04. Januar 2022

"(...) So schön wird es nie wieder sein. ...1929. Man sprach von Berlin wie von einer sehr begehrenswerten Frau. Wir nannten sie arrogant, versnobt, parvenühaft, kulturlos, ordinär. Insgeheim aber sah sie jeder als das Ziel seiner Wünsche: der eine füllig, mit hohem Busen in Spitzenwäsche, der andere schlank mit Pagenbeinen in schwarzer Seide, Unmäßige sahen beides, und der Ruf ihrer Grausamkeit reizte erst recht zum Angriff. Wer Berlin hatte, dem gehörte die Welt." Carl Zuckmayer

Otto Friedrich, Weltstadt Berlin - Größe und Untergang 1918 - 1933, Verlag Kurt Desch 1973, S. 246

04. Januar 2022



HEIMLICHE ZWILLINGE: THOMAS ANDERS UND MAX FRISCH

03. Januar 2022

Diese Geschichte ist meine liebste in dem Hollywood-Geschichtsbuch von Otto Friedrich:

"Der Schriftsteller und Drehbuchautor Ben Hecht spielte Geige mit dem Wohlbehagen des Amateurs, und so beschloss er, die sogenannte Ben-Hecht-Symphonietta zu gründen, die sich jeden Donnerstagabend in Hechts Villa zum Konzertieren treffen sollte. Er warb ein eigenartiges Bündel von Talenten an. Charles MacArthur (ein Dramatiker und in den Dreißiger Jahren einer der höchstbezahlten Drehbuchautoren) spielte Klarinette, Harpo Marx die Harfe, aber nur in A-Dur. George Antheil, ein Komponist, sollte vom Klavier aus so etwas wie Ordnung halten.

Groucho Marx wollte gern mitmachen, aber die anderen entschieden, dass das nicht ginge, weil er nur Mandoline spielen konnte, und die hielten sie für unter der Würde der Ben-Hecht-Symphonietta. Das Ganze war zum Teil ein Witz, aber irgendwo nehmen alle Kammermusiker ihre Obsession ernst.

Bei ihrer ersten Probe in einem der oberen Räume des Hechtschen Hauses hatten die Musiker gerade zu spielen begonnen, als lautes Klopfen an der Tür ertönte. Plötzlich flog die Tür auf, und auf der Schwelle erschien Groucho Marx.
»RUHE BITTE!« rief er, dann verschwand er wieder und knallte die Tür hinter sich zu.

Die versammelten Musiker blickten einander ziemlich ratlos an. »Groucho ist eifersüchtig«, erklärte Harpo Marx. Hecht meinte von unten merkwürdige Geräusche gehört zu haben, aber die Musiker beschlossen einmütig, die Unterbrechung zu ignorieren und Groucho sich selbst zu überlassen. Sie fingen wieder an zu spielen. Und wieder klopfte es an der Tür. Wieder erschien Groucho Marx.
»RUHE, IHR LAUSIGEN AMATEURE!« schrie er.

Als die Musiker ihn immer noch ignorierten, drehte Groucho sich um und stampfte die Treppe hinunter. Erneut wandten sich die Musiker ihren Instrumenten zu. Da kam von unten ein donnernder Orchestertusch. Es war die Ouvertüre zu Tannhäuser.

»Wie vom Donner gerührt«, erzählte Antheil, »krabbelten wir alle die Treppe hinunter, um zu sehen, was los war. Und da stand Groucho und dirigierte mit großen, fledermausartigen Bewegungen das Symphonieorchester von Los Angeles. Mindestens hundert Mann hatten sich in das Wohnzimmer gequetscht. Groucho hatte sie angeheuert, weil es ihn (wie er später erklärte), verletzt habe, daß wir ihn nicht in unsere Symphonietta aufnehmen wollten. Wir nahmen ihn auf.«"




Otto Friedrich, City of Nets/Markt der schönen Lügen. Die Geschichte Hollywoods in seiner großen Zeit, S. 80 - 81, Kiepenheuer & Witsch (dt. Übersetzung) 1988

03. Januar 2022

Ich präsentiere: mein erstes West-City-Shopping-Festival-Bändchen. Ist heute gelb. Damit kann ich heute bis Ladenschluss in alle Geschäfte im Europa-Center und im Bikini und ins Kadewe und zu Karstadt und noch alle möglichen anderen Läden. Hatte schon davon gelesen, aber es noch nicht gesehen. Ich war vorhin bei Saturn im Europa-Center, da wird man am Eingang beim Check in mit Perso und Impfnachweis gefragt, ob man ein Bändchen haben will. Bzw. das Gleiche bei jedem anderen Geschäft, das mitmacht. Kostet natürlich nichts. Dann kann man alle Läden betreten, ohne weitere Kontrolle. Ich habe leider nur eine neue Funkmaus gebraucht. Auch wollte ich noch ein Baby-Waffeleisen, hats aber nicht gegeben. Dann war ich schon fertig mit Shopping. Hab gerade mein Handgelenk gescannt, und ein bißchen mit Filter gespielt. Das Bild hat mir in Natur nicht gefallen, schimm, wie vom Seziertisch! Ich will aber mein Bändchen zeigen!

03. Januar 2022

Kleiner Auszug aus meiner kürzlichen Lektüre "Markt der schönen Lügen. Die Geschichte Hollywoods in seiner großen Zeit" von Otto Friedrich:

"Hanns Eisler, ein Radikaler aus Berlin, der die Musik zu einigen Brechtstücken geschrieben hatte, staunte bei seinem ersten Besuch in Hollywood im Jahre 1935, wie das System funktionierte. »Jede Fabrik hat fünf oder sechs Musikspezialisten, die sich pünktlich an die Bürostunden zu halten haben«, schrieb er später. »Nummer eins ist Fachmann für Militärmusik, Nummer zwei für sentimentale Liebeslieder, Nummer drei ist ein besser ausgebildeter Komponist symphonischer Musik, Nummer vier ist Spezialist für die Wiener Operette, Nummer fünf ist für Jazz da. Wenn also für einen Film Musik gebraucht wird, hat jeder Komponist seiner Spezialität entsprechend einen bestimmten Abschnitt zu bearbeiten. Die Komponisten haben keine Ahnung, was sich sonst noch in dem Film abspielt.«

Als die MGM-Fabrikation Mitte der vierziger Jahre ihren Höhepunkt erreichte, waren jeden Tag rund fünfzehn Filme gleichzeitig in Arbeit. Die Musikabteilung der MGM, Hollywoods größte, konnte zwanzig Vollzeitkomponisten auf ihrer Gehaltsliste vorweisen, dazu noch fünfundzwanzig Arrangeure/Orchestrierer und vierzig Kopisten. »Die Musikabteilung«, sagte André Previn »hatte nicht weniger und nicht mehr Bedeutung als die Abteilung für Kunstrasen. Wir reihten uns jeden Tag in der Musikabteilung auf wie Lastwagenfahrer, die warteten, ob nicht einer Tomaten nach Chicago oder Möbel nach Delaware zu bringen hätte«, erinnerte sich Previn. »Wir wussten nie, wer was brauchen würde. Wenn ein Komponist in Druck war, weil die Hintergrundmusik für seinen Boxkampffilm unverzüglich fertig sein mußte, scheuchte man uns vielleicht alle zu diesen Aufnahmen hinüber, damit wir ihm dort ein paar Tage lang unter die Arme greifen konnten.«

Wenn diese Musiker am Ende eines Tagewerks nach Hause gingen, sehnten sie sich danach, andere Musik zu spielen. Leonard Slatkin, Leiter des Symphonieorchesters von St. Louis, wuchs in Hollywood auf und berichtete, dass sein Vater Felix Slatkin, Geiger im Dienste der Twentieth Century-Fox, und seine Mutter Eleanor Aller, Cellistin bei der Warner Bros. sich im Filmdienst kennengelernt und schließlich das »Hollywood String Quartet« gegründet hätten. »Sie kamen um fünf nach Hause und musizierten die ganze Nacht hindurch«, erzählte Slatkin. »Sie kannten jeden, und man konnte nie wissen, wer vorbeischauen würde, alle kamen, von Schönberg bis Sinatra.«


Otto Friedrich, City of Nets/Markt der schönen Lügen. Die Geschichte Hollywoods in seiner großen Zeit, S. 76; 77; 78; 79, Kiepenheuer & Witsch (dt. Übersetzung) 1988

02. Januar 2022

"Ich weigere mich zu glauben, dass Dinge, nur weil sie geschehen sind, einen Sinn haben. Dass sie zwangsläufig gewesen sind, dass sie unvermeidbar gewesen sind. Nun ist es allerdings so, dass wir Menschen es sehr schwer ertragen, unsere Geschichte nicht als eine sinnvolle Geschichte zu sehen. Wir haben natürlich den Wunsch, was geschehen ist, als ein Schicksal zu betrachten, denn wir müssen es ja ertragen." Max Frisch

01. Januar 2022

"The brain may take advice, but not the heart, and love, having no geography, knows no boundaries." Truman Capote



(deutschsprachige Dokumentation, 53 Minuten)

01. Januar 2022



Werke 2018 - 2021. Mein Gewerkel der vergangenen drei Jahre. Nicht chronologisch, nach Farben. Ein paar fehlen, die ich noch nicht ordentlich dokumentiert habe. Kommt noch. Ich war doch recht fleißig, stelle ich fest. Langsam kriegen die Sachen Lust, auch mal was anderes zu sehen. Also woanders zu hängen und zu stehen. Man nennt das auch Ausstellung. Ich werde mich da mal ein bißchen mehr drum kümmern. Aber erst mal muss der Coronaquatsch erledigt sein. Musste heute sehr lachen, als ich bei der Kaltmamsell ein verlinktes Video mit einem phantasierten Jahresrückblick 2022 gesehen habe, in dem keiner mehr genau wusste, was Corona und dieser Dorsten?Drosten? eigentlich war, weil die Regierung Anfang 2022 ein Impfverbot beschlossen hatte, was aus Trotz zu rebellierenden Impfaktivitäten führte und damit zu hundert Prozent Impfschutz in der Bevölkerung. Wenn es nur helfen würde. Also erst das Impfverbot und dann stelle ich mein Zeug aus. So richtig öffentlich, mit was Schickes anziehen und hingehen und Sachen trinken (Schampus, Bordeaux, Sancerre, Kaffee, Coke Zero, Tonic, Ananassaft, Orangensaft, Wasser, Jever) und Musik und Häppchen und Nüsschen und Leute küssen und herzen und allem anderen, was das Herz begehrt und dazugehört.

01. Januar 2022

FROHES NEUES JAHR

Delibes: Lakmé / Act 1 - Dôme épais (Flower Duet)
Orchestre National de l'Opéra de Monte-Carlo · Richard Bonynge · Joan Sutherland · Jane Berbié · DECCA 1968

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