13. Juli 2017



Eines Tages. One fine day. (Werde ich...) Werde ich. Vielleicht. (...) Einen Eintrag schreiben, der etwas verständlich macht. Oder auch nicht. Ich weiß es selber nicht. Nichts ist einfach. Alles komplex. Wie wäre das deutsche Wort? Gibt es eines? Ein einziges dafür? Ich schreibe gerne verständlich, auf direktestem Weg. "Vielschichtig"? Was sagt der Duden oder Wikipedia... "Das Adjektiv komplex bezeichnet die Eigenschaft einer vielschichtigen Struktur, siehe Komplexität" (gut geraten...) (...) "Bei dem Begriff handelt es sich um ein Kompositum aus der Präposition lateinisch cum ‚mit‘, oder ‚zusammen mit‘ und plectere ‚flechten‘ oder ‚ineinander fügen, im Sinne von ‚verflochten‘, ‚verwoben‘. (...) Kann man das Gesamtverhalten eines Systems, trotz vollständiger Informationen über seine Einzelkomponenten und deren Wechselwirkungen, nicht eindeutig beschreiben, so handelt es sich um Emergenz." Wow. Emergenz. Gestern, vorgestern Nacht - ja, vorgestern war es. Beim morgendlichen Aufwachen, im Alphazustand, einen letzten Traumfetzen erinnernd, ein Bild, ganz deutlich. Im Halbschlaf stand mir ein Blatt Papier vor Augen. Es lag vor mir, wie auf einem Tisch, mit gedruckten Zeilen, ein Brief, ganz offensichtlich. Es gab eine Anrede, die ich nicht erkannte, aber da war Text, und er hörte auf, ohne eine Schlussformel. Obgleich noch Platz gewesen wäre, auf dem Papier. Ich erwachte in diesem Moment und dachte: "Die Schlussformel fehlt". Und es war wie ein Gleichnis. Die Schlussformel fehlt. [ To whom it may concern. ]

09. Juli 2017



Bonsoir. Ich habe keine Lust, angemessen Bericht zu erstatten. Nebenher läuft die 3-sat Mediathek, die schöne Serie "Der Meisterfälscher". Wolfgang Beltracchi portraitiert Marie Bäumer. Lange nicht mehr gesehen, gibt ganz viele neue Folgen in der Mediathek. Bäumer trinkt gerne Champagner. (Ich auch.) Ah, zu Ende. Nächste Folge... Beltracchi portraitiert Reinhold Messner. Ich sehe mir das jetzt alles an. Ich brauche Ablenkung. Viel. Sehr viel. Ich finde diesen Fälscher unendlich sympathisch. Die Bilder hier, die verlinkten und eingefügten, die sind von gestern. Ich muss gestehen, dass wir, Lydia und ich, zwar auch Lesungen hörten, sie mehr als ich - aber das Wesentliche, Bedeutendere, war unwiderlegbar, was wir uns erzählten. Und wiir erzählen gut. Lydia schreibt. Nichts weniger als grandios. Ich schreibe. Die Bewertung überlasse ich anderen, ich weiß nur, dass mein Maßstab ist, es selbst gerne wiederzulesen. Was für ein Wetter gestern. April ist ein Witz dagegen. Ich hatte diesen Hosenanzug gewählt, elfenbeinfarben, mit den nachtblauen Blüten. Ich liebe diesen Anzug, und hatte ihn erst einmal an. Und weil iihn mein schwuler Vorgesetzter "sehr apart" fand, war ich mir sicher, dass er wirklich zu mir passt. Man täuscht sich ja auch mitunter, was die Wirkung der gewählten Kleidung angeht. Da fällt mir eine jüngste Situation ein - nein. Nicht möglich, das hier näher zu beschreiben. Aber Lydia erzählte ich davon, gestern.. Wobei... so ganz hatte ich mich nicht getäuscht. Ich glaube, die Folge mit Messner ist nicht so spannend. Ich kenne schon zuviel von Messners Erkenntnissen. Und immer noch diese nicht sehr attraktive nepalesische Halskette. Damit wird er sich wahrscheinlich begraben lassen. Endeutig sind die Gesprächsbeiträge von Beltracchi inspirierender, obgleich ich gar nichts gegen den Bergsteiger habe. Ich las sogar manche seiner Buchveröffentlichungen. Sehr gebildeter Mann, durchaus. Egal. Jetzt über Wiedergeburt. Halleluja. "Wiedergeburt ist eine Belastung". Tut mir leid, das ist mir zu abgedroschen und zu kurz gedacht. Bitte jetzt keine Belehrungen über Buddhismus. Doch. Aua. Schnitt. Danke. Schieber nach vorne. Ich will das fertige Bild sehen. Um auf gestern zurückzukommen, wir, Lydia und ich, saßen uns vor allem gegenüber und tranken und redeten und rauchten und schauten auf den Wannsee. Uns trennen auf dem Papier zwanzig Jahre Altersunterschied. Ich empfinde das nicht. Viel stärker ist die Wahrnehmung von angemessener Verständigung. Nicht das Empfinden von Zugeständnis, Zurücknahme in Sachen Komplexität und Tiefgang von Gedanken. Ich mag tabulose Kommunikation, gerne über Eingemachtes. Das bedeutet nicht, "too much information" zu verheizen, viel mehr die Widersprüche und gefühlten Peinlichkeiten, die einen umtreiben, nicht zu verschweigen. Später spielte eine Band aus Tschechien. "Kafka". Ich fand es beeindruckender, als die Videos auf facebook vermuten ließen. Der Sänger Jaroslav Rudiš hat eine gewisse innere Verwandtschaft mit Blixa Bargeld, in der Art, wie er hochkonzentriert den Text - auf deutsch und tschechisch - mit einer sehr charismatischen Stimme verbindet. Die Band war exzellent. Großartige Arrangements. Auf eine mich berührende Art ernsthaft. Der Sänger ist auch Schriftsteller, kein Wort banal, egal. Ich mag diesen sehr ernsten Ansatz. Wir verbrachten viele Stunden dort, es gab heisse Sonne und wilden Sturm am See, dann Regen, durchnässt, mit triefenden Haaren in die Villa, den Berg hinan. Später dann, ein rosé-violetter Sonnenuntergang. So ein Sommer.



08. Juli 2017



Alle Einträge von jetzt bis 24. Januar 2017 vollständig hier. Wieviel schöner alles aussieht. Jetzt fertig machen, mich. Zum Literarischen Collloquium am Wannsee. Anousch wird um halbvier lesen. Was für erstaunliche Entwicklungen manche der alten Bloggerfreunde genommen haben. Erstaunlich ist vielleicht gar nicht immer zutreffend, aber bemerkenswert. Mit Lydia gerade noch hier im privaten Backstage darüber ausgetauscht, ob man was zum Trinken einschmuggelt. Sieht im Moment noch eher nach Wetter für heißen Kaffee aus, kann sich aber ändern. Kleine Verlage treffen sich in der Villa und im Garten und es wird gelesen, später spielt eine Band namens Kafka. Bestimmt ein interessantes Publikum da. Und die Antwort auf die Kleiderfrage sieht mehr nach Anzug und Stiefeln aus, als nach flatterndem Partykleid und Sandaletten. Schade, ich hätte da was im Schrank, Man überhäufe mich mit Einladungen zu sommerlichen Gartenfesten mit Temperaturen über zwanzig Grad. Einmal möchte ich das schon anziehen. Außerdem käme dann wieder einmal der spektakuläre Dolce & Gabbana-Gürtel zu Ehren, wegen dem mich Gürtel-Fetischisten in aller Welt auf Flickr verfolgen. Das geht schon so weit, dass ich vorgestern allen Ernstes einen Bittbrief (also per flickr-Mail) in meinem Eingang hatte, in dem ich nach nettem Lobgehudel angefragt wurde, ob ich nicht endlich einmal wieder ein Bild mit dem Gürtel posten könnte. Das ist dieselbe Frau, die mir das Objekt der Begierde schon für vierhundert Euro abkaufen wollte. Also schon deswegen muss ich dieses Kleid mit dem Gürtel wenigstens noch einmal in diesem Sommer anziehen. Das wird sicher jeder nachvollziehen können. Sonst keine größeren Probleme hier, den wir sind ja in Berlin und nicht in Hamburg. Gesund und munter, über subtilere Herzenregungen wird nicht gesprochen. Und wenn, nur unter vier Augen.

04. Juli 2017

10. Mai 1964 - 4. Juli 1987

Mein Bruder Andreas

04. Juli 2017

Auf Seite sechzehn bis siebzehn. Schöner Artikel in der neuesten Ausgabe des Fotografie-Magazins Brennpunkt über Jan Sobottka und Gaga Nielsen. Und was wir im September in SOEHT7 zeigen. Und wer noch live dabei sein wird. Nämlich Alban Nikolai Herbst. Und Maria Schuster. Und einige andere.

04. Juli 2017

[ mit: Lackstiefeln, Galerie Schmalfuss, Irrungen, Wirrungen, Gefühlslandschaften, Kinder-Lieben Chris Roberts, Roy Black, Jürgen Drews, Und es war Sommer, Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben, Gaga Nielsen wird Spitzen-Musikproduzentin ]




"Tag der Irrtümer" wollte ich den Eintrag überschreiben. In verschiedener Hinsicht zutreffend. Der Weg zur Galerie Schmalfuss schien so simpel auf dem Plan. Bis Savignyplatz mit der S-Bahn, dann Richtung Kantstraße, drüber, in die Knesebeck, kein Hexenwerk. Und doch ist es mir gelungen, mich zu verlaufen, zu verfransen, zu weit links... ich habe ja kein Smartphone. Eigentlich sollte ich die Ecke besser kennen. Ich nahm den bizarren Spaziergang als eine Art work out. Was wollte ich da überhaupt, in der Galerie Schmalfuss? Jan hatte mir eine Einladung zukommen lassen, es sollte mit einer Tango-Tanz-Performance eröffnet werden. ich leide in Galerien und bei Eröffnungen oft unter der Abwesenheit von Musik, das ist mir zu steril, ich begreife das Konzept nicht. Irgendwann kam ich dann doch an, bei Schmalfuss in der dritten Etage eines schönen alten Jugendstilhauses. Die Performance war vorüber, Jan nicht mehr da - bzw. wusste ich gar nicht, ob er überhaupt da gewesen war. Ich konnte ihn auch nicht kontaktieren, denn ich habe nicht nur kein Smartphone, sondern auch kein schlichtes Mobiltelephon. Da lief ich nun durch die edlen Räume mit den Gemälden von tanzenden Tangopaaren. Mit meinen schönen Lackstiefeln, passend zum Namen der Galerie, machen einen schlanken Fuß. Hat nicht sollen sein. Man scannt dann - oder ich scanne - wer da so rumsteht und plaudert, und guckt quer drüber, ob irgendein Gesicht dabei ist, das einen interessieren könnte. War nicht. Es war mir alles zu überpflegt bürgerlich. Da fehlte die Schaufel Dreck. Ich glaube, ich war die Schaufel Dreck, die die Gäste vielleicht nicht uninteressant fanden, aber ich will ja auch inspiriert werden. Für andere Inspiration zu sein, ist mir zu wenig. Ich will auch irritiert werden.




Die alllzu berechenbaren Verhältnisse ließen mich sehr bald wieder gehen. Ich nahm mir nicht einmal ein Glas Wein. Den Weg zurück zur S-Bahn, diesmal Zoo, fand ich schlafwandlerisch. Wie gesagt, ich kenne die Ecke ja eigentlich. Da um den Steinplatz herum. Fand es dann auch angenehm, so früh wieder zuhause zu sein. Schade war nur, dass ich mich so herausgeputzt hatte, für - - ? Ja, wofür. Einen Spaziergang. Zurück daheim, fuhr ich den Rechner hoch und nahm mir ein Glas Wein, und las überrascht eine message, aus der sich eine kleine Konversation entspann, die mir gefiel. Und dann abbrach. Was mir nicht gefiel. Aber es war nicht das erste mal. Das hat mir schon viel Kopfzerbrechen bereitet, aber ich wollte mir diesmal nicht wieder den Kopf zerbrechen. Seltsamer Tag, seltsamer Abend. Tag der Irrtümer. Nichts erwarten, alles für möglich halten. "Nichts" inbegriffen. Aber ich habe mir eine innere Karte von der Ecke erlaufen, da zwischen Knesebeckstraße und Steinplatz und so weiter. Wie man sich souverän eine innere Karte von Gefühlslandschaften erläuft, weiß ich nicht. Da dilettiere ich, verirre mich, komme irgendwo heraus, wo ich niemals hinwollte.



Vorhin, als ich dachte, ich poste jetzt etwas zu den Schmalfuss-Bildern, stolperte ich über die Meldung, dass Chris Roberts tot ist. Als ich ungefähr fünf war, habe ich für ihn geschwärmt. Bestimmt auch noch mit sechs oder sieben. Er war Dauergast in der Hitparade von Dieter Thomas Heck. Jeden Samstag nach dem Baden geschaut, so lange durften wir als Kiinder aufbleiben. Und danach auch noch zur Samstag Abend Show. Am Laufenden Band oder Musik ist Trumpf. Die Maschen der Mädchen und Du kannst nicht immer Siebzehn sein, lief rauf und runter im Radio. Ich mochte die längere Haarfrisur und sein sehr verbindlliches Lächeln. Habe mir vorhin ein paar Videos angeschaut. Er hatte eigentlich auch eine ziemlich gute Figur. Ich wurde dann älter und fand ihn nicht mehr so toll, das Lächeln war mir auf einmal zu glatt und kalkuliert. Zu gefällig, opportunistisch. Solche Wörter kannte ich damals natürlich noch nicht. Ich war in einige Schlagersänger als Kind verliebt. Roy Black gefiel mir auch sehr. Weniger die Lieder, als sein Mund und seine Grübchen. ich würde schon sagen, dass man bereits als Kind eine Verliebtheit empfinden kann, die durchaus erotische Züge hat. Jürgen Marcus fand ich auch gut, er war mir sympathisch, ich war aber meiner Erinnerung nach nicht so richtig verliebt. Wer allerdings auch mein Herz im Sturm erobert hat, war der Bastian. Da war ich dann aber schon älter. Bestimmt schon sieben oder acht. O.k., kein Sänger, hätte aber einer sein können. Er sah eigentlich aus, also ob er Gitarre spielen könnte. Wer mir zum Beispiel gar nicht gefallen hat, war Bernd Clüver. Oder Christian Anders. Da ging gar nichts. Jürgen Drews dagegen war ganz vorne mit dabei.. Er war eigentlich der Hübscheste und Lässigste von allen. Absolut sexy, sein Grinsen. Genau mein Fall. Und sein Bett im Kornfeld war auch musikalisch klasse. Ich finde es heute noch gut. Aus der Ära ist mir auch noch "Und es war Sommer" in Erinnerung, das liebte ich auch sehr. Ganz besonders. Ich habe den Text abgeschrieben und in meiner Schultasche herumgetragen, da sind Bilder entstanden, von denen ich gar nicht genug kriegen konnte. Dieses Sonnenuntergang am Strand-Ding und Haut und überhaupt.. Peter Maffay war aber auch nicht jemand, in den ich heimlich verliebt gewesen wäre, der guckte immer so besorgt und das Muttermal gefiel mir auch nicht, aber der Song hat restlos überzeugt. Als ich vorhin auf youtube die Chris Roberts-Hits durchgehört habe, dachte ich mir bei so manchem Text, dass es sehr apart sein könnte, wenn man das elegant covert, mit einem subtilen Arrangement, befreit von dem ganzen Gute-Laune-Schlager-Gedöns. Da könnten interessante Sachen dabei rauskommen. Auch lustige natürlich. In Schlagertexten sind oft erschreckend wahre Gefühle verarbeitet, die man gerne runterspielt, für banal erklärt und souverän belächelt. Wenn man nur auf den Text hört, kann man oft feststellen, dass man nackte persönliche Empfindungen und Sehnsüchte darin entdeckt. Deswegen funktioniert das Ganze auch dermaßen breitenwirksam. (Big News.) Wenn man keine musikalische Schmerzgrenze hat, kann einem das sicher sehr viel geben. Insofern ein hochattraktiver Gedanke, diese oft vermeintlich platten Texte mit einem weniger mainstreamartigen Arrangement zu versehen. Da könnten zauberhafte Sachen entstehen. Okay, das ist jetzt nicht so ganz leicht bei diesen Chris Roberts-Mitklatsch-Nummern vorstellbar, ich gebe es zu. Und dennoch hat der Text von "Du kannst nicht immer Siebzehn sein" schöne Momente, denen man mit der richtigen Interpretation Tiefgang verleihen könnte. Oder zum Beispiel "Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben" von Jürgen Marcus. Ich würde das ganz reduziert bringen, mit so einer melancholischen Bossa Nova-Gitarre, so Richtung "Girl from Ipanema". Caterina Valente könnte das wunderbar singen. Das alberne "nananananana" müsste man natürlich ersatzlos streichen. Nur so eine launige Idee. An mir ist wahrlich eine Musikproduzentin verloren gegangen.

03. Juli 2017

[ nächtlicher Schreibanfall. In diesem Text: Hans R. und sein Berlin Beat Club, Christoph M. und sein Smartphone, Ina W. und ihr (geparktes) Auto... ]





Wieder. Egozentrisches Bildmaterial. Warum nur. Was ist hier nun wieder schief gelaufen. Schreibt man das eigentlich auseinander? Oder doch zusammen? Nun wieder Rechtschreibreformen. Die unselige Majonäse wird abgeschafft. Gut so. Und andere ästhetische Unfälle. Apropos "ästhetische Unfälle".... auch so ein Grund, die Kamera sinken zu lassen. Bei mir kann ich ja einiges steuern, aber die anderen. Styling matters. Size matters. Alles mögliche matters, auch wenn wir es aus demokratischer Sehnsucht oft schön fänden, wenn auch das Mittelmaß irgendwie geehrt würde, nicht nur respektiert. In was für einen Text schraube ich mich da wieder hinein. Schnitt. Cut. Ich komme zur Betitelung dieser Strecke, in der leider Gottes wieder nur ich zu sehen bin. Wissen Sie, wenn ich mich ablichte, mahnt mich niemand ab, erhalte ich keine Bitten, dieses oder jenes Bild bitte offline zu nehmen. Obgleich mir das extrem selten passiert, in Relation zum Volumen meiner Uploads. Aber wenn, bin ich doch ein bißchen angepisst, denn dann handelt es sich in aller Regel um Aufnahmen, die auch mit einem liebenden Auge betrachtet werden, nicht nur meinem allein. Befindlichkeiten von potenziellen Diven. Diva ist an sich ja keine Beleidigung sondern ein Status. Ein göttlicher Funken steckt in einer Diva. die potenziellen hätten gerne diesen Adel und eiern herum, meinen durch das Offline-Setzen einer Aufnahme, die keinem Puppen-Klischee entspricht, ihrem Weltrang zuzuarbeiten. Oh oh, ich verzettle mich schon wieder. So schön es ist, so schnell tippen zu können, wie die Gedanken einströmen, so fatal ist es für den Text. Aber ich liebe das ja. Das macht meine Texte für mich selbst sehr interessant und lesenswert. Nächster Anlauf. Da steht was von fête de la... nach den Pünktchen muss de la musique kommen. Wer mich kennt, weiß, dass mir Musik durchaus am Herzen liegt. Zutiefst. Zu allertiefst. Mehr geht nicht. Das ist dieser schöne Feiertag, an dem überall in der Stadt live gespielt wird, umsonst und draußen. Und drinnen. Aber ich war draußen verabredet. Am Tag vorher waren wir noch bei Ratzkes Show-Aufzeichnung, am 21. Juni, dem Tag der Fête galt es, sich zu entscheiden, was man sich anhört. Hans Rohe hatte mir eine Einladung zukommen lassen, der zu entnehmen war, dass er mit seiner Beat-Coverband "Berlin Beat Club" am Marheinekeplatz auftreten würde. Ich hatte die Truppe noch nicht live erlebt, nur Videos gesehen. Ich fand es durchaus lustig und launig, dass die Musiker die Mode der Sechziger und Siebziger bei ihrem Bühnenoutfit ganz stark zitieren. Und zwar ohne Rücksicht auf Grenzen des sogenannten guten Geschmacks. Man konnte sich ja durchaus auch in den Sixties und Seventies modisch, trendbewusst aber doch elegant kleiden. Nicht so das Credo des Berlin Beat Clubs. Schlaghosen sind Pflicht, Geblümtes, Getupftes, psychedelisch Gebatiktes. Ja, schlimm. Aber eben gute Musiker. Das Programm sind die absolut größten Kracherhits aus den beiden genannten Jahrzehnten. Alles, was man kennt, eine Nummer Eins nach der anderen. Finde ich persönlich jetzt nicht den verkehrtesten Ansatz. Ich war mit Ina am Marheinekeplatz verabredet, wir hatten Sommerwetter, damals wars. Passend zum Programm wählte ich ein leicht hippieskes Outfit, das man sich durchaus auch an Anita Pallenberg hätte vorstellen können. Ein bodenlanges, rückenfreies Kleid in Siebziger Jahre-Brauntönen, exotischen Schmuck, sogar am Oberarm, Zehensandalen. Wobei ich das schon noch im Rahmen einer gewissen Eleganz betrieben habe, nach Karneval sollte es nicht aussehen. Unsere Verabredung, also die von Ina und mir ist ein bißchen zeitlich und örtlich verrutscht. Wir haben uns am Brunnen irgendwie verpasst und die eine dachte von der anderen, sie sei nicht da, dabei standen wir eine gute Dreiviertelstunde nur ein paar Meter voneinander entfernt. Die eine links vom Brunnen, die andere rechts davon. Es war voll, richtig voll. Und doch traf ich zufällig auf Christoph, der launig mitwippte. Bevor ich ihn traf, war ich ein bißchen in wieder-gehen-Stimmung, weil ich nicht weit genug vorne an der Bühne war und deshalb der Funke nicht sofort übersprang. Dazu kam das ältere Publikum, also meine Generation. Ähm. Den Satz sollte ich viellelicht lieber wieder löschen. Scheiß drauf! Ich haderte also eine Weile, hatte keine Lust Fotos zu machen und dachte daran, dass Maria mich eigentlich beschworen hatte, zum Café Butter im Prenzlauer Berg zu kommen, wo die Bolschewistische Kurkapelle mit Romy aufspielen würde. Die haben jetzt doch die Noten von meinem Vater! Vielleicht hätten sie schon "Es wird Nacht, Se­ño­ri­ta" eingeübt und würden es spielen. Und ich bin nicht dabei. Ein Jammer! Das wäre bestimmt viel cooler, als hier am Marheinekeplatz, dachte ich. Schaute nach Ina, fand sie nicht, ärgerte mich ein bißchen. Christoph war so nett, Ina mit seinem Smartphone eine message zu schicken "bin am Brunnen, wo bist du???!!?" Er hatte aber nicht richtig Netz, es dauerte ewig, das zu posten. Antwort kam keine. Dann holte ich mir endlich was zu trinken. Auf dem Rückweg von dem Getränkestand entdeckte ich plötzlich Ina, erhöht auf einem Stein am Brunnen stehen. Sie war später als ich gekommen und dachte, von da oben hätte sie den perfekten Überblick und würde mich entdecken. War nun nicht. Egal, wir hatten uns ja doch noch gefunden. Wir gingen zusammen zu Christoph, die beiden machten sich bekannt und quatschten, als ob sie sich schon seit zehn Jahren kennen. Sind ja beide sehr kommunikativ. Christoph war ein bißchen erkältet, also in den letzten Zügen der Rekonvaleszenz, und wollte sich schonen. Und ging tatsächlich als es noch hell war. Unglaublich. Ina und ich holten Getränkenachschub, mittlerweile war es so spät, dass wir die Kurkapelle sowieso verpasst hatten, die haben ja früher angefangen, als der Beat Club. Also hierbleiben und gucken, was abgeht. Die Meute wurde tanzwütiger und wir gingen ganz nach vorne zur Bühne. Entweder war es der Alkohol oder die einbrechende Dunkelheit oder die spürbaren Bässe vorne an der Bühne. Wir fingen an zu tanzen, als wären wir ein Teil der Bühnenshow. Das Lustige ist, dass man das merkt, wenn man beim Tanzen vom übrigen Publikum angeschaut wird. Ich muss irgendwas anderes als die anderen machen. Wenn ich tanze, kommt plötzlich so eine Rampensau in mir raus, die ich sonst unter Verschluss halte. Ina ist auch lustig, wenn sie in Stimmung ist, sie tanzt auch wie eine Wilde und hat dann noch so Anflüge von Groupie-Klischee-Verhalten. Also jetzt nicht die billige Sorte, sondern die Variante mit den Hüften zu wackeln und breit zu grinsen und Namen zu rufen. Ich kann es gar nicht recht beschreiben. Sie selber lacht darüber am meisten. Es war ein Fest. Plötzlich habe ich keine Sekunde mehr bereut, dass wir hier und nirgendwo sonst waren. Halb Kreuzberg hatte sich auf dem Marheinkeplatz versammelt und rockte zu sämtlichen Stones- und Doors- und Kinks- und weiß der Geier-Hits aus den guten alten Zeiten ab. Die Story, wie wir dann Inas Auto bis zum geht-nicht-mehr gesucht haben, breite ich jetzt aber nicht im Detail aus. Es hat gedauert. Irgendwann haben wir es gefunden und sind zur Wabe, wo auch was stattfinden sollte, fand ich aber nicht so aufregend, was da auf der Bühne von einem jungen Mann und einer jungen Frau geboten wurde. Beide sehr hip und sehr unkommunikativ. Das Gegenteil von dem, was der Berlin Beat Club kultiviert. Unvergessen sind mir auch die roten Lackschuhe vom Sänger und dem zweiten Gitarristen. Auch nicht fotografiert. Das sehe ich schon als Verlust, ich gestehe es ein. Da hätte ich wirklich mal die Kamera rausholen können. Nach dem kurzen Ausflug zur Wabe hatten wir Hunger und alle Küchen hatten zu, deswegen sind wir noch bei mir gelandet, wo ich immerhin was zu trinken und ein paar Nüsse anbieten konnte. Kochen wollte ich nun auch nicht mehr, zu später Stunde. Am nächsten Tag habe ich Ina einen Link mit einer Auswahl von Apps geschickt, wie man sein geparktes Auto wiederfindet. Als wir den Platz zig mal umrundeten, um Inas Auto zu finden, wunderte sie sich, dass ich so ruhig blieb. Ich spürte, dass sie von der Situation total genervt war und sie tat mir leid. So ein irgendwo geparktes Auto findet sich doch irgenwann einmal wieder. Das ist doch kein Beinbruch. Hauptsache gesund...!




02. Juli 2017

Blättern. Ihr müsst blättern. In Blogs kann man blättern. Nicht nur wischen. Seitenweise blättern. Durch die Zeit, in meine Ewigkeit.

02. Juli 2017



Bloggen ist durchaus Arbeit. Auch ohne Markenbotschafter-Auftrag. Wir alten Recken frickeln an der Reihenfolge von Bildern und Absätzen und feilen und setzen elegante Links. Veröffentlichen und lesen mit den Augen des anderen und ein Kommafehler springt einem ins Auge. Eine Doppelung einer Formulierung, beim rasanten Tippen übersehen. Selbst Einträge, die völlig ohne Text dastehen, werden nochmal angefasst, die minimale Bildunterschrift geändert, man will keinen Umbruch, oder die kleinere Typo ist doch schöner. Überlegungen und Aktivitäten, die Facebook-Postern für immer ein Rätsel bleiben werden. Die Prägung hat bei mir Einzug bei fb gehalten. Nicht einmal da ist es mir schnurz, mit welchem Teaser-Bild die Verlinkung erscheint. Oder wie der Rhythmus der Reihenfolge getaggter Personen ist. Detailverliebt wird editiert. Das Bescheuerte bei facebook ist, dass der Bearbeitungsverlauf gezeigt wird. Ich empfinde das als indiskret. Die Begründung ist in gewisser Weise nachvollziehbar, wenn jemand z. B. ein politisch korrektes Bikini-Mädchen gepostet hätte, das dreitausend Likes bekommt und der Eintrag dergestalt editiert würde, dass das Bikini-Mädchen-Foto durch ein Foto von Adolf Hitler in der Badehose ersetzt wird, würde rückwirkend die Absicht der Likenden torpediert. Man kann in dem Fall das Posting löschen und ein Neues fabrizieren. Wenn dann schon Kommentare oder Likes darunter gewesen wären, die einem lieb sind, sind die dann natürlich weg. Luxusprobleme am Sonntagabend. In Wahrheit treiben mich natürlich ganz andere Dinge um, aber die sind zu sensibel, um hier breitgetreten zu werden. Wenn ich beschreiben sollte, wie es in mir aussieht, wünsche ich mir als erstes Hilfsmittel eine Zeitmaschine. Ich würde fünf bis zehn Jahre vorspulen. Oder noch mehr. Allerdings hat die Zeit auch immer wieder gebracht, dass der Zeitpunkt, an dem etwas sagbar geworden ist, ein Punkt in der Entwicklung war, an dem das was einen umtrieb, derart an Gewicht eingebüßt hat, dass man dann aus Gründen der Irrelevanz keine Energie darauf verwendet, einen Text darüber zu schreiben. Vielleicht sehr, sehr viel später, wenn sich die Dinge über Jahrzehnte relativiert haben und ihren Platz finden im großen Archiv. Dann zieht man vielleicht irgendwann eine knarzende Schublade auf und hält ein Fundstück aus der Vergangenheit gegen das Licht und ertappt sich dabei, wie ein zärtliches Gefühl in einem aufsteigt. Ganz friedlich. Und erinnert sich vielleicht doch. An all die Bilder. Und das Herzblut.

01. Juli 2017

An besonders schönen Tagen
ist der Himmel sozusagen
wie aus blauem Porzellan.
Und die Federwolken gleichen
weißen, zart getuschten Zeichen,
wie wir sie auf Schalen sahn.

Alle Welt fühlt sich gehoben,
blinzelt glücklich schräg nach oben
und bewundert die Natur.
Vater ruft, direkt verwegen:
"´n Wetter, glatt zum Eierlegen!"
(Na, er renommiert wohl nur.)

Und er steuert ohne Fehler
über Hügel und durch Täler.
Tante Paula wird es schlecht.
Doch die übrige Verwandtschaft
blickt begeistert in die Landschaft.
Und der Landschaft ist es recht.

Um den Kopf weht eine Brise
von besonnter Luft und Wiese,
dividiert durch viel Benzin.
Onkel Theobald berichtet,
was er alles sieht und sichtet.
Doch man sieht´s auch ohne ihn.

Den Gesang nach Kräften pflegend
und sich rhythmisch fortbewegend
strömt die Menschheit durchs Revier.
Immer rascher jagt der Wagen.
Und wir hören Vater sagen:
"Dauernd Wald, und nirgends Bier."

Aber schließlich hilft sein Suchen.
Er kriegt Bier. Wir kriegen Kuchen.
Und das Auto ruht sich aus.
Tante schimpft auf die Gehälter.
Und allmählich wird es kälter.
Und dann fahren wir nach Haus.


Erich Kästner

[ nicht dieser und nicht jener und gerade deshalb umso mehr ]

vertont von Karl*

*für Saskia, Jenny, Martina, Maria und Cosima

arboretum
Ah, Dankeschön....
18.07.17, 21:18
g a g a
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17.07.17, 23:54
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17.07.17, 23:13
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17.07.17, 22:47
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16.07.17, 23:09
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16.07.17, 22:55
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16.07.17, 21:03
kaltmamsell
Es tut mir immer noch...
16.07.17, 19:30
g a g a
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15.07.17, 17:30
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15.07.17, 17:04
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14.07.17, 21:44
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14.07.17, 21:11
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14.07.17, 20:42
g a g a
fb ~ 12.12.16
14.07.17, 19:00
g a g a
voilà... (...)
13.07.17, 23:02
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13.07.17, 23:00
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13.07.17, 00:01
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12.07.17, 22:39
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fb ~ 31.12.16
12.07.17, 21:27
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fb ~ 05.01.17
12.07.17, 21:14

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