16. März 2023

Ich denke, es steht Anderen mehr zu als mir, über Michel Würthle etwas zu sagen, der heute die irdischen Gefilde verlassen hat. Aber ich will doch ein paar Kleinigkeiten vermerken. Ina, die in den vergangenen Jahren aufgrund eines Buchprojektes viel mit ihm zu tun hatte, teilte mir heute am frühen Nachmittag seinen Tod mit. Ich las es jetzt erst. Nun sind schon viele Nachrufe da. Für West-Berlin war Michel, der Vater der Paris Bar in der Kantstraße, eine Ikone. Ein unglaublich gut aussehender Mann, dieser Wiener. Zum ersten mal fiel er mir 1986 ins Auge, am Maybachufer entlang flanierend, mit hellem Leinenanzug und Borsalino aus Stroh. Nicht allein, mit seiner damaligen Frau an der Seite. Eine Erscheinung! Ein paar Filmrollen hatte er auch. Wer das war, wusste ich damals aus einer Art Klatschspalte im tip, der sich damals nur mit dem überschaubaren Westberlin und den dort vorhandenen Lichtgestalten befasste.
Ich war auch im letzten Jahrhundert einige Male in der Paris Bar, aber etwas häufiger erst in den letzten zehn Jahren. Wenn Ina dabei war, ergab sich immer so ein flüchtiger Kontakt, kaum der Rede wert, der charismatische Michel war ja auch immer umringt. Ein- oder zweimal hat er mir Feuer gegeben, ungefragt, und wie er sich selbst bekannt machte, war besonders charmant. Er, dessen Vorname immer so französisch artikuliert ausgesprochen wurde: "Mischell" hat sich selber, ganz unaffektiert und unparfümiert wienerisch vorgestellt: "I bin der Michl". Farewell Michel, du grandiose Lichtgestalt. Du wirst nicht vergessen.
g a g a - 16. März 2023, 20:49
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