20. November 2012

Geringfügiges Zurückdatieren. Ich gebe ein, ich hätte den Eintrag hier am 20. November um 23:59 Uhr veröffentlicht. In Wahrheit ist es bereits der 21. November, 02:17 Uhr jetzt. Ich brauche das aus psychologischen Gründen. Damit ich im Tagespensum von mindestens drei hochgeladenen Tagen bleibe. Letzte Nacht habe ich nicht gefaked. Alles Original-Uhrzeiten, aber heute muss es sein. Morgen wieder drei. Und übermorgen. Und wenn ich zweiundzwanzig mal vier statt drei hochlade, bin ich Mitte Februar fertig! Ächz. Es ist nicht einfach. Mein manischer Charakter treibt mich, solche Dinge zu tun. Am 24. Mai 2012 gab es einen schweinsveloursledernen Rock in Cognacbraun, ein ärmelloses schwarzes Shirt mit rechteckigen schwarzen Pailletten aus der Ära als Madonna ihre American Pie-Platte gemacht hat. Da waren noch mehr Pailletten drauf, schwarze Sternpailletten. Sie haben die amerikanische Flagge abgebildet. Jetzt sind die Stars weg und die Stripes geblieben. Mir war das einen Tick zu Amerika-patriotisch, obwohl ich das Land in vielerlei Hinsicht sehr mag. Sehr. Damals, als Madonna mit dem Remake den Hit landete und nur noch im Cowboyhut rumlief, und auch alle anderen Mädels in Europa unbedingt einen Stetson brauchten, gab es überall Zeugs, Merchandise und Klamotten mit dem Star spangled Banner. Die schwarzen Sterne habe ich anderweitig verarbeitet. Sie sind jetzt auf zwei weißen breiten Armbändern aus weißem Leder. Hab ich auch noch nie hier angehabt. So viel Zeugs! Lustig, dass ich in letzter Zeit öfter tagsüber angesprochen werde, ob ich heute denn was besonderes vorhätte. Ich binde nicht jedem auf die Nase, was es damit auf sich hat, dass ich in letzter Zeit so viele alte, nie gesehene Klamotten aus dem Schrank ans Licht befördere. Heute habe ich ein wenig Aufklärung betrieben. Man hat mich stark ermuntert, das unbedingt noch weiter zu kultivieren. Und dann Mitte Februar zucken alle zusammen, weil ich alle paar Tage denselben langweiligen Krempel anhabe, haha! Schnarch. Nein, stimmt ja nicht. Ich war ja schon immer eine Anziehpuppe. Nicht jeden Tag, aber wenn, dann mit Hingabe. Das ist doch super, als Kind konnte man nur kleine Puppen anziehen, wie man wollte und rumspielen, heute kann man das mit sich selber machen, mit der ganz großen Gaga-Nielsen-Puppe! Da fällt mir noch was Putziges ein. Eine nette Frau Anfang Dreißig aus meinem Dunstkreis ist gerade zum zweiten mal schwanger, ihr Erstgeborenes ist jetzt knapp zwei und ein Junge. Also ein Junge-Junge. Als ich von der neuen Schwangerschaft gehört habe, habe ich sofort aufgeregt geplappert "hoffentlich wird es ein Mädchen!!! Das wäre so schön, eine kleine Schwester und ein großer Bruder! Eine kleine Anziehpuppe!!" Natürlich meine ich das nicht so schwarzweiß, wie es sich anhört, aber kleine Mädchenkleider zu kaufen und so einer Zuckerpuppe anzuziehen, muss schon speziell Spaß machen, denke ich mir so als große Anziehpuppe. Nun ist die Puppenmutti äh also die richtige Mutti, eben die junge schwangere Frau selber eher so ein lässiger Typ, gerne in schwarzer Jeans, schwarzem langärmligen Shirt und darüber irgendein Gothic-Shirt, natürlich ebenfalls Dunkelgrau oder Schwarz, aber ohne großes Gedöns angezogen. Make up-mäßig nichts außer einem ganz zarten Lidstrich. Also keine Shopping Queen, weit davon entfernt. Und wie reagiert sie, als ich also so tussimäßig aufgedreht herumquieke "Mädchen, Mädchen, Anziehpuppe!"? Diese burschikose, häkelbortenfreie junge Berliner Mama erwidert breit grinsend: "Ja, wäre schon echt schön! Zu Dings (Name geändert) hab ich neulich auch gesagt: wenn es wieder ein Junge wird, hoffe ich - ja: bestehe ich darauf, dass er wenigstens schwul ist! Ich will schließlich Klamotten kaufen, soll ja Spaß machen!" Love, Peace & Evolution.
g a g a - 20. November 2012, 23:59
(Ah ja, Klingeln. Verstehe, verstehe. --- Stetson ist ja auch so ein gern genommenes Party-Zubehör)
Also ich komme da hobbypsychologisch noch nicht so richtig zu einem abschließenden Ergebnis. Wenn man jetzt die Gesamt-Inszenierung betrachtet, und in Abschnitte einteilt, könnte man vielleicht feststellen, je tiefer (zum Abgrund - äh Boden) man schaut, umso mehr offenbaren sich die subtileren Motivationen. Oder so ähnlich. Also wenn die höchste Raffinesse beim Schuh liegt (neben gewissen Charakter-Raffinessen, die sich nicht derart sekundenschnell offenbaren), könnte man eventuell auf einen Charakter schließen, der gerne auf einer subtilen Ebene agiert und kommuniziert. Möglicherweise manchmal so subtil, dass es gar nicht als Kommunikation identifiziert wird. Wie gesagt: hobbypsychologisches Dilettantentum, mehr ist hier leider nicht zu erwarten. Aber mein Horoskop unterstellt mir eine luzide Ader ;-)