10. Dezember 2023

Hinter dem Vorhang Marlene in ihrem Pariser Schlafzimmer, wie eine Mumie in ihre Bettdecke gewickelt. Wenigstens denke ich, es ist ihr letztes Schlafzimmer in Paris in der Avenue Montaigne. Begleitet von sparsamen Tönen des Pianisten, erzählt Marlene weiter, lamentiert über Gott und die Welt. Eine ihr zu Diensten stehende junge Frau ist mit Handreichungen beschäftigt, hängt Kleider auf Bügel, macht das Bett, wieselt und wuselt um sie herum. Hilft ihr beim Aufstehen. Es ist mir nicht bekannt, dass Marlene eine junge Assistentin beschäftigt hätte, aber Hilfe wird sie gehabt haben. Ratzkes Marlene ist in den Jahren angesiedelt, als sie ihre letzten Tourneen und Auftritte hatte. Als sie mit dem bandagierten, offenen, eitrigen Bein unter ihrem Glitzerkleid immer noch den Schein der Göttin zu wahren versuchte. "Sag mir, wo die Blumen sind..." Es gelang. Ein wenig rauscht es an mir vorbei, was en detail gesprochen wird. Ich habe alles über Marlene gelesen, diverse Biographien, auch die Erinnerungen ihrer Tochter Maria Riva, die preisgekrönte Schell-Dokumentation gesehen, bei der sie aktuelle Kamera-Aufnahmen untersagte. Als Marlene im Mai 1992 starb, erstand ich viele Zeitungen, wohl auch die Bunte und verfolgte die Berichterstattung. Die vielen Fotos aus ihrem Pariser Apartment. Das mit Notizen beklebte, cremeweiße Telefon. Sven Ratzke soll jetzt aufhören zu reden und singen. Und das wird er.


g a g a - 10. Dezember 2023, 20:21
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