11. März 2026



Bei dieser Passage, insbesondere auf der unteren linken Halbseite, verfasst von Monika Mann 1955, New York erinnernd, dachte ich, wie austauschbar, wie ähnlich die Gegebenheiten doch sind. Beim Lesen hatte ich die heutige, mich zunehmend befremdende Club- und Partykultur vor dem inneren Auge. Nahezu identisch (nur ohne den erwähnten Televisionsapparat): "Es sind Gesellschaften, wo viel getrunken und wenig gesprochen wird, (...) wo die Menschen wie auf der Straße herumstehen, wo der Hausherr beständig in er Küche "ice cubes" bereitet und wo man ohne ersichtlichen Grund bis zwei Uhr morgens ausharrt." Monika Mann, "Vergangenes u. Gegenwärtiges", Kindler 1956, S. 142/143.

11. März 2026





Vergilbter Zettel im Buch, die bekritzelte Rückseite eines unausgefüllten Einzahlbelegs für ein Sparkonto bei der Bayerischen Vereinsbank, Zweigstelle Hohenzollernstraße in München (die damalige Filiale wurde aufgelöst, nun ist dort ein Trachtenmodengeschäft). Vielleicht bedeutete die senkrecht laufende Zahl links, "(...) 59", dass es ein Block aus dem Jahr 1959 war. Damals konnte man noch nicht nebenher zur Lektüre im Internet recherechieren, wie ich das heute betreibe. Angenommen, die Vorbesitzerin oder der Vorbesitzer, wobei ich meine eine Frau, hätte einen Brockhaus oder Meyers Konversationslexikon zuhause griffbereit gehabt, wäre da je nach Auflage vielleicht ein Eintrag zu Thomas Mann gewesen, aber inwieweit dieser auch seine Familienangehörigen, also sämtliche Geschwister namentlich umfasst hätte/hat, kann sehr variieren. Die Notiz am Seitenrand, übrigens die umfangreichste, die ich wegradierte, bezog sich auf die Klärung, von wessen Beisetzung auf der Buchseite die Rede ist. Monika Mann spricht von einer Tante, ja Paten-Tante. Da Thomas Mann zwei Schwestern hatte, erläutert die Notiz, dass es sich um Julia Elisabeth Therese, gest. 1927, verheiratete Löhr handelte. Und darunter der Zusatz, halb in Stenographie: "nicht die Schauspielerin Carla, gest. 1910". Da wollte jemand beim Lesen die familiären Verbindungslinien der Manns genau durchdringen.



Der eingelegte Zettel kreist um die Bedeutung des englischen Begriffs aloof (distanziert/reserviert/abgewandt), den Monika Mann auf einer Seite verwendet. Die stenographischen Anmerkungen sind weder pikant noch geheimnisvoll, sondern offenkundig nur der schnelleren Notationsmöglichkeit wegen verwendet. Also eine routinierte Stenographin (oder Stenograph). Eine der wegradierten Notizen, nicht abgelichtet, war der Vermerk der Zahl der Buchseite neben der Erwähnung, dass ein Kreuz zu sehen ist, wo Monika Mann die Trauernachricht zum Tod ihres Vaters ereilte. Ansonsten überwiegend einzelne Worte wie Vornamen, wenn bei der Lektüre nicht sofort klar war, von welchem Bruder die Rede ist, etwa "Gero". Nichts zusätzlich Erhellendes oder gar Weiterführendes.

11. März 2026





Berührte mich. Der Vermerk Monika Manns zum Tod Ihres Vaters.



11. März 2026



Es war eine Dokumentation über Thomas Mann und seine Kinder, die mir bewusst machte, dass mir seine mittlere Tochter Monika Mann bislang nicht präsent war. Es gab eine Sequenz, in der sie interviewt wurde und sie war mir eher unangenehm. Befremdet recherchierte ich über sie und zu meiner Irritation gesellte sich, dass sie in ihrer Familie auch Befremden ausgelöst hatte, was mir schon wieder leid tat. Es war die Rede von einem Erinnerungsbuch, das sie Mitte der Fünfziger Jahre verfasst hatte, während sie bereits daran schrieb, starb ihr Vater. Damalige Rezensenten argwöhnten, dass sie ihren Vater in keinem guten Licht dargestellt habe. Ich hatte den Eindruck, es müsste eine kontroverse, ja gewagte Schrift sein. Neugierig suchte ich nach einem Exemplar und fand sogar eine Erstausgabe, die ich bestellte. In Leinen gebunden, erschienen 1956 im Kindler Verlag München. Ein schmaler, kleinformatiger Band. Die Vorbesitzerin - ich bin mir sicher, dass es von einer Frau stammt, hatte mit Bleistift ausgiebig Passagen angestrichen, unterstrichen, einzelne Worte auf Seiten notiert. Wie ein Schüler, der Markierungen für eine Hausarbeit vornimmt. Ich fand es erstaunlich, dass jemand ein Buch aus einem mutmaßlichen Nachlass in einem online Antiquariat zum Kauf anbietet, ohne vor dem Versand leicht wegzuradierende Kritzeleien zu entfernen, die den Wert des Exemplars eher schmälern und auch nicht bei der Zustandsbeschreibung erwähnt wurden. Erst nachdem ich es gestern ausgelesen hatte, radierte ich alles weg. Nun kann es in meinem Regal ruhen, das gute Stück. Es gibt derzeit leider keine weitere Erstausgabe online zu finden, abgesehen vom nicht käuflichen Ausstellungsstück im Buddenbrookhaus in Lübeck, aber neuere Ausgaben. Sie schreibt gut und lebendig, die ungeliebteste Mann-Tochter der drei. Und sie verliert kein böses Wort über ihren Vater, kein einziges. Es ist ein schönes Erinnerungsbuch aus einer ganz privaten Erlebensperspektive. Faszinierend, wie sie das Schlafzimmer ihrer Mutter beschreibt, all die kleinen Gegenstände. Und wie sie Amerika erlebte, den Geist des Neuen und des Aufbruchs. Auch war sie Musikerin, träumte von einer Laufbahn als Pianistin, immer wieder erwähnt sie Musik und deren Bedeutung für ihren Vater. Sie hat sich nichts zu Schulden kommen lassen. Sie ist mir nah gekommen, mit ihrem kleinen Buch, diese mir bislang so ganz unbekannte Monika Mann.









10. März 2026







Guten Abend, gute Nacht mit den übrigen Bildern von Jan und mir, Finissage von "Backstage" bei Sevenstar, neulich in der Kellerbar.



09. März 2026



Sie wusste, dass ich sie fotografiere. Es gefiel ihr, in den Fokus genommen zu werden, wenn es auch auf meinen Bilder wirkt, als hätte ich sie eingefangen, ohne dass sie es bemerkt oder interessiert hätte. Ich konnte den ganzen Abend lang beobachten, wie offen sie reagierte, wenn jemand noch viel direkter als ich die Kamera auf sie hielt. Ich bin durchaus dankbar, wenn ich eine akzentuierte Erscheinung vor mir habe und es keinerlei Veto gibt.





09. März 2026





25. Februar 2026, Sevenstar Gallery Berlin, Finissage "Backstage"

09. März 2026

Gut. Wir müssen uns erst noch näher kennenlernen. Mein Neuer, Herr Senkbeil, mein Zahnarzt und ich. Alte Praxis, neues Team. Ein paar Mal hat er mich jetzt ja schon behandelt, immer Routine-Untersuchung. Letzte Woche Füllungen erneuert, heute eine Messung am Zahnfleisch. Ich schließe schon immer die Augen, um mich proaktiv bei jeglichen Behandlungen in Träumereien zu flüchten - bis er wieder anfängt zu dozieren.

Mit durchaus angenehmer Stimme erklärt er beflissen genau, was er macht, das hat er vielleicht an der Uni gelernt. Oder in einem Workshop von der Krankenkassenvereinigung, dass der Patient - und die Patientin sowieso - einen Anspruch auf vollumfängliche Aufklärung über die einzelnen Behandlungsschritte hat. Qualitätsmanagement! Service am Patienten!

Ob die Sorte Patientin wie ich dort auch behandelt wurde, also thematisiert wurde, meine ich, wage ich zu bezweifeln. Ich vertraue zu hundert Prozent auf seine Expertise, er wird doch wohl hoffentlich die Prüfung bestanden haben und sein Handwerk verstehen, gehe ich einfach mal von aus. Misstrauisch werde ich erst, wenn gepfuscht wird. We're gonna cross that bridge, when we come to it!

Als er fertig gemessen hatte, wurde ich zum Bildschirm gebeten, der das Röntgenbild von neulich zeigte und neu, aufgrund der heutigen Messung eingefügte, farbige Markierungen und Zahlen. Er hob nun an, mir die Bedeutung der verschiedenen Farben zu erläutern und welche Schritte nun folgen würden, sobald die Krankenkasse die Behandlung genehmigt hat.

Ich merkte an, so genau müsse ich das jetzt auch nicht wissen, da ich ja kein Studium der Zahnmedizin plane. Mildes Lächeln (beide; er und ich). Er: "wenn dann die Genehmigung vorliegt, kann die Behandlung losgehen und dann müssen wir uns vorher nur noch 1 x sehen." Ich: "Wieso müssen wir uns vorher noch einmal sehen?" Er: "Das ist von der Kasse vorgeschrieben, ein Aufklärungsgespräch, wo dem Patienten noch einmal alles ERKLÄRT wird."

Ich: "Dann kann ich danach ja wahrscheinlich eine Prüfung ablegen!" Er (verdreht leicht die Augen): "Ja, vermutlich." (mit gesenkter Stimme, erkennbar entschuldigend:) "Ist so eine VORSCHRIFT." Okay. Okay. Reden wir wirklich von einer routinemäßigen Parodontitis-Prophylaxe oder habe ich etwas verpasst und er plant eine Kopf-Transplantation?

Es ist zwar löblich, dass für speziell wissensdurstige Hobby-Studenten der Zahnmedizin fachliche Auskünfte auf Hochschulniveau angeboten werden, zumal ohne Studiengebühren dafür zu verlangen, aber ich würde mich an der Stelle sehr gerne exmatrikulieren.

Oder vielleicht um eine Vollnarkose während der Belehrung bitten. Natürlich nur, falls es von der Krankenkasse genehmigt wird. Nach vorheriger Belehrung über die Risiken der Narkose. Extra Termin!

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Margarete 11. März...
11.03.26, 05:24
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Margarete 10. März...
10.03.26, 16:43
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Margarete 10. März...
10.03.26, 11:36
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Sebastian Rogler Oh...
08.03.26, 20:25
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Margarete 8. März...
08.03.26, 20:05
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Margarete 7. März...
07.03.26, 13:35
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Margarete 4. März...
04.03.26, 19:00
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Margarete 3. März...
03.03.26, 21:10
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Margarete 3. März...
03.03.26, 14:31
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Margarete 2. März...
02.03.26, 22:15
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james staut hello...
01.03.26, 21:07
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Jan Sobottka Beifang...
01.03.26, 20:49
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Margarete 1. März...
01.03.26, 03:13
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Margarete 28. Februar...
01.03.26, 03:03
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Margarete 28. Februar...
01.03.26, 03:02
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Margarete 28. Februar...
28.02.26, 17:19
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Ina Weisse Nur Oldies...
27.02.26, 16:49
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Lydia Gebel Wuhhh!...
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