20. November 2021



























Da war ich heute Nachmittag. In der Ausstellung über Salka Viertels Exilanten-Salon in Santa Monica, im wiederaufgebauten Liebermannhaus am Pariser Platz 7. Morgen ist der letzte Ausstellungstag. Zufällig lese ich gerade die letzten Seiten eines Buches über die Verbindung von Salka Viertel und Greta Garbo, da wollte ich diese Gelegenheit nicht versäumen. Und auch die virtuelle Begehung von Max Liebermanns Wohnräumen und seines Ateliers mit so einer Brille ausprobieren. Schon beeindruckend, war aber nicht ganz scharf zu sehen, das durch-die-Räume-gehen. Vielleicht war die Brille leicht beschlagen. Trotz 2G muss man die Maske aufbehalten. Ist schon ok. Wirklich neu war für mich in der Salka-Ausstellung das Haus in der Mabery Road von allen Seiten mit Pool und Garten in einem kurzen Film in Farbe zu sehen. Wundervolles Häuschen. Da hätte ich mich auch wohl gefühlt.









kid37 - 23. Nov, 16:38

Mit VR-Brillen kann ich mich nicht anfreunden, aber Danke fürs mitnehmen. Interessante Ausstellung, Saskia Viertel kannte ich gar nicht, wohl aber ein paar der Filme, für die sie das Drehbuch schrieb. Diesen Exodus an Kreativität und kulturellem Leben haben wir ja bis heute nicht verdaut.

g a g a - 23. Nov, 18:01

Das mit der Brille ist vom Gefühl her schon anstrengend, mir tat danach ein bißchen der Hinterkopf weh. Anstrengende zehn Minuten, aber es wurde sich viel Mühe gemacht, die Details der Möblierung zu rekonstruieren. Allerdings war daneben ein Monitor, wo die Ansicht der Brille auch wie ein Film ablief. Das ist nicht viel weniger eindrucksvoll. Hat mans mal erlebt und ausprobiert.

Über Salka Viertel stolpere ich schon seit Jahrzehnten, immer dann, wenn es um Greta Garbo geht, bei ständiger Wiederholung wird man irgendwann neugierig und jetzt gibt es eben mehrere Bücher über Salka Viertel. Sie schreibt in ihrem Erinnerungsbuch "Das unbelehrbare Herz" sehr dicht, man ist wie hautnah dabei, in diesen Kreisen in Santa Monica. Sie war ja keine Geflüchtete, sondern ging schon vor den Nazis mit ihrem Mann nach Hollywood, der auch Drehbücher schrieb und Regie führte, zunächst für Murnau. Daher kannten sie die Ecke und die Zusammenhänge aus dem Effeff, als die ersten Exilanten eintrudelten und konnten sehr hilfreich sein. Salka hatte lebenslänglich ihren ermordeten jüdischen Verwandten gegenüber ein schlechtes Gewissen, weil sie verschont blieb, da sie in den USA lebte.
kid37 - 23. Nov, 19:18

"On the West Coast there are only two categories of writers: those who sit in clover and those who sit in dirt.” (Döblin) Lese gerade den Artikel im New Yorker. Ich weiß gar nicht, warum mich bislang die Exilantenszene in Hollywood so wenig interessierte, wenn man überlegt, wie eng die Verbindungen zum Filmgeschäft waren. Vielleicht, weil ich nie den rechten Bezug zur Landschaft dort fand, interessante Wüste hin oder her. Zu sonnig womöglich. Jedenfalls birgt diese Szene natürlich eine Menge von Entdeckungen und Anekdoten.
g a g a - 23. Nov, 20:05





Hier zwei atmosphärische Schmankerl aus der Ära. Homemovies vom alten Hollywood. Das waren die Kreise von Salka und ihren Freunden. Dolores del Rio! Eifersucht bei Salka, weil sie Gretas Vertraute wurde. Salka und Greta, die sechzehn Jahre jünger war, hatten eine fünfzigjährige Lebensfreundschaft, waren engste Vertraute, aber kein Liebespaar. Es gab nur einmal eine erotische Annäherung, ein Experiment von Greta. Mit Dolores und Greta lief etwas mehr. Greta mochte beide Geschlechter, hatte aber überwiegend Beziehungen zu Männern. Salka war auf Männer fixiert, aber empfand eine Art Besitzanspruch bei Greta, fast wie eine Mutter. Salka war bis zur ihrem Tod hochdiskret, was Gretas private Angelegenheiten anging, daher hielt die Freundschaft auch bis zum Tod von Salka. Was später offenbar wurde, stammt aus Tagebuchaufzeichnungen und privaten Briefen von Salka, die im Marbacher Archiv verwahrt sind.

Ohne bislang in Kalifornien gewesen zu sein, verbinde ich damit kein tropisch-schweres Hitzeklima, eher etwas Leichtes, Flirrendes.... in Santa Monica soll es auch oft kräftig regnen und die Nächte sind nicht hochtemperiert. San Francisco ist sogar für den häufig bedeckten Himmel bekannt, was den Eagles-Song Lügen straft. Aber in den Hügeln im Hinterland von L.A. gibt es wohl durchaus viel blauen Himmel, was ja der Hauptgrund dafür war, dass "Hollywood" in Hollywood liegt.
kid37 - 25. Nov, 21:35

Conrad Veidt im stylishen Tischtennisdress. Immer wieder schön, Menschen ohne Schlunzigkeit beim Entspannen zu sehen. Ja, günstige Steuern und blauer Himmel, da ziehen Start-ups gerne hin. Ich habe ein Fotobuch ("Chandlers Welt") mit Fotos von der Westküste und Hollywood aus der Jahrtausendwende, die mit ihrem Schwarzweiß (und den vereinzelten Oldtimern) aussehen, als wären es wirklich Bilder aus der Zeit Raymond Chandlers. In denen liegt auch eine gewisse Trostlosigkeit von Architketur und Landschaft. Vielleicht aber müßte ich einfach mal hin und mich selbst überzeugen. Und dabei die Orte der Exilanten besuchen. Auf einer Terrasse Tischtennis spielen.
g a g a - 25. Nov, 22:40

Hello? Trostlosigkeit im Canyon von Santa Monica oder in der wunderbaren Villa Aurora in Pacific Palisades? Ich denke doch nicht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Villa_Aurora
Heute auch noch ein wunderbarer Ort mit inspirierenden Gästen und Veranstaltungen und Dependance in Berlin:
https://www.vatmh.org/de/home-de.html

Dieses Richard Neutra-Baby-Grand-Piano-Studio von 1936 in der Nachbarschaft von Salkas ehemaligem Haus ist doch auch sehr charming: https://www.compass.com/listing/491-mesa-road-santa-monica-ca-90402/765300183850419001/

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