24. Mai 2023



Ich bin eine Romantikerin aus dem Bilderbuch. Das führt offenbar dazu, dass ich von Orten angezogen werde, die ein besonders romantisches Potenzial haben. Die ehre ich dann ausführlich, gebe mich hin und ignoriere den Rest der Zivilisation, der mir ein Dorn im Auge ist, sehr erfolgreich. Ich kultiviere die Idee, das Schöne auf ein Podest zu heben und das Unwirtliche absichtsvoll nicht mit Aufmerksamkeit zu ehren. Vielleicht bringt das dem Rest der Welt und der Evolution nichts, aber mir persönlich sehr viel. Ganz insgeheim hoffe ich, mit der Würdigung des unstrittig Schönen ein bißchen zu manipulieren, Vorstellungen einer schöneren, heileren Welt zu verankern. Als Inspiration, als Plan. Idealismus, oder? Mich fasziniert immer wieder, dass es Erscheinungsformen in unserer irdischen und himmlischen Welt gibt, auf deren Schönheit sich ein großer Teil der Menschheit einigen kann. Selten bzw. nie gehört, dass jemand einen strahlenden, farbintensiven Sonnenauf- oder Untergang langweilig oder gar hässlich findet. Oder ein Tierkind im Vollbild seines flauschigen Kindchenschemas. Die jährliche Flieder- oder Pfingstrosen-Blüte zum Kotzen fände. Nichts davon je gehört.

g a g a - 24. Mai 2023, 18:39
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