08. Februar 2010
"Das sind alles nur Zeitfenster" sagte ein Freund einmal zu mir. Als ich gestern und heute meine dreihundertfünfzig Flickr-Sets mit rund fünfzehntausend Bildern endlich mit Datum versehe und in die richtige Reihenfolge schiebe, in ihre chronologische Reihenfolge, nicht so, wie ich sie nach Lust und Laune hochlud, fällt mir der Satz immer wieder ein. Das sind alles nur Zeitfenster. Zeitfenster mit einem schwarzen Deckblatt. Alben. Fotobalben. Fenster in meine Zeit. Schöne Zeit. Gute Zeit. Wer die Bilder sieht, mag schlussfolgern "Du musst ein gutes Leben haben". Ja, vieles ist und war oft gut in meinem Leben. Ich sehe es. Ja, ich sehe es... ich sehe es - Gerade noch ein paar Sammlungen gemacht, collections genannt. Ganz schön, um sich nicht durch diese Flut wühlen zu müssen, einfach mal zu sehen, was zum Beispiel in der Sammlung Blogger zu finden ist. Ihr habt mich immer machen lassen, das war nett. Ich erinnere mich an eine Lesung, da hieß es gar resolut, es gäbe Fotografier-Verbot, nur Gaga Nielsen darf Fotos machen! Da habe ich mich aber gebauchpinselt gefühlt. Na ja. Auch lange her. Und wieviel ich doch mit Jan unterwegs war, in welchem rasanten Tempo wir durch die Berliner Kunstszene gejagt sind, so viel Spaß dabei. Alles ein großes verrücktes Spiel. Wie leicht man Menschen näherkam. Das kommt wieder. Ich nehme gerade sehr viele Möglichkeiten nicht wahr, weil manchmal der richtigere Platz zuhause ist. Wo man die Dinge aus der Distanz zu begreifen, einzuordnen lernt. Jegliches. Und es erschlägt mich wieder und wieder, wenn ich diese vielen Fotostrecken sehe, die Dichte der letzten beiden Jahre. Wie vom Donner gerührt sitze ich vor meinem Monitor. Dieses eingemeißelte, genaue Datum darunter. Das war also das, was an diesem einmaligen Datum in der Erdgeschichte für mein Leben Bedeutung hatte und das war der nächste Tag und der nächste und der davor und der übernächste und ... nicht nur meiner. So sitze ich davor. Vor meinen Gedenktafeln. Und ich habe das doch alles auch selbst gemacht. Nicht nur diesen flickr-account, der mein Leben festhält.

Und ich mache es wieder zu einem guten Leben. Ich bin nämlich eine gute Dramaturgin. Ja, ich mag brüchige Filme, bei denen man mit dem Protagonisten mitleiden kann und hofft, dass alles gut ausgeht. Meine liebsten Helden sind die, denen nicht alles sofort in den Schoß fällt. Die kämpfen müssen. Aber das letzte Standfoto zeigt gleißendes Licht. Das ist schwer einzufangen. Aber ich schaffe das.

Und ich mache es wieder zu einem guten Leben. Ich bin nämlich eine gute Dramaturgin. Ja, ich mag brüchige Filme, bei denen man mit dem Protagonisten mitleiden kann und hofft, dass alles gut ausgeht. Meine liebsten Helden sind die, denen nicht alles sofort in den Schoß fällt. Die kämpfen müssen. Aber das letzte Standfoto zeigt gleißendes Licht. Das ist schwer einzufangen. Aber ich schaffe das.
g a g a - 8. Februar 2010, 01:04
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