21. August 2011

Das muss ich kurz festhalten. Ich war gerade auf dem Balkon und habe einen Blick runter auf den Spielplatz mit der kleinen Anlage für die Skater geworfen. Da war gerade ein ungefähr fünfzehn- oder sechzehnjähriger Junge dabei, die kleine Bahn mit einem Besen zu kehren. Sehr gewissenhaft. Ich sehe das nicht zum ersten mal. Der Besen muss da unten irgendwo in einer Ecke parat liegen. Es sind ja die identischen Bewegungsabläufe und die selbe Zielsetzung, wenn aus Gründen der Sauberkeit, um der Ordentlichkeit willen gekehrt wird. Ich kann mir ganz schwer vorstellen, dass der Junge dafür zu begeistern wäre, einen Hinterhof auszukehren, der keine Qualitäten zum Skaten aufweist. Die Hingabe ist auch so interessant. Etwas, das er gerne gemacht hat, weil er eben wusste wofür! Für sich und seinen kleinen Bruder, der auch noch da unten herumgesprungen ist. Damit das Skateboard besser flutscht. Kann man mal sehen, wenn man motiviert ist, für die Sache brennt, ist jede Arbeit schön oder kein Problem.
Das ärgert mich heute noch, dass in der Schule nie vermittelt wurde, welchen praktischen, persönlichen, ganz privaten Nutzen man aus dem jeweiligen angedienten Lehrstoff für sich ziehen könnte. Zum Beispiel Geschichte. Was macht Macht aus. Wie erlangt man die Weltherrschaft? Ist Krieg praktikabel oder eher nicht? Bringt es das überhaupt? Oder ist überdimensionaler Herrschaftsanspruch Ausdruck einer Psychose? Warum haben alte, dicke Männer psychotische Führungsansprüche? Worauf muss ich achten, wenn ich solche Leute in die Schranken weisen will? Das geht in die praktische Psychologie. Nur ein Beispiel.
Oder Chemie: welche Stoffe sind explosiv oder hochgiftig, was muss ich beim Bau einer Bombe beachten? Wo erhalte ich die Zutaten, wenn ich Schnaps brennen oder mir meine Hautcreme selber machen will? Welche Konservierungsmethoden gibt es, damit meine selbergerührten Sachen lange halten?
Oder Biologie: welche tollen Blumen, Früchte und Tiere kann ich daheim selber züchten, wie geht das, was muss ich beachten?
Oder Erdkunde. Bodenschätze Brasilien, Flora und Fauna, alles schön und gut, aber welche Naturschönheiten kann ich, wenn ich mal groß bin, in Naturreservaten persönlich aus nächster Nähe anschauen und wie sind die Landessitten und die Unterkunftsmöglichkeiten? Muss ich ein Zelt mitnehmen? So Sachen halt!
Deswegen war ich wahrscheinlich auch in Deutsch und Kunsterziehung immer so gut, weil ich einen persönliche, praktische Bereicherung aus der Beschäftigung damit gezogen habe. Gelesen habe ich freiwillig als Kind und gemalt auch. Buchstaben schreiben hat mir auch gut gefallen. Das hat mir sogar so gut gefallen, dass ich die Unterschrift von Napoleon und König Ludwig und anderen Weltherrschern aus dem Brockhaus abgepaust habe. Ich konnte die dann auch freihändig.
Rechnen habe ich schon begriffen, war aber langweilig. Ich konnte immerhin noch sehen, dass es schon nicht schlecht ist, wenn ich mein Taschengeld zählen kann oder beim Bezahlen das passende Geld heraussuchen. Rechnen ist immer noch nicht mein Hobby. Algebra dagegen war ein größeres Problem. War mir zu abstrakt. Geometrie hatte ich am Liebsten. Räumliches Denken fand ich pippileicht. Heute finde ich physikalische Gesetze zauberhaft, aber das Zauberhafte hat mir in meiner Schulzeit niemand näher gebracht. Das war mir alles zu mechanisch und pragmatisch. Dabei ist das ganze Universum ein physikalisches Wunder. Muss mal meinen Kaffee trinken.
g a g a - 21. August 2011, 11:33
Mit der Physik