11. Januar 2023

Tatjana Patitz ist heute in Kalifornien gestorben. Das trifft mich in gewisser Weise, weil sie meine Generation war, sechs Monate jünger als ich. Sie war sehr krank. Die ganzen legendären Supermodels der Neunziger waren mir früh präsent, weil ich ab Mitte der Achtziger Jahre sehr regelmäßig Vogue und Harper's Bazaar las, ich besitze die alten Jahrgänge immer noch, und ich horchte immer auf, wenn man in diesen Tagen wieder von ihnen hörte. Wie zum Beispiel von Linda Evangelista, genauso alt wie ich. Was wurde aus ihnen, wie waren die privaten Entwicklungen, und wie hatten sie sich gehalten... Es ist okay, wenn ein jüngerer Mensch, oder jemand mit weniger Interesse an High Fashion und Fotografie keine Ahnung hat, wer Tatjana Patitz war. Ist mehr eine persönliche Notiz für mich selbst. Am Schönsten hat sie wahrscheinlich Peter Lindbergh eingefangen, dem ich zum Glück einmal persönlich begegnete, ein sehr amüsantes Aufeinandertreffen, zuerst mit seinem launigen Verleger Herrn Schirmer und dann mit ihm. Wir hatten einen Draht, was ich gehofft hatte. Er ist auch auf der anderen Seite, wie ich es immer so denke. Die andere Seite unserer Welt, die unbekannte. Rest in Peace, liebe Tatjana Patitz.



Naomi, Linda, Tatjana, Christy, Cindy, Foto: Peter Lindbergh

10. Januar 2023

Heute: Handarbeiten. NEIN! Nicht gähnen, bitte weiterlesen! Ich nähe von Hand einen langen, netzartigen, eisgrauen Schal mit Lurexfäden auf einen flauschigen hellgrauen Fransenschal. Dann habe ich einen passenden Schal zu meinem Silberoutfit, der was hermacht und nicht kratzt. Der glitzernde Schal war das erste etwas extravagantere Kleidungsstück, das ich je besaß.



Es muss 1978 gewesen sein. Die Konfirmationsfeier stand an. Mein Bruder, der nur anderthalb Jahre älter war, war vierzehn, dem damals üblichen Alter für die Konfirmation. Ich war zwischen zwölf und dreizehn und unsere Eltern hielten es für eine gute Idee, uns gemeinsam zum Konfirmanden-Unterricht zum Pfarrer zu schicken.

Der Unterricht wurde in einer Nachmittagsgruppe mit den anderen Konfirmanden im Alter meines Bruders abgehalten. Für die Feier war es üblich, ein festliches schwarz-weißes Ensemble anzuziehen, die Mädchen üblicherweise ein schwarzes Kostüm mit weißer Bluse oder ein schwarzes Kleid, gerne aus Samt, mit einem weißen Kragen. Von den pubertierenden Jungs wurde erwartet, zu diesem Anlass einen Anzug tragen. Nicht sehr beliebt bei vierzehnjährigen Jeans-Trägern in den Siebziger Jahren.

Ich sträubte mich vehement, eines der zur Auswahl stehenden artigen Kostüme oder Kleider zu tragen, ich fand das nicht schick und modern. Ich wollte einen Hosenanzug! Ich war absolut stur und kämpferisch und Hosenanzüge für Mädchen und Frauen waren sowieso gerade in Mode, so dass es in der Abteilung mit Konfirmanden-Kleidung tatsächlich einen einzigen schwarzen Hosenanzug aus Samt gab. Die Hose natürlich mit Schlag. Dazu eine rüschenfreie weiße Hemdbluse und als Krönung diesen silbern glitzernden langen Schal, einmal um den Hals geschlungen, die Enden hingen lässig bis zur Hüfte, über das Samtrevers des taillierten Blazers.

Den Samtblazer zog ich später fast täglich zur Schule an, das war cool und angesagt. Den Schal auch. Mit dem konnte man zur Plattenparty gehen, der Wochenend-Disco für Jugendliche im evangelischen Jugendheim! Dazu Kajal, Wimperntusche und Lipgloss mit Mandarinengeschmack! Es gab die Hits von Saturday Night Fever, die wir liebten: Stayin Alive und Night Fever, yeah! Und die Moves des unfassbar gutaussehenden John Travolta, uhh...! Die anderen Mädels aus der Konfirmandengruppe hatten von ihrer Konfirmation leider keine Teile, die sie zur Plattenparty hätten anziehen können.

Aber noch eine Extravaganz wurde mir zur Konfirmation gestattet: schwarze, hochhackige Nappaleder-Stiefeletten. Spitz zulaufend, zehn Zentimeter Absatz. Todschick! Die teuersten Schuhe, die ich bis dahin hatte. Ich fühlte mich richtig erwachsen damit. Ich war bereit für John Travolta! Auch die trug ich gerne und oft danach.

Ich war mit diesem Ausgeh-Outfit wohl die coolste Konfirmandin im ganzen Land, zumindest 1978, und fühlte mich sehr rebellisch und wegweisend! Es gibt kein anderes Kleidungsstück, das ich von den Siebziger Jahren in mein Erwachsenenleben rübergerettet habe, außer diesen Glitzerschal mit der aufregenden Disco-Aura von Saturday Night Fever. Wenn ich das gute Stück auf den weichen Fransenschal aufgenäht habe, mache ich ein Foto davon und schaue, ob ich auch eins von der Konfirmation finde.

09. Januar 2023

Ich habe da mal was vorbereitet. Heute früh kam von meiner nach Alphabet durchgehörten Festplatte, Udo Lindenberg mit einem Herzschmerz-Lied, bei dem mir durch den Kopf ging, dass man keine Liebesballaden mehr komponiert, wenn eine Sache durch ist. Das ist natürlich auch das Entlarvende an dem Lied, welches da heißt "Ich lieb dich überhaupt nicht mehr". Ein thematisch ähnlich gestrickes Werk gibt es von den Ärzten, Text vermutlich von Farin Urlaub, es heißt: "Nie gesagt". Um den Widerspruch noch auf die Spitze zu treiben, habe ich mir erlaubt, gewissermaßen kuratierend, aus beiden Texten einen zu machen. Ganz erstaunlicherweise reimen sich die Zeilen mitunter sogar. Müsste nur noch vertont werden. Hier wäre schon mal der fertige Text:

"Ich wache auf und das Bett ist leer
Es tut nicht mehr weh
Das stört mich eigentlich gar nicht mehr
Endlich nicht mehr weh
Auch sonst ist alles in Ordnung soweit
Wenn ich dich zufällig mal wiederseh′.

Da wär' nur noch eine Kleinigkeit
Es ist mir egal
Du hast gesagt, ich schaff' es nie ohne Dich
Sowas von egal
Ich hab' gehört, daß Du das allen erzählst
Und mein Puls geht ganz normal.

Das finde ich absolut lächerlich
Mußt nicht glauben
Ich hab' doch nie gesagt, daß Du mir fehlst
Daß ich ohne dich nicht klarkomm'
Du fehlst mir
Ich komm′ sehr gut zurecht.

Ich hab' gesagt, Du interessierst mich nicht mehr
Kannst ruhig glauben:
Jetzt merke ich, es ist ziemlich schwer
All die ander'n Frauen
Ich hab' gesagt, Du bist mir egal
Die sind auch nicht schlecht.

Jetzt sehe ich Dein Gesicht überall
Ich lieb' dich überhaupt nicht mehr
Ich hab gesagt,
Das ist aus
wie sehr ich mich freue
Vorbei und lange her.

Daß Du Dich sicherlich heimlich quälst
Endlich geht′s mir wieder gut
Ich hab' soviel gesagt, was ich jetzt bereue
Und ich hab′ jede Menge Mut
Aber: Ich hab' doch nie gesagt, daß Du mir fehlst
Und ich steh' da richtig drüber.

Ich wache auf und Du bist nicht hier
Den Fernseher, den ich eingetreten hab′
Doch in Gedanken bin ich immer bei Dir
Den hat die Versicherung voll bezahlt.
Ich war zu stolz um zuzugeben
Die Wohnung sieht jetzt anders aus

Ohne Dich kann ich nicht leben
Nichts erinnert mehr an dich
Das geht nur uns beide was an
Ich hab' alles knallbunt angemalt.
Ich möchte, daß Du es für dich behältst
Wenn ich manchmal nachts nicht schlafen kann

Damit ich weiterhin behaupten kann:
Geh′ ich in die Kneipe und sauf' mir einen an.
Ich hab' doch nie gesagt, daß Du mir fehlst
Du sagst, Da wär′ 'ne Trauer in meinem Gesicht
Du fehlst mir
Was für'n Quatsch! Das ist doch nur das Kneipenlicht.

Ich hab' gesagt, Du interessierst mich nicht mehr
Ich lieb′ dich überhaupt nicht mehr
Jetzt merke ich, es ist ziemlich schwer
Das ist aus, Vorbei und lange her.
Ich hab' gesagt, Du bist mir egal
Guck mich bitte nicht mehr so an

Jetzt sehe ich Dein Gesicht überall
Faß mich bitte nicht mehr so an
Ich hab gesagt,
Das zieht bei mir nicht mehr
wie sehr ich mich freue
Geh doch einfach weiter

Daß Du Dich sicherlich heimlich quälst
Es hat keinen Zweck.
Ich hab' soviel gesagt,
Ey du weißt doch
was ich jetzt bereue
Sonst komm′ ich da niemals drüber weg

Aber: Ich hab' doch nie gesagt,
Ich komm' da niemals drüber weg
daß Du mir fehlst
Geh doch einfach weiter.
Du fehlst mir."


Bitte die Urheberrechte beachten und immer alle drei Textautoren erwähnen: Udo Urlaub, Farin Nielsen, Gaga Lindenberg.

g a g a
Margarete 29. November...
29.11.25, 12:44
g a g a
Margarete 28. November...
28.11.25, 21:13
g a g a
MICH NICHT!
28.11.25, 19:16
g a g a
Saskia Rutner Was...
28.11.25, 10:43
g a g a
Margarete 27. November...
27.11.25, 20:38
g a g a
Margarete 21. November...
21.11.25, 13:19
g a g a
Saskia Rutner Ist...
19.11.25, 16:49
g a g a
Doku
17.11.25, 21:51
g a g a
Ruth Rehmann hatte...
17.11.25, 18:42
kid37
g a g a
Margarete 16. November...
16.11.25, 19:46
g a g a
Saskia Rutner Das...
13.11.25, 22:05
g a g a

21.47
a
April
april 2004
april 2005
april 2006
april 2007
april 2008
April 2009
April 2010
April 2011
April 2012
April 2013
April 2014
April 2015
April 2016
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren