09. Juli 2025





Sein Liebstes. Es ist entweder ein Selmer Mark VI. oder VII. Die Baureihe VI. begann 1954 und endete 1973/74. Leider habe ich die Seriennummer nicht fotografiert. Der alte Koffer spricht auch eher für ein Mark VI oder frühes Mark VII. Aber das kann ich alles noch untersuchen. Bin gespannt, da ich beim Recherchieren gesehen habe, dass unter Saxophonisten viel Aufhebens um die Baureihe Mark VI. gemacht wird, geradezu ein Mythos. Ich weiß gar nicht, ob es vielleicht sogar noch ein zweites Saxophon gibt. Würde mich nicht so sehr wundern, wenn mein Vater ein Alt- und ein Tenorsaxophon gehabt hätte, Noten für beide hatte er ja auch. Bei einigen Vintage-Saxophonen aus der Mark VI.-Reihe ist schon der Lack ab. Aber es gab auch eine Version mit 24 Karat-Vergoldung.



Womöglich ist das so ein Modell? Ich kenne mich zwar mit Blattgold aus, aber da fehlt mir die Expertise. Mein Vater neigte gar nicht zum Protzigen, wenn es allerdings um sein Zubehör als Musiker ging, sollte es schon das Allerbeste und Langlebigste sein, insofern. Aber wahrscheinlicher ist, dass es nur besser gepflegt und regelmäßiger poliert wurde, als andere betagte Saxophone.





09. Juli 2025



Die schönen alten Köfferchen aus den Fünfziger Jahren. Die Instrumentenkoffer müsste man ja mit dem Instrument überlassen, das wäre Frevel, den zu unterschlagen. Aber was nur lose in einem Koffer liegt, kann auch anders archiviert werden. Nicht, dass ich Koffer bräuchte, aber da merke ich so kleinere Begehrlichkeiten bei mir, die sich sonst sehr in Grenzen halten. Ich bin ja momentan auch weit weg von diesem alten "Archiv". Aber irgendwann wird es anderen Lebensräumen und Lebensträumen Platz machen. Es fühlt sich aber besser, richtiger an, nicht sofort nach dem Ableben eines Menschen, alles ratzeputz aufzulösen und zu bereinigen und damit auch eine Art atmosphärische Hinterlassenschaft auszuradieren. Ich konnte mich die letzten vier Jahre nicht unbefangen mit diesen Fotos beschäftigen, jetzt bin ich aber immerhin so weit, dass ich sie ohne Herzklopfen hier posten kann.



Mir kommt der Nachlass von Ingeborg Bachmann gerade in den Sinn, weil ich vor knapp zwei Wochen intensiv verfolgt habe, wie das ehemalige Elternhaus von Ingeborg Bachmann, wo sie aufgewachsen war, zum "Ingeborg Bachmann Haus" umgebaut wurde, einem ihr gewidmeten Museum. Dafür waren viele innenarchitektonische Umbauten erforderlich. Trotz unseres zunehmend digitalen Zeitalters wird museumspädagogische Aufbereitung immer noch weitgehend mit fest installierten Schautafeln gemacht, die Wandfläche benötigen. Dafür mussten viele Möbel weichen, auch aus dem Nachlass aus Rom. Einzelne Stücke wurden beibehalten. Aber zum Beispiel war kein Platz mehr für ihre Bibliothek mit rund 5000 Bänden, die vorher unter dem Dach war. Dort steht jetzt ihr Schreibtisch und ein Klavier. Auch ihre Garderobe ist nur vereinzelt im Museum, es sollen wechselweise immer besondere Stücke - ich habe drei Modelle auf Kleiderpuppen gesehen - gezeigt werden. In einer Vitrine ist Schmuck von ihr. Was nicht gezeigt werden kann, lagert im Archiv vom Kärnten Museum. Und die gesamte Bibliothek, vermutlich auch Manuskripte, wurden der Universität Klagenfurt überlassen, wo sie einen eigenen Raum erhielt und eingesehen werden kann.



Vorher lagerte all ihr Hab und Gut seit ihrem Tod 1973 in ihrem Elternhaus. Fünfzig Jahre. Selbst ein ganzes Reihenhaus mit drei Stockwerken reicht also nicht zum Archivieren des Hausstandes einer Person aus, wenn die Räume museumsgerecht für die Öffentlichkeit gemacht werden. Es gibt immer Verstreuung, Verlust oder Risse. Das ist wohl der hinzunehmende Lauf aller Dinge.

08. Juli 2025





Gut, dass der Keller nie feucht war. Die vielen Noten, das viele Papier. Heute benutzen viele Musiker, wenn sie überhaupt nach Noten spielen, Tablets. Vor ein paar Jahren habe ich hier mal eine Aktion im Auftrag meines Vaters gemacht, Noten von ihm an interessierte Musiker weiterzugeben. Eine lange Liste war das, die er dafür geschrieben hatte. Es hatten sich auch Interessenten gefunden. Aber das war sehr aufwändig. So ist es ja immer, wenn man Sachen weitergeben will, das Organisieren, Sichten, Dokumentieren kostet viele Stunden Zeit, dann die Logistik. Eine Aufgabe für Ruheständler. Am besten, man macht es selbst, wenn man es noch kann, die Unmengen ein bißchen zu reduzieren, die sich im Laufe eines Lebens so ansammeln. Es sei denn, es handelt sich um begehrte Schätze für die Nachkommen. Aber das ist ja meistens nur sehr vereinzelt der Fall. Die Kinder und Kindeskinder stehen dann davor und sind auch gehemmt, die Dinge einfach so wegzugeben. Aber würde das nie passieren, hätte man noch den ganzen Wahnsinn an Hinterlassenschaften sämtlicher Vorfahren einer Familienlinie, sofern materiell langlebig genug. Wären natürlich auch interessante Dinge dabei, aber dann hätte jeder Privathaushalt ein gigantisches, persönliches DHM, nur leider ohne Ausstellungsräume wie im Zeughaus am Lustgarten.



08. Juli 2025



Tonbandgerät (vermutlich Grundig TK20, gebaut 1959 - 1962), Trompete, Tamburin. Durchweg tadelloser Zustand. Sieht man ja, da mein Vater mit seinen Siebensachen immer sehr pfleglich war. Ist aber kein Basar, wird nicht von mir verhökert - ich zeigs nur mal. Ich kann mich erinnern, dass er das Tonband meistens im Wohnzimmer benutzt hat, jedenfalls zum Abspielen. Aber auch für Aufnahmen, zum Beispiel die Kinderstimmen von meinem Bruder und mir. Ich kann mich noch recht gut an den Schrecken erinnern, als ich mit sechs oder sieben meine Piepsstimme gehört habe, weiß nicht, ob geplappert oder gesungen. Jedenfalls hatte ich von da an nicht mehr den Berufswunsch Mireille Mathieu zu werden. Es hat sich ganz, ganz furchtbar angehört, ich war traumatisiert!







08. Juli 2025









Das ist - oder war die Kellerwerkstatt meines Vaters. Dort hat er in den Siebzigern mit seiner Combo geprobt, Tonleitern geübt und herumgebastelt und gewerkelt. In alten Schränken bewahrte er Noten für verschiedene Instrumentierungen und seine Instrumente. Seine Klarinette, seine Trompete und sein geliebtes Selmer-Saxophon. Auch ein Horn sieht man auf einem Foto an der Wand. Und an der Decke baumelt die Ledertasche mit der Mandoline meiner Mama. Darauf hat sie aber nur in ihrer Jugend gespielt. Die Fotos sind vom Juli 2021, nach seiner Beisetzung aufgenommen. Ich ging noch einmal auf Entdeckungsreise. Hier unten war er ungestört, zurückgezogen. Ich habe dort manchmal heimlich Schule geschwänzt. Die Schränke sind meist aus den Fünfziger Jahren, manche selbst von ihm gebaut. Dort unten ist ein ganz eigener Geruch, nicht typisch Keller, sondern nach alten Noten, altem Holz und Instrumentenkoffern. Eben nach meinem Vater.





07. Juli 2025



War warm vorgestern. Bevor ich los bin zum Kino. Dort verabredet mit Jenny, Saskia und ihrer Freundin Maria. An einem Tisch im Café vom Kino saß schon unverkennbar Lily Brett, in einem Tupfenkleid und Turbanhut, die New Yorker Schriftstellerin, von der ich vor etwa zwanzig Jahren eine Reihe Bücher las. Saskia hatte die Idee zur Vorstellung einer Verfilmung eines ihrer Bücher zu gehen, das ich recht bewegend in Erinnerung hatte. Der Mann von Lily Brett, der Maler David Rankin war auch mitgekommen und ihre beiden Enkelkinder. Ich ging nach hinten durch zum Kino und kaufte mir zwei Getränke und hielt Ausschau nach meiner Verabredung. Draußen stand Jenny alleine. Mit ihrem Smartphone checkte sie aus, dass die anderen beiden keineswegs zu spät kamen, sondern schon drin waren und vier Plätze freihielten. Es war komplett voll. Die kleine, zarte Lily Brett war für viele in den hinteren Reihen gar nicht zu sehen, ich sah sie manchmal durch eine Lücke zwischen den Köpfen. Sie begann zu lesen, nachdem das leise Mikrophon etwas besser eingestellt wurde, aber nicht aus dem Buch, dessen Verfilmung wir sahen, "Zu viele Männer", sondern aus "Lola Bensky". Sie hat eine etwas dunklere, sympathische Stimme, eher zurückgenommen, unaufdringlich. Das Kapitel handelte vom Tee mit Mick Jagger, zu dem sie in den Sechzigern als Reporterin eines Rockmagazins geschickt wurde.



Der Zusammenhang zum danach gezeigten Film bestand darin, dass ihr Vater im autobiographisch angelegten Film beim Besuch in Polen den Leuten gegenüber damit prahlt, dass seine Tochter berühmt sei, was ihr unangenehm ist und sie immer richtig stellt als, dass sie zwar berühmte Leute interviewt, aber selber nicht berühmt ist. Letzteres hat sich für Lily Brett aber seit geraumer Zeit doch eingestellt. Sie ist nun Ende Siebzig und in sehr guter Form.



Eine ganz sympathische, fast schüchtern wirkende Frau mit einem sehr hintersinnigen Humor. Saskia hatte drei Bücher zum Signieren mitgebracht, davon hat ihre Freundin Maria Fotos gemacht. Sind schön geworden. Meine von der Lesung waren total verwackelt, aber danach beim Gespräch mit der ebenfalls sehr sympathischen Julia von Heinz, der Regisseurin des Films, der "Treasure" heißt, habe ich ein paar ganz gute zustande gebracht. Auf dem Weg vom Kino ins Terzo Mondo sprachen wir über den Film, den alle sehr gelungen fanden, nur ich hatte ein bißchen das Empfinden, dass der Hauptdarsteller Stephen Fry sein komisches Talent einen Tick zu sehr ausgespielt hat, aber nur bis zu der sehr bewegenden Szene mit dem wiedergefundenen Mantel seines Vaters. Die Hauptdarstellerin Lena Dunham war absolut großartig. Wir fremdelten vorher alle etwas mit ihrer Besetzung, weil wir vom Erscheinungsbild eher eine Schauspielerin mit dem Aussehen von Lily Brett erwartet hatten, aber Lily war wohl früher schon etwas ähnlich. Im Terzo wartete schon Lydia mit Besuch aus Griechenland, wir setzten uns draußen in die laue Sommernacht, Windlichter auf den Mosaiktischchen und freuten uns, dass es noch alles auf der Speisekarte zu bestellen gab, es war immerhin schon kurz vor elf. Ich genehmigte mir die gegrillten Rotbarben mit Fenchel und Reis, danach das Tartufo. Leider Gottes leichtsinnig viel zu viel Wein, was ich gestern mit einem sehr schweren Kater büßen musste, der schöne Abend war es aber wert. Ein Glück muss man schon sagen, dass wir in Mitte, wo wir danach mit dem Taxi gelandet waren, kein offenes Lokal mehr entdeckten, es war wohl so nach Drei, sonst hätten wir bestimmt noch weitergemacht.

07. Juli 2025



Autorin Lily Brett und Regisseurin Julia von Heinz am Samstag nach der Vorführung von "Treasure", der Verfilmung von "Zu viele Männer", im Klick Kino in der Windscheidstraße in Charlottenburg.







07. Juli 2025



Vorführung von "Treasure", der Verfilmung von Lily Bretts Buch "Zu viele Männer", in Anwesenheit der Regisseurin Julia von Heinz und Lily Brett, die davor las und danach mit Julia von Heinz sprach.



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