17. Mai 2026



Den Kirchhoff gestern ausgelesen. Zuweilen beschleunigt durch Überblättern, zunehmend ab der Mitte. Tragisch, das zentrale, initiale Geschehen, Freitod der Frau des Ich-Erzählers, dessen Auslöser ihn Jahre umtreibt. Viel, viel Italien darin, wie auch im Leben des Autors. Ungeduld, wann er endlich den Brief mit einer weiteren Trauernachricht öffnet, den er Wochen nach Erhalt von einer Ecke in die andere legt. Aber selbst die Längen, die ich mir etwas ignorant verkürze, reichen nicht für ein gelangweiltes Fazit. Immer wieder Stellen, für die ich den Autor schätze und daher auch dieses Buch mochte. Kann es nicht uneingeschränkt empfehlen, aber auch nicht abraten. Fragmente, die mir gefielen.



"Ich war noch einmal jung, kaum älter als Malte, und ein Mädchen kommt auf mich zu, wippende Locken, wippender Rock, sie nimmt meine Hand und sagt, lass uns verreisen, wollen wir? Alles ist unendlich einfach, wie auf einem Foto, das mich in Griechenland zeigt, braungebrannt auf einem Fels am Meer, im langen Haar eine Taucherbrille und in der Hand eine Zigarette. Einer aus meiner Ersatzdienstzeit hat auf den Auslöser gedrückt, wir waren zu zweit unterwegs, einen Monat lang jeder mit dreihundert Mark, und nur dieses Foto ist davon geblieben, vor einiger Zeit beim Aufräumen wiederentdeckt; seitdem steht es, klein und gerahmt, auf dem Fenstersims in der Küche, und als Malte es dort zum ersten Mal sah, fragte er, wer das sei auf dem Fels. Ich mein Freund, ich! Und darauf er: He, du hattest ja richtige Haare und Schultern (...)" S. 150



"(...) und warum nicht auch einfach weiter die lieben, die man zu kennen geglaubt hat. Die, mit der ich im Sand hinter den Dünen von Pellestrina unter dem Sonnensegelfetzen lag, unsere Leihräder auch im Sand, so verhakt wie wir, der eine Lenker mit fehlendem Griff, dort, wo er in die Luft ragt mit blanker Kante. (...) Meine Schläfe lag seit Würzburg am Fenster, die Erschütterungen in der Scheibe taten gut, als könnten sie schwere Gedanken zu leichten zerreiben, und man selbst müsste gar nichts tun" S. 328



"Die Zeit, sie drängt, wenn der Umriss des eigenen Endes Gestalt annimmt, ich rede von mir. Noch schlägt das Herz, und ich sitze auf dem Balkon, unter mir die Riesenglyzinie, über mir der Vesuv und ein Sternenpfeffer, zu meinen Füßen das Tier, das einen Namen braucht, etwas, das im Gedächtnis bleibt, wie der Name Pompeji (...)" S. 444, Bodo Kirchhoff, "Verlangen und Melancholie"

17. Mai 2026







Vom Balkon. Blick schweift, streicht vertraut Baum und Strauch.

17. Mai 2026



Gestern. Balkonlektüre. Sonne gesucht, doch noch gefunden.





16. Mai 2026





Ein alter Hut. Die Auguststraße entlang, über die Kreuzung Rosenthaler, rechts in die Kleine Rosenthaler, links in die Mulackstraße, rechts in die Gormannstraße, Blick in und durch die Schaufenster von Sevenstar, Weinmeisterstraße, U8. Atelier.

Blütenstaub auf meinem Josef Hoffmann-Schränkchen auf dem Balkon und den Fliesen daneben. Hellgelb wie Dr. Oetker Vanillepudding meiner Kindheit. Den ich nicht so mochte. Lieber Schoko. Weggeputzt, auch bisschen Vogelkacke auf drei Kacheln. Den Mittelmeerwolfsmilchbusch vom vorletzten Jahr in den Balkonkasten gepflanzt, vielleicht wird er da wieder buschig. Gegossen. Zwei Schluck Rotwein. Kein Kalkstein mehr im WC, ordentlich geputzt.

Wieder Richtung heim. Davor ins Hermannquartier, einkaufen. In der Eingangspassage eine Rollstuhlfahrerin, circa Mitte Sechzig, ganz fein zurecht gemacht. Vor allem die Frisur. Dunkelbraune, kinnlange Haare in feinen Wellen onduliert und seitlich eine große Glitzer-Haarspange, wie man sie sonst nur an kleinen Mädchen oder in Zwanziger Jahre-Filmen sieht.

Zuerst dm, Vorräte Flüssigseife, Vanille-Kokos. Und an einem Ständer mit Sonnenhüten zwei aufprobiert. Haben gepasst. Einer 9,90, der andere 14,90. Ein Geflecht wie Stroh, ist aber wohl Papier, einer wie helles Stroh, mit naturweißem Flatterhutband aus Baumwolle, der andere dunkleres Papierstroh mit blau-weiß gewebtem Ethno-Band. Beide Hüte ineinander gesteckt und als Einkaufskörbchen für die fünf Seifenflaschen benutzt. Die Kassiererin lächelte heiter, als ich sagte: "Das ist mein Einkaufskörbchen!"

Dann runter zu Rewe, wollte hauptsächlich wieder stichfesten Bulgaria-Joghurt in der blaugrünen Verpackung holen, war wieder nicht im Regal. Da es eh keinen anderen stichfesten dort gibt, kann ich gleich wieder gehen. Die schon mitgenommenen hellen Weintrauben wieder zurück ins Regal gelegt, wieder mit der Rolltreppe nach oben, zu meinem Endziel, Netto.

Dort das Kräuterregal geplündert und alle vier vorhandenen Petersilientöpfchen und eins mit Schnittlauch mitgenommen. Gekräuselte Petersilie, die ich sehr gerne mag und die ein paar Jahre aus der Mode war, aber nie bei mir. Sie erinnert mich an die Petersiliendeko meiner Sechziger- und Siebziger-Jahre-Kindheit, Weintrauben, einen Vierer-Pack von einem beliebigen Joghurt 3,8 Prozent eingepackt, nix besonderes. Und eine Flasche Cola, ich achtete nur auf schwarze Schrift auf rotem Etikett. Hatte die Brille nicht auf.

In der U-Bahn zurück, eine junge Frau in den Zwanzigern mit braunen Haaren und einem etwas formlosen Kurzhaarschnitt, zu wellig irgendwie. Aber ein tolles Detail: sie hat sich mit einer Haarsträhne von den Schläfen einen Herrenwinker auf die Backe geklebt. Eine ganz fein gerollte Haarschnecke klebte da. Toll!

Daheim beim Aufschrauben der Colaflasche bemerkt, dass das Etikett einen komischen lilaroten Rand hat. Erst mal getrunken. Irgendwie anders, aber nicht gut anders, komisch anders. Brille aufgesetzt, Etikett genau angeguckt. Fuck. "Cherry Coke Zero" stand da. Gar nicht meins! Wusste ich schon vorher. Nie probiert, nie gekauft. Mit experimentellen Cola-Geschmacksrichtungen muss man mir nicht kommen. Auch nicht mit Bier mit Zitronenlimo-Geschmack oder dergleichen Unfug. Aber die 2 Hüte sind super.

15. Mai 2026

In my Garbo Years. Die wechselnden Augengläser schützen die empfindlichen, schnell tränenden, alten Augen von Gaga Garbo vor Wind und Wetter und überdies vor allzu bohrenden Blicken!





15. Mai 2026



In my Garbo Years. Nicht der Größenwahn nimmt überhand, sondern Parallelen. Ich denke dabei keineswegs an Garbo, den gefeierten Stummfilmstar, sondern Greta Garbo zwischen ihrem 60. und 84. Lebensjahr. In bequemen, aber immer eleganten flachen Schuhen, Loafers aus feinem Wildleder, Ton in Ton gekleidet, oft mit einer passenden Kopfbedeckung, streifte sie allein durch die Straßen ihrer Stadt, machte Besorgungen, besuchte Ausstellungen, beobachtete Menschen und ging wieder nach Hause, in ihr mit schönem Mobiliar und Kunst bestücktes Apartment. Na gut – niemand paparazzt mich. Und noch lache ich.



15. Mai 2026

Schlaflos in Berlin... bin kurz vor zwei ins Bett, nur wach gelegen, alle möglichen Gedankengänge... wieder aufgestanden, in die Küche, ein kleines Jever aufgemacht, trinke ich jetzt. Mal sehen, ob sich Bettschwere einstellt. Vor allem mentale. Die brauch ich. Neulich in irgendeinem Artikel gelesen, eine Psychologin empfiehlt, man soll bei innerer Unruhe aufschreiben, was einen beschäftigt. Ich blogge ja meist am Abend, aber keine Themen, die mich ganz privat umtreiben bzw. nur durch die Blume. Aus Diskretion, nicht aus Heimlichtuerei. Ich habe überhaupt keine Lust oder Motivation, ein geheimes Tagebuch zu führen, in dem ich jegliches dokumentiere. Je älter man wird, umso mehr wird einem klar, dass man auch nur ein durchlaufender Posten im Gefüge der Menschheit ist und nicht zu dem kleinen Prozentsatz gehören wird, der noch nach Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten in einem Lexikon auftaucht und dessen Lebensbewegungen dereinst erforscht werden. Von daher erschiene es mir eher als eine lästige Ansammlung von weiteren intimen Sachverhalten. Das hätte alles nur Sinn es zu dokumentieren, wenn ich ein autofiktionales Buchprojekt hätte, dem ich damit zuarbeiten würde. Ist gar nicht auf meiner inneren Agenda. Der erste Vogel zwitschert. Es ist noch stockdunkel. Beruhigend. Nach Einbruch der Helligkeit schlafen zu gehen, ist blöd. Als hätte man billigend in Kauf genommen, dass der neue Tag kastriert wird. Jetzt fange ich an zu faseln. Ein gutes Zeichen, bin wohl kurz vorm Alphazustand. Das Jever ist nun leer.

g a g a
Doro danke für die...
17.05.26, 16:02
g a g a
Margarete 17. Mai...
17.05.26, 16:00
g a g a
Margarete 16. Mai...
16.05.26, 19:19
g a g a
Margarete 16. Mai...
16.05.26, 17:27
g a g a
Margarete 16. Mai...
16.05.26, 12:18
g a g a
Anne 16. Mai 2026...
16.05.26, 12:16
g a g a
ohrenschmaus 15. Mai...
15.05.26, 12:58
g a g a
Imke Arntjen WOW!!!!!...
14.05.26, 21:25
g a g a
Margarete 14. Mai...
14.05.26, 19:22
g a g a
Wow - der Markt hat...
14.05.26, 15:15
g a g a
Margarete 14. Mai...
14.05.26, 12:07
g a g a
Margarete 13. Mai...
13.05.26, 23:12
g a g a
Saskia Sachs Ich habe...
13.05.26, 14:43
g a g a
Gaga Priestly P.S....
13.05.26, 14:04
g a g a
Ina Weisse ihr guckt...
13.05.26, 14:02
g a g a
Margarete 12. Mai...
12.05.26, 22:41
g a g a
Saskia Rutner Schönes...
12.05.26, 14:31
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wow....! Da könnte...
11.05.26, 21:44
kid37

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