17. September 2024
[ Reisenotizen 21. Juli 1991 ]


"Benommen. Etwas „benommen“. Nach was für einem Traum… 21. Juli 1991, Sonntag 23.53 h, Spetses. (Was war das eigentlich mit Stavros…?) Nach beinahe 5 Jahren schlafe ich sofort mit einem 51-jährigen, kleinen Griechen. Ruhig, Haarausfall am Hinterkopf wie S. G., schwarzes Haar. Der Barkeeper vom „Le Figaro“… Black Blue-Jeans, weißes T-Shirt von „Le Figaro“, schwere Gold-Uhr, graue u. schwarze Haare auf der Brust – sagte so angemessen „What?!“, so nachdrücklich – wunderbarer Moment... ganz wunderbar... und ich sage in diesem wunderbaren Augen-Blick „Moon is in Scorpio…“ Er schüttelt ernst den Kopf, als sei er anderer Meinung. Ich sage, „I know for sure“. Er behält mich im Auge, behielt ihn im Auge – eine Nacht lang – „I could sit here for the rest of my life and watch you… you make me feel good… Vorgestern, Freitag/Samstag, Sa/Sonntag, schon nicht mehr der Rede wert, wenn nur angenehme Gefühle zählten. Als hätte sich alles in mir auf diesen Traum vorbereitet….. Ganz abwesend war ich – was für ein klarer Traum…




Auf einem unserer schattigen Gänge begegnet mir G. Diesmal bleibt er stehen und mit seinem ernsten und eindringlichen Blick beginnt er mich zu überzeugen… Davon, daß wir unsere Hände von den Armen abtrennen müssen. Ich zögere nicht eine Sekunde, zu allem bereit lasse ich mir von ihm die Hände abschneiden, die er nimmt, mir seine dafür gibt. Nun habe ich seine Hände, die Nahtstellen, die Wunden sind in wenigen Minuten verheilt bis auf kleine Stellen, da seine Handgelenke etwas kräftiger sind und nicht haargenau auf meine passen. Es ist ein ernster, schöner Augenblick. Jetzt sind wir miteinander verbunden. Um sich für mein Entgegenkommen zu bedanken, lädt er mich zu sich ein, in seine neue Wohnung… ein „Einweihungsfest“ vielleicht. Ich betrachte meine neuen Hände, seine Männerhände, etwas gröber als meine, die nicht ganz zu mir passen, aber die ich liebe. Und er trägt meine Hände, kann sie immer sehen, muß sich damit berühren – Alles – Ich bin zu Hause, noch bei meinen Eltern, Andi ist da, wie immer, - ich suche eine Schallplatte in der Sammlung meines Vaters, er ist in der Nähe und ich hoffe, daß er nicht bemerkt, daß ich andere Hände habe, da mir keine Erklärung – für ihn – einleuchtend genug erscheint. Schallplatten von Andi sind dabei, von denen ich keine Ahnung hatte, daß er diese Musik hört – „Carmina Burana“. Mehrere Langspielplatten. Als ob er vor mir verbergen wollte, daß er sich zu so ernster und religiöser Musik hingezogen fühlt, - um mir keine Sorgen zu bereiten, über die Verfassung, in der er sich befindet. Unausweichlich. Eine Vorbereitung auf …seinen Tod. Um seine kleine Schwester – mich – zu schonen… Szenenwechsel. Nach Feierabend. Ich fahre mit I. Rohde in Fahrstuhl eines modernen, mehrstöckigen Wohnhauses, in dem sie seit einigen Monaten wohnt. Sie muß im 6. Stock raus. G. wohnt nun auch in dem Haus, auf derselben Etage oder im 9. – ja, im 9. Stockwerk. Seine Einladung ist an diesem Abend. Ich sage nicht, daß ich auf dem Weg zu ihm zu ihm bin. Mit einem amüsierten und warmen Blick läßt I. Rohde durchblicken, daß ihr schon lange klar ist, daß zwischen uns irgendetwas los ist. Sie sagt nur, als sie aussteigen muß, so etwas wie:

„…Na endlich – das hat aber auch lange genug gedauert mit euch!“ – Ich lächle verlegen und fahre weiter, steige aus und finde alles sehr modern. Am Klingelschild vor seiner Tür steht kein Name, sondern die Berufsbezeichnung „Liedermacher“… (?!) Mir ist klar, daß er damit seinen „wahren Beruf“ andeuten will. Er öffnet, ernst wie immer, bittet mich in die große, sehr technisch wirkende Wohnung. Sein Zimmer oder eines davon wirkt wie ein Tonstudio, unzählige Gitarren und andere Instrumente stehen in Glasregalen, auf mehreren Tischen befinden sich elektronische Vorrichtungen, Mischpulte etc. An einer Wand eine Grafik, eher geometrisch, blau, schwarz. Die Teppiche sind grau, alles wirkt teuer, „erlesen“. Ich staune über seine kostbare Wohnung. Freunde sitzen auf dem Boden, in schummriger Beleuchtung, viele Männer in seinem Alter etwa, auch die Frauen, Akademiker, „Szene-Typen“. Ich finde viele sympathisch, man spürt, wieviel Respekt sie ihm entgegenbringen. Ich empfinde es als unbeschreibliche Ehre, von ihm eingeladen worden zu sein, daß er mir einen Einblick in seinen privatesten Bereich gewährt. Er steht im Mittelpunkt ohne sich auffällig zu benehmen. Es wird klar, daß er in dieser großen Wohnung nicht alleine lebt, es gibt noch einen oder zwei männliche Mitbewohner. Ich stelle etwas überrascht fest, welchen wichtigen Platz sein Privatleben in seinem Leben einnimmt, wie wichtig für ihn diese Wohnung zu sein scheint, welchen Wert er auf die Auswahl seiner Einrichtung legt, wie penibel sauber und aufgeräumt alles ist, diese übertriebene Ordnung. Es gibt ein Zimmer, das die Funktion eines Weinkellers hat. Bis zur Decke, nach Jahrgängen sortiert, stapeln sich unzählige Flaschen, der teuersten Weine, die er sammelt. Ich frage mich verblüfft, ob er all sein Geld in die Finanzierung seines Einrichtungs-Ticks und seiner teuren Hobbies steckt + er sich dafür zuweilen finanziell übernimmt… Ich halte Ausschau nach seinem Bett und seinen Augen."

Fußnote: Bei "G" bzw. "S. G." handelte es sich um einen wesentlich älteren Mann, einen Dozenten, der mir immer wieder an meinem Arbeitsplatz über den Weg lief, und der gegen meinen Willen erotische Obsessionen bei mir auslöste, in meinem Kopf wohlgemerkt. Es gab niemals irgendeine tatsächliche Form der Annäherung, gesprochen wurde nur über professionelle Angelegenheiten und das höchst selten, da wir nicht direkt zusammenarbeiteten. Ab und zu ging ich in das sogenannte "Dozentenzimmer", wo jeder, der Seminare abhielt, Unterlagen aufbewahren konnte oder die Pause verbrachte. Es gab nur obskure, eher ausweichende Blicke. Merkwürdig ist an dem Traum, dass es eine Art Rendezvous-Szenario war, und dass ich mich darin mit seinem Lebensstil beschäftigte. Die Anmerkung am Ende von wegen, dass er sich "finanziell übernimmt" passt zu der Information, die ich hatte, dass sein Dozentenhonorar zuletzt gepfändet wurde. "Zuletzt" bedeutet Anfang der Neunziger Jahre. Es könnte gut sein, dass er inzwischen nicht mehr lebt. Das Gleiche könnte auf Stavros zutreffen, den griechischen Barkeeper vom Figaro, mit dem ich mehrere Nächte verbrachte. Er war damals 51 (1940 geboren), ich knapp 26. Die Szene mit den abgeschnittenen, getauschten Händen finde ich recht bemerkenswert. Und auch den Teil mit den (phantasierten), vor mir verborgenen Schallplatten, der meinen Bruder betrifft. Geht tief.


"Benommen. Etwas „benommen“. Nach was für einem Traum… 21. Juli 1991, Sonntag 23.53 h, Spetses. (Was war das eigentlich mit Stavros…?) Nach beinahe 5 Jahren schlafe ich sofort mit einem 51-jährigen, kleinen Griechen. Ruhig, Haarausfall am Hinterkopf wie S. G., schwarzes Haar. Der Barkeeper vom „Le Figaro“… Black Blue-Jeans, weißes T-Shirt von „Le Figaro“, schwere Gold-Uhr, graue u. schwarze Haare auf der Brust – sagte so angemessen „What?!“, so nachdrücklich – wunderbarer Moment... ganz wunderbar... und ich sage in diesem wunderbaren Augen-Blick „Moon is in Scorpio…“ Er schüttelt ernst den Kopf, als sei er anderer Meinung. Ich sage, „I know for sure“. Er behält mich im Auge, behielt ihn im Auge – eine Nacht lang – „I could sit here for the rest of my life and watch you… you make me feel good… Vorgestern, Freitag/Samstag, Sa/Sonntag, schon nicht mehr der Rede wert, wenn nur angenehme Gefühle zählten. Als hätte sich alles in mir auf diesen Traum vorbereitet….. Ganz abwesend war ich – was für ein klarer Traum…




Auf einem unserer schattigen Gänge begegnet mir G. Diesmal bleibt er stehen und mit seinem ernsten und eindringlichen Blick beginnt er mich zu überzeugen… Davon, daß wir unsere Hände von den Armen abtrennen müssen. Ich zögere nicht eine Sekunde, zu allem bereit lasse ich mir von ihm die Hände abschneiden, die er nimmt, mir seine dafür gibt. Nun habe ich seine Hände, die Nahtstellen, die Wunden sind in wenigen Minuten verheilt bis auf kleine Stellen, da seine Handgelenke etwas kräftiger sind und nicht haargenau auf meine passen. Es ist ein ernster, schöner Augenblick. Jetzt sind wir miteinander verbunden. Um sich für mein Entgegenkommen zu bedanken, lädt er mich zu sich ein, in seine neue Wohnung… ein „Einweihungsfest“ vielleicht. Ich betrachte meine neuen Hände, seine Männerhände, etwas gröber als meine, die nicht ganz zu mir passen, aber die ich liebe. Und er trägt meine Hände, kann sie immer sehen, muß sich damit berühren – Alles – Ich bin zu Hause, noch bei meinen Eltern, Andi ist da, wie immer, - ich suche eine Schallplatte in der Sammlung meines Vaters, er ist in der Nähe und ich hoffe, daß er nicht bemerkt, daß ich andere Hände habe, da mir keine Erklärung – für ihn – einleuchtend genug erscheint. Schallplatten von Andi sind dabei, von denen ich keine Ahnung hatte, daß er diese Musik hört – „Carmina Burana“. Mehrere Langspielplatten. Als ob er vor mir verbergen wollte, daß er sich zu so ernster und religiöser Musik hingezogen fühlt, - um mir keine Sorgen zu bereiten, über die Verfassung, in der er sich befindet. Unausweichlich. Eine Vorbereitung auf …seinen Tod. Um seine kleine Schwester – mich – zu schonen… Szenenwechsel. Nach Feierabend. Ich fahre mit I. Rohde in Fahrstuhl eines modernen, mehrstöckigen Wohnhauses, in dem sie seit einigen Monaten wohnt. Sie muß im 6. Stock raus. G. wohnt nun auch in dem Haus, auf derselben Etage oder im 9. – ja, im 9. Stockwerk. Seine Einladung ist an diesem Abend. Ich sage nicht, daß ich auf dem Weg zu ihm zu ihm bin. Mit einem amüsierten und warmen Blick läßt I. Rohde durchblicken, daß ihr schon lange klar ist, daß zwischen uns irgendetwas los ist. Sie sagt nur, als sie aussteigen muß, so etwas wie:

„…Na endlich – das hat aber auch lange genug gedauert mit euch!“ – Ich lächle verlegen und fahre weiter, steige aus und finde alles sehr modern. Am Klingelschild vor seiner Tür steht kein Name, sondern die Berufsbezeichnung „Liedermacher“… (?!) Mir ist klar, daß er damit seinen „wahren Beruf“ andeuten will. Er öffnet, ernst wie immer, bittet mich in die große, sehr technisch wirkende Wohnung. Sein Zimmer oder eines davon wirkt wie ein Tonstudio, unzählige Gitarren und andere Instrumente stehen in Glasregalen, auf mehreren Tischen befinden sich elektronische Vorrichtungen, Mischpulte etc. An einer Wand eine Grafik, eher geometrisch, blau, schwarz. Die Teppiche sind grau, alles wirkt teuer, „erlesen“. Ich staune über seine kostbare Wohnung. Freunde sitzen auf dem Boden, in schummriger Beleuchtung, viele Männer in seinem Alter etwa, auch die Frauen, Akademiker, „Szene-Typen“. Ich finde viele sympathisch, man spürt, wieviel Respekt sie ihm entgegenbringen. Ich empfinde es als unbeschreibliche Ehre, von ihm eingeladen worden zu sein, daß er mir einen Einblick in seinen privatesten Bereich gewährt. Er steht im Mittelpunkt ohne sich auffällig zu benehmen. Es wird klar, daß er in dieser großen Wohnung nicht alleine lebt, es gibt noch einen oder zwei männliche Mitbewohner. Ich stelle etwas überrascht fest, welchen wichtigen Platz sein Privatleben in seinem Leben einnimmt, wie wichtig für ihn diese Wohnung zu sein scheint, welchen Wert er auf die Auswahl seiner Einrichtung legt, wie penibel sauber und aufgeräumt alles ist, diese übertriebene Ordnung. Es gibt ein Zimmer, das die Funktion eines Weinkellers hat. Bis zur Decke, nach Jahrgängen sortiert, stapeln sich unzählige Flaschen, der teuersten Weine, die er sammelt. Ich frage mich verblüfft, ob er all sein Geld in die Finanzierung seines Einrichtungs-Ticks und seiner teuren Hobbies steckt + er sich dafür zuweilen finanziell übernimmt… Ich halte Ausschau nach seinem Bett und seinen Augen."

Fußnote: Bei "G" bzw. "S. G." handelte es sich um einen wesentlich älteren Mann, einen Dozenten, der mir immer wieder an meinem Arbeitsplatz über den Weg lief, und der gegen meinen Willen erotische Obsessionen bei mir auslöste, in meinem Kopf wohlgemerkt. Es gab niemals irgendeine tatsächliche Form der Annäherung, gesprochen wurde nur über professionelle Angelegenheiten und das höchst selten, da wir nicht direkt zusammenarbeiteten. Ab und zu ging ich in das sogenannte "Dozentenzimmer", wo jeder, der Seminare abhielt, Unterlagen aufbewahren konnte oder die Pause verbrachte. Es gab nur obskure, eher ausweichende Blicke. Merkwürdig ist an dem Traum, dass es eine Art Rendezvous-Szenario war, und dass ich mich darin mit seinem Lebensstil beschäftigte. Die Anmerkung am Ende von wegen, dass er sich "finanziell übernimmt" passt zu der Information, die ich hatte, dass sein Dozentenhonorar zuletzt gepfändet wurde. "Zuletzt" bedeutet Anfang der Neunziger Jahre. Es könnte gut sein, dass er inzwischen nicht mehr lebt. Das Gleiche könnte auf Stavros zutreffen, den griechischen Barkeeper vom Figaro, mit dem ich mehrere Nächte verbrachte. Er war damals 51 (1940 geboren), ich knapp 26. Die Szene mit den abgeschnittenen, getauschten Händen finde ich recht bemerkenswert. Und auch den Teil mit den (phantasierten), vor mir verborgenen Schallplatten, der meinen Bruder betrifft. Geht tief.
g a g a - 17. September 2024, 20:59
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