Liebes Tagebuch,
gestern Abend bin ich um 19:30 recht pünktlich losgegangen, um zeitig zu meiner Verabredung mit Ina beim Berlin Beat Club-Konzert in der Hafenbar Tegel zu kommen, wo ich noch nie war. Mein Fußweg zur S-Bahn-Halte "Oranienburger Straße" hat zehn Minuten gedauert, ich bin gemütlich geschlendert. Die S-Bahn S 25 ist erst um 19:55 Richtung Hennigsdorf losgefahren, ich hatte noch ein bißchen Wartezeit und habe mein Buch rausgeholt, es heißt "Himbeeren mit Sahne im Ritz" von Zelda Fitzgerald. Das sind elf Kurzgeschichten aus den Zwanziger Jahren, die mir recht gut gefallen. Das Buch habe ich auch während der Fahrt weitergelesen. Sie hat nur 22 Minuten gedauert, ich war überrascht, wie schnell das nach Tegel ging. Wie im Flug, obwohl ohne Flugzeug! Die Geschichten sind sehr kurzweilig, daher wohl.
Auf meiner Fahrverbindung, die ich mir ausgedruckt hatte, stand, dass ich nun links an der U-Bahn vorbei zu einer bestimmten Straße müsste, habe ich auch gut gefunden, dann gab es ein Stückchen Tegeler Berliner Straße und dann in die Fußgängerzone, die "Alt Tegel" heißt. Es war schon dunkel, es kam ein Restaurant nach dem anderen, eine richtige Fressmeile! Deutsch, Französisch, Asiatisch, Kroatisch, alles Mögliche dabei. Viele Restaurants wirkten einladend, es ging über altes Kopfsteinpflaster Richtung Tegeler See, also zum Hafen. Es nieselte ein bißchen und war auch frisch, also kein gemütlicher Spaziergang, aber ich konnte mir vorstellen, dass er sehr gemütlich sein könnte, wäre es eine laue Frühlings- oder Sommernacht.
Dann war ich am Ende der Straße, wo die Wilkestraße kommt, ich hatte mir gemerkt, dass ich nach rechts musste, guckte nicht mehr auf meinen Plan in meiner Umhängetasche, weil ich mir einbildete, das erkennt man bestimmt gleich von außen, dass da die "Hafenbar Tegel" ist. Die Hausnummer hatte ich vergessen. Ich ging vorbei an einem riesigen modernen Gebäude namens "Tegeler Seeterrassen", immer weiter nach hinten. In meiner Vorstellung war die Hafenbar in einem alten, urigen Ziegelbau, irgendwie zünftig, ich kannte nur Fotos von innen. Dann war ich am Ende der Straße, es kamen nur noch Wohnhäuser, Mietshäuser, ein Parkplatz. Da nahm ich meinen Plan aus der Tasche und prüfte die Hausnummer. Aha! Wilkestraße 1 - 5. Also am Anfang, ich musste vorbeigelaufen sein. Womöglich da, wo die Seeterrassen sind? Kann ja nur so sein. Davor stehend, sah ich keinen Hinweis auf eine Hafenbar. Aber weil die da ja sein musste, ging ich linksrum zur Hinterseite, wo es zum See ging. Und da sah ich ein Grüppchen unterhalb einer Treppe, im Tiefparterre des modernen Seeterrassen-Gebäudes, hier gings also lang!
Es war nun schon zehn Minuten später als mit Ina verabredet, wir wollten gegen 20:30 da sein. Der Berlin Beat Club spielte noch nicht, weil es ja erst ab 21 Uhr erlaubt war, und ich kam nicht rein, weil ausverkauft, bzw. reserviert. Die beiden Mitarbeiter vom Einlass ließen mich aber aufs Klo und nachschauen, ob Ina reingekommen wäre, das war sehr nett. Dann meinten sie, wenn um 21 Uhr nicht alle reservierten Plätze besetzt sind, komme ich noch rein. Ich blieb nach dem WC-Gang und Ina Suchen - sie war noch nicht da - neben dem jungen Mann am Einlass stehen. Von da konnte ich sogar die Bühne sehen. Es kamen nach mir noch welche, die reinwollten und auch nicht reserviert hatten, nur ein Paar harrte wie ich aus, die Anderen gingen gleich woanders hin.
Pünktlich um 21 Uhr ging es los, und es gab freigebliebene Reservierungen, ich durfte rein. Habe im Eingangsbereich gewartet, um Ina nicht zu verfehlen, und da kam sie auch schon und bekam auch noch eine Eintrittskarte. Prima! Ich hatte mir schon ausgemalt, was das für ein jämmerlicher Eintrag geworden wäre, dass ich fast eine Stunde bis nach Tegel unterwegs war und dann wieder heimgefahren wäre, weil ich nicht reingekommen wäre. Aber so weit kam es ja zum Glück nicht! Der junge Mann am Einlass meinte noch, das wäre erst das zweite mal überhaupt, dass es dermaßen ausverkauft wäre, hätte er noch nicht erlebt. Das wird er mit dem Berlin Beat Club noch oft erleben, da bin ich mir sicher. Fortsetzung der Berichterstattung folgt, ich muss noch einkaufen!
