19. Juli 2024







Heute Trauerpost verschickt. Auf dem Weg. Im Grunde wissen es die Empfänger schon. Es ist eine förmliche Geste, aber eine schöne. Förmlichkeiten sind sinnvoll und geben auch Halt. Mir ist die Beschäftigung damit ein ganz tiefes Verarbeiten. Bilder ansehen, auswählen. Der zarte Grünton. "Reseda". Die Typographie. Früher antwortete Karin auf meine Frage nach ihrer Lieblingsfarbe mit "Grün". Später fasste sie die Antwort weiter. Türkis mochte sie auch sehr. Blautöne. Alles Frühlingshafte. Über ein Zitat nachzudenken, ging auch tief. Zumal ich eines fand, das so tief trifft. Wolfgang Borchert... auf den Punkt. Fühlt sich richtig an. Ich mag, dass ich nicht zu einer Trauerfeier gehen werde, wo mich irgendein Element befremden wird. Hoffe ich. Dieses "oh je...", was jeder vielleicht auch schon einmal bei einer Trauerfeier hatte. "Wer hat bloß mit dem Pfarrer gesprochen, wer hat denn die Musik ausgesucht". Unpassende Gewichtungen, Herausstreichen weniger biographischer Marken, Vergessen anderer wichtiger Momente. Aber gut. Perfektionsanspruch gab es wohl nur bei "Operation London Bridge". Ist auch alles menschlich und ohnehin vergänglich. Aber so viel Hingabe, Aufmerksamkeit und Angemessenheit hineingeben, wie es einem möglich ist. Würdig. Ich habe die Briefe heute Nachmittag im Briefkasten gegenüber vom Savoy eingeworfen. Dort wurden heute die alten, teilweise mit Damast bezogenen Matratzen ausgeräumt. Hochgestapelt auf dem Gehweg davor. Innen noch Lüster an der Decke, alte Pracht. Holzvertäfelungen. R.i.p, Savoy. Dir widmet keiner Trauerpost. Aber dafür gab es welche im Briefkasten davor - angemessene.




g a g a - 19. Juli 2024, 23:45
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