22. Februar 2026
"Jede Rolle machte mich etwas ruhiger und heiterer. Als Amme lernte ich zum erstenmal in meinem Leben lachen. Zuerst traute ich mich nicht damit heraus. Aber Frau Moissi redete mir so lange zu, bis ich mir ein Herz faßte, durch den Ring sprang, der sich um mich gelegt hatte, und laut loslachte. Ich lachte tief und aus voller Seele. Wie dieses Lachen mich löste und ergriff. Bis dahin war ich ernst, beinah starr gewesen. Nun wußte ich: Ich habe wirkliche Kraft, und es ist kein Schwindel, wenn ich Schauspielerin werden will. Die Grundlage muß stark sein, damit das Gebäude fest steht.
Ich verlor meine Starrheit und wurde jung. Meine Gedanken rutschten auch nicht mehr hemmungslos in diese Ewigkeitsvorstellungen hinein. Ich konnte schlafen, hatte meinen Glauben gefunden. Ich glaubte an diese Kraft in mir und in anderen Menschen. Ich suche überall danach. Finde ich sie nicht, werde ich ablehnend bis zur Feindschaft, finde ich sie, werde ich vertrauensvoll bis zur Liebe. Daher kommt es, dass ich viel mehr Feinde als Freunde habe.
Im Sommer verreiste ich zum erstenmal allein ohne Mama nach Ferch am Schwielowsee. Ich war betrunken von Freiheit, Wasser, Wald und den Vergißmeinnicht, die am Rande des schmalen Baches blühten. Regen, Wind, Sonne, alles war wunderbar schön. Ich las nicht mehr, nur ab und zu ein schlechtes Buch."
Valeska Gert "Ich bin eine Hexe - Kaleidoskop meines Lebens", 1978 (Erinnerung an Schauspielstunden im dreiundzwanzigsten Lebensjahr bei Maria Moissi 1915/1916)
Ich verlor meine Starrheit und wurde jung. Meine Gedanken rutschten auch nicht mehr hemmungslos in diese Ewigkeitsvorstellungen hinein. Ich konnte schlafen, hatte meinen Glauben gefunden. Ich glaubte an diese Kraft in mir und in anderen Menschen. Ich suche überall danach. Finde ich sie nicht, werde ich ablehnend bis zur Feindschaft, finde ich sie, werde ich vertrauensvoll bis zur Liebe. Daher kommt es, dass ich viel mehr Feinde als Freunde habe.
Im Sommer verreiste ich zum erstenmal allein ohne Mama nach Ferch am Schwielowsee. Ich war betrunken von Freiheit, Wasser, Wald und den Vergißmeinnicht, die am Rande des schmalen Baches blühten. Regen, Wind, Sonne, alles war wunderbar schön. Ich las nicht mehr, nur ab und zu ein schlechtes Buch."
Valeska Gert "Ich bin eine Hexe - Kaleidoskop meines Lebens", 1978 (Erinnerung an Schauspielstunden im dreiundzwanzigsten Lebensjahr bei Maria Moissi 1915/1916)
g a g a - 22. Februar 2026, 23:14


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