Vielleicht kehrt Rio ja wirklich zurück. Es wäre doch auch schön, ihn hier zu haben. Sein Haus würde ich gerne noch einmal vorher sehen, seinen Zaubergarten und den Tisch mit der aufgeschlagenen Bibel. Das hat mich doch sehr bewegt, heute beim Mittagessen. Wenn er umgebettet wird, dann auf den Matthäi-Kirchhof, wo auch die Kapelle steht, in der er getauft ist, in Schöneberg, wie wunderbar.
Viele Jahre wohnte ich um die Ecke, in einer schattigen Wohnung im Parterre, meine erste eigene kleine Wohnung in Berlin. An schönen Tagen ging ich manchmal gerne auf den kleinen Kirchhof, um ein Sonnenbad zu nehmen, Nerudas Gedichte auf dem Schoß. Auf der Sonnenbank mit Vogelgezwitscher. Nur wenige Schritte daneben war ein Waschsalon, in dem sich meine Wäsche drehte. 19hundertsechsundachtzig.
Im
Mai Zweitausendacht war ich nach vielen Jahren wieder dort. Diesmal mit Jan zu einer Gedenkfeier im kleinen Kreis, zu Ehren des dort beigesetzten Malers und Poeten Friedrich Schröder Sonnenstern. Einer der Nachfahren dieses phantastischen Surrealisten, dessen Werk mich verwirrend und elektrisierend an das Werk von Victor Brauner erinnert, hatte uns herzlich eingeladen. Es war der Geburtstag meines Bruders. Daran dachte ich. Dass es irgendwie passt, an so einem Tag, am Grab eines anderen Verrückten zu gedenken. Rio hätte die Bilder von Sonnenstern auch geliebt.
Weiter stand heute nichts meine kleine Welt bewegendes in der ulkigen Zeitung mit den großen Überschriften. Nur, dass Udo Walz ab 22. Februar die Galerie Bremer unter seine Fittiche nimmt und es dann ein kleines Restaurant mit Pasta geben wird. Das wird bestimmt fein. Und Rolf Eden wird Achtzig und ist gut drauf. Das stand aber nicht in der B.Z., sondern hat mir Jan gestern am Telefon erzählt. Er traf ihn vorgestern in der
kleinen Weltlaterne. Ich gab ihm den Hinweis, dass einer der Stammgäste, ein Maler eine slideshow mit tausend Fotos der letzten Jahrzehnte in der Weltlaterne zeigt. Mit Klaviergeklimper. Eigentlich wäre ich gerne hin, aber ich hörte so kurzfristig davon und war nicht in Stimmung, alles stehen und liegen zu lassen. Jan hat ein ganz
schönes Foto von
Rolf Eden gemacht. Mir ist er ja sympathisch, mit seinen augenzwinkernden Macho-Sprüchen, die man nicht zu ernst nehmen sollte. Ein echtes Berliner Urgestein. Ach ja, Butterfisch mit Dillsauce und Gemüse hatte ich zu meinem Käseblättchen. Und bald ist Wochenende.