13. April 2015






Die Amarna-Sammlung im Neuen Museum ist in einem Raum, in dem sich keine Spur von historischer Bausubstanz findet. Nichts. Der Saal ist in der ersten Etage, angrenzend an den Apollonsaal, in dem in der einzig verbliebenen Kuppelnische Echnaton rückwärtig Wand an Wand mit seiner Nofretete im erhaltenen Nordkuppelsaal steht. "Bei Bombardierungen am 22./23. November 1943 brannte das zentrale Treppenhaus mit den Wandfresken zur Geschichte der Menschheit aus. Im Februar 1945 zerstörten Bomben den Nordwestflügel sowie den Übergang zum Alten Museum und beschädigten den Südwestflügel sowie den Südostrisalit. In der Schlacht um Berlin zwischen den verbliebenen Wehrmachts- und SS-Einheiten und den sowjetischen Streitkräften Ende April 1945 kam es zu weiteren Zerstörungen." Ich musste eine Weile recherchieren, um den Zusammenhang zwischen der Bezeichnung "Ägyptischer Hof", den man gleichermaßen auf diesen Raum mit der Armana-Sammlung bezogen findet, und dem im Untergeschoss liegenden Saal "Jenseits und Ewigkeit" mit den Sarkophagen, der ebenfalls dem Ägyptischen Hof zugeordnet wird, zu verifizieren. Chipperfield hat ein Zwischengeschoss eingefügt, wenn ich es recht verstanden habe, die Ebene, auf der man hier steht, hat vor der Zerstörung nicht existiert, und befindet sich, wie auf den Grundrissen ersichtlich ist, unmittelbar über dem Bereich der Sarkophage im Untergeschoss. Der historische Ägyptische Hof wäre vermutlich zu aufwändig zu rekonstruieren gewesen und die Substanz der eingelagerten Säulen- und Kapitellfragmente zu geringfügig. Es war einer der exotischsten und opulentesten Säle im Neuen Museum, das Herz der ägyptischen Sammlung. Ein dicht mit ägyptischen Motiven bemalten Säulen gesäumter Tempelraum für die spektakulärsten Exponate, herrliche Sphinxen darunter. Auf dieser alten Fotografie erahnt man diese Pracht des alten Ägyptischen Hofes, in dem auch die Schätze der heutigen Amarna-Sammlung gezeigt wurden. Und hier ist eine kolorierte Zeichnung. Der heutige Raum trägt die Bezeichnung "Unter Atons Strahlen - Die Königliche Familie in Amarna". David Chipperfield hat einen eigenen Begriff für diesen Bereich gewählt. Sanctuary. Heiligtum.

10. April 2015





Nofretete steht in Berlin. Nicht in Ägypten. Ob das richtig ist, darüber wird wohl seit hundert Jahren gestritten, aber als zugereiste Berlinerin kann man hier sehr heimisch werden. Ich weiß das. Sie hatte einen sehr schönen Mann, Amenophis IV. aka Echnaton, von dem sie nur durch eine Wand getrennt ist, eine Skulptur, die seinen Kopf zeigt, steht im Apollonsaal. Nofretete zu fotografieren ist nicht erlaubt, warum auch immer. Sie hat den exclusivsten Ort im Neuen Museum, eine ganze Kuppel für sich alleine, den Nordkuppelsaal. Und sie ist schön. Egal, wie oft man sie auf Fotografien gesehen hat. Ein Objekt oder Phänomen inflationärer Verbreitung in aller Unschuld zu betrachten, verlangt eine gewisse Konzentration, die Fähigkeit, die eigene Wahrnehmung von kolportierter Beurteilung zu bereinigen, den Eindruck zu relativieren. Sie hat einen hochherzigen, anmutigen Ausdruck. Echnaton war ihr Cousin. In der Pharaonenfamilie wurde inzestuös geheiratet. Kaiserin Elisabeth von Österreich, Sisi - war ebenfalls mit ihrem Cousin verheiratet - Kaiser Franz Joseph, dem Sohn ihrer Tante. In der Aristokratie üblich. Echnaton trieb es noch inniger, er zeugte mit einer Tochter von ihm und Nofretete Tutanchamun. Usw. usf. Wie auch immer. Wir sehen die erhabenen Abbilder. Wieviel Lebensglück sie erfahren haben, weiß man nicht, aber schöne Antlitze. Im Apollonsaal ist auch ein berückendes Fragment von einem Fresko von einem Palastboden. In einer Vitrine, unter Glas. Das sind Kraniche, glaube ich. - - - Ja.

07. April 2015







Kraft meiner Wassersuppe und meiner Sehkraft sage ich: das ist großartig. Alles. Wir sehen Bildfragmente von vier Sälen. Dem Modernen Saal. Dem Mittelalterlichen Saal. Dem Römischen Saal. Dem Bacchussaal. Wo eine Figur steht, die als der "Xantener Knabe" bezeichnet wird. Ich wusste nichts darüber, auch nicht so wichtig. Aber was für eine schöne Idee -- er hielt ein ovales Tablett, auf dem er mutmaßlich Weintrauben und gut gefüllte Kelche reichte. Er ist nicht so berühmt, weil er so ein exorbitantes Werk der Bildhauerei wäre, sondern weil er so alt ist, ca. 150 v. Christus von hellenischen Bildhauern geschaffen, und aus dieser Epoche kaum vergleichbare Skulpturen in so gut erhaltenem Zustand gefunden wurden. Im Grunde ein Salonmöbel, ein stummer Diener.




Aber die eigentliche Sensation für mich war es, über diese Mosaikböden zu laufen, die gefiederten Säulen zu bestaunen. So viel vom alten Berlin erleben zu dürfen. Deswegen bewegte mich der Besuch mehr als einer in irgendeinem anderen Museum. Es entzieht sich der Vorstellungskraft, dass diese Räume nach der fundamentalen Kriegsversehrung 1939 siebzig Jahre im Dornröschenschlaf lagen. Es ist wertvoll und anrührend, wenn man nur die geringste authentische Spur der alten Pracht sehen und erleben kann. Ich kann mir vorstellen, dass manch einer, der es nicht weiß, sich bei dem Namen "Neues Museum" etwas Modernes vorstellt, ein zeitgenössisches Bauwerk. Man kann aber auch leicht durcheinanderkommen, mit dem Neu und Alt, wenn man all die Namen hört: "Altes Museum" "Alte Nationalgalerie" "Neues Museum" "Neue Nationalgalerie" Aber das Neue Museum ist eines mit den ältesten Mauern. Und etwa der traditionell so bezeichnete "Moderne Saal" ist modern im Sinne der Mitte des vorletzten Jahrhunderts. Es gibt wirklich einiges zu entdecken. Auch für mich.





Noch nach neunundzwanzig Jahren, die ich in dieser Stadt lebe, davon mehr als die Hälfte in Mitte. Als ich danach nach Hause lief, war ich gewissermaßen demütig, dass ich nur einen kleinen Spaziergang von diesem Weltkulturerbe entfernt lebe. Diese vier Säle führen zum Nordkuppelsaal, in dem die legendäre Nofretete-Büste ihr letztes Zuhause gefunden hat. Dazu morgen.



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