Da saß ich so auf der Bank und guckte um mich. Rechts von mir auf dem Erdboden große grüne Blätter mit Tauperlen. Es war früher Nachmittag, die Sonne schien. Tau? Oder hatte jemand gegossen? Wieso waren die Blätter der anderen Pflanzen trocken? Hm. Eine kleine goldbraune Maus mit einem dunklen Streifen auf dem Rücken schlüpfte hinter den Blättern hervor. Ich schaffte es nicht, sie zu fotografieren. Aber die seltsamen Wasserperlen auf den Blättern hielten still. Ich fing sie ein. Daheim schaute ich nach, was ich fotografiert hatte. Ich kenne viele Pflanzen, Kräuter und Gewächse, aber nicht alle. Die Blätter mit den scheinbaren Tauperlen mitten am Tag gehörten dem Frauenmantel. Schon oft gehört, aber nicht gelernt, wie Frauenmantel ausschaut. Dank dem allwissenden Internet habe ich schnell herausgefunden, was es mit den Wasserperlen auf sich hat. Es ist ein Phänomen der Alchemilla. Morgens sind die Blattränder vollständig von einem Perlensaum bedeckt, der sich dann in die Blattmitte bewegt. Der Frauenmantel nimmt Wasser aus dem Boden auf und scheidet es durch kleine Poren im Blatt wieder aus, das ist unsichtbar. Offenbar ist sie etwas gierig und trinkt immer wieder zu viel und das überschüssige Wasser presst sie dann aus Öffnungen am Ende der Blattnerven, am Rand des Blattes. So kommen die dicht mit Wasserperlen besetzten Blattränder zustande. Die Wasserperlen waren also die zur Blattmitte gerutschten Tropfen. Außerdem habe ich gelesen, dass der „Tau“ bei Alchemisten begehrt war. Sie sammelten die Tropfen für ihre Experimente. Unter anderem beim Versuch Gold herzustellen. Daher trägt die Pflanze auch den Namen Alchemilla, was "Kleine Alchemistin" bedeutet. Der deutsche Name wird auf Marienverehrung zurückgeführt, da die Falten der Blätter Marias Umhang ähneln. Außerdem habe ich ein Gedicht gefunden, das dem Frauenmantel gewidmet ist, vom Schriftsteller Johannes Trojan, der 1837 bis 1915 gelebt hat:
»Das Kräutlein treibt ein rundes Blatt
Wie keines ringsherum es hat.
Mit zierlich eingekerbtem Rand
Ist für den Tau es angespannt,
recht als ein Schälchen hingestellt,
in welches Perl' auf Perle fällt.
So hebt es auf des Himmels Tau,
der niedersinkt auf Flur und Au',
Manch Elflein gegen Morgen kommt,
das dürstet, dem zu trinken frommt,
Schöpft aus dem Schüsselchen und spricht:
Ein bessres Labsal gibt es nicht.«
Hiermit schließe ich das
Karl Förster-Garten-Album. Es folgt ein Spaziergang durch den Rosengarten mit herrlichen Buchshecken.
g a g a - 17. September 2023, 22:07