17. August 2026



Seit vielen Wochen, ja Monaten versuche ich eine gewisse Unbeschwertheit, Tiefenentspannung wiederzuerlangen, wie ich sie vor etwa anderthalb Jahren hatte. Langsam, nach und nach und nach scheint sich etwas zu lichten. Die Gedanken vor dem Einschlafen und beim Aufwachen sind nicht mehr ganz so vergrübelt und schwer. Nicht zu verwechseln mit einer diffusen, unwägbaren Depression. Einfach begründetes Nachdenken über konkrete Entwicklungen, Begebenheiten und Konsequenzen, die mich in der Einschlaf- und Aufwachsituation einholen, wenn ich keine vielfältigen Ablenkungsmanöver habe, wie beim Tagesbewusstsein der Fall. Ich vermute, dass niemand in meinem direkten Umfeld ahnt, was für bleischwere Gedankengänge mich zeitweise beschäftigen. Wenn das (zumeist im Bett liegend) der Fall ist, bin ich auch immer ein wenig beleidigt, dass mir jene zähen, oft ergebnislosen Gedankengänge konkrete Stunden Lebenszeit abziehen. So ähnlich, als würde ich genötigt, die Beweggründe von Putin auseinanderzuklamüsern, die Ukraine zu beanspruchen und dafür diesen nicht enden wollenden Krieg in Kauf zu nehmen. Vielleicht aber bin ich mit meinem kleinen nächtlichen Gefühls- und Gedankenkrieg langsam durch und finde dauerhaften inneren Waffenstillstand. Das wäre sehr erholsam.

Letzte Nacht, ohne das gezielt zu beabsichtigen, im Bett über weite Strecken in eine Haltung gefunden und sie erst beim Aufwachen bemerkt, die sich sehr leicht und angenehm anfühlte. Ich hatte auf dem Rücken liegend, alle Viere, Arme und Beine gerade von mir gestreckt, wie ein großes X, nicht unähnlich der bekannten Zeichnung von Leonardo da Vinci des "vitruvianischen Menschen" im Kreis. Wieder fiel mir auf, wie ideal mein breites Bett nur für mich alleine ist. In der Position hätte maximal eine Katze neben mir Platz. Ich schlafe überhaupt am besten alleine. Nicht ausnahmslos am liebsten, aber die schönen Momente beim Einschlafen und vielleicht auch Aufwachen, mit Bauch, Armen und Beinen, der warmen Haut eines anderen in Kontakt zu sein, sind oft nur Minuten.

Schläft man erst einmal, dreht sich doch meist jeder recht bald in die für ihn bequemste, gewohnte Position. Und das ganze nächtliche Potpourri von Schlafgeräuschen, Atmen, Aussetzern, Schnarchen oder vielleicht sogar Seufzern und Gebrabbel braucht eigentlich auch keiner. Im Gegenteil fühle ich mich irgendwie unangenehm ausgeliefert, auf dem Präsentierteller, wenn ich Dinge über meinen Schlaf erfahre, die ich selbst nicht bemerkte und vollständig außerhalb meiner Konrolle liegen. Ich kann mich erinnern, dass ich vor vielen Jahren einmal tränenüberströmt aufgewacht bin. Mein Gesicht war nass. Ich hatte alleine geschlafen und sehr traurig und schmerzhaft geträumt. Ich möchte nicht, dass jemand so etwas mitbekommt.

Aber letzte Nacht fühlte ich innere Ruhe, so wachte ich auf. Eine Verfassung, um sich auf eine kleine Reise einzustimmen, zu freuen. Habe die Idee, alle meine Anziehsachen, die blauweiß gemustert sind, vorzugsweise dunkelblau und weiß, im Wohnzimmer auf dem Boden auszubreiten und dann zu entscheiden, was ich davon mitnehme. So dass es sich auch untereinander gut kombinieren lässt. Das reduziert jedenfalls angenehm die Auswahl.

Wettermäßig scheint sich die Temperatur in vierzehn Tagen bei um die zwanzig Grad einzupendeln. Noch kein Herbst, genug Sonne, an der man sich dann aber mit jedem Strahl besonders freut, die wunderbar wärmt. Bin gespannt, ob ich auch ins Wasser gehe. Habe es jedenfalls vor, weil nie bedauert, wenn ich mich einmal überwand. Nur wenn Quallen angespült würden, wäre das nicht so verlockend. Diese Wunderorganismen bewundere ich lieber mit gebührendem Abstand, außerhalb vom Wasser, auch wenn sie harmlos sind. Der Spätsommer gilt schon als Hauptsaison für diese Quallen an der Ostsee. Habe ich zur gleichen Zeit, Ende August, Anfang September, auch vielfach auf Hiddensee gesehen. Auf Sylt vergangenes Jahr seltener. Bin ohne Scheu ins Wasser. War ganz wunderbar.

Vor fast einem halben Jahrhundert, wohl 1977, ich war zwölf, war ich mit meiner damals besten Freundin Caroline und ihren Eltern in den Sommerferien auf der kroatischen Insel Lošinj, damals noch Jugoslawien. In allen Geschäften hing ein Portrait von Tito. Jedenfalls habe ich da zum ersten Mal das Meer gesehen, die Adria, und bin auch darin geschwommen. Schönes, klares Wasser, felsige Küsten, wie ich sie liebe. Eine Feuerqualle erwischte mich und ich hatte eine tiefe, blutende Wunde an der Schulter. Es fühlte sich an, als ob jemand ein heißes Bügeleisen auf die nackte Haut drückt, exakt wie eine Brandverletzung und sah auch so aus. Hat länger gedauert, bis es heilte. Die längliche Wunde hatte etwa die Größe von einem kleinen Hühnerei. Noch viele Jahre hatte ich dort eine Narbe und sogar jetzt gibt es noch eine ganz kleine Spur davon, weil meine Haut dort minimal weniger bräunt. Die rötlichen Feuerquallen sehen aber auffallend anders aus, als diese bekannten runden, flachen, aspik-artig durchsichtigen Mondquallen, die harmlos sind. Es soll auch manchmal Feuerquallen in der Ostsee geben, aber eher selten. Hoffe nicht.

16. August 2026

Vorgestern beim Betreten des hinteren Balkons aufgeregtes Wegfliegen von Mama Taube, die gar nicht mehr brütete, sondern auf ihrem Nachwuchs saß. Wieder zwei Küken, die sich mit den Köpfchen zugewandt aneinander kuschelten. Sahen aus, wie schon am Vortag geschlüpft. Habe mich nicht mit der Kamera verrenkt, sie in Ruhe gelassen. Ich weiß ja nun, wie die Kleinen in allen Entwicklungsstadien ausschauen.

Außerdem gestern mit meinem Rewe-Account gecheckt, ob man sich auch auf Usedom, sprich Heringsdorf, Lebensmittel liefern lassen kann. Das geht leider noch nicht, nirgends auf Usedom. Man kann lediglich online sein Einkaufskörbchen befüllen und es dann fertig gepackt selbst im Markt abholen. Den Service brauche ich nicht, ich laufe ganz gerne durch den Markt und gucke, was mich anspricht.

Bei Rewe hab ich bisher dreimal Lebensmittel bestellt. Einmal 2021, als ich für mehrere Tage zum Haus meiner Eltern fuhr, nachdem mein Vater gestorben war und die Beisetzung anstand. Meine Mutter lebte damals noch im Haus, war aber mobil schon sehr stark eingeschränkt. Das eher ländlich gelegene Elternhaus hatte keinen fußläufigen Supermarkt, so kam ich auf die Idee, um nicht unnötig Zeit mit Einkaufslogistik zu vertun, diesen Rewe-Account anzulegen und das auszuprobieren. Hat hervorragend geklappt, da es der erste Einkauf war, sogar lieferkostenfrei. Ich konnte direkt ein Zeitfenster für die Lieferung angeben, das mit meiner Ankunft dort korrespondierte.

Ich war noch nicht lange eingetroffen, schon klingelte es und der Fahrer von Rewe stellte drei große, voll bepackte Einkaufstüten an der Haustür ab. Sehr bequem. Nur ein Produkt wurde durch ein anderes ersetzt, es gab eine Joghurtsorte nicht, dafür bekam ich eine andere und als Bonus einen Viererpack vegane Schoko-Mousse, die neu im Sortiment war und von meinem vegan lebenden Neffen mit Begeisterung verzehrt wurde. So hatte ich ein Geschenk für ihn! Meine zweite und dritte Rewe-Bestellung waren diverse gute Getränke in gewichtiger Menge für meine Events bei Sevenstar.

Apropos Einkaufen im Markt: letzten Donnerstag bei Edeka stand ich an der Kasse an, drei Sachen auf dem Laufband. Vor mir eine mit ihrem Smartphone beschäftige junge Frau, circa Mitte Zwanzig, die keinerlei Anstalten machte, einen Warentrenner hinter ihr Zeug zu legen, sie wäre an die Teile rangekommen, ich leider nicht, ich war zu weit weg. Die Kassiererin hatte nicht den Schwung drauf, den viele Kassenmitarbeiter haben, mit einem kräftigen Schubs dafür zu sorgen, dass die aufgereihten Warentrenner bis zu den anderen Kunden nach hinten rutschen.

Ich sprach die mit ihrem Smartphone verheiratete junge Dame an, nachdem ich meine Sachen aufs Band gelegt hatte und schon einige hinter mir auch gerne ihr Zeug getrennt hinlegen wollten, ob sie mir bitte mal einen Warentrenner geben könnte. Sie guckt mich blasiert an, als wäre ich gestört und nimmt träge eines der Plastikdinger, und legt es neben ihr Teil, ein kleines Eispäckchen. Was ich nicht richtig sehen konnte, sie stand vor mir. Ich beugte mich umständlich an ihr vorbei, um einen Warentrenner für meine Sachen zu bekommen, sie guckte pikiert auf, dass ich ihr so nah kam und beschäftigte sich wieder mit ihrem Smartphone. Ich nahm einen und sagte lächelnd zu ihr: "Ganz zauberhaft!" Sie registrierte die kleine Provokation und entgegnete schnippisch, dazu wäre ja noch genug Zeit, wenn man drankäme. Man könnte auch sagen, die junge Frau achtete sehr gewissenhaft auf ihre persönliche Entschleunigung. Ich gab den Warentrennern, die noch da lagen, einen kräftigen Schubs nach hinten, damit alle was davon hatten.

Die Kassiererin widmete sich dem nächsten Kunden, in dem Fall Kundin, und scannte das Eis von Prinzessin Smartphone. Ohne zu pausieren, griff die Rewe-Mitarbeiterin nun nach meinem Suppengrün. Ich hatte das gar nicht bemerkt. Aufschrei der Smartphonefrau: "NEIN! Das ist nicht meins...!" Sie hatte den Trenner wohl nur VOR ihr Eis gelegt, aber war eventuell der Meinung, es sei meine Aufgabe, HINTER ihr Eis einen Trenner zu legen, was ich gerne und sofort gemacht hätte, wenn ich es nur gesehen hätte, mir war vorübergehend der Blick darauf verstellt, da im vorderen Bereich des Warenbands, direkt an der Kasse eine kleine Trennscheibe ist. Jedenfalls kamen unsere Sachen durcheinander und mein Suppengrün musste von ihrem Eis abgezogen werden. Sie bezahlte und wünschte der Kassiererin mit gekünsteltem Lächeln betont einen schönen Tag und schwirrte davon.

Beim Bezahlen meiner drei Sachen ärgerte ich mich, dass mir jetzt erst einfiel, dass ich ihr das Eis eigentlich supergerne bezahlt hätte. Das Gesicht hätte ich gerne gesehen, wenn ich sie mit einer großzügigen Geste belästigt hätte, die sie mit nichts verdient hat. Schade. So schade, dass ich der Kassiererin beim Bezahlen davon erzählte. Die lachte und meinte, "Au ja - verstehe, dann hätte sie sich so richtig geschämt." Hätte sie vermutlich nicht, sondern pikiert abgelehnt, aber eine amüsante Irritation wäre es gewesen.

Die Kassiererin war in Plauderlaune, arbeitete flüssig weiter und erzählte eine Episode von einer ähnlich schnippischen Kundin, die ihr pampig ihren Einkauf aufs Warenband gepfeffert hatte. "So wollen wir nicht miteinander umgehen, oder?" (ich). Sie: "Nee, so wollen wir nicht miteinander umgehen. Schönes Wochenende". Gibt es einen verhaltenspsychologischen Fachterminus dafür, wenn man sich für unverschämtes Verhalten mit dem Gegenteil revanchiert? Wie auch immer, dachte schon währenddessen: wieder was zum Bloggen.

Nun spätes Frühstück. Kaffee und Obsalat mit kleingeschnippeltem Apfel, hellen Weintrauben und roten Johannisbeeren und griechischem Joghurt. Rote Johannisbeeren sind mein liebstes Sommerobst. Jetzt gibt es wieder schöne große Schalen davon zu kaufen, herrlich. Ich habe gerade eine Phase, wo ich täglich mehrere Nuii-Eis-am-Stiel, verschiedene Sorten esse. Packe ich ein bis zwei in eine Schüssel, ohne das Hölzchen, und drüber auch rote Johannisbeeren. Ich würde auch gerne viele Pfirsiche essen, aber davon bekomme ich leider einen Hautausschlag, sehr bedauerlich. Neulich exzessiv gemacht, ich dachte schon, ich hab mir die Krätze eingefangen, bis ich es identifizierte. Ist wieder gut.

15. August 2026




Badeanzug I und Badeanzug II. Hallo Heringsdorf, Hallo Bansin! Hoffe, die Schwimmanzüge passen. Gestern erst bestellt. Es erschiene mir nicht schicklich, mich den Kaiserbädern im Zweiteiler zu präsentieren. Was soll die feine Gesellschaft denken! Ich gebe sehr wohl darauf, dass man gut von mir denkt und auch spricht! Verschwende daher etliche Gedanken an meine Reisegarderobe...!

15. August 2026

Alltagsgegebenheiten in Heringsdorf recheriert. Taxi-Telefon-Nummern notiert. Öffnungszeiten und Lage von Edeka, Aldi und Rewe eruiert. Wegen Kurbad-Status besondere Öffnungszeiten für Geschäfte! Auch am Sonntag haben Edeka, Aldi und Rewe geöffnet, zwar nur bis 18 Uhr, aber immerhin. Alle anderen Tage bis 21.30 Uhr. Ich treffe gegen sechzehn Uhr in der Villa Seestern ein. Kann mein Gepäck abladen, mich frisch machen und einen ersten Spaziergang zu Edeka machen, dann bin ich am Sonntag schon gut versorgt. Noch nicht morgen am Sonntag, erst am 28. August. Es entspannt mich sehr, das bereits zeitig zu wissen.



15. August 2026

Soeben fiel mir endlich die Lösung für mein zeitweises Reisegepäcktransportproblem ein. Da ich nach Heringsdorf ohne Kofferträger aus Fleisch und Blut unterwegs sein werde, aber auch kein Reisegepäck mit Rollen besitze, habe ich mir nun für längere Gehwege eine kleine, leichte, faltbare Mini-Sackkarre bestellt, die auch eine Befestigungsmöglichkeit für die größere Reisetasche hat und oben drauf kommt das andere Handgepäck, das Teil wiegt 1,29 kg, Umhängetasche über die Schulter, fertig. Ich hatte auch erstmalig nach Reisegepäck im Trolley-Stil geguckt, auch einige vergleichsweise formschöne, extra leise, gefunden, aber so ein Teil müsste dann ja bei Nichtbenutzung auch wieder verstaut werden und ließe sich nicht mal eben platt unters Sofa quetschen wie meine vorhandene große Reisetasche. Ich habe keinen Keller und keine Besenkammer, Schränke sind voll und oben drauf stapeln sich bereits Bücher und Hutkoffer. Beim Gucken fand ich zwar ein recht apartes Koffermodell mit angeblich leisen Rollen, formschön im Retro-Stil mit andersfarbigen Lederecken und Gurten und schicker Reptilienprägung, den man auch dauerhaft sichtbar in eine Ecke stellen könnte, ohne dass er die Einrichtung versaut, aber selbst dafür habe ich keinen Platz übrig. Und da ich mein vorhandenes Reisegepäck sehr gerne benutze, auch die Größe passt, ist die Mini-Sackkarre die Lösung für längere Fußwege zum oder im oder vom Bahnhof und zudem auch anderweitig nützlich!



Ich hoffe und bete, die Mini-Sackkarre macht ein nicht ganz so nerviges Ratter-Geräusch wie die meisten Rollkoffer. Das gefiele mir gar nicht. Ich bin furchtbar empfindlich, was manche Geräusche angeht. Letztes Jahr hatte ich mal eine heranschleichende Migräne-Attacke, war unterwegs, vor mir auf dem Gehweg mit Kopfsteinpflaster eine Frau mit Rollkoffer. Mein Kopf ist fast explodiert, als ich näher kam, Lärm aus der Hölle, war ganz schlimm. Ich bin dann viel schneller an ihr vorbeigelaufen, als ich normalerweise laufe, um das Geräusch nicht mehr hören zu müssen. Ich versuche deshalb auch in der Öffentlichkeit keine Geräusche zu produzieren, die mich oder andere belasten könnten, daher noch nie Rollkoffer. Das Einzige was mich an Touristen wirklich stört, ist dieses anstrengende Ratter-Geräusch.

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Bin auch gespannt....
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