26. September 2026

Heringsdorf Villa Irmgard

Heringsdorf Villa Irmgard

Mit dem ägyptischen Wandbehang und der orientalischen Schabracke über dem korrespondierend geschmückten Diwan fand Gorki 1922 die angesagteste Wohnmode vor, bekannt als „Egyptian Revival“ oder „Ägyptomanie“. Zusätzlich entfacht durch die spektakuläre Entdeckung des weitgehend unberührten Grabes von König Tutanchamun im November 1922 durch Howard Carter. Nach dem Fund 1922 brach ein regelrechtes Fieber aus. Designer auf der ganzen Welt adaptierten die altägyptische Ästhetik und verschmolzen sie direkt mit dem damals aufkommenden Art-Déco-Stil. Skulpturen und Nofretete-Büsten, Vasen, Buchstützen, Spiegel mit goldenen Pharaonenmasken, Textilien mit Lotusblüten-, Skarabäen- und Hieroglyphenmotiven. Könnte auch sein, dass die abgebildeten textilen Wohnaccessoires erst nach Gorkis Aufenthalt ihren Weg in die Villa fanden, aber sie rühren vermutlich aus genau dieser Epoche. Damals kamen erstmalig, nur für die besser situierte Gesellschaft erschwingliche Reisen nach Ägypten in Mode, ein großer Luxus, und es ist vorstellbar, dass der arrivierte Sanitätsrat Becher mit Gattin eine Nilkreuzfahrt unternahm und die Gegenstände auf einem orientalischen Markt als Souvenirs bekam.

Heringsdorf Villa Irmgard

Heringsdorf Villa Irmgard

25. September 2026

Heringsdorf Villa Irmgard

Heringsdorf Villa Irmgard

Heringsdorf Villa Irmgard

Die an Maxim Gorki vemietete Gastwohnung in der Villa Irmgard in Heringsdorf. Mit allerhand erhaltenem originalen Mobiliar, wie er es vor über hundert Jahren, im Jahre 1922 vorgefunden haben mag.

Heringsdorf Villa Irmgard

Hat Charme. Stelle mir vor, bei der Einrichtung war die Gattin vom Geheimen Berliner Sanitätsrat Dr. Julius Becher federführend.

Heringsdorf Villa Irmgard

25. September 2026

Heringsdorf Villa Irmgard

Im Treppenhaus. Vielleicht eine Skulptur aus der früheren Maxim Gorki-Gedenkstätte in Bad Saarow. Da hat er auch rumgekurt. Habe mich nicht vertippt! Er war sowohl in Bad Saarow als auch in Heringsdorf zur Kur, wegen seiner schweren Lungentuberkolose. Und auch in Marienbad. Und noch anderen Kurbädern. In Heringsdorf war er vier Monate, 1922 einen ganzen Sommer lang.

Heringsdorf Villa Irmgard

In der Nähe des Sanatoriums im brandenburgischen Bad Saarow war seit 1972 fast drei Jahrzehnte auch eine Gedenkstätte für ihn, in einer kurios aussehenden Holzvilla namens "Villa Putti" mit der gesamten Bibliothek Gorkis. Die wurde Ende der Neunziger aufgelöst und Sachen davon sind nun in der Villa Irmgard. Ob auch Möbel, weiß ich nicht. Die Möbel, die dort, in der Villa Irmgard sind, sollen wohl vor allem originale historische Möblierung der damaligen Pension Irmgard aus eben der Zeit sein, in der er sich dort erholte. Der Grund, wieso die Gedenkstätte in der Ulmenstraße 9 in Bad Saarow aufgelöst wurde, hat auch eine schöne Seite. Das damalige Gorki-Gedenkhaus, eben diese Villa Putti, gehörte einst der jüdischen Bankiersfamilie Landsberg aus Berlin. Sie konnte in den 30er Jahren rechtzeitig vor den Nazis nach Brasilien fliehen und erhielt das Haus 1999 gerechterweise zurück. Damit endete dann die Geschichte der Gedenkstätte in Bad Saarow. Seine Bibliothek wanderte weiter in die Ulmenstraße 15, lese ich gerade. Ich bin übrigens kein Fan von Maxim Gorki, dafür habe ich mich zu wenig mit seinem Werk beschäftigt. Eigentlich gar nicht. Aber sein Lebensweg beeindruckt mich immens. Seine internationalen Reisen, sein ganzer beruflicher Werdegang aus einfachsten Verhältnissen, wie er sich für keine Arbeit zu schade war. Die Villa Irmgard hat in mir näher gebracht.

Heringsdorf Villa Irmgard

24. September 2026

Heringsdorf Villa Irmgard

Die den Film untermalende Musik war atmosphärisch dicht und gelungen, ganz unterschiedlich und mir durchgängig unbekannt.

Heringsdorf Villa Irmgard

Bei einem Liebeslied, das klang wie von einer alten Schelllackplatte, bemühte ich mich, Textzeilen zu notieren, um später dahinter zu kommen, was es ist. Der künstlerische Leiter der Villa hatte uns vor Filmbeginn eindringlich beschworen, beim Abspann nicht zu gehen (was ich ohnehin nicht vorhatte), um der Musik zu lauschen. Der Abspann kam also und ich hoffte auf die Nennung der Musiktitel und sie kamen. So begann ich den Abspann zu fotografieren. Während er lief, hörte man ein Klavierstück, das Feininger selbst komponiert hatte, "Gigue - Fuge III". Das Liebeslied aus vermeintlichen Schelllackplattenzeiten entpuppte sich als "One more kiss dear" von Vangelis, anno 1982.

Heringsdorf Villa Irmgard

24. September 2026

Heringsdorf Villa Irmgard

Bevor die Projektionswand vom Leiter des Museums Villa Irmgard, Mariusz Lokaj, heruntergezogen wurde, erläuterte er die markantesten Stellen der alten Schwarzweißfotografie im Hintergrund, die die gesamte Wand bedeckte. Heringsdorf zur Kaiserzeit, die alte Seebrücke, das alte Casino. Ich war eingestimmt auf einen Dokumentarfilm, der auf die Kaiserbäder Bezug nahm. Nun fand er einleitende Worte zum anstehenden Film namens "Von New York bis West-Deep". Die Ankündigung auf der Kaiserbäder-Seite hatte ich bereits daheim in Berlin entdeckt und mir fest vorgemerkt, denn er lief in der Woche meines Aufenthalts nur an diesem Samstag gegen 13.30 Uhr. In der Ankündigung stand in der Überschrift in dicken großen Lettern nach dem Filmtitel, getrennt duch ein Komma, "Villa Irmgard". So dachte ich, der Film nähme direkt Bezug auf die Villa, der Zusatz sei Teil des Filmtitels. Den Untertitel darunter hatte ich eher flüchtig gelesen: "Dokumentarfilm über Lyonel Feiningers Erinnerungen an Pommern". Was mich aber auch bei genauerer Lektüre nicht abgehalten hätte. Die Aussicht auf eine halbstündige Dokumentation rund um die Kaiserbäder, Heringsdorf, die Villa Irmgard und dann auch noch Lyonel Feininger - eine feine Sache!

Heringsdorf Villa Irmgard

Nun entfaltete sich das Filmwerk, sehr schön mit verschiedenen, fein kurartierten Musiken unterlegt und beschäftigte sich so gar nicht mit den Kaiserbädern, obgleich Feininger auch mehrmals in der Heringsdorfer Delbrückstraße Unterkunft nahm, nämlich in Villa Oppernheim und Haus Zander. Im Film ging es hauptsächlich um die ihn stark inspirierende Landschaft bei West-Deep (heute Mrzeżyno), auch auf Usedom, auf der polnischen Seite. Das Auktionshaus Lempertz erklärt zu einer der dort entstandenen Zeichnungen: "Von 1924 bis 1935 verbrachte Lyonel Feininger jeden Sommer mit seiner Familie in dem kleinen Fischerdorf und Badeort West-Deep an der westpommerschen Ostseeküste. Hier fertigte er zahlreiche Zeichnungen und Skizzen des Ortes mit seinen gedrungenen Fischerhäusern und dem von ihm so geliebten Meer mit dem weiten Himmel an. Bekanntermaßen noch nach seiner Übersiedlung in die USA blickte er voller Sehnsucht auf die früheren unbeschwerten Sommermonate in Deep zurück."

Heringsdorf Villa Irmgard

Der Hausherr hatte angemerkt, dass der Film ursprünglich eine Ausstellung eben dieser auf Usedom entstandenen bzw. inspirierten Werke begleitete, eigens dafür gedreht wurde. Er gefiel mir, wenn auch anders als erwartet. Draußen war der Himmel bedeckt, kein Wetter, bei dem man sich an den Badestrand denkt.

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