08. November 2010

Ist mir noch nicht so aufgefallen, dass ich einen Schutzengel hätte. Aber wenn ich an die vergangenen drei Tage denke und heute. Dreimal in körperliche Gefahr geraten und wundersam unverletzt daraus hervorgegangen. Zuletzt heute morgen, Sprint die steinerne Treppe hoch, zur eben eingefahrenen S-Bahn am Hackeschen Markt, immer zwei Stufen auf einmal nehmend. An der Kante einer Stufe abgerutscht und rückwärts stürzend hingebrettert, Knochen auf die Stufen verteilt.
Kurioserweise zuerst an die Unversehrtheit meiner Sonnenbrille (besser Windschutzbrille, der Herbstwind lässt mich weinen) gedacht, die in eine Stufenecke flog, statt an das Heil meiner Knochen. Dann gedacht, wahrscheinlich merke ich jetzt noch nicht, wieviele Knochen ich mir gebrochen habe, weil man ja unter dem Schock der Verletzung sofort diesen schmerzstillenden Adrenalinschub bekommt. Ein Paar auf der Treppe neben mir, das meinen Sturz sah, stürzte tief erschrocken auf mich zu und streckte vier hilfreiche Arme aus. Dritter Gedanke: "komisch, dass es immer heißt, in Berlin schert sich keiner drum, wenn einem was passiert, die Leute würden einfach weitergehen. So ein Quatsch." Ich wagte eine zaghafte Bewegung und konnte kaum glauben, dass ich keinerlei Beeinträchtigung spürte. Noch nicht einmal das Gefühl einer Schürfwunde. Auf die besorgte Nachfrage antwortete ich "scheint alles in Ordnung zu sein - unglaublich aber wahr".
Aus dem Augenwinkel nahm ich warmes verwundertes und beruhigtes Lächeln wahr und noch mehr Verwunderung darüber, dass ich meinen Sprint sofort wieder aufnahm. Kurz bevor die Tür schloss, stand ich in der wie immer überfüllten S-Bahn, an die Türscheibe gedrückt. Das Abteil war so gedrängt voll, dass es ausgeschlossen war, mich leicht zu bücken, um festzustellen, ob meine Kleidung beim Sturz Federn lassen musste. Als ich ausstieg, sah ich an mir herunter, konnte keinerlei Schaden feststellen und klopfte nur ein bißchen Staub vom Stoff an den Knien. Und dann legte ich eine ziemlich lange, bis jetzt währende Gedenkminute für meinen Schutzengel ein. Etwas Vergleichbares (ohne selbstverschuldetes Risiko durch Gesprinte und Bocksprünge allerdings) widerfuhr mir bereits am Freitag Abend, zweimal kurz hintereinander. Jetzt beim dritten Mal in so kurzer Zeit denke ich, da scheint mich jemand ganz schön gerne zu haben. Wenn ich nur wüsste, wie er aussieht, mein Schutzengel. Bestimmt ist er attraktiv. Und kein Mädchen. Nur so ein Gefühl. Danke.
g a g a - 8. November 2010, 12:22
Ich hab so eine unfreiwillige Affinität zu Schnittwunden und Unfällen mit Verletzungs-Potenzial. Folge von zuweilen zu impulsiven und zu riskanten Bewegungsabläufen. Wenn viel Kraft im Spiel ist, ist auch die Verletzungsgefahr größer, bzw. das Ergebnis im Falle eines Unfalles verheerender. Skorpion-Mars. Angeblich die Konstellation mit dem unerschöpflichsten Potenzial an körperlicher Kraft. Ich spüre das, wenn ich aus Jux Armdrücken mit großen Männern veranstalte, die ziemlich perplex sind, dass sie sich richtig anstrengen müssen. Ich liebe körperliches Kräftemessen. Und statistisch die Mars-Konstellation mit der höchsten Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Unfalls oder Todes durch anderweitige (höhere) Gewalteinwirkung. Könnte aber auch ein plötzlicher Gehirnschlag sein. Eruptive Energien. Krankheit und Siechtum ist angeblich vergleichsweise seltener der Todesverlauf. Aber keine Sorge. Ich hab Jupiter im 8. Haus (Skorpion-Haus, Haus des Todes). Das verheißt angeblich ein langes Leben und ein angenehmes Ende. Spät, kurz und schmerzlos. Das wäre schön. Glaube ich auch. Ich hab ja keine Todesangst. Im Gegenteil. Die letzte spannende Abenteuer-Reise mit unwägbarem Ziel.
Wird schon schiefgehen.