28. August 2024

"(...) vor der Haustür, auf dem Gehweg, lag ein Buch. Wie hingepfeffert, nicht sorgsam zum Verschenken hingelegt. Im Dreck. Ich hob es neugierig auf, überlegte noch, ob das runtergefallen sein könnte. Als ich den Titel sah, steckte ich es ein. Meine Phantasie schlug Purzelbäume. "Der dressierte Mann" von Esther Vilar. Viel davon gehört, nie gelesen. Eine Hardcover-Ausgabe in rotem Leinen mit schönem Schutzumschlag, graphisch exzellent. Eingerissen, gammelig. Wurde das Buch aus Wut vom Balkon geschmissen? Ging eine hitzige Debatte voraus? War Esther Vilar nicht in den Siebzigern und Achtzigern ständig in Talkrunden mit ihrer Antipodin Alice Schwarzer? Ich muss mal meine Erinnerung auffrischen. Daheim das Buch und den Schutzumschlag gründlich gereinigt und die eingerissenen Kanten vom Umschlag repariert."

Es folgt meine Bewertung des Buches: sehr gute Bindung, hochwertige, strapazierfähige Papierqualität, exquisiter Entwurf des Schutzumschlages. Nun aber heißt es ja, man soll ein Buch nicht aufgrund seine Umschlages beurteilen. Da ich seit gestern Abend noch keine Zeit hatte, es zu selbst zu lesen und zu urteilen, präsentiere ich meinen Lesern zum einen hier eine Leseprobe des 1971 erstmalig erschienen Werkes. Und zum anderen, die schlechtesten und die besten Bewertungen auf Amazon, Stand heute, 28. August 2024, sowie zuguterletzt eine Verlinkung zum seinerzeit im Fernsehen übertragenen Streitgespräch zwischen Esther Vilar und Alice Schwarzer Anno 1975, das damals recht viel Aufsehen erregte. Interessant auch, dass es vier Jahre nach Erscheinen stattfand. Das bedeutet, dass es kein Thema war, das in einem Sommerloch abgehandelt wurde, sondern eine langjährige Debatte anheizte. Ich finde angenehm, wie sich beide Kontrahentinnen um eine besonnene Kommunikationskultur bemühen, wenn es auch so wirkt, dass sich Alice Schwarzer schwerer tut, sich im Zaum zu halten. Wenn ich beiden folge, kann ich immer wieder nur nicken. Ich verstehe tatsächlich beide Seiten.

Es ist nicht schwarzweiß für mich. Ich stehe da mit einer gewissen Milde moderat zwischen den Stühlen. Das hat auch biographische Ursachen und Bezüge, die mich auch wieder zum Lebensweg meiner Mutter führen, der mich gerade immens beschäftigt. Eigentlich mein Leben lang. Ich wählte ein völlig zu ihr konträres Lebensmodell, allein lebend, unverheiratet, kinderlos, finanziell unabhängig, sehr frei, Familie respektierend, aber nicht als erklärten Lebenssinn definierend. Selbstbestimmte Wohnsituation, unverblümte Meinungsäußerung. Mama hingegen fügte sich in fast allen genannten Punkten in eine gegenteilige Lebensrealität, und nicht immer nur glücklich damit. Dennoch: es war von ihr selbst gewählt und ist daher zu respektieren, von mir nicht zu entwerten.

1-Stern-Rezensionen auf Amazon:
Hexe
Nicht zu empfehlen. Hab nach 13 Prozent aufgehört zu lesen. War nicht zu ertragen. Frauenfeindlicher geht es nicht mehr. Vielleicht in den 70er Jahren aktuell.
Kindle-Kunde
Wie kann man 2016 noch sowas auflegen??? Das ist weder lustig noch in irgendeiner Form erträglich! Egal, ob der Mann oder die Frau dressiert, die stereotype Interprteation der beiden Geschlechter so ganz ohne Ausnahme war m. E. schon 1971 überholt. Schon damals wäre eine differenzierte Betrachtung angebracht gewesen. Und was soll das heute noch? Mehrwert = 0.
julia
Man muss nicht alles lesen... Verstehe die vielen positiven Bewertungen nicht. Ich finde das Buch beleidigend und es liest sich so, als würde Esther Vilar einfach den alten Machos nachplappern. Meiner Meinung nach eine vernachlässigbare Lektüre.
Richard
Antiquierte, stereotype Beurteilung der Geschlechter Thematik vor 50 Jahren vielleicht in gewisser Weise provokant. Heute jedoch überholt und ermüdend.

5-Sterne-Rezensionen auf Amazon:
Amazon Kunde
Top! Tolles Buch
C.
Gut zu lesen, mit Zeitgeist aus den 70ern... Ich habe dieses Buch sehr genossen. Es steckt sicherlich viel Wahrheit in diesem Buch. Jedoch hat mich, nunmehr 40 Jahre nach Erscheinen des Buches, die polemisch-frauenfeindliche Art darin am Ende doch eher amüsiert. Einige Lacher konnte ich mir nicht verkneifen, auch wenn die Aussagen darin einen Wahrheitsgehalt haben. Zur Zeit des aufkommenden Feminismus und der Emanzipationsbewegung ist es schon mutig von Frau Vilar diesen Text geschrieben zu haben. Dieses Buch ist gut zu lesen, amüsant-deutlich und auch lehrreich. Viel Spaß beim Lesen. Allerdings möchte ich in diesem Zusammenhang ein Buch empfehlen, dass sich mit dem Thema Frau und Mann in unfeindlicher und wunderbarer Wiese auseinandersetzt. "Die heilige Ordnung der Mutter" von Thomas Honsak möchte ich an dieser Stelle empehlen. Es ist ein philosophisch-soziologisches Werk, was die unausgesprochenen Grunddynamiken zwischen Frau und Mann und damit der gesamten Menschheit beschreibt, analysiert und damit gefühltes, unbewusstes, seit Jahrunderten verankertes aus meiner Sicht erstmals und einzigartig verbalisiert und damit sichtbar macht. Und das wunderbare ist - dieses Buch spricht keinem der Geschlechter eine Schuld zu oder wird feindlich, wie bei Vilar. Viele Grüße und danke für das Lesen meiner Rezension.
Jürgen
Tolles Buch, sollte jeder Mann mal gelesen haben, auch heute noch sehr interessant. Auch wenn das Buch schon älter ist, ist es auch heute noch sehr interessant und lesenswert :-) Auch das Streitgespräch mit Alice Schwarzer sollte jeder mal gesehen haben kann man im Internet anschauen :-)
Michael
Pflichtlektüre für jeden Mann / TOP 5 Sterne. Großen Respekt und Ehre vor dieser Autorin Esther Vilar. Sie sagt genau was Sache ist. Und auch wenn es schon lange her ist. Das Buch wurde ja soweit ich weiß in den 70 Jahren geschrieben. Diese Sachen die sie beschreibt sind so wahr. Man kann es auch auf heute immer noch übertragen. Es hat sich in der Sache nach Jahrzehnte dieses Buches. Nicht viel geändert. Wir haben immer noch so gesellschaftliche Strukturen. Ich finde Frau Vilar ist nicht nur eine Menschenrechtlerin sondern meiner Meinung nach eine tolle herzliche Männerrechtlerin. Nochmal eine Ehre an diese Frau. Sie hat meiner Meinung nach ein Orden verdient. Großen Respekt und Ehre. Ein tolle mutige Frau.
Willy
Die neue Erkenntnis für mich ist, dass Frauen eigentlich die emotionslosen und kalten sind und uns auch nur deswegen so gut kontrollieren können. Besonders hat mich die Frage bschäftigt, warum ich mich als Mann dafür schämen müsste Gefühle zu haben? Auch auf diese Frage habe ich eine Antwort bekommen. Es hat mir auch aufgezeigt, wie feindlich ich mich in meinem eigenen Leben noch gegenüber anderen Männern verhalte und um wieviel wir gemeinsam stärker sein könnten und uns aus Sicht der Frauen etwas "weiblicher" verhalten würden. Mittlerweile muss ich schon fast lachen, wenn ich eine typische Frau sehe und ihre Versuche, so schön zu wirken. Das durchblicke ich mittlerweile sehr schnell.
Hanno
Gegen den Strich. Ein Klassiker des (Anti-)Feminismus.
Hans
Die Wahrheit. Dieses Buch ist ein Muß! für jeden Mann. Sicher ist zu berücksichtigen, daß es 1971 erschienen ist und Frauen nicht mehr nur "Heimchen am Herd" sind, sondern auch in Handwerksberufen zu finden sind. Als ärztlicher Psychotherapeut weiß ich, daß Frauen eher in einer Vorstellungswelt leben und versuchen den Mann dahingehend zu manipulieren, daß er ihre Vorstellungen realisiert. Bei Nichterfüllung ist es aus mit der "Liebe" (Frauen sind auch stärker narzißtisch besetzt und daher eher kränkbar).
B.
Lesenwert. Ein Klassiker des Post-Feminismus, von einer Frau geschrieben. Zeitlos aktuell, sollte Pflichtlektüre in den Schulen werden, ideale Diskussionsbasis.
Anja
Tolles Buch. Schwer zu lesen und nichts für vor dem zu Bett gehen aber toll
Christiane
Absolut geniales Buch. Genau so ist es!! Leider bläut uns die allgegenwärtige Propaganda etwas anderes ein. Ein absolut augenöffnendes Buch, das jede Frau und jeder Mann lesen sollte!


Die legendäre, durchaus gepflegte Auseinandersetzung der Kontrahentinnen Schwarzer u. Vilar auf youtube: "Alice kontra Esther - Alice Schwarzer vs. Esther Vilar - Steitgespräch 6.2.1975"
g a g a - 28. August 2024, 13:44
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