Vor ungefähr zwei Wochen, als man bei twoday ein, zwei Tage keine neuen Beiträge anlegen konnte, bin ich über alte offline Beiträge gestolpert. Meistens Kommentare, die ich erst in der Beitragsfunktion schrieb, um Zugriff auf die Menüleiste mit den Formatierungen und dem Link-Code etc. zu haben und dann zu copy-pasten. Oft habe ich diese Kommentarentwürfe dann versehentlich nicht innerhalb der Beiträge gelöscht, sondern einfach wieder vergessen, dass sie hier herumdümpeln. Aber neulich kam mir der alte Kommenarwust zugute, weil ich statt erfolglos neue Beiträge anzulegen, einfach alte überschreiben konnte und so vielleicht die einzige twoday-Bloggerin war, die an jenem Wochenende mit neuen Beiträgen aufwarten konnte. Ich war dann auch gleich in den Charts! Haha.
Aber was ich eigentlich mitteilen will: ich habe nun doch aufgeräumt und ausgemistet und im Zuge dessen bin ich sogar über zwei, drei Einträge gestolpert, die ich scheinbar versehentlich offline hatte, ganz altes Zeug, von Zweitausendacht. Wie auch immer - die letzte Altlast unter "Beiträge offline" war ein copy-gepasteter facebook-chat. Aus irgendeinem Grund fand ich es wohl schade, wenn er einfach so im Nichts verschwinden würde, nachdem man sich ausgeloggt hat. Damals habe ich ja noch jeden Tag auf facebook geguckt und auch manchmal geschaut, was die wenigen Freunde treiben. Das ist lange her und lange vorbei. Ich habe auch damals schon sehr, sehr selten gechattet. Es kam immer nur dazu, wenn mich jemand angestupst hat, das war wohl auch bei jenem kopierten Chat so. Es ist nichts Weltbewegendes, aber ich habe es gerade noch mal durchgelesen und finde den Tonfall interessant, es ist doch ein anderer Ton als beim Kommentieren eines Blogeintrags, auch nicht wie Mails schreiben, irgendwie finde ich es schade, dieses Ping Pong zu löschen. Es ist so eine Momentaufnahme, die sehr schön zeigt, was diese besondere Form des Austauschs ausmacht. Mehr so ein historisches Dokument für mich. Auch Gaga Nielsen hat zweieinhalb mal in ihrem Leben gechattet und hat früher facebook-Kontakte gepflegt. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man denken, ich kenne Julian persönlich. Dabei hatten wir nur einen gemeinsamen engen Freund, sind uns aber nie persönlich begegnet. Der gemeinsame Freund verband gefühlt, schaffte Nähe. Schon seltsam, wie ein Gefühl von Vertrauenswürdigkeit entsteht. Nach diesem Chat gab es, soweit ich mich erinnere, keinen Kontakt mehr. Ich stieg im Laufe des Jahres Zweitausendzehn auch immer mehr aus sämtlichen facebook-Aktivitäten aus. Heute logge ich mich ungefähr nur noch alle zwei Monate oder so ein. Gestern tat ich es, und fand überrascht einen Message von Tim, einem jungen Schauspieler, den ich vor drei, vier Jahren in der Seven Star Gallery kennenlernte. Ich hatte ihn mit seinem Kumpel Nikolai Kinski bei Seven Star, bei irgendeiner Feier
fotografiert, er hat die Bilddatei irgendwie verloren und fragte danach. Die Botschaft von ihm dümpelte schon seit Anfang Dezember in meinem facebook-Postfach. Ich habe ihm das Bild dann noch mal geschickt. Vielleicht hat er darauf reagiert, aber ich habe keine Lust, heute dort nachzugucken, in diesem immer mehr in die Ferne rückenden Account. Ich entschuldigte mich bei ihm für die späte Reaktion mit dem Hinweis, dass mein facebook-Account nur noch eine verstaubte alte Schublade ist, in der sogar die Staubmäuse tot seien. Ach ja,
das ist der Chat vom Februar 2010 mit Julian, dem ich nie begegnete. Ich habe ihn jetzt einfach als Beitrag auf online gesetzt, als Eintrag mit dem Datum von damals. Und jetzt ist es wieder ganz schön spät und Gaga Nielsen muss schlafen gehen.
g a g a - 20. Dezember 2012, 02:00