14. Oktober 2026

Heringsdorf

Heringsdorf, Villa Seestern. Sonntag, 30. August 2026, 16.16 Uhr. An dem Tag bestand mein täglicher Blogeintrag aus keinem Bild und nur einem Wort: "Ferien". Bin fasziniert, mit welcher Intensität sich das Gefühl einstellt, wieder dort zu sein, indem ich mich jetzt mit den Bildern und Orten beschäftige. Kann ich nur empfehlen, nicht bereits darüber ausgiebig zu bloggen, während man im Urlaub noch vor Ort ist, denn dann verschenkt man nicht nur kostbare Zeit für anderweitiges Erleben, sondern auch das schöne, spätere Gefühl des Nacherlebens. Ich begreife ja jetzt erst durch intensives Recherchieren sämtliche Zusammenhänge und kann angelesenes Wissen, kombiniert mit eigenen Erkenntnissen und Schlussfolgerungen, ausgiebig einfließen lassen. Sehr schade finde ich es immer, wenn Freunde oder auch Bekannte oder Blogger, die ich lese, nur im Telegrammstil, mitunter nur in einem Nebensatz von einer Reise erzählen. Die individuellen Erfahrungen wären mir wertvolle Lektüre. Von Kleinigkeiten oder abseitigen Beobachtungen zu erfahren, die in gesponserten Promo-Texten für Destinationen unter den Tisch fallen, sobald sie ambivalent oder kritisch sind. In vorauseilendem Opportunismus in Selbstzensur weggelassen werden. Dabei wäre gerade differenzierte Darstellung ein Mehrwert. Was nicht ausschließt, dass ein Bericht von grundsätzlichem Wohlwollen getragen ist. Gerade bemerke ich an mir, dass ich durch die zeitliche und räumliche Distanz ein verändertes Gefühl zum Erlebten bekomme, was auch daran liegt, dass ich eine Verdrängungskünstlerin bin. Was mir nicht gefiel, habe ich grundsätzlich nicht fotografiert. Manches war auch gar nicht fotografierbar, wie mich befremdende Äußerungen von Passanten, anderen Gästen, die ich beim Vorbeigehen oder beim Bus- oder Bahnfahren hören konnte. Alles Unerquickliche ist zumindest visuell ausradiert, weil nicht verewigt. Das heilt rückwirkend Manches, was mich vereinzelt vor Ort bedrückte, leicht verstörte (ein inneres "Au weia", "Oh je"). So bleibt mir nun deutlichere Erinnerung an erhebende Gefühle beim einsamen Herumspazieren, schönste Momente an Orten, wenn da niemand weiter war. Und der Gedanke, wie schön das alles erst bei Kaiserwetter sein müsste. Oben auf dem Kulm Logis zu nehmen und dann barfuß die steilen Stufen über die Holztreppe nach unten zu tänzeln, um noch einmal die nackten Füße in den puderweichen Sand vom Strand zu bohren. Vielleicht doch kein One-Night-Stand.

Heringsdorf

14. Oktober 2026

Heringsdorf

Heringsdorf, Villa Seestern. Sonntag, 30. August 2026, 16.14 Uhr.

Heringsdorf

14. Oktober 2026

Heringsdorf

Heringsdorf

Heringsdorf

Heringsdorf, Villa Seestern. Sonntag, 30. August 2026, 16.15 Uhr.

Heringsdorf

14. Oktober 2026

Heringsdorf

Heringsdorf

Heringsdorf

Sonntag, 30. August 2026, zum zweiten Mal in Heringsdorf erwacht. Wohl spät aufgestanden, mich erst am Nachmittag gegen drei zurechtgemacht. Dann kam vorsichtige Sonne. Ich kann mich erinnern, dass ich nach mancher Villa googelte, die ich am Tag zuvor gesehen hatte und besonders ergiebig waren die Ergebnisse zur Villa Meeresstern, wo ich manches Geheimnis lüften konnte, z. B. wer als Büste vor dem Eingang unten an der Promenade steht. Auch erwähnte Eigentümer Kai Diekmann seinen bevorzugten Strand. Nicht überraschend, der unterhalb des Anwesens. Ich fasste einen Ausflugsplan für den Nachmittag: zur Delbrückstraße zu gehen, wo die prachtvollsten Villen stehen und mir bei der Gelegenheit den auf dem Weg liegenden, erwähnten Strandzugang näher zu besehen, mit Badeanzug in der Tasche, für den Fall der Fälle. Zwar bislang wieder kein Bade-, aber Flanierwetter. Und kein Regen, sogar zaghafte Auflockerungen.

Heringsdorf

13. Oktober 2026

Heringsdorf

Heringsdorf

Heringsdorf

Heringsdorf

So ging der erste Ausflugstag in Heringsdorf zu Ende. Ich spazierte von der Seestraße in die Strandstraße, zur Maxim-Gorki-Straße, wieder an der Villa Irmgard und an Villa Marie-Anna vorbei, nun nächtlich erleuchtet, und war zurück in der Villa Seestern. Öffnete eine gut gekühlte Flasche und lud die Bilder von der Kamera. Da ahnte ich schon, dass mein "Heringsdorfer Tagebuch Tag II." mehr als einen Eintrag ausmachen würde. War ich wirklich erst den zweiten Tag hier? Warum hatte mir kaum jemand je von all dem erzählt, was ich gesehen hatte? Jeder, wirklich jeder, war scheinbar spätestens seit Mauerfall einmal dort, schien es mir. Wobei: alle sprachen immer diffus, wenig konkret, von "Usedom", nie explizit von den alten Kaiserbädern, die mir so bemerkenswert erschienen, erscheinen. Und da ich nun dort war, noch viel mehr.

Heringsdorf

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12. Oktober 2026

Heringsdorf Kulm Kulmstraße

Jenes geheimnisvoll illuminierte Haus auf dem Kulm steht scheinbar auf dem Anwesen Badstr. 13, wo eine Gedenktafel an den Aufenthalt von Bernhard Lepel, einem engem Freund von Fontane erinnert. Ich stellte unwissend einen direkten Zusammenhang her. Falsch. Zufällig habe ich hier ein weiteres Mal die Villa Meeresstern eingefangen, diesmal von ihrer rückwärtigen Seite. Das Haus zur Gedenktafel existiert gar nicht mehr. Es stand wohl weiter links, genannt "Säulenhaus". Stattdessen ist dort seit ca. 1890 die Villa Schering, die mir nicht auffiel. Vielleicht hinter hohen Bäumen versteckt, verdeckt.

Heringsdorf Kulm Kulmstraße

Gardeoffizier Bernhard von Lepel, oft als Fontanes bester Freund und sein literarischer Mentor bezeichnet, selbst dichtend, mietete sich im Sommer 1851 mit Gattin zur Sommerfrische in jenem Säulenhaus ein und teilte Fontane in einem Brief vom 18. August 1851 mit: „Unser Haus ist das einzige am Strande; wenigstens ist keins so deutlich zu sehen. Es liegt auf dem Gipfel der Düne und hat fünf Säulen an der Giebelseite, die dem Meer zugekehrt ist.“

Heringsdorf Kulm Kulmstraße

Bei Fontane rief die Schilderung Erinnerungen an seine Jugend wach und so schrieb er drei Tage später, am 21. August 1851 an Lepel: „Das Haus, das Du in Heringsdorf bewohnst, kenn’ ich ganz genau; in dem großen Vorderzimmer hab’ ich als 15jähriger Faulpelz oft bewundernd gestanden, wenn Eduard Devrient und seine Wirthin, die dazumal bildschöne Comerzienräthin Krause am Klavier spielten, sangen und deklamirten. Draußen aber, nach dem Walde zu war es noch schöner; - da lief ich stundenlang dem schönen Backfisch der schönen Frau nach, hatte Herzschmerzen, wenn ich die Gemüthsruhe der jungen Dreizehnjährigen sah, die saure Kirschen und aus der Speisekammer gestohlne Backpflaumen aß, während ganz andres Verlangen mir die Kehle zuschnürte." Diese prägenden Ferienaufenthalte in Heringsdorf spiegelte Fontane später in seinen Werken Effi Briest und Oceane.

Heringsdorf Kulm Kulmstraße

Ich verließ den Kulm, vorbei am abgefallenen(?) Schild der Villa Florian, Badstraße 2 und der eleganten Leuchtreklame für die drei alten Strandvillen mit den ehrwürdigen Namen Bethanien, Lug ins Meer und Königsgabe, zu finden in der Badstr. 11.

Heringsdorf Kulm Kulmstraße

Heringsdorf Kulm Kulmstraße

12. Oktober 2026

Heringsdorf Kulm Kulmstraße

Heringsdorf Kulm Kulmstraße

Villa Pia Marie, Badstraße 14. Schönste Ecke, da am Kulm.

Heringsdorf Kulm Kulmstraße

Heringsdorf Kulm Kulmstraße

g a g a
(...)
06.10.26, 17:41
g a g a
g a g a
Wir werden es wohl...
04.10.26, 13:28
arboretum
Der schönste Platz...
04.10.26, 13:01
arboretum
Vielleicht stimmt...
04.10.26, 12:48
g a g a
(...)
03.10.26, 15:34
g a g a
Lydia Gebel Wie heißt...
30.09.26, 23:15
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21.47
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