22. September 2023


Ja, das ist sehr anrührend, was Reinhold Beckmann in seinem Buch aufgearbeitet hat. "Aenne und ihre Brüder". Er las am Sandwerder einen Auszug daraus, Zeilen eines Briefes von der Front, eines der vier Brüder seiner Mutter Aenne. Beckmann ist siebenundsechzig. Wie schnell die Jahre verstreichen - er war in meiner Erinnerung immer Mitte Vierzig. Guter Mann. Im Bundestag trug er am Volkstrauertag das Lied Vier Brüder vor, den gefallenen Brüdern seiner Mutter gewidmet. Was für ein Anti-Kriegs-Lied. Eindringlich, schmerzhaft, wirkmächtig. Ich hörte es vorhin zum ersten mal, hier ist die Aufnahme zu hören und zu sehen. Beckmanns Lesung an der Rotunde am Wannsee war beim Ullstein-Sommerfest die einzige, die ich mir anhörte. Vor allem erzählte er, wie lange er sich mit dem Buch trug. Jahrzehnte im Grunde. Er gibt damit ein Vorbild für die Verarbeitung eines Familientraumas. In seiner Generation flächendeckend vorhanden, auf allen Seiten. Bis in meine Generation hinein. So lange ziehen sich die schmerzhaften Fäden. Wie Spinnweb um Kinder und Kindeskinder. So viel unter allen Teppichen. Behutsam wegfeudeln.


g a g a - 22. September 2023, 21:57
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