18. Juni 2026

Norma-Desmond-Moment, gestern in den Hackeschen Höfen. Morgens kommt mir eine schlanke Frau, ca. Mitte Vierzig, verlebter, regloser Gesichtsausdruck entgegen. Lippen evt. aufgespritzt, sehr große Schmetterlings-Sonnenbrille, bildschöner großer Strohhut auf dem Kopf. Dunkelgrüne Caprihose, Sandalen, helles, langärmliges Oberteil. In der rechten Hand eine brennende Zigarette, in der linken einen angeleinten, kleineren Hund. Sie lief rauchend an mir vorbei und in meinem Kopf der Gedanke, wie verlebt jemand morgens mit einer brennenden Zigarette unterwegs wirken kann. Diese aus Spieltrieb eben von Adobe erstellten beiden Bilder geben die Situation und ihre Silhouette mit Hund und Hut und Zigarette ganz gut wieder. Was nicht hinhaut, ist die zu romantische Anmutung des Hinterhofs, aber da wollte ich mich jetzt nicht damit aufhalten, das zu korrigieren, ich hatte nur insgesamt vier gratis Versuche. Interessant, dass dasselbe Programm auf unterschiedlichen Browsern mit demselben Befehl verschiedene Ergebnisse generiert. Bei Microsoft Edge war die Frau dicker als bei den ersten beiden mit Firefox, zu dick, ich hatte beim dritten Versuch ein höheres Alter angegeben, weil mir das Gesicht von den ersten beiden Versuchen mit dem Adobe-Test-Tool auf Firefox, wo ich auch vergessen hatte, die helle Farbe der Bluse anzugeben, zu jung war (und auch zu freundlich). Dann umgeswitcht auf Microsoft Edge, um die Beschränkung zu übertölpeln und noch weitere zwei Versuche zu haben, hat geklappt. Mit der Altersangabe "50" kam sie mit exakt demselben Adobe-Programm und nur der Änderung des Alters in meiner Vorgabe, auf MS Edge in einem etwas anderen Hinterhof und dicker raus, und um sie zu verschlanken, habe ich beim letzten, vierten Versuch, extra dazugefügt "dünne" Frau. Aber nun gut.

Habe ich es mal ausprobiert, Spielerei mit comicartig kitschigem Ergebnis, wenn man nicht explizit Kargheit im Ambiente vorgibt. Aber der Hut und die Körperhaltung gefällt mir auf diesen generierten Bildern gut. Wie aus einer kessen Graphic Novel. Dafür kann man diese Programme schon meinethalben gerne einsetzen. Nicht ich, aber wer sich da entfalten möchte. Der tatsächliche Moment war aber auch sehr speziell. Was so ein schöner Hut doch ausmacht, sofort macht sich eine Anmutung von Glamour breit, auch wenn die Trägerin nicht gut beieinander war. Eventuell war sie verkatert und der Hund musste dringend raus.
g a g a - 18. Juni 2026, 22:57


Hut ab, vor Ihren technischen Kenntnissen, liebe Gaga! 🌹🌸
Gaga Nielsen 19. Juni 2026 um 10:58
Ganz im Gegenteil, ich habe keinerlei technisches Können dafür eingesetzt, meine ausgefuchsteste Aktivität bestand in der Idee, den Browser zu wechseln und die Test-Anwendung noch mal neu aufzurufen, um zwei weitere Versuche zu haben. Das untere Bild war der zweite Versuch, einziger Unterschied zum ersten Versuch (den ich nicht gespeichert habe), dass die Frau nicht mehr lächelte. Ich hatte einfach gegoogelt: „Bild generieren“, das Adobe-Tool war etwa das dritte Suchergebnis , wo gleich eine Eingabemaske für die Bildbeschreibung aufploppte und ich mich nicht registrieren musste, um es auszuprobieren und auch kein Bild hochladen musste, das Basismaterial für entsprechende Änderungen war, so war es nämlich bei den ersten beiden Suchergebnissen, ich hatte weder Lust ein Foto, das ich ohnehin nicht hatte, hochzuladen, noch wollte ich mir einen Account mit Registrierungsgedöns anlegen. So schrieb ich in das Adobe-Fensterchen einfach munter drauf los: „Zeichnung, 45jährige Frau mit großem Strohhut, großer Sonnenbrille, Pferdeschwanz und dunkelgrüner Caprihose, langärmliger Bluse, Sandalen, in der rechten Hand eine brennende Zigarette, in der linken Hand eine Hundeleine mit kleinem Hund, großer Mund, läuft durch Hinterhof.“ Weiter nix, dann hat das Programm ca. 15 Sekunden gerödelt und es erschien das erste Bild. Habe den eben erwähnten Text mit der Vorgabe dann nur drei Mal geringfügig geändert (*ernster/arroganter Gesichtsausdruck, weiße Bluse, 50 Jahre, dünne Frau*), fertig war die Laube!
Nich schlecht! Das erste ist natürlich sehr hübsch. Das zweite, verlebte passt mehr zu deiner Beschreibung. Und hat mehr Atmosphäre. Das niedliche Hündchen kommt gut in beiden Versionen 😄
Ich stelle mir vor, dass diese unbekannte Dame über deine Facebook-Bubble irgendwie von diesen generierten Bildern erfährt. Würde sie sich geschmeichelt fühlen? Oder verärgert? Wer will schon als „verlebt“ bezeichnet werden. Aber einen Eindruck muss sie auf dich gemacht haben, sonst hättest du nicht Zeit in diese Spielerei investiert. Oder hast du dich in irgend einem Ärzte-Wartezimmer gelangweilt? Also je länger ich es mir anschaue, desto faszinierter bin ich von Version 2! Voll gut.
Gaga Nielsen
Das erste, mit der jüngeren Version erinnert mich an Angelina Jolie 🙂 Die Spielerei kam so zustande, dass ich gestern am späten Abend immer noch keine Inspiration für einen Blogeintrag hatte, dann fiel mir die Szene vom Tag davor wieder ein und dass ich das Bild so stark fand aber zu faul war, selbst eine Zeichnung davon zu machen, Körperteile, Arme, Beine, Hände in der richtigen Perspektive zu zeichnen, ist anspruchsvoll. Dann dachte ich, das wäre der passende Zeitpunkt, um mal irgendsoein Tool auszuprobieren, das fix und fertige Bilder nach Textvorgaben auspuckt. Ging auch recht flott.
Ich fände es auch aufregend, wenn die echte Frau darüber stolpern würde, aber ich hab keine so große facebook-Bubble, weil ich selten Freundschaftsanfragen bestätige (und auch selten welche mache). Könnte höchstens sein, dass jemand bei der Beschreibung einer Frau Mitte Vierzig mit sehr großem Strohhut ein aha-Erlebnis hat. Sie wohnt ja wahrscheinlich in der Ecke, hatte meiner dunklen Erinnerung nach keine Handtasche bei sich. Der Gesichtausdruck des generierten Bildes, also auch des entsprechenderen, zweiten trifft den tatschächlichen nicht exakt, weil diese künstliche Computerzeichnung eine Ahnung von den Augen gibt, die eine gewisse Empfindsamkeit vermittlen, die bei der echten Frau nicht rüberkam, sie hatte einen extrem stumpfen, kalten Blick.
Mein Gott! Donnerwetter. Dann braucht man ja gar nicht mehr zu malen.
Gaga Nielsen
Jedenfalls wenn man am laufenden Meter so cartoonhafte Bilder mit aufwändigen Details zaubern will, ist man schon gut mit so einem Spielzeug bedient. Eignete sich auch dafür, als Vorlage für ein dann tatsächlich zu malendes Bild zu dienen, wo man dann alles weglässt, was einen stört, aber Anhaltspunkte für die Silhouette eines Körpers in Bewegung hat. Freie Malerei ist natürlich ein anderer Ansatz, zumal, wenn sie nicht gegenständlich ist, da geht es ja eher um einen selbstvergessenen Schaffensprozess, der sich am Computer nicht adäquat nachempfinden ließe, wenn man mit der Maus rumspielt. Wobei es auch wieder darauf ankäme, wie souverän man mit digitalen Zeichenprogrammen ist. Auch da kann man in eine Selbstvergessenheit gleiten, wenn die Programme gut beherrscht werden.