Buch widmet er den Mitgliedern der Gruppe 47 je ein persönliches Kapitel, in dem er von Momenten berichtet, die sich ihm besonders einprägten. Noch nie zuvor las ich in so nachempfindbaren Details, die aber nicht indiskret wirken, wie die facettenreiche Persönlichkeit von Ingeborg Bachmann im Alltag wirkte. Richter hatte mit ihr und Uwe Johnson in ihren Berliner Jahren Mitte der Sechziger einen kleinen Fahrradclub zu dritt gegründet. Es war Bachmanns Idee, auch dass Richter der "Präsident" sein sollte. Wie Kinder beim Cowboy und Indianer spielen sagen: "Du bist der Sheriff!". Auch dass sie zeitweise in ihren Wiener Jahren eine Abneigung gegen Wien artikulierte, war mir vollständig neu, dachte bislang, das sei eine lupenreine Liebe gewesen und dass sie nur gegen München und Berlin Abneigungen hegte, diese auch dezidiert artikulierte. Sie konnte richtig böse Urteile fällen, die gute Inge, gnadenlose Verdikte. Und sogar ihr anfangs und über viele Jahre zutiefst geliebtes Rom, hing ihr zuletzt zum Halse heraus, da wollte sie dann wieder zurück nach Wien, hatte sogar schon eine konkrete Wohnung in Aussicht.

Ein Hin und Her. Sie hatte es nicht leicht. Oder machte es sich nicht leicht, denn insgesamt hatte ihre Lage doch immer erstaunliche Privilegien. Richter erwähnt auch, dass sie einst in Wien, im Prater, beim Riesenradfahren, Anfang der der Fünfziger aussprach, dass sie wisse, dass sie ein kurzes Leben haben werde. Sie sagte es ohne Pathos, wie eine Tatsache, wie wenn man feststellt, dass eine Straße eine Einbahnstraße ist, ein Sachverhalt ohne Interpretationsspielraum. Jetzt bin ich wieder ernst geworden, das passt so gar nicht zu meinen launigen Fotos vom vergangenen Freitag hier, wollte ich aber noch unterbringen.

Soziale Kontakte beschränkt auf Freundinnen-Chats. Gestern nostalgische Erinnerungen, wie wir uns vor zehn Jahren wie und warum begegneten. Immer wieder interessant, herzuleiten, was sich woraus ergab. Gerade im Erinnerungsbuch von Hans Werner Richter "Im Etablissement der Schmetterlinge", das Kapitel "Radfahren im Grunewald" über Ingeborg Bachmann gelesen.

Sehr zartfühlendes Portrait, bin angenehm überrascht von seinen feinsinnigen Betrachtungen und sie behutsam in Worte zu fassen.

Im Buch widmet er den Mitgliedern der Gruppe 47 je ein persönliches Kapitel, in dem er von Momenten berichtet, die sich ihm besonders einprägten. Noch nie zuvor las ich in so nachempfindbaren Details, die aber nicht indiskret wirken, wie die facettenreiche Persönlichkeit von Ingeborg Bachmann im Alltag wirkte. Richter hatte mit ihr und Uwe Johnson in ihren Berliner Jahren Mitte der Sechziger einen kleinen Fahrradclub zu dritt gegründet. Es war Bachmanns Idee, auch dass Richter der "Präsident" sein sollte. Wie Kinder beim Cowboy und Indianer spielen sagen: "Du bist der Sheriff!". Auch dass sie zeitweise in ihren Wiener Jahren eine Abneigung gegen Wien artikulierte, war mir vollständig neu, dachte bislang, das sei eine lupenreine Liebe gewesen und dass sie nur gegen München und Berlin Abneigungen hegte, diese auch dezidiert artikulierte. Sie konnte richtig böse Urteile fällen, die gute Inge, gnadenlose Verdikte. Und sogar ihr anfangs und über viele Jahre zutiefst geliebtes Rom, hing ihr zuletzt zum Halse heraus, da wollte sie dann wieder zurück nach Wien, hatte sogar schon eine konkrete Wohnung in Aussicht.

Ein Hin und Her. Sie hatte es nicht leicht. Oder machte es sich nicht leicht, denn insgesamt hatte ihre Lage doch immer erstaunliche Privilegien. Richter erwähnt auch, dass sie einst in Wien, im Prater, beim Riesenradfahren, Anfang der der Fünfziger aussprach, dass sie wisse, dass sie ein kurzes Leben haben werde. Sie sagte es ohne Pathos, wie eine Tatsache, wie wenn man feststellt, dass eine Straße eine Einbahnstraße ist, ein Sachverhalt ohne Interpretationsspielraum. Jetzt bin ich wieder ernst geworden, das passt so gar nicht zu meinen launigen Fotos vom vergangenen Freitag hier, wollte ich aber noch unterbringen.
g a g a - 12. Juli 2026, 13:50


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