Blick vom Großen Stern zum Brandenburger Tor im Sommer 2015. Auf der anderen Seite am Fluchtpunkt der Ernst-Reuter-Platz. Auf einer weiteren Achse ganz klein hinten der Schöneberger Gasometer. Habe viele Jahre sehr nah, in der Leberstr. gewohnt.
Topthema des Tages in Berlin: wo ist die Löwin? Gibt es sie überhaupt? Hoffe, sie kann noch ein bißchen im Wald spazieren und nie gekannte Freiheit genießen.
"A Room With A View..." Ein Lehrstück, was Standpunkt und Perspektive verursacht, ausmacht. Motorisiert den Großen Stern mit Siegessäule und Goldelse überquerend, nimmt man den Verkehr wahr, einen Verkehrsknotenpunkt. Auf der Rotunde mit den Säulen stehend, den Blick über das Meer des Tiergartens, denkt man jäh: "erhebend!", "erhaben!", empfindet Ruhe, Weite, Luft und Langsamkeit, geradezu als flanierte man in Franzensbad im Sommerkleid. Die Automobile schrumpfen zu Scootern, zu kleinen Matchboxautos. Putzig. Nur ein unschuldiger Zeitvertreib.
Gaga Nielsens Seh-Schule. In Details eintauchen, bis es psychedelische Qualität hat, hingeben. Sich freuen, dass man diese abgefahrenen goldenen Blumen an der Decke sieht, ohne psychedelische Substanzen eingeworfen zu haben. Die dreidimensionale Welt ist so ein Hammer. Unerreicht, unersetzlich.
Ich weiß nicht, ob die Siegessäule meine Werbung nötig hat. An diesem Junitag 2015 war sie gut besucht, aber nicht gedrängt voll. Angenehm. Ich habe Freude daran, meine Erlebnisse zu teilen, obwohl ich vergleichsweise zurückgezogen lebe. Sicher ist, dass ich Trivialitäten zwar nicht zu Sensationen aufbausche, aber doch ein Talent habe, vermeintlich allzu Bekanntes neu zu beleuchten. Und so bequem für meine Leserinnen und Leser, nicht wahr. Im Übrigen ist mir aufgefallen, dass ich mitunter eine diebische Freude habe, Einträge ohne Pointe oder anekdotische Qualität zu verfassen. So ist das Leben nämlich allermeistens und dennoch gar nicht schlecht. Tage mit Abwesenheit von persönlichen Katastrophen sind eigentlich schon ein großes persönliches Glück.
Noch ein paar Bilder von gestern in Babelsberg. Ich hatte Georg vor fünfzehn Jahren, in Begleitung der Poetryclub-Projekte mit Visuals, so oft fotografiert, ein derartig routiniertes Vorgehen erlangt, dass zahllose Serien ohne aufwändige Absprachen entstanden, in wenigen Minuten. Ich erzähle beim Fotografieren gerne irgendein Zeug oder stelle eine Frage, die Konzentration auf die Antwort erfordert, um für meinen Geschmack zu kalkulierte Blicke, Gesten und Posen zu unterbinden. Das war auf unserem Weg zurück zum Auto, vor dem Mauerstück mit Maschinen-Maria.
Die Studios von Rotor Film befinden sich auf dem weitläufigen Gelände von den übrigen Filmstudios in Babelsberg, in der August-Bebel-Straße, wo auch die historischen, modernisierten UFA-Studios sind. Vor einer Halle steht ein Berliner Mauer-Stück mit aufgemalter Maschinen-Maria aus Langs Meisterwerk Metropolis.