28. Juli 2022









Da capo: Schöner Brunnen. Ja, ja - auch davon habe ich schon einige Bilder gezeigt - aber ausschließlich aus meinem Hotelzimmerfenster. Mir ist, als wäre einem der Brunnen schon als Kind nahgebracht worden, auch weil viel Gerede und Gewese um den goldenen Ring war und ist, der in einem Gitter hängt und sich drehen lässt. Dann kann man sich etwas wünschen und darf nicht darüber sprechen und es wird wahr. Es gibt aber noch einen zweiten drehbaren Ring, einen Eisenring, Insider meinen, der wäre noch wirksamer. Darüber wurden auch schon Aufsätze verfasst, hier ist einer. Alles Wichtige zur übrigen Geschichte des 1385 auf Wunsch von Kaiser Karl IV. erstmalig gebauten Schmuckstückes vom Nürnberger Hauptmarkt kann in diesem Flyer nachgelesen werden. Er wurde zig mal restauriert, eine der ersten Bemalungen stammte von Albrecht Dürers Lehrer. Der gesamte Brunnen musste wegen Baufälligkeit schon einmal komplett erneuert werden und auch der drehbare Messingring wurde vielfach ersetzt, da anfällig für Diebstahl. Die Nazis fanden den Brunnen im Gegensatz zum Neptunbrunnen so bedeutsam und kostbar, dass sie ihn während des zweiten Weltkriegs zum Schutz in einen Betonmantel gossen. Was in den wirren Naziköpfen da im einzelnen vorging, dass der Schöne Brunnen ein Guter war und der Neptunbrunnen ein Böser - ich will es gar nicht so genau wissen. Anyway: ein hübsches, schmuckes Türmchen, gerade wenn man auf seinem Hotelbett liegt und die Spitze sehen kann. Ist wohl rund siebzehn Meter hoch, das gute Stück. Ich vermute, dass ich den Ring als Kind einmal gedreht habe, man wurde ja fast schon dazu verpflichtet, wenn man da war, aber man wollte es sicher auch. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, was ich mir da gewünscht haben könnte und daher auch nicht, ob es in Erfüllung ging. Diesmal hab ich gar nicht daran gedacht - aber nicht dass ich gar keine Wünsche mehr hätte.



27. Juli 2022









In den Abendstunden traf ich am 30. Juni wieder am Hauptmarkt bei meinem Hotel ein. Den Blick aus dem Hotelzimmer habe ich ja schon ausgiebig gezeigt. Wenn man auf dem Platz steht, gibt es noch ein paar andere Ecken und Perspektiven. Versäumt habe ich, die eine Seite des Platzes zu fotografieren, wo fast über die ganze Länge einer der vier Seiten des Platzes ungefähr zwanzig bis dreißig relativ große Olivenbäume vor einem Restaurant stehen, das ist sehr schön und mediterran; gab es "zu meiner Zeit" nicht.

Der Hauptmarkt war eigentlich selten ein Ziel bei meinen jugendlichen Aufenthalten in Nürnberg. Man ging daran vorbei, überquerte ihn auf dem Weg von da nach dort. Da ich schon als Jugendliche kein Fan vom Weihnachtskult war, zog mich der berühmte Christkindlesmarkt auch nicht an, ich machte vielmehr extra einen Bogen darum. Das wäre auch heute für mich nicht die attraktivste Jahreszeit für einen Besuch. Allerdings hätte ich doch Lust, die Eröffnungsansprache vom "Christkind" hoch oben auf der Empore der Frauenkirche einmal zu erleben, denn das hat schon etwas Märchenhaftes, dass da so ein lebendiger Rauschgoldengel mit einer hohen goldenen Krone und einem prächtigen Gewand mit Trompetenärmeln steht und feierliche Worte an die Sterblichen da unten richtet. Es gibt einige youtube Videos davon, schon sehr putzig. Man hat sich als Kind auch immer gefragt, wie man wohl Christkind werden kann, ob man dafür von Natur aus lange hellblonde Haare haben muss. Es war ein großes Geheimnis und Mysterium. Ich könnte mir eigentlich heute vorstellen, dass ich dort einmal als Christkind stehe, die Haarfarbe täte nun auch passen.

Ich erinnere mich allerdings, dass ich mit einer Freundin einmal ganz gezielt zum Hauptmarkt gegangen bin, weil dort eine Kundgebung stattfand. Anlässlich eines Wahlkampfes war Franz Josef Strauß als Redner auf dem Hauptmarkt angekündigt, und wo Strauß war, gab es auch jede Menge Gegner von ihm und ich gehörte dazu. Es ging uns um eine Gegenkundgebung, zu demonstrieren, dass Nürnberg nicht nur aus CSU-Anhängern besteht und dass sich der behäbige, erzkonservative Strauß nicht zu sicher fühlen sollte. Ich erinnere mich an das Riesenaufgebot von Polizei, eventuell hatten wir auch noch alte "Stoppt Strauß"-Sticker von der Gegenkampagne zu seiner Kanzlerkandidatur 1980, das weiß ich nicht mehr genau. Ein Banner oder Plakat hatte ich nicht zum Hochhalten und war auch sonst eher vorsichtig, wir demonstrierten mehr so am Rand mit, von wo man gut vor der Polizei flüchten konnte. Ich warf auch nicht mit faulen Eiern oder Tomaten oder Farbbeuteln, weil ich das schon damals unwürdig und primitiv fand, aber Farbe durch meine Präsenz wollte ich schon bekennen. Es war aufregend, natürlich war es für uns auch ein Event, wo man Gleichgesinnte in großer Zahl traf. Sehen und gesehen werden! Es kann gut und gerne sein, dass auf dem Hauptmarkt 25.000 Menschen waren, Anhänger von Strauß und wir, seine Gegnerinnen. Der große Platz kann offenbar so eine riesige Menge aufnehmen. Ich vermute, das muss die Kundgebung Anfang 1983 gewesen sein, die in einem Buch über Markus Söder als sein Erweckungserlebnis geschildert wird. Der Straußfan Söder trat anschließend entflammt in die Partei ein, der im Januar 1967 geborene Markus war gerade 16 geworden. Ich war da ja schon um einiges reifer als er, nämlich genau Siebzehneinviertel.

1809 bis 1895 rahmten alle vier Seiten des Platzes feste Marktstände, gemauerte Kolonnaden, in denen Waren feilgeboten wurden. Außer dem Schönen Brunnen gab es noch den Neptunbrunnen auf dem Platz, den die Nazis aus ideologischen Befindlichkeiten abbauen ließen, er steht im Nürnberger Stadtpark.







26. Juli 2022



Kleiner Ausflug nach Stein bei Nürnberg, wo seit 1761 Bleistifte von Faber-Castell fabriziert werden. Inzwischen auch noch in acht anderen Ländern der Erde. Faber-Castell ist weltweit der größte Hersteller von Blei- und Buntstiften und macht übrigens auch Kajalstifte und Lipliner und so weiter für große Kosmetikfirmen. Die alten Werkstätten begegneten mir auf meinem Weg, als ich einen Umweg machte, um meine Mama zu ihrem Geburtstag zu besuchen. Mir war an diesem heißen Junitag in der Mittagshitze, als hätte ich eine Bilderbuchseite aus einem anderen Jahrhundert vor mir. Wie ein Echo aus einer vergangenen Zeit. Fast wie Spielzeug in groß, oder eine Illustration. Auch der zum Teil kursive Schriftzug ist so ungewöhnlich, so gar nicht industriell. Es ist auch ein Museum drin, habe ich gelesen. Karl Lagerfeld hat nur mit Stiften von Faber-Castell gezeichnet und der hat bestimmt gewusst, was das Beste ist. Wenn wir als Kinder zu Weihnachten Buntstifte bekommen haben, waren die auch von Faber-Castell und man hat schon als Kind gewusst, das sind besonders gute, ja die besten. Und dann hat man anerkennend genickt und feierlich gesagt: "von Faber-Castell!". Stabilo-Stifte kommen auch aus Nürnberg, die sind auch gut, aber eben nicht von Faber-Castell.





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