17. September 2012

Noch einmal hin, jetzt wo die Kuppel aufhat, im März. So lange es Frost gibt, bleibt der Kuppelrundgang draußen unzugänglich, man könnte hinfallen und ausrutschen auf dem Eis, da oben. Ich bin schnell zum Ticketschalter im opulenten Treppenhaus, sieben Euro Domerhaltungsgebühr muss man entrichten. Dann dachte ich, weil ich erst zwei Wochen vorher da war, ich würde mich schon super auskennen und bin an den kurfürstlichen Sarkophagen vorbeigedüst und habe irgendwie den Treppenaufgang nicht mehr gefunden. Ein netter Aufpasser in Uniform, der ein bißchen wie Sidney Poitier ausgeschaut hat, war mir sehr behilflich. Er war zum Scherzen aufgelegt, ich weiß nicht mehr genau, was er alles an lustigen Sachen gesagt hat, aber ich habe mitgespielt und die passenden blödsinnigen Antworten gegeben, die er gerne haben wollte. Dann ist er ernst geworden und hat mich fest angeschaut und gemeint: "Sie haben etwas Wichtiges im Leben verstanden: Sie haben Lebensfreude - das spürt man!" Oh ja, ich hatte Lebensfreude an dem Tag und habe sie noch. Mein Gefühl hier ist niemals: "Na ja, bin ich eben hier" sondern immer "Dass ich hier sein darf! Danke, dass ich hier sein darf". Als könnte mich jemals jemand wegschicken, weil ich es nicht genug verdiente, hier zu sein. Aber ich strenge mich stets an, ich mache mich verdient, wie man sieht. Schließlich muss ja irgendjemand, der hier wohnt und deswegen auch viel mehr Zeit dafür hat, ausgiebig auf die ganzen Kuppeln gehen, und schöne Fotos machen, ganz viele. Nicht bloß eins oder zwei sondern aus allen Winkeln. Deswegen hat es Gaga Nielsen auf jeden Fall verdient, hier zu sein. Ich werde mich auch immer weiter bemühen und Berlin niemals Schande machen, das verspreche ich. Außerdem will ich hier später einmal begraben sein, weil ich hier zuhause bin. Hier unten und auch ganz oben im Himmel, in den Lüften, weil ich auch ein bißchen wie ein Vogel bin.



g a g a - 17. September 2012, 23:12
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