20. April 2016
Nachdenken über Wandlungsprozesse
Denke über Transformationsprozesse nach. Künstlerische Wandlungsprozesse. Wird das Bewusstsein des Kunstschaffenden transformiert, muss sich das Werk wandeln. Früher oder später. Ein glaubwürdiges Werk muss den Entwicklungs- und Reife- Prozess abbilden, alles andere wäre kalkuliert, feige, risikoarm. Verharren, Stagnation. Keine Kunst. Wenn das Bewusstsein, die Wahrnehmung des Weltgefüges (und Weltwirrwesens) fortgeschritten ist, sich der Horizont erweitert hat, ist es verpflichtend, das frische Herzblut zu zeigen. Keine nostalgischen Sicherheitsgeschichten. Keinen Bausparvertrag, keine hohe Kante, nicht in der Kunst. Nicht da. Für pragmatische Existenzsicherungs-Vorkehrungen gibt es geeignetere Spielwiesen, Strategien, Brotjobs, soziale Hängematte, Versicherungsbetrug. Einheiraten. Wenn man zum Beispiel als ambitionierte Sängerin anonym einen halbminütigen Werbejingle einsingt und damit eine Monatsmiete erwirtschaftet, die man nicht mit seiner schrägen Herzblut-Bühnenperformance erwirtschaften kann, ist das kein Verrat an der schrägen Herzblut-Bühnenperformance. Denn Werbejingles haben keinen heiligen Kunst-Anspruch, sondern gehören zum Baukasten von Vertriebs- und Marketingmaßnahmen, also in die Kategorie Brotjob. Der Verrat beginnt beim Zugeständnis bei der schrägen Herzblut-Bühnenperformance. Bei der Abschwächung, Milderung, dem Abschmirgeln der interessanten, nicht so leicht zu konsumierenden Unebenheiten. Dem Verzicht auf Radikalität, dem Bemühen um breitenwirksame Konsumierbarkeit.

Wobei es niemals ausgeschlossen ist, dass radikaler, rücksichtsloser Selbstausdruck, auch breitenwirksam sein kann. Eine Frage von Talent und Tiefe. Ich sehe mir gerade einiges an, was es derzeit gibt auf Berliner Bühnen, besonders im Bereich der Musik. Bei einigen Performances ist nach wenigen Takten (oder Zeilen) klar, dass es voraussichtlich nicht für eine Karriere reichen wird, die über Klein(st)kunstbühnen hinausgehen wird. Weil ein scharfes Profil fehlt, sich der Eindruck von Plagiat aufdrängt, zu wenig Eigensinn vorhanden ist, originärer Ausdruck fehlt oder auch nur eine in die Wiege gelegte, einmalig schöne Stimme. Dann gibt es andere, wo ich Talent erkenne, aber der erforderliche Wahnsinn fehlt, dieses Quentchen an Biss. Aus tief verankertem Sportsgeist lauter Richtung Horizont zu brüllen als die anderen Löwen in der Steppe. Seltener gibt es Persönlichkeiten, denen man wünscht, wenn sie noch nicht zu alt sind, dass sich der radikale Keim, den ihre Kunst bereits hat, weiter entwickelt und irgendwann zu großer Blüte entfaltet. Entwicklung passiert, wenn man sich dem Leben und der Hitze aussetzt., Grenzen auslotet. Nicht den goldenen Mittelweg einschlägt. Den kann man noch altersweise entlangspazieren, wenn die alten Gelenke keine Schlaglöcher mehr abfedern können. Oder wie Wolf Wondratschek es formuliert hat: (...) und das Herz für die große altmodische Sehnsucht nach mehr Tempo. Man muss, um zum Kern zu kommen, etwas kaputt machen. Man muss im Feuer stehen. Man kann nicht einen Stuhl nehmen und sich in sein Leben setzen. Nichts rechtfertigen - man wäre verloren.
Denke über Transformationsprozesse nach. Künstlerische Wandlungsprozesse. Wird das Bewusstsein des Kunstschaffenden transformiert, muss sich das Werk wandeln. Früher oder später. Ein glaubwürdiges Werk muss den Entwicklungs- und Reife- Prozess abbilden, alles andere wäre kalkuliert, feige, risikoarm. Verharren, Stagnation. Keine Kunst. Wenn das Bewusstsein, die Wahrnehmung des Weltgefüges (und Weltwirrwesens) fortgeschritten ist, sich der Horizont erweitert hat, ist es verpflichtend, das frische Herzblut zu zeigen. Keine nostalgischen Sicherheitsgeschichten. Keinen Bausparvertrag, keine hohe Kante, nicht in der Kunst. Nicht da. Für pragmatische Existenzsicherungs-Vorkehrungen gibt es geeignetere Spielwiesen, Strategien, Brotjobs, soziale Hängematte, Versicherungsbetrug. Einheiraten. Wenn man zum Beispiel als ambitionierte Sängerin anonym einen halbminütigen Werbejingle einsingt und damit eine Monatsmiete erwirtschaftet, die man nicht mit seiner schrägen Herzblut-Bühnenperformance erwirtschaften kann, ist das kein Verrat an der schrägen Herzblut-Bühnenperformance. Denn Werbejingles haben keinen heiligen Kunst-Anspruch, sondern gehören zum Baukasten von Vertriebs- und Marketingmaßnahmen, also in die Kategorie Brotjob. Der Verrat beginnt beim Zugeständnis bei der schrägen Herzblut-Bühnenperformance. Bei der Abschwächung, Milderung, dem Abschmirgeln der interessanten, nicht so leicht zu konsumierenden Unebenheiten. Dem Verzicht auf Radikalität, dem Bemühen um breitenwirksame Konsumierbarkeit.

Wobei es niemals ausgeschlossen ist, dass radikaler, rücksichtsloser Selbstausdruck, auch breitenwirksam sein kann. Eine Frage von Talent und Tiefe. Ich sehe mir gerade einiges an, was es derzeit gibt auf Berliner Bühnen, besonders im Bereich der Musik. Bei einigen Performances ist nach wenigen Takten (oder Zeilen) klar, dass es voraussichtlich nicht für eine Karriere reichen wird, die über Klein(st)kunstbühnen hinausgehen wird. Weil ein scharfes Profil fehlt, sich der Eindruck von Plagiat aufdrängt, zu wenig Eigensinn vorhanden ist, originärer Ausdruck fehlt oder auch nur eine in die Wiege gelegte, einmalig schöne Stimme. Dann gibt es andere, wo ich Talent erkenne, aber der erforderliche Wahnsinn fehlt, dieses Quentchen an Biss. Aus tief verankertem Sportsgeist lauter Richtung Horizont zu brüllen als die anderen Löwen in der Steppe. Seltener gibt es Persönlichkeiten, denen man wünscht, wenn sie noch nicht zu alt sind, dass sich der radikale Keim, den ihre Kunst bereits hat, weiter entwickelt und irgendwann zu großer Blüte entfaltet. Entwicklung passiert, wenn man sich dem Leben und der Hitze aussetzt., Grenzen auslotet. Nicht den goldenen Mittelweg einschlägt. Den kann man noch altersweise entlangspazieren, wenn die alten Gelenke keine Schlaglöcher mehr abfedern können. Oder wie Wolf Wondratschek es formuliert hat: (...) und das Herz für die große altmodische Sehnsucht nach mehr Tempo. Man muss, um zum Kern zu kommen, etwas kaputt machen. Man muss im Feuer stehen. Man kann nicht einen Stuhl nehmen und sich in sein Leben setzen. Nichts rechtfertigen - man wäre verloren.
g a g a - 20. April 2016, 15:50
fb ~ 20.04.16
Das liebe Leben ist ein einziger Wandlungsprozess.:-)
Jan Sobottka
aber nicht bei uns .... wir stagnieren beharrlich ...
Irina Rosanowski
Wer ist WIR ?
Gaga Nielsen
Ihr habt den verlinkten Text nicht gelesen, oder?
Irina Rosanowski
oh, nein...hole ich nach
Gaga Nielsen
ich merke das, die Kommentare würden sonst anders ausfallen ;-)
Ich hatte mal einen Gefährten, dessen Muttersprache nicht Deutsch sondern Spanisch war, er konnte aber sehr gut Deutsch, arbeitete unter anderem als Dolmetscher und Übersetzer. Er benutzte manchmal eine von ihm selbst konstruierte Redewendung, die mich immer amüsierte und die er vielleicht an dieser Stelle als Kommentar geschrieben hätte:
"Ein Lexikon der Allgemeinplätze braucht man nicht zu kaufen."