08. Mai 2026

Vorgestern machte ich mich lädiert auf den Weg zu Sophie Austers Konzert in den Frannz Club, hatte immer noch Kopfweh, wollte aber die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, sie zu sehen und die Karte nicht verfallen lassen. Der Weg dahin fühlte sich mehr an wie eine Arbeit, die man aus Pflichtgefühl erledigt, als der Auftakt zu einem Vergnügen. Meine musikalischen Freundinnen waren weitgehend durch andere Termine, Verpflichtungen oder Abwesenheiten verhindert, obwohl schon auch interessiert. Ich befasste mich abermals mit der Straßenbahn, welche zur Kulturbrauerei fährt. Keine. Die M1 fährt bis Schwedter Str., da aussteigen, Oderberger bis Kreuzung Schönhauser Allee 36, da wo die Skredzkistr. anfängt. Man könnte denken, ich bin neu zugezogen, derart wenig Orientierung im Detail, von Himmelsrichtungen abgesehen, habe ich in der Ecke. Ja, ich war da schon einige Male im letzten Vierteljahrhundert. Aber das ist ja Prenzlauer Berg und da fährt eben nur die Straßenbahn hin. Es sei denn, man stiege am U-Bahnhof Rosa Luxemburg Platz ein und fährt dann nördlich, sofern die dortige Baustelle im U-Bahnhof das nicht verhindert. Ich war schon wieder kurz davor, in ein Taxi zu springen. Aber dann ermahnte ich mich: stell Dich nicht so an! Die BVG-Seite schlägt den Weg zum Frannz Club sogar als FUßWEG vor, 19 Minuten. Eigentlich überschaubar. Aber ist man lädiert und geschwächt, macht nicht jeder Gang schlank, sondern strengt an.

Um mit der Kamera warm zu werden, ein paar Fotos fabriziert, denn dass ich Sophie Auster mit dem Gerät einfangen will, war noch eine gewisse Motivation, mich aufzurappeln. Ging dann relativ flott vom Rosenthaler Platz. Da fahren ja ganz schön viele Leute mit, mit dieser Tram. Hauptsächlich jüngere. Den Fußweg von der Tramhalte bis zum Frannz Club fand ich sogar recht pittoresk, im Hinblick auf die Geschäfte und die gastronomischen Etablissements. Da wirkt einiges einladend. Wäre ich auf einem Städtetrip, würde ich da vielleicht ausgiebig spazieren gehen und einkehren. Was man so macht auf Reisen. Toll ist allerdings auch, wenn man selten in einer Ecke der Stadt ist, präsentiert sie sich immer wieder mit einem Potpourri an Neuigkeiten. Zumindest da.

Das mag auch an der geschäftlichen Experimentierfreude liegen, schnell hat ein Romantiker oder eine Romantikerin mit Enthusiasmus, Mut und Lust zur Selbständigkeit eine Idee, einen Laden, eine Galerie oder ein Café zu öffnen und dann läufts vielleicht doch nicht so super und die nicht geringe Miete in beliebten Ecken wie dieser, wirft einem Knüppel zwischen die Beine und dann ist der Mietvertrag leider nach einer Weile beendet. Man ist fasziniert, wenn sich liebevoll bewirtschaftete Einzelhandelsgeschäfte mehrere Jahre halten, wenn es nicht gerade ein Lebensmittelgeschäft ist. Die hübschen Schaufenster müssen bezahlt werden, aber wovon, wenn hauptsächlich im Internet Zeug gekauft wird. Von mir zum Beispiel. Erlebnis-Shopping ist bei mir dann doch Reisen vorbehalten, im Alltag finde ich dafür ganz selten Zeit bzw. habe konstruktivere Sachen vor.

Allerdings muss ich auch anmerken, dass es kleine, schicke Läden gibt, die nicht vermitteln, dass sie jede Kundschaft mit offenen Armen willkommen heißen. Wenn ein oder eine Angestellte/r (auf Minijob-Basis) auf dem Smartphone daddelt, während ein Kunde mit interessiertem oder gar fragendem Blick das Geschäft betritt, bin ich nur so lange nachsichtig, wie zwischendurch ein Lächeln in meine Richtung kommt, komplette Gleichgültigkeit reizt meinen Fluchtreflex. Ich beehre ein Geschäft, bin grundsätzlich bereit Geld dort zu lassen und die Geschäftsführung bezahlt jemanden für Kundenservice, denn das ist die Verkaufstätigkeit in meinen Augen, und NICHT für eine mehrstündige Sitz-Performance in Sachen Null Interesse am Verkauf. Ich komme schon wieder vom Hundersten ins Tausendste. Also Einkaufen in putzigen Läden muss einen größeren Mehrwert als ein schönes Schaufenster und besondere Ware bieten. Dass Tiefstpreise wie im Internethandel unrealistisch sind, ist klar. Also bitte ich darum, sämtliche Antennen Richtung Kundschaft auszufahren, die sich bereits entschlossen hat, ein Geschäft zu betreten oder kurz davor ist. Das kriegt man natürlich nur mit, wenn man den Blick regelmäßig vom Smartphone hebt und mal zur Tür guckt. Wie sich der eingangs erwähnte Konzertabend dann am Ziel gestaltete, also im Frannz Club, werde ich alsbald auch noch berichten. Und zwar anhand von Bildern meiner Kamera der unwiderlegbar zauberhaften Sophie Auster.
g a g a - 8. Mai 2026, 01:14


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