14. März 2010

Ich denke an den Brief in meinem Schlafzimmer. Und meinen daneben. In Wahrheit zwei E-Mails. Und einen anderen, dritten, richtigen, auf Papier. Ich kaufte Briefpapier, dann. Sehr schönes. Nun liegt es hier. Unbeschrieben. Ich habe so ein kleines Kästchen mit Briefmarken drin. Schöne, fast alle schon gestempelte. Um ein bißchen zu übertreiben, wenn ich einen schönen Brief schicken will. Es sind sogar ein paar ganz alte darunter. Auf einer ist ein golden violettes Jugendstilmotiv. Auf einer anderen ein weißer Baum. Die Blätter sind wie ein Relief auf dem Papier der kleinen Marke eingeprägt. Sehr kostbar.

Ich fand die Marke, als ich noch bei meinen Eltern lebte, als Kind. Im Briefmarkenalbum meines Großvaters, der bis in die Siebziger Jahre Briefmarken sammelte und mir das Album später zum Spielen gab. Eine Marke hab ich immer bei jedem Umzug mitgenommen und aufgehoben. Eine Briefmarke mit einem blühenden weißen Baum. Noch war mir kein Brief kostbar genug, um sie aufzukleben. Ich zögerte jedesmal. Auch als ich vor ein paar Jahren viele herzensnahe Briefe schrieb. Diese kleine Marke behielt ich und wählte andere, auch sehr schöne, um die Umschläge schöner zu machen.

Ich habe mir sogar ein Tintenfass gekauft. Schwarz. Um den alten Füllfederhalter bei diesem Brief wieder auszuprobieren. Um alles angemessen zu machen. Weil der Füllfederhalter so lange nicht in Gebrauch war, fragte ich im Schreibwarengeschäft, was zu tun sei, ich wollte alles richtig machen. Die Verkäuferin sagte, ich solle den Füllfederhalter aufgeschraubt zwei Tage wässern, bevor ich ihn neu fülle. Das tat ich. Sogar drei Tage. Es eilte ja nicht. Ich wollte nur schreiben, wenn ich in einer besonders schönen Stimmung dafür wäre. Dann füllte ich den Füllfederhalter mit der schwarzen Tinte. Ich fand, sie sähe zu leblos aus, beinah tot, die schwarzgraue Tinte. Blau hat mehr Seele. Ich wollte ja einen Brief mit Seele schreiben. Ich kritzelte auf dem Papier herum und probierte aus, wie es sich anfühlt. Wie es sich anfühlen würde, später dann. Wenn ich den Brief schreiben würde. Die Feder war sehr hart. Es fühlte sich etwas kratzig an, nicht geschmeidig. Ich wollte gerne mit einem weichen Strich schreiben.

Aber zuerst die Tinte. Ich musste mich um die Farbe der Tinte kümmern. Ich ging wieder in ein Schreibwarengeschäft, diesmal ein anderes. Ich erzählte dem Verkäufer von meinem alten Füllfederhalter und was man mir geraten hatte. Er meinte, "klauen Sie ihrer Oma oder ihrem Opa ein Kukident, das wirkt sofort". Ich sagte, "Ich habe keine Oma und keinen Opa mehr. Die sind alle unter der Erde." Dann kaufte ich ein kleines Tintenfass mit blauer Tinte. Ich überlegte, ich könnte die blaue in die schwarze Tinte mischen, das wäre kein so simples Königsblau, mehr so graublau. Das könnte sehr schön aussehen. Ich hatte mittlerweile auch Faserstifte zum Schreiben besorgt, mit einem weichen Strich. In Blau und in Schwarz. Für alle Fälle. Zuhause mischte ich ein wenig von der blauen Tinte in die Schwarze und zog den Füllfederhalter neu auf. Der Strich war immer noch sehr hart, ich legte den Füller ein bißchen mutlos beiseite und dachte, ich könnte ja, wenn es so weit wäre, dann doch mit dem schwarzen oder blauen Faserschreiber schreiben. Was sich eben am besten anfühlen würde.

Ich dachte schon darüber nach, wie ich den Brief beginnen wollte. Dass ich vielleicht schreiben würde, dass ich mir extra Briefpapier gekauft habe und dass es das erste Mal seit zehn Jahren wäre, dass ich jemandem einen handgeschriebenen Brief schicken würde. Ja, so wollte ich es machen. So könnte der Brief anfangen. Alles andere würde sich dann von selbst ergeben. Ich hatte vorsichtshalber zehn Blatt von einem sehr schönen Papier gekauft. Ich wusste ja nicht, wieviel ich schreiben würde, wenn es soweit wäre. Und zwei Briefumschläge. Vielleicht würde ich nur fünf Seiten oder weniger schreiben, dann hätte ich noch Papier für einen zweiten Brief, für später vielleicht. Ich dachte, ich würde den Brief wenige Tage später schreiben. In Ruhe, vielleicht an einem Nachmittag. Wenn die Sonne durch das Fenster scheint und man schon den Frühling ahnen könnte. Vielleicht an einem Sonntag. Mit guten Gedanken im Herzen. Dieser Sonntag war noch nicht der richtige. Ich war zu traurig. Ich will mit einem schönen Brief antworten. Auch wenn darin gar keine Frage ist. Ich will den Rosenblättern antworten, die in der Mitte liegen.

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