Juli. Ein Hochsommertag in Berlin. Sophienstraße, Mitte. Meine Wege führen mich regelmäßig durch die Sophienstraße, wo ich auf Höhe des Eingangs der Sophie-Gips-Höfe rechts abbiege, um durch die Höfe laufend in die Straße zu kommen, in der ich wohne. Gegenüber des Eingangs zu den Höfen ist der Kirchhof der Sophienkirche, der einen schönen, alten schmiedeeisernen Zaun zur Straße hat. An einem Sommerabend Anfang Juli flog auf Fahrrädern ein Paar an mir vorbei, das eine sehr charismatische Ausstrahlung hatte. Ferienstimmung wehte zur mir auf den Gehsteig, im Fahren lächelten sie sich an, die Köpfe ab und zu drehend. Es war nur ein kurzer Moment und ich fühlte mich wie in einem Werbespot mit zwei Best Ager Models, die glückliches Paar in den besten Jahren, Anfang des letzten Lebensdrittels, spielen.
Vielleicht für eine Lebensversicherung. Aber nein. Die beiden waren echt. Sie wirkten auf mich hamburgerisch. Beide grauhaarig und sehr gepflegt, sie schätzungsweise 53, er 56. Gut gekleidet, leichtes Leinen. Eine tiefe Zufriedenheit und Heiterkeit ging von ihnen aus. Hätten sie mich unbekannterweise zum Abendessen in ein Gartenlokal eingeladen, hätte ich womöglich sofort zugesagt, um mich an ihrem Glück zu erwärmen, zu laben, wie eine Biene an einer satten Blüte. Ich spürte sofort - da hatte ich nämlich schon die ersten Bilder mit Gemini etc. gezaubert, das mich der Eindruck reizt, ihn zu verewigen, aber auch, dass es nach gemeinen Kriterien mit Sicherheit ein kitschiges Szenario wird. Aber so war es eben. Dieser romantische Abschnitt der Sophienstraße, das Sonnenlicht, diese beiden "Best Ager" mit ihren Model-Qualitäten.
Manchmal ist das Leben wirklich so. Ich habe es nun doch nachempfunden. Ich muss aber zugeben, dass ich selten Paaren begegne, die einen solchen Zauber, ein geradezu märchenhaftes Einvernehmen ausstrahlen. Ich assoziierte spontan, dass sie noch ein frischeres Paar sind. Weiß es aber freilich nicht. In den Blicken lag noch Entdeckungslust, keine Gewohnheit, aber schon Vertrautheit. Es war schwierig, die Räder in die richtige Position zu bringen und auf ein- und demselben Bild auch einen Eindruck der sich treffenden Blicke der beiden einzufangen, daher gibt es zwei Bilder. Und auch weil Gemini ein paar Probleme mit der Straßenverkehrsordnung hat. Er weiß scheinbar nicht, dass es sich nicht gehört, auf einem Gehsteig Fahrrad zu fahren. Da hat er mir so ein paar Skizzen angeboten, wo ich mir an den Kopf gefasst habe. Trotzdem ist er aktuell mein Lieblings-
Assistent, weil insgesamt immer bereitwillig und auch ausdauernd. Dafür ein Lob.