»Und wie der Schmetterling erwacht vom Puppentraum, schwingt der Gedanke frei sich über Zeit und Raum. Wie, wann die Frucht ist reif, von selbst die Kapsel springt und hin der Saame fliegt, von Himmelsluft beschwingt.« Friedrich Rückert, Die Weisheit d. Brahmanen, 1836.
Bißchen näher dran. Gestern transportbereit verpackt. Als nächstes sind dann die anderen, die großen Bilder dran. Und die Skulpturen. Einige brauchen Luftpolsterfolie, zum Schutz der Bilder und Objekte, aber auch damit sich beim Transport keiner die Hände zerschneidet. Da sind einige mit gefährlich scharfen Spiegelscherbenkanten dabei. Möchte mich nicht anschließend mit meiner Haftpflichtversicherung befassen müssen. An was man alles denken muss. Es nimmt kein Ende! Außerdem heute einen zweiten Netzadapter für mein leistungsfähigstes Notebook bestellt. Habe das Teil in der Wohnung vorwiegend am Stromnetz und die Kabellage geschickt versteckt. Den Adapter möchte ich nicht ständig hin- und hertragen. Der Akku ist zwar recht gut und leistungsfähig, auch über viele Stunden, aber wenn das der Quell meiner Lieblings-Playlist ist, sollte nicht zu befürchten sein, dass da irgendwas nicht funktioniert. Große Nägel brauche ich auch noch. Kleinere hab ich reichlich. Und dann die Kärtchen für die Schilder neben den Exponaten. Oder reicht es, wenn Listen herumliegen, mit kleinen Abbildungen und entsprechendem Text? Daneben ist schon auch gut - oder? Zumal: bei Sevenstar gibt es in gewissen Abständen verschraubte Schildchenhalter aus Stahl.
Kleiner Test, was die Laufweite der Schriftzüge angeht. Ich muss noch am Rhythmus der Abstände von G A G A N I E L S E N herummanipulieren. Ca. drei Zentimeter mehr zwischen den Buchstaben, damit die Lücke in der Mitte nicht mehr als solche wirkt. Da habe ich mich bei der Bestellung wohl etwas verrechnet. Man klebt die Buchstaben nicht einzeln, sondern normalerweise den kompletten Schriftzug. Aber da muss ich dann wohl mit der Schere ran. Vorgabe für die Breite ist eine beispielhafte Reihe mit elf Bildern nebeneinander. Die Überschrift passt. Na dann, wohlan!
Meine Vorbereitungen. Von hinten etwas langweilig. Ich beginne am Mittelpunkt der Wand mit dem mittleren Bild der mittleren Reihe, No. 28. Dann baue ich nach oben und unten an. Wenn die Höhe gut ist, nach links und rechts. Kann aber sein, dass es vertikal zentriert gar nicht so gut aussieht, aus unerfindlichen Gründen die Höhe nicht stimmig ist. Das entscheidet das Gefühl. Habe ich schon häufiger beim Hängen erlebt. Auch, dass mir jemand zum exakt gleichen Abstand zu Decke und Boden riet und es einfach falsch wirkte. Ein Konzept ist schon gut, aber man darf sich nicht zu beharrend festlegen. Mit Materie und Raum spielen.
Tête-à-Tête mit Jean-Michel. Leider habe ich die Ausstellung 2001 nicht gesehen. Schade, zumal ich damals schon in der Nähe wohnte. Beate überließ mir eines der Plakate. Sie war damals die Galeristin. Pictureshow hieß ihre Galerie in der Oranienburger Straße. Ich hörte davon, bin aber nicht hin, ich war zu schüchtern.
Ein Preis wurde verliehen. Ich studierte die Logistik des Caterings. Wie sehen die Weingläser aus. Wie und was wird ausgeschenkt. Wie viel (bzw. wenig). Während die Laudatoren und der Preisträger sprachen, gab es noch kein aktives Angebot von Getränken. Kurzstielige, bauchige, preisgünstige Gläser. Wasser (Leitungswasser?) in Glaskaraffen, Grüner Veltliner und Rotwein, Primitivo. Eine weibliche junge Servicekraft schenkte nach Ende der Ansprachen auf Anfrage die Gläser ein, zu zwei Fünftel gefüllt. Knapp kalkulierte Bewirtung? Man hielt sich sehr befangen zurück.