19. November 2020

Sophia đŸ–€

15. November 2020

Vanity Fair 1992 - 2020. Edition Gaga Nielsen. Ich mache auch noch einen vernĂŒnftigen Eintrag mit Einblick ins Innenleben!











09. November 2020













Es begab sich vor sechs Wochen, nĂ€mlich am 23. September 2020, dass Doro den glĂ€nzenden Einfall hatte, mich auf ein großes Konvolut Vanity Fair des letzten Vierteljahrhunderts aufmerksam zu machen, das ein mir seit langem bekannter Blogger, Volker, aka Glam weitergeben wollte.

Ich kannte ihn nur vom Lesen, erstaunlicherweise hatten wir uns trotz vielfĂ€ltiger Überschneidungen im Freundeskreis seit Beginn unserer Blogger-AktivitĂ€ten vor rund fĂŒnfzehn Jahren, nie kennengelernt. Das ist insofern bemerkenswert, als es ab 2005 viele Treffen und Lesungen gab, bei denen ich oft mit meiner Kamera anwesend war. Einmal sah ich ihn aus dem Augenwinkel an mir vorbeilaufen, es war bei einer Lesung in einem Lokal namens Offenbar, aber es war nicht der Moment um ihn anzusprechen, er war immer schon in einer Konversation und so glitten wir aneinander vorbei, was ich ein wenig schade fand.

Als ich nun ĂŒber Facebook Interesse an den JahrgĂ€ngen zeigte, kamen wir schnell zu einer Verabredung. Er wĂŒrde sich melden, wenn er im Oktober wieder in Berlin sei, und da machen wir die Übergabe. Anlass fĂŒr die Weitergabe der JahrgĂ€nge war sein Umzug und die Auflösung seiner Berliner Wohnung. Im Zuge dessen sichtete er, was er unbedingt mitnehmen wollte.

Am 12. Oktober fuhr ich um Halbsieben nach Kreuzberg und lief erstmalig viele, viele Treppen nach oben, in eine Dachgeschoßwohnung, in der ich mich irgendwie gleich daheim fĂŒhlte. Es waren noch alle Möbel da, viele Bilder und Fotos aus Zeitschriften hingen an den WĂ€nden. Ein ĂŒber zwanzig Jahre gewachsenes Universum mit viel Liebe zum Detail. Die BegrĂŒĂŸung war sehr herzlich und irgendwie vertraut, obwohl wir uns - bis auf diese Verabredung noch nie vorher ausgetauscht hatten, auch nicht kommentierernderweise in unseren Blogs.

Volker-Glam fĂŒhrte mich mit dem Putzlappen in der Hand durch sein Universum, entdeckte in seiner Bibliothek noch und noch einen wundervollen Bildbband, ĂŒber den er sorgsam drĂŒberwischte, bevor er ihn in einen Karton packte.

In der gemĂŒtlichen KĂŒche mit weitem Blick ĂŒber die DĂ€cher sprachen wir in der AbenddĂ€mmerung ĂŒber die selbstentworfenen Teppiche von Greta Garbo in ihrem New Yorker Apartment am Hudson River. Und ĂŒber Marilyn, natĂŒrlich Marilyn, die niemand mehr liebt als Glam. Aber auch ĂŒber persönliche Dinge und BeweggrĂŒnde fĂŒr den Umzug.

Ich hatte fast vergessen, dass ich wegen der Vanity Fair Hefte gekommen war. In diesem Zuhause gab es so viel zu sehen, angefangen mit dem beeindruckenden riesigen Foto von Liz Taylor, das etwa die Breite von zwei Metern im Flur einnahm. Oder das schwarz-weiß-Portrait von Greta Garbo an der TĂŒr zum Schlafzimmer. Greta hatte eine echte Zigarette im Mund, die er mit viel Geschick tatsĂ€chlich so fixiert hatte, dass sie waagerecht von der TĂŒr abstand. Ich war begeistert!

Die ganze Zeit ĂŒber lief Musik im Zufallsmodus, u. a. drĂ€ngelte sich Ingrid Caven immer mal in den Vordergrund, mit der er frĂŒher beruflich beim Viellieb-Plattenlabel zu tun hatte, aber auch sonst war es eine ĂŒberaus angenehme Berieselung mit handverlesenen Songs, die ich zum Teil gar nicht kannte.

Am diesem ersten Abend schleppte ich zwei schwere Taschen Richtung Kottbusser Tor. So viel ich tragen konnte, sozusagen. Immer wieder musste ich eine Pause machen, bis ich endlich in die U 8 fiel und damit in meine Werkstatt fuhr. Dort setzte ich mich auf den Boden und begann nach JahrgĂ€ngen zu sortieren. Manche Hefte blĂ€tterte ich neugierig auf und blieb an Artikeln hĂ€ngen. Je mehr ich blĂ€tterte, umso mehr machte sich der Wunsch bemerkbar, auch die ĂŒbrigen JahrgĂ€nge, die ich nicht tragen konnte, zu haben.

Wieder daheim teilte ich das Volker mit, der noch bis Mittwoch in Berlin sein wĂŒrde. Ich kĂŒndigte mich gleich fĂŒr den nĂ€chsten Abend erneut an. Mit neuem Schwung lief ich abermals die vielen Treppen nach oben in den schönen Adlerhorst. Vor der EingangstĂŒr lagen schon fein sĂ€uberlich gestapelt die ĂŒbrigen Hefte. Diesmal wollte ich mir ein Taxi leisten. Ich hatte vier große Taschen fĂŒr den Transport dabei, darunter zwei große Reisetaschen. Und fĂŒr den Fall der FĂ€lle noch Packpapier und Paketschnur.

Abermals landeten wir alsbald bei einem Plausch in der KĂŒche, die mit zartgelben und rosa Markisenstreifen ausgemalt war, und wo eine kleine Stehlampe mit Plissee-Schirm heimeliges Licht spendete. Wieder erfasste mich Bedauern, dass ich hier nicht mehr oft zu Besuch kommen könnte und wir uns erst so spĂ€t kennenlernten. Volker half mir die schweren Taschen nach unten tragen und rief das Taxi. Wir verabschiedeten uns mit einer warmen Umarmung.

Am nĂ€chsten Tag schickte er mir ein Foto von weiteren vier Vanities, die er noch gefunden hatte. Da war natĂŒrlich klar, dass ich abermals wĂŒrde kommen mĂŒssen. Der ultimative Umzug aller Sachen war fĂŒr die letzte Oktoberwoche vorgesehen. Um sich noch einmal zum Abschied gemeinsam mit Doro zu treffen, die das Ganze ja angeleiert hatte, verabredeten wir uns fĂŒr einen Sonntag Nachmittag, wenige Tage bevor die Möbelpacker kamen. Doro holte mich zuhause ab. Ich hatte drei Sorten Florentiner gekauft und sie hatte feinste TortenstĂŒckchen zur Kaffeestunde eingepackt.

Es war immer noch sehr wohnlich und gemĂŒtlich, als wir eintrafen, da alle Möbel noch an ihrem Platz weilten und sĂ€mtliche Lampen wohnliche Stimmung verbreiteten, und auch alle Bilder noch hingen. Im Arbeitszimmer stapelten sich schon mehrere fertig gepackte Umzugskisten mit BĂŒchern und Filmen, aber es gab noch Einiges zu packen. Doro machte den Auftakt und bot an, sich um die Bilder zu kĂŒmmern. Ich widmete mich den Langspielplatten, von denen bereits die HĂ€lfte zum Verschenken oder fĂŒr den Trödel aussortiert waren. Darunter drei Marilyn-Schallplatten. Da Doro drei Söhne hat, hatte ich die brilliante Idee, sie könnte ja jedem ihrer Söhne eine Marilyn-Platte zu Weihnachten schenken. Sicher wĂ€re die Freude groß! Wir mussten lachen, als wir uns die Gesichter der bereits sehr erwachsenen Jungs vorstellten, von denen sich bislang keiner als ausgewiesener Marilyn Monroe Fan geoutet hat.

Zwischen Packen und Hin- und Hergewuchte von Sachen, untermalt von Geblödel, machten wir immer mal ein PĂ€uschen und erzĂ€hlten. Glam fand zwischendurch immer wieder interessante FundstĂŒcke in seinem Archiv, zeigte Fotos von sich, als er als ganz junger Beau modelte und las einen grandiosen Liebesbrief von einem verflossenen Lover vor. Dabei lief wieder seine schöne Musiksammlung vom ipod rauf und runter.

Die vier Vanities, die er noch gefunden hatte, breitete ich auf dem Teppich im Schlafzimmer aus und zeigte Doro, nach welchen Kriterien ich die Hefte auseinandernehme. Ein HĂ€ufchen fĂŒr besonders schöne Artikel fĂŒr die JahrgangsbĂ€nde, die ich binden wollte, ein HĂ€ufchen fĂŒr eine besondere Edition fĂŒr Glam, da ich mittlerweile einschĂ€tzen konnte, wo seine Spezialinteressen liegen, und ein weiteres HĂ€ufchen mit visuell besonders interessanten Seiten, die ich fĂŒr Collagen oder Ähnliches verwerten wollte. Ich war mit den vier Heften in einer halben Stunde durch und half dann, die großen Bilder transportfĂ€hig zu machen. Ich wickelte sie dazu in TeppichlĂ€ufer und fixierte das Ganze mit Paketschnur.

Nachdem die Bilder abgehĂ€ngt waren, fiel es gar nicht mehr so schwer, sich vorzustellen, dass man dieses lauschige Nest ĂŒberhaupt jemals verlassen könnte. Kaum sind die persönlichen Details weg, Ă€ndert sich die Wahrnehmung betrĂ€chtlich. Ich war froh darum, da ich wusste, dass in diesen RĂ€umen unendlich viel gelacht und geweint und geliebt wurde, immerhin zwanzig Jahre lang. Gute Jahre. Weit nach Einbruch der Dunkelheit verabschiedeten wir uns, wieder mit dem Gedanken, dass es so bald kein Wiedersehen geben wĂŒrde. Doro kannte Glam und die Wohnung seit vielen Jahren von frĂŒheren Treffen und Festen, ich dagegen erst seit zwei Wochen, aber der Abschied ging mir Ă€hnlich zu Herzen wie Doro.

Wie es der Zufall so will, fanden sich in der Wohnung im Zimmer seines vorĂŒbergehenden Mitbewohners, der nun auch langsam seine Sachen packen musste, noch drei weitere Vanity Fair Hefte. Nicht nur weil ich ein sehr beharrlicher Typ bin, und nun wirklich jede herumschwirrende Vanity Fair in meine Edition einverleiben wollte, sondern auch weil ich Lust auf noch einen weiteren unterhaltsamen Abend zwischen Umzugskisten packen hatte, erklĂ€rte ich, dass ich nun ja wohl abermals vorbeischneien mĂŒsste. Gesagt, getan.

Am 27. Oktober 2020, dem Abend bevor die Möbelpacker kamen, lief ich nun zum vierten mal die Treppe in der Lausitzer Straße hoch, nun aber wirklich zum letzten mal. Wir begrĂŒĂŸten uns wie vertraute Freunde und erzĂ€hlten ohne Punkt und Komma, wĂ€hrend wir die letzten Regale ausrĂ€umten und abwischten. Die Musikanlage war zum GlĂŒck noch in Betrieb und die Lampen machten immer noch ihr heimeliges Licht.

Ich widmete mich dem KĂŒchenregal, das sein Vater gebaut hatte, und fand beim HerumrĂŒcken einen alten Einkaufzettel, womöglich noch aus den Zeiten, als er mit Georgette Dee hier wohnte. Eine kleine Schubladenkommode links von der SpĂŒle hatte sie mit in den Haushalt gebracht. Darauf packte ich nun Putzmittel und Wischlappen. Die SpĂŒle war schon blitzblank, alles restliche Geschirr gespĂŒlt und auf den Fensterbrettern aufgereiht, noch eimal setzten wir uns in den Schein der kleinen Lampe, ruhten aus und erzĂ€hlten.

Zuletzt holten wir den schweren LĂŒster von der Decke im Flur, ich hielt die Leiter. Wir waren ein richtig gutes Team! Bei meinem letzten Weg aus der Wohnung begleitete Volker mich nach unten, er hatte ohnehin etwas zu seinem Auto zu bringen, den Holzkoffer mit der goldenen Schachtel darin, in der besondere persönliche ErinnerungsstĂŒcke waren, die alle mit ihm im Auto mitsollten.

Es stand in der NĂ€he der Skalitzer Straße und wir verabschiedeten uns nun zum vierten mal, aber bestimmt nicht zum letzten mal. Das nĂ€chste mal sehen wir uns sicher an einer anderen Ecke in Berlin wieder, aber wir sehen uns wieder. Das möchte ich mir erbeten haben. Ich kann mich nicht erinnern, irgendeine Freundin oder einen Freund in so kurzer Zeit so oft besucht zu haben.

Der Kontakt zwischen uns setzt sich nun virtuell fort. Ich zeige ihm, was ich an weiteren Entdeckungen in den Vanities gemachte habe, und was aus dem Konvolut, diesem Schatz von ihm, nun wird. Das hier sind Bilder von meiner Editierphase. Zwischen die Vanity Fair-Hefte hatte sich eine italienische VOGUE L'Uomo-Ausgabe geschmuggelt, in der sich eine schöne Fotostrecke mit Rufus Wainwright befand. Die musste natĂŒrlich zu ihm zurĂŒck, ich machte davon ein kleines Sonderheft und schickte es ihm mit der Post.

Meine weiteren Verarbeitungsschritte habe ich auch dokumentiert, aber eins nach dem andern. Ich musste jetzt unbedingt einmal diese Geschichte erzÀhlen, wieso meine letzten Wochen derart von der BeschÀftigung mit Vanity Fair bestimmt sind.

Ein bißchen was vom Weltgeschehen bekomme ich dennoch mit - apropos Trump: 2016 meinte Donald Trump einen Tweet absetzen zu mĂŒssen, der sich despektierlich ĂŒber Vanity Fair Ă€ußert. Ihm ging wohl gegen den Strich, dass eines seiner Restaurants als unzulĂ€nglich bewertet wurde. Daraufhin schaltete die Vanity Fair auf der Startseite ein Banner mit dem Claim: "The magazine Trump doesn’t want you to read. Subscribe now!” So viel zu meiner BeschĂ€ftigung mit "The Worlds most talked about Magazine."

Ich fahre nun wieder in meine Buchbinderwerkstatt. Bis ganz bald.















g a g a
Margarete 18. MĂ€rz...
18.03.26, 19:59
g a g a
Margarete 17. MĂ€rz...
17.03.26, 22:18
g a g a
Margarete 17. MĂ€rz...
17.03.26, 16:27
g a g a
Margarete 13. MĂ€rz...
13.03.26, 21:36
g a g a
Margarete 11. MĂ€rz...
11.03.26, 05:24
g a g a
Margarete 10. MĂ€rz...
10.03.26, 16:43
g a g a
Margarete 10. MĂ€rz...
10.03.26, 11:36
g a g a
Sebastian Rogler Oh...
08.03.26, 20:25
g a g a
Margarete 8. MĂ€rz...
08.03.26, 20:05
g a g a
Margarete 7. MĂ€rz...
07.03.26, 13:35
g a g a
Margarete 4. MĂ€rz...
04.03.26, 19:00
g a g a
Margarete 3. MĂ€rz...
03.03.26, 21:10
g a g a
Margarete 3. MĂ€rz...
03.03.26, 14:31
g a g a
Margarete 2. MĂ€rz...
02.03.26, 22:15
g a g a
g a g a
james staut hello...
01.03.26, 21:07
g a g a
Jan Sobottka Beifang...
01.03.26, 20:49
g a g a
Margarete 1. MĂ€rz...
01.03.26, 03:13
g a g a
Margarete 28. Februar...
01.03.26, 03:03
g a g a
Margarete 28. Februar...
01.03.26, 03:02

21.47
a
April
april 2004
april 2005
april 2006
april 2007
april 2008
April 2009
April 2010
April 2011
April 2012
April 2013
April 2014
April 2015
April 2016
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren