13. Oktober 2023
Helmut Krausser "TRENNUNGEN. VERBRENNUNGEN." Eselsohr Seite 151, Piper Taschenbuch
Leo und Iris verbrachten Sonntagnachmittage im Spätherbst gewöhnlich mit einer Netflix-Serie und Honig-Ingwer-Tee. Sie mußten oft lange suchen, bis sie eine Serie fanden, die beide gleichermaßen interessierte. Für Iris kam nichts mit Mord und Zombies und Fantasy in Frage, Leo hatte nichts für Sozialdramen und Comedy übrig. Irgendwie hatte man sich stets auf etwas geeinigt, das erträglich war, aber keinen von beiden wirklich begeisterte. An diesem Sonntag wurde Leo bewußt, daß sich eine gute Beziehung gar nicht so sehr im Bett wie vor dem Fernseher entscheidet. Irgendwann, überlegte er, werden die Kompromisse auf dem Mittelweg zuviel. Eine Begeisterung, die man mit dem Partner nicht teilen kann, schrumpft, wenn man sie quasi in sich hineinfressen muß. Sie liegt dann schwer im Magen, und statt Euphorie stellt sich das Gefühl ein, nicht verstanden, nicht beachtet zu werden. Hinzu kam, daß Iris aß. Nicht nur, daß sie vorhin im Café ihren ganzen Frühstücksteller, von diesem Alibi- Toast mal abgesehen, leergefuttert hatte, eben hatte sie vor dem Fernseher einen halben Liter Haselnuẞeis verdrückt, und jetzt holte sie sich auch noch getrocknete Feigen. Entweder war das, fand Leo, eine Kriegserklärung oder extrem unaufmerksam an einem Tag, an dem er sie, wenige Stunden zuvor, darum gebeten hatte, ein bißchen auf sich achtzugeben. Er reagierte, indem er nicht wie vorgesehen die siebte Staffel der Mad Men aufrief, sondern die erste Staffel der von ihm heißgeliebten Walking Dead. Die wollte er sich immer schon ein zweites Mal reinziehen. Iris machte große Augen.
Leo und Iris verbrachten Sonntagnachmittage im Spätherbst gewöhnlich mit einer Netflix-Serie und Honig-Ingwer-Tee. Sie mußten oft lange suchen, bis sie eine Serie fanden, die beide gleichermaßen interessierte. Für Iris kam nichts mit Mord und Zombies und Fantasy in Frage, Leo hatte nichts für Sozialdramen und Comedy übrig. Irgendwie hatte man sich stets auf etwas geeinigt, das erträglich war, aber keinen von beiden wirklich begeisterte. An diesem Sonntag wurde Leo bewußt, daß sich eine gute Beziehung gar nicht so sehr im Bett wie vor dem Fernseher entscheidet. Irgendwann, überlegte er, werden die Kompromisse auf dem Mittelweg zuviel. Eine Begeisterung, die man mit dem Partner nicht teilen kann, schrumpft, wenn man sie quasi in sich hineinfressen muß. Sie liegt dann schwer im Magen, und statt Euphorie stellt sich das Gefühl ein, nicht verstanden, nicht beachtet zu werden. Hinzu kam, daß Iris aß. Nicht nur, daß sie vorhin im Café ihren ganzen Frühstücksteller, von diesem Alibi- Toast mal abgesehen, leergefuttert hatte, eben hatte sie vor dem Fernseher einen halben Liter Haselnuẞeis verdrückt, und jetzt holte sie sich auch noch getrocknete Feigen. Entweder war das, fand Leo, eine Kriegserklärung oder extrem unaufmerksam an einem Tag, an dem er sie, wenige Stunden zuvor, darum gebeten hatte, ein bißchen auf sich achtzugeben. Er reagierte, indem er nicht wie vorgesehen die siebte Staffel der Mad Men aufrief, sondern die erste Staffel der von ihm heißgeliebten Walking Dead. Die wollte er sich immer schon ein zweites Mal reinziehen. Iris machte große Augen.
g a g a - 13. Oktober 2023, 19:34
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