11. Juni 2026



Rubrik "Brigitte hört Schallplatten". Konzert, Oper, Jazz und "Die Schlager des Monats" Juni 1961. Kaum Balladen mit viel Schmelz darunter, eher partymäßig auf lustig, locker und launig getrimmt. Wenn ich die Wahl hätte, "Are you lonesome tonight?" von Elvis oder "Bist Du einsam heut' Nacht" von Peter Alexander auf den Plattenspieler zu legen, tendierte ich doch zur Aufnahme von Elvis. Aber zweifellos ein cleverer Schachzug von Peter Alexander, Anfang 1961 diese deutsche Version aufzunehmen, nachdem Elvis 1960 weltweit die Charts mit seiner Fassung erobert hatte. Da Peter Alexander vor allem in der ersten Hälfte der Sechziger seine erfolgreichsten Jahre hatte und jedes Jahr bis zu vier neue heiter bis alberne Kinofilme mit ihm in der Hauptrolle erschienen, war "Bist Du einsam heut' Nacht" 'a gmahte Wiesn'. Allerdings war die höchste Hitparaden-Platzierung in Deutschland sowohl von der Elvis-Version als auch der Peter-Alexander-Variante, Platz vier.

10. Juni 2026

Weitere im Juni 1961 neu angelaufene Kinofilme (neben dem bereits mehrfach erwähnten, großartigen, sehr bekannten Film "Lieben Sie Brahms?/fr.: Aimez-vous Brahms?/engl. Originalfassung: Goodbye Again" mit Ingrid Bergman, Yves Montand und Anthony Perkins). Nie von den folgenden empfohlenen, in der Brigitte angekündigten Filmen gehört, keinen davon je zuvor im Fernsehen oder sonst wo gesehen, obwohl in allen mir bekannte Schauspieler mitwirken, auch einige Regisseure sind mir namentlich geläufig. Etliche weitere genannte Namen in den Hauptrollen habe ich ebenfalls nie zuvor gehört, ich erwähne nur die Mitwirkenden, deren Namen mir vertraut sind:



"Die Schatten werden länger" mit Barbara Rütting, Loni von Friedl, Hansjörg Felmy und Luise Ullrich.



"Lichter von Paris" mit Jean Pierre Léaud, Regie: Julien Duvivier.

"Die Nacht vor dem Gelübde" mit Jean-Paul Belmondo.

"Vertauschtes Leben" mit Karin Baal, Carola Höhn, Rudolf Prack.



"Das Wunder des Malachias" mit Brigitte Grothum, Günter Pfitzmann, Horst Bollmann, Charlotte Kerr, Wolfgang Spier, Günter Strack, Loriot (!!!), Senta Berger u. v. a., Regie: Bernhard Wicki.



"Eine hübscher als die andere" mit Heidi Brühl, Peter Vogel, Ralf Wolters und Rudolf Platte, Regie: Axel von Ambesser.

"Man nennt es Amore" mit Attila Hörbiger, Regie: Rolf Thiele.

"Du singst das falsche Lied" mit Dirk Bogarde.

"Das Wunder des Malachias" ist der einzige Film darunter, den ich vor einigen Tagen auf youtube fand, nach den anderen, die mich teils interessieren, halte ich noch mal Ausschau. "Das Wunder des Malachias" hat eine ganz erstaunliche Starbesetzung, vermutlich musste der charismatische Bernhard Wicki nur mit dem Finger schnippen und alle wollten mitmachen, eine surrealistische Gesellschaftssatire, ziemlich schräg und ungewöhnlich. Bei dem Filmtitel "Lichter von Paris" dachte ich zunächst, der wäre bekannter, weil der Titel so geläufig anmutet, scheint aber auch eine Nischenproduktion gewesen zu sein. Léaud war gerade populär in der Hauptrolle von Truffauts "Sie küssten und sie schlugen ihn" geworden, aber der Film "Lichter von Paris" hat es nicht einmal zu einem Wikipedia-Eintrag geschafft. "Du singst das falsche Lied" lockt mich nicht, ein Western. "Vertauschtes Leben" mit Karin Baal, die ich immer sehr mochte, hingegen sehr. Sollte noch etwas Empfehlenswertes darunter sein, werde ich berichten.

09. Juni 2026



Außerdem in den Brigitten von anno dazumal: Lebenshilfe, Ratschläge, Kummerkasten. Interessante Fragestellungen, denen man teilweise das Zeitkolorit anmerkt, bei Beziehungsfragen allerdings auch erkennt, dass die Kernprobleme damals wie heute ähnlich sind, nur die Kommunikationswege, -techniken haben sich erweitert, entwickelt, an technisch möglichem Tempo zugelegt. Was aber mitunter dickfellig nicht immer genutzt wird, siehe Gegenwartsproblematik "Ghosting". Will jemand partout nicht kommunizieren, führt auch die schnellste Brieftaube, der beste Internetzugang oder das voll geladene mobile Endgerät nicht dazu.



Das nüchterne Fazit des Artikels "Kann Liebe Standesunterschiede überwinden?" hat mich etwas überrascht. Ich hätte erwartet, dass die Redaktion von 1961 die Darstellung einer modernen Sichtweise forciert, die Parole ausgibt, Standesunterschiede immer noch als problematisch zu erachten, sei doch wohl eine gestrige Haltung.



Ich konnte der Argumentation dann aber doch folgen, die anführt, Standesunterschiede könnten immer noch, in unseren aufgeklärten Zeiten, und vor allem dann zu einem Integrationsproblem in die in puncto gesellschaftlichem Ansehen höher angesiedelte Familie führen, wenn der Mann quasi "niedrigeren Standes" ist, da sich Männer nicht so anpassungswillig zeigen. Das könnte vielleicht sogar heute noch gelten, dass ein beispielsweise selbstbewusster, stolzer Handwerker ohne jeglichen akademischen und kulturell gehobenen Hintergrund und ohne Ambitionen in diesem Bereich, eher dazu tendiert, seinen ihn zufrieden stellenden, eher hemdsärmligen Lebensstil inclusive rustikaler Tischmanieren einer akademisch gebildeten Lebenspartnerin anzudienen und dadurch Punktabzug in den vornehmeren Herkunftskreisen der Angetrauten erhält. Umgekehrt ist eher der Pygmalion-Effekt zu erwarten, Eliza Dolittle freut sich, gehobene Umgangsformen lernen zu dürfen, genießt sämtliche Elemente der Verfeinerung des neuen Lebensstils. Heutzutage auch am Zuspruch von Fake-Versionen, "Dupes" von käuflichen Statussymbolen im Bereich von Mode-Premium-Marken und Produkten wie beispielsweise bis zur Vollendung gefälschten Kelly- und Birkin-Bags und Armbändern und Gürteln von Hermès und Louis Vuitton-Taschen abzulesen.



Die Leserinnen-Frage "Muss ich aufstehen, wenn ein älterer Herr mich begrüßt?" wurde leider nur lückenhaft, somit unzureichend beantwortet. Die Fragestellerin geht nicht auf die konkrete Situation ein, ob sie zum Beispiel bei einer größeren Familienfeier an einer Tafel platziert, von einem hinzukommenden älteren Herrn gegrüßt wird oder im beruflichen Zusammenhang, etwa am Schreibtisch eines Vorzimmers tätig, wo ein älterer Besucher ins Büro tritt oder aber - wie die Antwort anheimstellt, in der Straßenbahn sitzend.

Letzteres Szenario kann ich anhand der Fragestellung aber gar nicht erkennen, denn auch Anfang der Sechziger Jahre war es vermutlich nicht üblich, dass man fremde Fahrgäste in der Straßenbahn grüßt. Außerdem stellt die Antwort anheim, es ginge darum, ob die jüngere Dame dem älteren Herrn ihren Sitzplatz in der Straßenbahn überlassen sollte. Eine völlig andere Frage, die schlampig beantwortet wurde, indem sie einfach diese Straßenbahnsituation unterstellt. Wobei das erwähnte launige Detail richtig ist, dass man Zeitgenossen die mutmaßlich älter als man selbst sind, aber nicht gebrechlich wirken, mit einem Platzangebot auch konsternieren, ja sogar beleidigen kann.

Meiner dunklen Erinnerung nach war es laut Knigge so, dass man grundsätzlich immer aufsteht, wenn man Gastgeber/in ist und ein Gast hinzukommt, ungeachtet des Alters, um diesen herzlich willkommen zu heißen. Bin ich selbst Gast und sitze an einer Tafel, bin beim Essen und weitere Gäste kommen hinzu, muss ich sicher nicht aufstehen. Bin ich zu Gast im Buckingham Palast beim Gala Dinner von King Charles, ich wurde bereits platziert und zuguterletzt tritt der Regent hinzu, um seinen Platz einzunehmen, bevor getafelt wird, stehe ich selbstverständlich auf, wenn das alle tun, sofern es die protokollarisch übliche Respektsbekundung dem gastgebenden König gegenüber sein sollte.

Aufstehen in öffentliche Verkehrsmitteln, um jemandem den Platz anzubieten, der schwächer wirkt, ob altersbedingt, angeschlagen oder erkennbar schwanger, gehört zum guten Ton, früher wie heute. Aber was rede ich, die verunsicherte Dame von damals dürfte heute in einer Verfassung sein, in der sie dankbar darauf hoffen darf, einen Sitzplatz angeboten zu bekommen, falls sie nicht sowieso schon... LIEGT.

Zum Thema Begrüßen von fremden Fahrgästen im ÖPNV kann ich außerdem beitragen: an einem der jährlichen europaweit ausgerufenen autofreien Tage am 22. September muss es wohl gewesen sein, dass in der Berliner S-Bahn ein flotter, älterer, gepflegt wirkender Herr im Trenchcoat zustieg, der sich orientierend umblickte, wie jemand, der noch nie eine S-Bahn von innen gesehen hat. Das Schnäppchen wollte er sich nicht entgehen lassen, dass man ohne Fahrschein gratis S-Bahn fahren konnte. Er nickte beim Einsteigen freundlich in die Runde und ließ gut hörbar "Guten Tag!" vernehmen. Der unerwartete Gruß des ungeübten Fahrgastes an alle übrigen Fahrgäste löste allerhand Reaktionen aus. Eine Reihe S-Bahn-Gäste sah sich verdutzt an, gefolgt von einem amüsierten Lächeln, manche schüttelten ungläubig den Kopf, ein paar kicherten und bestimmt grüßte auch irgendwer heiter zurück. Aufgestanden ist aber keiner. War auch nicht nötig.

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Saskia Rutner Wow!!...
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